Rye Curtis: Cloris

Cloris ist der Vorname der einen Protagonistin dieses wirklich erstaunlichen Romandebüts des jungen Texaners Rye Curtis. Cloris Waldrip ist 72 Jahre alt, als sie sich zusammen mit ihrem Mann, den sie stets nur Mr.Waldrip nennt, auf einen Rundflug über die Bitterroot Mountains begibt. Doch das kleine Flugzeug stürzt mitten in der Wildnis ab und nur Cloris überlebt, so gut wie unverletzt. Nur mit ihrer Handtasche, dem Pullover des toten Piloten und einigen Karamellbonbons bricht sie auf, in der Hoffnung auf Rettung.

Die zweite beeindruckende Protagonistin ist Debra Lewis, Rangerin im National Forrest. Als sie von dem Flugzeugabsturz erfährt, glaubt sie als Einzige fest daran, dass Cloris überlebt hat und macht sich auf die Suche nach ihr.

Cloris kommt aufgrund ihres Alters und weil ihr jede Kenntnis von Überlebensstrategien in freier Natur fehlen, nur sehr langsam voran. Doch es scheint, als hielte jemand seine schützende Hand über sie. Irgendwer hilft ihr, Feuer zu entzünden, versorgt sie mit Essbarem und bewahrt sie vor Unfällen. Es dauert lange, bis sich ihr geheimnisvoller Beschützer zu erkennen gibt und sie mit ihm Freundschaft schließen kann. Weiterlesen

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Sam Sykes: Die Chroniken von Scar 01: Sieben schwarze Klingen

Einst gab es nur das Imperium, regiert an angeführt von einem Kaiser, der eine der von Lady Merchant verliehenen Gaben besass, geschützt durch das Militär und den Magiern mit ihren jeweiligen ganz unterschiedlichen Talenten. Dass die Magie immer ihren Preis fordert sorgte ein wenig für Ausgleich für die Macht, die die Magier ihr eigen nannten. Dann gebar die Imperatorin eine Null, einen Menschen ohne jede Gabe – und wollte ihren Sohn als Erbe und künftigen Imperator anerkennen. Gleich zwei Rebellionen erschütterten daraufhin das Reich – verräterische Magier wollten einen der ihren auf den Thron setzten, ein General rief ein Reich aus, in dem ein Jeder gleich sei. Die anschließenden Kämpfe verwüsteten einen einst paradiesischen Landstrich, die Scar, wie man das heimgesuchte Land nun nennt. Hier verdiene ich mir als Vagrant meinen Lebensunterhalt.

Gestatten, dass ich mich vorstelle; Sal Kakaphonie mein Name, ausgestattet mit einer lebendig wirkenden Waffe und mit einem unstillbaren Durst nach Rache. Für Letzteren bin ich sogar bereit meine große Liebe, eine Freimacherin sausen zu lassen. Sieben Namen stehen auf meiner Liste, sieben rebellische Magier die mich verraten, gefoltert und um etwas gebracht haben, das mir sehr wichtig war. Nein, ich meine nun nicht nur meine Gaben, ich meine mein Vertrauen, meine Liebe! Jetzt wartet das Erschießungskommando der Revolutionäre darauf, ihre Gewehre auf mich anzusetzen. Vorher aber darf ich der Befehlshaberin noch meine Geschichte erzählen – eine Geschichte voller Gewalt, voller Geheimnisse und voller Leiden … Weiterlesen

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GartenWerkStadt Marburg (Hrsg.): taschenGARTEN 2021

Die Natur ist für jeden etwas anderes. Denn die eigenen Interessen erschaffen die Perspektive, über die man seine persönliche Umgebung wahrnimmt. Wer das Gärtnern für sich entdeckt hat, egal ob dies auf der Fensterbank, dem Balkon oder einem Grundstück ausgelebt wird, der stellt schnell fest, dass Pflanzen einen eigenen Willen haben: Sie gedeihen anders als geplant und gewollt.

