Der Jugendrat der Generationen Stiftung: Ihr habt keinen Plan. Darum machen wir einen.

Der Jugendrat der Generationen Stiftung ist, nach eigener Beschreibung im Buchumschlag, „eine Plattform, die motivierten Jugendlichen, jungen Erwachsenen und Aktivist*innen den Raum und die Werkzeuge gibt, um politische und zivilgesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen.“ Unterstützt und gefördert werden die jungen Menschen unter anderem vom Wissenschaftler Harald Lesch.

So hat dieses Buch nicht nur einen Autor, sondern gleich acht. Es sind junge Menschen zwischen zwanzig und dreißig, die sich entschlossen haben, im Jugendrat aktiv zu werden und dabei nicht nur Stellung zu den Problemen unserer Gesellschaft zu beziehen, sondern auch einen Plan zu deren Lösung zu vorzulegen. Das tun sie in Form von 100 Forderungen, die thematisch geordnet, zunächst erläutert und im Anhang nochmals übersichtlich dargestellt werden. In diesem Sinn bietet das Buch tatsächlich eine Art Handlungsplan, der unsere Gesellschaft und unsere Welt besser machen kann.

Einige Themen, die angesprochen werden und für die die Gruppe Pläne vorlegt, sind die Klimakrise, soziale Gerechtigkeit, die Arbeitswelt, Bildung, Abrüstung und die digitale Zukunft. Eine durchaus umfassende Abhandlung also, die jeweils mit rund zehn klaren Forderungen verknüpft ist. Weiterlesen

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Thomas Ziebula: Der rote Judas

… – doch in Stainers Brust tobte er weiter, der Krieg. Und würde immer gegenwärtig sein – in jeder Schießerei, in jedem Mordopfer.“ (S. 310)

Major Paul Stainer sitzt im ersten Zug, der ihn und seine schwer verwundeten Kriegskameraden aus der Gefangenschaft nach Leipzig zurückbringt. Der ehemalige Kommissar leidet unter Gedächtnisverlust und Traumata. Nach der Kapitulation im Ersten Weltkrieg werden die politischen Folgen spürbar. Zwischen den Nationalisten und den Sozialisten geht der Meinungskrieg weiter. Die einen wollen die erlittene Niederlage in Aktionismus verwandeln, während die anderen den Frieden trotz des hohen Preises begrüssen. Gerade zurück steht Stainer als Verlierer da. Seine Frau weist ihn aus der gemeinsamen Wohnung. Sie habe einen neuen Mann und wolle die Scheidung. Nur ein paar Briefe liegen für ihn bereit. Einer von ihnen lädt ihn zum Vorstellungsgespräch ins Kommissariat ein. Unverhofft warten auf Stainer nicht nur die Beförderung zum Kriminalinspektor sondern auch noch die dringende Aufklärung mehrer Morde. Abgesehen von diesem komplexen Fall erfährt Stainer viele böse Überraschungen. Schon in den ersten Minuten im Kommissariat begreift der Heimkehrer, wie viel von seiner geistigen Gesundheit abhängt: Seine Karriere und Ehe stehen auf dem Spiel aber auch sein Überleben, weil er immer mehr in den Fokus brutaler Mörder rückt.

Der freie Autor Thomas Ziebula schrieb bisher historische und Fantasy Romane. Mit seinem ersten Kriminalroman Der rote Judas wechselt er überzeugend das Genre. Ein Ermittler mit gesundheitlichen und privaten Problemen kämpft und wächst aus sich heraus, weil dies sein Überlebenstrieb verlangt. Aufgeben ist keine Option. Weiterlesen

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M. R. James: Nummer 13 – Geistergeschichten (ab 1904)

Edward Lee ist einer der bekanntesten und beliebtesten Autoren, den der Festa Verlag unter Vertrag hat. Seine Bücher verkaufen sich wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln, seine Anhänger verehren den Autor mit Hingabe. Seine Romane sind – nun, nennen wir sie einmal eigen. Fast im Alleingang hat er die Spielart des Extrem-Horrors in Deutschland hoffähig gemacht und mit seinen ganz eigenen Mischungen als plakativen, perversen Aktbeschreibungen, Gewaltorgien und einem bemerkenswert scharfen Blick für die Eigenheiten der Menschen der Südstaaten für Umsatzrekorde gesorgt.

