Frank Berzbach: Die Schönheit der Begegnung: 32 Variationen über die Liebe

Der Erzähler liebt Linh und Linh liebt ihn. Die beiden sind ein Paar. Doch wie haben sie sich eigentlich kennengelernt? Linh bittet ihren Lebensgefährten, es aufzuschreiben. Zunächst denkt er, dass es einfach ist, die Geschichte zu erzählen. Doch bald merkt er, dass immer etwas fehlt, dass er sich unsicher ist, dass er noch etwas ergänzen muss. Egal, ob es sich dabei um Fakten handelt oder nicht: Manches gehört einfach dazu und muss erwähnt werden. Denn das Kennenlernen ist nie abgeschlossen.

„Da die Geschichte, wie wir uns kennengelernt haben, die Geschichte ist, wie wir uns kennenlernen, eine unendliche Geschichte, kann sie nicht erzählt werden, sondern nur erfunden.“ (Kapitel 16)

Und so kommen „32 Variationen über die Liebe“ zustande. 32 Mal erzählt er die Geschichte der ersten Begegnung und wartet mit immer neuen Überraschungen auf, die auch vor Linh und dem Erzähler selbst nicht Halt machen.

Sie treffen sich in Hamburg, Köln oder New York, im Zug nach Paris oder in der Regionalbahn. Manchmal dauert es eine Weile, bis sie zueinander finden, manchmal trifft sie die Liebe wie ein Blitzschlag (oder ein Engel hat seine Hand im Spiel) und es kommt sogar vor, dass sie überhaupt nicht zusammenkommen. Weiterlesen

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Dorothée Albers: Nachhall einer kurzen Geschichte

Als die Musikstudentin Jet Mitte der 1950er Jahre schwanger wird, bleibt für sie nichts mehr, wie es war. Ohne dass sie die Möglichkeit hat, dem Vater des Kindes, ihrem heimlichen Freund und Mitstudenten Zev, etwas davon zu sagen, verfrachten ihre strenggläubigen Eltern sie in ein Kloster. Sie unterbinden jeglichen Kontakt zu Zev, der wenig später von seinen Eltern in die USA geschickt wird. Ein paar Monate später bringt Jet einen Jungen zur Welt, der sofort in eine Pflegefamilie gegeben wird.

Sie versucht zu verdrängen, was passiert ist, beendet ihr Studium, macht Karriere als klassische Pianistin und heiratet. Die Arbeit ist ihr Leben, ihr Mann Bram der ruhende Pol. Bis ein unverhofftes Ereignis, alles wieder an die Oberfläche holt.

Jurre wächst auf einem Bauernhof auf, doch oft fühlt er sich dort nicht zugehörig. Sein Vater versteht nicht, dass er sich lieber mit seinem Saxofon als mit der Landwirtschaft beschäftigt. Als Jurre ihm sagt, dass er seine Zukunft nicht auf dem Hof sieht, schickt er ihn weg.

In der Stadt muss sich Jurre alleine durchschlagen. Mit verschiedenen Jobs hält er sich über Wasser, um sein Ziel zu verfolgen, ein professioneller Musiker zu werden.

Zur Mutter hält Jurre den Kontakt aufrecht. Bei einem Besuch entdeckt er zufällig Papiere, die darauf hinweisen, dass er nicht ihr leiblicher Sohn ist. Aber will er seine wahren Eltern überhaupt finden? Weiterlesen

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Sarah Bosetti: „Ich hab nichts gegen Frauen, du Schlampe!“: Mit Liebe gegen Hasskommentare

Ob es die bösen Ausländer sind, die dumme Frau oder der böse Feminismus – als politisch engagierte Feministin bekommt Sarah Bosetti jeden Tag Hasskommentare von fremden Menschen. Eine Frau solle nicht sprechen, das störe ihr Aussehen und derartige Sachen muss sie täglich lesen, einige Menschen wünschen ihr sogar den Tod.

Natürlich könnte sie diese Kommentare mit Hass erwidern – aber wo bliebe denn da der Spaß?