Der berühmte grüne Daumen wirkt dort, wo es einen offenen und ganzheitlichen Blick auf die Pflanzenwelt gibt. Im taschenGarten 2021 geht der Blick weiter und ist ein moderner. Verschiedene Fachleute berichten und lassen den Leser an ihren Erfahrungen teilhaben. Die breitgefächerten Informationen schenken Einblicke, die von der Pflanze, zur Wurzel und schließlich zum Boden wandern. Der Ausgangspunkt für ein erfolgreiches Gärtnern, der gesunde Boden, ist kein lebloses mit Nährstoffen angereichertes Substrat. Er ist ein Zusammenspiel von biologischen Prozessen, die von Mikroorganismen, Insekten, Würmern, Pilzen und vielem mehr bevölkert werden. Der Erdboden könnte zu einem leicht zu düngenden, freigiebigen Spender werden, wenn das Zusammenspiel von Menschen und Pflanzen ein gegenseitig stützendes geworden ist. Weiterlesen

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Astrid Ruppert: Die Winter-Frauen-Trilogie 01: Leuchtende Tage

Was verbindet eine Familie? Was hält sie zusammen und was prägt sie sogar über Generationen hinweg? „Leuchtende Tage“ ist der erste Teil einer Trilogie von Astrid Ruppert über die Frauen der Familie Winter: Eine liebevoll erzählte Geschichte über Mütter und Töchter, Mut, Träume und die große Liebe.

Im Mittelpunkt dieses ersten Teils der Trilogie steht Lisette Winter, die Ende des 19. Jahrhunderts in einer wohlhabenden Familie in Wiesbaden aufwächst. Schon als Kind fällt es ihr schwer, sich an die gesellschaftlichen Konventionen zu halten. Zum Leidwesen ihrer Mutter sprengt sie mit ihrem aufbrausenden Charakter regelmäßig gesellschaftliche Zusammenkünfte und rebelliert als Jugendliche heftig gegen das Tragen eines Korsetts. Stattdessen hat sie eigene Ideen für Kleider, die mehr Bewegungsfreiheit und Aktivität zulassen. In dem jungen Schneider Emile findet sie einen Komplizen, der ihr nicht nur bei der Verwirklichung ihrer Entwürfe hilft, sondern auch den für sie vorgesehenen Weg grundsätzlich in Frage stellt.

Gut hundert Jahre später stellt sich auch Lisettes Urenkelin Maya die Frage, wie man die Frau wird, die man sein will. Ihre Spurensuche führt sie weit in die Vergangenheit und sie taucht immer mehr in das bewegende Leben ihrer Urgroßmutter ein. Über die verschiedenen Zeitebenen verwebt Astrid Ruppert das Leben und Schicksal ihrer Protagonistinnen. Sie führt die Lesenden ins Deutschland der Kaiserzeit und vermittelt ein anschauliches Bild des gesellschaftlichen Lebens, der verbreiteten Ansichten und Konventionen. Themen wie das Rollenbild der Frau, Selbstbestimmung, aber auch ungeahnte Schicksalsschläge spielen dabei eine wichtige Rolle. Weiterlesen

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F. Schäfer, J. Pisarek & H. Gritsch: Hausgeister!

In Zeiten von Lichtverschmutzung und taghell beleuchteten Nächten haben sie es schwer, die Hausgeister, Wichtel und Kobolde und wie sie noch alle heißen. In Neubaugebieten, laborähnlichen Einfamilienhäusern und sterilen Penthouse – Wohnungen glaubt keiner mehr so recht an ihre Existenz.