Wenn ein solcher Autor eine Original-Collection eines Kollegen herausgibt, könnte man erwarten, dass den Leser entsprechendes Lesefutter erwartet – doch weit gefehlt, präsentiert uns Lee doch einen Klassiker der unheimlichen Literatur.

Neben einem Vor- und einem Nachwort, das uns in Lee-typischer Art und Weise den Autor M. R. James präsentiert, offenbart uns der Kultautor des extrem Horrors auch sein tägliches Faible für die Geschichten des Briten.

Montague Rhodes James wurde am 01.08.1862 in Goodnestone in der Grafschaft Kent in England geboren. Nach der erfolgreichen schulischen Laufbahn – unter Anderem besuchte er das Eton und das King’s College in Cambridge, wurde er im Jahr 1905 zu dessen Vorsteher berufen. 1918 avancierte er schließlich zum Leiter des Eton College.

Der Junggeselle James unterhielt einen großen Freundes- und Bekanntenkreis, beschäftigte sich gerne und ausgiebig mit übernatürlichen Erscheinungen, denen gegenüber er aber immer skeptisch blieb. Seine Zuneigung zur Geistergeschichte zeigte sich insbesondere bei der Auseinandersetzung mit dem Werk des irischen Schriftstellers Joseph Sheridan LeFanu, dessen Erzählungen er neu gesammelt herausgab. Weiterlesen

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Hilke Sellnick: Bergab geht’s tot am schnellsten

Kurz vor den Weihnachtsfeiertagen erhält die junge Pianistin Henni von Kerchenstein einen ungewöhnlichen Auftrag: Die Witwe eines Filmstars feiert im Kreis einiger Freunde den 100. Geburtstag des Verstorbenen. Henni soll die Feier auf dem Klavier begleiten. Da Henni knapp bei Kasse ist, nimmt sie den Auftrag an und fährt gemeinsam mit ihrem Kartäuserkater Walter von Stolzing und ihren beiden Freundinnen Claudia und Cindy in die verschneiten Schweizer Alpen. Um genau zu sein in das „Grandhotel Alpenstern“. Leider erwartet die vier vor Ort kein Luxushotel, sondern ein zugiges altes Hotelgemäuer, das beinahe zusammenzubrechen droht. Und die Auftraggeberin sowie ihre geladenen Gäste sind maximal C-Promis.

Berge, ein eingeschneites Hotel und ein Mord in einer Kapelle: Das perfekte Setting für einen spannenden Locked-room Fall. Aber leider wird dieses Potenzial nicht wirklich ausgeschöpft. Etwa bis zur Hälfte des Buches passiert nichts Nennenswertes. Trotz des für Gruseleffekte prädestinierten Settings kommt die Geschichte viel zu brav daher. Weiterlesen

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Nicolas Barreau: Die Liebesbriefe von Montmartre

Eigentlich mag ich die Bücher von Nicolas Barreau. Hinter diesem Namen, so wird gemunkelt, verbirgt sich in Wahrheit eine deutsche Verlagsmitarbeiterin. Das würde erklären, warum für diesen Roman kein*e Übersetzer*in genannt wird und auch kein französischer Originaltitel, obwohl es sich, laut Autorenkurzbiographie im Klappentext, um einen in Paris lebenden Franzosen handelt soll. Aber wie auch immer, die bisherigen Romane von Nicolas Barreau haben mir in der Regel gut gefallen, sie waren geprägt von reichlich Romantik, einem zarten Humor und auch durchaus spannend.

Der vorliegende Band aber ist ihm doch sehr schmalzig geraten. Julien Azoulay, junger Vater eines kleinen Sohnes, ist frisch verwitwet. Seine über alles geliebte Frau Hélène starb vor einem halben Jahr an Krebs. Kurz vor ihrem Tod hat sie ihm das Versprechen abgenommen, ihr in den Folgemonaten 33 Briefe zu schreiben und diese auf ihrem Grab zu verstecken. Erst nach und nach kann sich Julien, ein mehr oder weniger erfolgreicher Schriftsteller – eine in Barreaus Büchern immer wiederkehrende Berufsgruppe – dazu durchringen, den Wunsch seiner Frau zu erfüllen. Weiterlesen