So entstand dieses Buch: Ein Gedichtband, in dem Sarah Bosetti mit Liebesgedichten auf ihre Hasskommentare antwortet.

Ihre Gedichte sind witzig, zynisch und stellen den wütenden Hasskommentar-Verfassern eine ordentliche Portion Intelligenz und Schlagfertigkeit entgegen.

Neben ihrer hohen thematischen Wichtigkeit sind die Gedichte auch noch sehr unterhaltsam; Spaß ist beim Lesen dieses Buches auf jeden Fall garantiert! Die meisten Gedichte enthalten eine humorvolle Schlusspointe, sie passen sich in Sprache und Stil perfekt an den heuteigen Zeitgeist an. Weiterlesen

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Imogen Kealey: Die Spionin

Paris, 1943: Die ehemalige Journalistin Nancy Wake genießt an der Seite von Henri Fiocca das mondäne Leben in Frankreich. Vordergründig ist sie eine wohlhabende junge Frau, im Hintergrund ist sie Teil der Widerstandsbewegung und wird von den Nazis gesucht. Doch niemand von ihnen ahnt, dass die „Weiße Maus“, nach der alle fahnden, eine Frau ist. Doch dann wird Henri festgenommen, da die Nazis ihm finanzielle Unterstützung des Widerstands in Frankreich nachweisen können. Henri ist schlimmster Folter ausgesetzt und Nancy muss in Ungewissheit um sein Leben nach London fliehen.

Nancy Wake ist geborene Australierin, die im Jahr 1912 zur Welt kam und erst im Jahr 2011 verstarb. Sie verhalf zur Zeit des Zweiten Weltkriegs Flüchtlingen über die spanische Grenze und war Teil der Résistance. Hinter Imogen Kealey verbirgt sich das Duo aus dem Drehbuchautor Darby Kealey und der Autorin für historische Romane, Imogen Robertson. Der Roman wird zurzeit mit Oscar-Preisträgerin Anne Hathaway verfilmt. Beschrieben wird die Zeit von Henris Festnahme bis knapp nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Dies geschieht überraschend klischeefrei und lebhaft. Längen sucht man in diesem Roman vergebens. Dabei ist Nancy genau die typische Figur eines historischen Romans: Eine Frau, die nicht ins Bild passt, statt Ballkleidern lieber Tarnmuster trägt und eine Waffe. Weiterlesen

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Verena Güntner: Power

Als Power, der Hund der Hitschke, verschwindet, ist die alte Frau verzweifelt. Er war ihr einziger Lichtblick in dem trostlosen Dasein, dass sie seit dem Tod ihres Mannes fristet. Sie bittet das Mädchen Kerze, nach ihrem Hund zu suchen. Kerze nimmt die Aufgabe sehr ernst, denn sonst passiert in dem kleinen Dorf wenig. Sie verspricht der Hitschke, den Hund auf jeden Fall zurückzubringen. Und sie wäre nicht Kerze, wenn sie ihr Wort nicht halten würde. Die anderen Kinder des Dorfes werden bald auf Kerzes Suche aufmerksam und wollen sich daran beteiligen. Doch Kerze macht es ihnen nicht leicht und stellt hohe Anforderungen an die Kinder. Und trotzdem wollen immer mehr von ihnen mit Kerze in den Wald auf die Suche nach Power gehen.

Verena Güntner (Jahrgang 1978) ist ein eindringlicher, kurzer Roman gelungen, in dem die erwachsene Gesellschaft den Bezug und die Verbindung zur nachrückenden Generation verliert. Dabei nimmt die Autorin schon im zweiten Absatz vorweg, dass Kerze Power natürlich findet, sieben Wochen nach ihrem Auftrag, mausetot und von Maden zerfressen. Man spürt schnell, dass es nicht darum geht, einen verloren gegangenen Hund zu finden. Weiterlesen

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Megan Miranda: Little Lies – Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht

Die Journalistin Leah hat ein Geheimnis in ihrer Vergangenheit und zieht deswegen aus Boston in eine Kleinstadt weitab vom Großstadtleben. Sie mietet ein Haus zusammen mit einer Freundin aus Collegezeiten, Emmy. Leah arbeitet als Lehrerin, Emmy, so hat sie ihr erzählt, verdient sich ihr Geld an der Rezeption eines Hotels und mit Putzen.