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Anna Hope: Was wir sind

Hannah, Lissa und Cate sind Freundinnen. Teils seit der Schule, teils seit dem Studium. Sie haben schon einiges gemeinsam durchgemacht und stehen jetzt mit Mitte 30 an ganz unterschiedlichen Punkten. Lissa versucht sich als Schauspielerin, doch der Erfolg will sich nicht recht einstellen. Hannah wünscht sich nichts sehnlicher als ein Baby. Mit Ehemann Nathan versucht sie deshalb seit Jahren, schwanger zu werden. Aber außer einer Fehlgeburt hat sie wenig vorzuweisen. Cate hingegen ist die Mutterschaft einfach in den Schoß gefallen: Schon zwei Monate, nachdem sie Sam kennenlernte, war sie schwanger. Und nun ist sie mit Baby Tom völlig überfordert und hat noch nicht ganz verarbeitet, dass er per Kaiserschnitt auf die Welt kam.

Das Figurenkonstrukt aus Anna Hopes Roman „Was wir sind“ erweist sich nach gut einem Drittel des Romans als wahres Minenfeld. Auf den ersten Blick sind Hannah, Lissa und Cate drei Frauen, die sich seit Jahren kennen und einiges miteinander erlebt haben. Sie haben sich etwas auseinandergelebt, halten aber weiterhin Kontakt. Erst auf den zweiten Blick werden viele Spannungen klar und fallen sensible Themen auf. Hannah könnte fast verrückt werden, wenn sie sieht, wie einfach Cate ein Baby bekommen hat und wie unzufrieden sie mit der Gesamtsituation ist. Denn Hannah hat bereits viel Geld für künstliche Befruchtungen und Arzttermine ausgegeben. Doch alles ohne Erfolg. Ihr Partner Nathan, den sie einst über Lissa kennenlernte, ist am Ende seiner Kräfte und die Themen Schwangerschaft und Baby werden zur wahren Zerreißprobe ihrer Ehe. Weiterlesen

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Carrie Callaghan: Die Nachtmalerin

Haarlem, 1633: Die junge Judith Leyster zeigt sich in ihrer Lehre zur Malerin talentiert und ist die erste, die Licht in die Dunkelheit gemalt hat. Doch als Frau im 17. Jahrhundert in den Niederlanden hat man nichts zu sagen. Der Gilde der Maler gehören bisher nur Männer an. Das allerdings möchte Judith nicht auf sich sitzen lassen. Sie bewirbt sich um einen Platz in der Gilde und mietet mutig ein kleines Atelier zum Malen an. Ihre Freundin Maria, die Tochter ihres Ausbilders und gleichzeitig Zimmergenossin von Judith, glaubt nicht, dass ihr Weg in der Malerei liegt. Sie hat gesündigt und muss dafür Buße tun. Doch niemand darf von ihrem Geheimnis erfahren, nicht einmal Judith.

Dieser kurze Abriss der Handlung lässt das übliche vermuten. Starke Frauenfiguren in einem historischen Roman voller mächtiger Männer – Klischees vorprogrammiert. Doch Carrie Callaghan folgt diesem üblichen Weg nicht. Die Lektüre von „Die Nachtmalerin“ ist sehr erfrischend und in meinen Augen klischeefrei. Mit Hilfe der Übersetzerin Sabine Schilasky ist ein gut zu lesender Roman entstanden, in dem man viel über die Malerei zur damaligen Zeit erfahren kann, ohne dass Langeweile aufkommt. Das Geschriebene ist kurzweilig und treffend formuliert, der Text hat keine unnötigen Längen. Weiterlesen

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Olivier Guez: Koskas und die Wirren der Liebe

Jacques Koskas stammt aus einer jüdischen Familie, die in Frankreich lebt und in der die religiösen Traditionen hochgehalten werden. Dass er selbst damit jedoch weniger am Hut hat, wird schon in der ersten Szene von Olivier Guez‘ Debütroman deutlich: Kurz bevor am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur aus der Thora gelesen werden soll, ist Jacques weggedämmert und hat einen erotischen Traum.

Im Folgenden versucht er, sich zum Leidwesen seines strengen Vaters den Gebräuchen zu entziehen. So sitzt er während des Gottesdienstes rauchend in einem Park.

„Koskas und die Wirren der Liebe“, so heißt dieser von Nicola Denis übersetzte französische Roman, lebt vor allem von dem subtilen Humor, den der Autor stilistisch hervorragend in fast jede Zeile streut. So werden Jacques moralisch strenge Verwandte liebevoll durch den Kakao gezogen. Der eine betreibt Völlerei, der andere ist ein Geizkragen und Hypochonder mit Hang zum Analphabetismus.

Jacques entflieht diesem Milieu, zieht nach Berlin und arbeitet dort als Reporter, der sich jedoch eher in diverse Affären stürzt statt in seine Arbeit. Dann lernt er die Liebe seines Lebens kennen, Barbara, und alles ändert sich …

Neben dem Humor ist es auch der Kontrast zwischen der Leichtlebigkeit des Titelhelden einerseits und der strengen Gläubigkeit seiner Familie andererseits, der diesen Roman lesenswert macht. Weiterlesen

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Bergsveinn Birgisson: Quell des Lebens

Im Jahr 1783 hat sich in Island ein heftiger Vulkanausbruch ereignet. Glühende Asche, Feuerdämpfe, Überschwemmungen, Giftgaswolken, klirrende Kälte, Pockenepidemien… – das Ausmaß der Verwüstungen und die Dauer der Katastrophe nehmen kein Ende und ziehen sich über viele Monate hinweg. Unzählige Isländer samt ihrem Vieh fallen dem Unglück zum Opfer.

Da Island zu dieser Zeit eine dänische Kolonie war, plant man in Kopenhagen die Zwangsdeportation der Bevölkerung. Magnus Egede, ein dänischer Wissenschaftler, wird beauftragt, bis ans Cap Nord der Insel vorzudringen um die Gegend zu erkunden. Auf dem Weg dorthin soll er Landvermessungen durchführen und seine Informationen und Eindrücke über die in jenem abgelegenen Gebiet verstreut lebenden Menschen dokumentieren.

Je weiter Magnus in das Land vordringt und sich den rauen Bedingungen stellt, desto mehr ist er von der unwirtlichen Umgebung und dem anspruchslosen Inselvolk fasziniert. Inmitten dem ganzen Unheil auf der Insel wird Magnus bald klar, dass er viel zu sehr in seiner eigenen Kultur gefangen ist um verstehen zu können, was gute oder schlechte Lebensbedingungen für diese Menschen sind. Zudem ist er als Wissenschaftler nicht nur seinem Land, sondern auch seinem Ruf um Ruhm und Ehre verpflichtet. Weiterlesen

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Marah Woolf: Angelussaga 01: Die Rückkehr der Engel

Die Welt hat sich verändert. Früher gab es nur wenige, die an die Existenz Gottes geglaubt haben, die davon träumten, dass Engel die Erde betreten würden um die Menschen von ihrem Leid zu erlösen. Diese Zeiten sind vorbei. Inzwischen glaubt jeder an die Engel. Als sie vor ein paar Jahren zum ersten Mal die Erde betraten, war der Jubel groß. Die Menschen sprachen von Wundern und Erlösung, sie wollten ihre Welt mit den Engeln teilen und mit ihnen zusammen ins Paradies eintreten. Doch die Engel waren nicht die göttlichen, rein guten Geschöpfe, als die sie in den Legenden dargestellt werden. Sie sind grausam. Menschen sind für sie eine niedere Rasse und sie wollen nichts weniger, als das Paradies mit ihnen zu teilen. Dennoch brauchen die Engel die Hilfe der Menschen, um ihr Ziel zu erreichen und beherrschen deshalb seit ihrer Ankunft die Erde.

Es ist eine Welt voller Ungerechtigkeit und Grausamkeit. In dieser Welt lebt die achtzehnjährige Moon mit ihrer Zwillingsschwester und ihrem jüngeren Bruder. In einem dystopischen Venedig unter der Herrschaft der Engel kämpft sie in der Arena, um Geld zu verdienen. Alles, was sie will, ist, ihre Geschwister aus der Stadt zu bringen und sie vor den Engeln zu schützen. Ihre wichtigste Regel ist, niemandem zu vertrauen, ganz besonders keinem Engel. Weiterlesen

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