Eines Tages ist Emmy verschwunden. Leah fällt dies wegen ihrer unterschiedlichen Arbeitszeiten erst nach Tagen auf und, nachdem eine schwerverletzte Frau gefunden wird, fängt sie an, sich Sorgen zu machen. Der ermittelnde Kommissar Kyle beginnt zusammen mit ihr, nachzuforschen. Dabei finden sie vor allem heraus, dass Leah so gut wie nichts über Emmy weiß. Statt Antworten tauchen immer mehr Fragen auf: wer ist Emmy, wieso gibt es nirgendwo Spuren von ihr, keine Vergangenheit, keine Gegenwart.

Die Handlung verspricht einen Thriller mit reichlich Nervenkitzel und Hochspannung. Es gibt immer neue Wendungen, so dass man im Laufe der Lektüre nie sicher sein kann, wer die Wahrheit sagt und wer etwas verbirgt. Weiterlesen

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Jutta Bauer: Kater Liam

#Bei diesem kleinen Band muss man aufpassen, dass die Rezension nicht länger wird als das Buch.

Jutta Bauer legt hier ein wunderschön gestaltetes und humorvolles Buch vor, das die Welt aus dem Blickwinkel eines erfahrenen Katers betrachtet. So arbeitet er sich thematisch an allem ab, was für ihn wichtig oder völlig unverständlich ist. Zu letzterem gehört zum Beispiel die merkwürdige Angewohnheit der Menschen, sich mit Wasser zu putzen. Wasser ist doch nur zum Trinken da. Oder dieses Rätsel, warum die Menschen verreisen und dafür solche großen Kästen auf Rollen mit Sachen vollpacken. Oder noch schlimmer, ihn, den Kater, in die „Angsttasche“ stecken und mitnehmen.

Es macht sehr viel Spaß, diese skurrilen Ansichten von Kater Liam zu lesen, besonders, da sie von den witzigen und treffenden Zeichnungen der Autorin so perfekt illustriert werden. Leider kann man keines dieser kleinen Bilder, beispielsweise, wie der Kater seine Lieblingsplätze verteidigt, in einer Rezension zitieren, also bleibt nur: selbst lesen und sich daran erfreuen. Weiterlesen

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Daniela Krien: Muldental

In ihrem Band „Muldental“ sammelt die 1975 in der DDR geborene Autorin Daniela Krien zehn Erzählungen, die sich allesamt um die deutsche Wende drehen. Diese Anthologie ist erstmals 2014 erschienen, nun hat sich ihr der Schweizer Diogenes-Verlag erneut angenommen. In der ersten Geschichte geht es um eine Frau, die zu DDR-Zeiten mit einer Erpressung dazu gezwungen wurde, für die Stasi zu arbeiten. Mit dieser Schuld – wenn es in diesem speziellen Fall denn überhaupt eine Schuld war – muss die Frau nach der Wende leben. Ihr Mann verzeiht ihr nicht.

Wir lernen eine Zahnarzthelferin kennen, die von einer Patientin abgelehnt wird, weil die Angst hat, sich bei ihr Krankheiten einzufangen. Schließlich kommt sie ja aus dem Osten – oder zwei Frauen, die sich entscheiden, auf den Strich zu gehen, um finanziell über die Runden zu kommen – oder einen Mann, der nach der Wende Alkoholprobleme hat und nun seinen neuen Job im Sägewerk kaum noch ausüben kann.

Daniela Kriens Storys sind weder laut oder spannend, noch sensationsheischend oder mit unnötigen stilistischen Kaskaden aufpoliert. Und gerade das macht sie sympathisch. Es sind leise Geschichten mit wenigen Worten, in denen vieles zwischen den Zeilen erzählt wird, das dafür aber umso tiefer auf die Gefühle – und meist sind es eher Gefühls-Missstände – der Protagonisten hinweist. Weiterlesen

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Mark de Jager: Bluthimmel

Einst, lange ist es her, da erhob er sich auf seinen Schwingen in die Lüfte. Als Drache stand er am oberen, am obersten Ende der Nahrungskette, genoss das Zutrauen seiner Gefährtin und verursachte Angst und Grauen bei den Menschen. Dann wurde er von einem dieser die Erde so zahlreich verwüstenden Zweibeinern gefangen genommen, inhaftiert, seiner Schwingen beraubt und geknechtet. Einem Menschen, den er seitdem mit jeder Faser seines Wesens hasst, einem Menschen, der ihm alles, was ihm einst lieb und wert war genommen hat, einem Nekromanten.

Nur indem er seine Gestalt aufgab, sich selbst in den Leib eines Zweibeiners zwängte, konnte er entkommen. Jetzt hält ihn, den letzten der Drachen nur noch eines aufrecht – der Drang nach Rache. Rache für die Gefangennahme, die Marter und Rache für die Ermordung seiner Liebe.

Durch das vom Krieg verheerte Königreich Krandin führt ihn die Spur seines Feindes zu den Lagern der Nekromanten. Dort stößt er auf eine Spur, die selbst ihn, den Drachen beunruhigt.  Der Nekromant beabsichtigt nichts weniger, als die Pfade der Magie, die Liedlinien zu verseuchen – der Tod alles Lebendigen wäre die Folge. Zusammen mit seiner menschlichen Begleiterin macht er sich auf, die Lanzen, die der Nekromant in den Kreuzungen der Liedlinien platziert hat zu brechen und die Bedrohung auszuschalten – endgültig und blutig versteht sich.

Dann aber tauchen erste Hinweise darauf auf, dass hinter dem dunklen Magier, der ihn einst gefangen nahm, ein weiterer Zauberkundiger steht – und Hinweise auf etwas das nicht sein kann, nicht sein darf. Im Reich der Toten nimmt er eine Spur auf, eine Spur, zu etwas, das er längst verloren glaubte … Weiterlesen

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Ellen Marie Wiseman: Alles, was sie hinter sich ließ

Das letzte Schuljahr verbringt die siebzehnjährige Izzy wieder in einer neuen Schule. Mobbing und neue Freunde bestimmen ihre Tage, aber auch das Museumsprojekt ihrer Pflegemutter Peg. In Willard, einer ehemaligen Heilanstalt für Geisteskranke, will Peg den Werdegang einiger Patienten für eine Ausstellung aufbereiten. Bei der Durchsicht alter Koffer findet Izzy Claras Tagebuch. Auf einem Foto sieht die junge Frau alles andere als geisteskrank aus. Izzy wird neugierig und erfährt bei ihrer Recherche viel über eine andere Zeit und gleichzeitig über sich selbst heraus.

Ellen Marie Wisemans zweiter Roman, übersetzt von Sina Hoffmann, erschien bereits 2015 unter dem Titel Die dunklen Mauern von Willard State und legte damit den Fokus auf den Ruf der Pflegeanstallt. Der amerikanische Journalist Wyatt Redd benannte das Willard State Asylums als One Of The Creepiest Places On Earth. Dieses staatliche Pflegeheim begann seinen Dienst 1869 und beendete ihn 1995. Unter gefängnisähnlichen Bedingungen wurden dort psychisch Erkrankte und abgeschobene, unerwünschte Personen beaufsichtigt. Durch sogenannte medizinische Anwendungen, die offiziell der Heilung dienten, erlitten die Patienten unzählige Grausamkeiten. Clara wird 1930 auf Verlangen ihres Vaters wegen angeblicher Wahnvorstellungen nach Willard gebracht. Weiterlesen

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