Gritsch, Pisarek und Schäfer steuern dem Vergessen mit diesem Buch entgegen. Nach einem historischen Überblick erfährt man viel Interessantes über die archaischen Kollegen, die je nach geografischer Lage ihres Wirkungskreises Butz, Hausdüsterle, Jokele, Hickeding, Hinzelmann oder Puk genannt werden. „Der Glaube an Hausgeister ist ein weit verbreitetes Phänomen. Trotz ihrer Verschiedenartigkeit besitzen sie fast immer eine Schutzfunktion. Somit leben und wirken Hausgeister in bewohnten und bewirtschafteten Häusern, entweder als einnehmender Platzgeist oder als Seelen der Hausbauer- was archaischen Denkmustern entspricht. Es gilt: der Hausgeist sucht sich selbst aus, wo er wohnt. So kann er seit Anbeginn Teil des Hauses sein oder nachträglich, beispielsweise durch aufgelesene Gegenstände wie Holz, ins Haus kommen…“ (S. 27)

Die Autoren folgen den Spuren zahlreicher Märchen- und Sagensammler wie z.B. natürlich den Brüdern Grimm aber auch vielen anderen. Weiterlesen

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John Bolton: Der Raum, in dem alles geschah

Kurze Zeit nach seinem Rücktritt (oder seiner Entlassung?), aber noch vor der Präsidentschaftswahl in den USA erschien John Boltons Buch. John Bolton war 519 Tage lang Nationaler Sicherheitsberater des amerikanischen Präsidenten – amtlich „Assistant to the President for National Security Affairs“. In dieser Funktion hatte er engen Kontakt zu Trump und war maßgeblich an Entscheidungen des Präsidenten beteiligt, die weitreichende internationale Bedeutung hatten und noch haben.

Das Buch ist nicht chronologisch aufgebaut, sondern greift in 15 Kapiteln jeweils ein weltpolitisch bedeutsames Thema auf, wie die Annäherung an Nordkorea, die Sanktionen gegen den Iran oder gegen Syrien, die Teilnahme am G7-Gipfel, um nur einige zu nennen.

Für ein Honorar von 2 Millionen USD, so ist zu lesen, berichtet Bolton als Insider aus der Herzkammer der amerikanischen Machtzentrale, dem Oval Office, eben dem „Raum, in dem alles geschah“, über Machtmissbrauch, Amtsanmaßung, politische Inkompetenz und rechtswidrige Handlungen. Basierend auf seinen minutiösen Notizen und Protokollen zeichnet er die Konturen der Persönlichkeit des mächtigsten Mannes der Welt mit groben Strichen nach. Allerdings ist vieles davon auch schon anderswo geschrieben und kommentiert worden. Weiterlesen

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Sibylle Lewitscharoff & Heiko Michael Hartmann: Warten auf

Unverhofft findet sich Gertrud Severin im Jenseits wieder – das vermutet sie jedenfalls, denn wer weiß schon, wie es dort aussieht. Die 52-Jährige ist verwirrt. Sie hat keine Ahnung, wie sie hierhergekommen ist. Zwar fühlt sie sich etwas seltsam, aber sie weiß noch, wie sie heißt, wo sie herkommt und kann sich an einiges aus ihrer Vergangenheit erinnern. Ihr Körper ist verschwunden, ihre Stimme funktioniert allerdings noch und nervt ihren Nachbarn, der sich schon mit seinem Tod abgefunden hat. „Lassen Sie mich in Ruhe. Ich bin tot! Gestorben! Jetzt grade.“ (Seite 9)

Doch da sie nur zu zweit in dieser seltsamen Zwischenwelt festhängen (und Gertrud sich schon immer gerne unterhalten hat), kommen die beiden ins Gespräch. Gemeinsamkeiten finden sie nur wenige. Verständnis und Unverständnis wechseln sich ab, auf Annäherung folgen Meinungsverschiedenheiten, Widerspruch ist angesagt.

Kein Wunder. Während Gertrud ein geselliger Mensch war, Kunst und Kultur mit allen Sinnen genossen hat und auch jetzt noch an den christlichen Gott und seine Gerechtigkeit glaubt, weiß der eigenbrötlerische, namenlose Herr neben ihr kaum mehr, wer er war (oder ist). „Sie scheinen geradezu das Gegenteil von mir zu sein. Ich bin purer Gedanke, befreit von mir selbst weiß ich nichts von mir außer dem, was ich gerade denke.“ (Seite 10) Weiterlesen

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Burhan Sönmez: Labyrinth

Worte. Sind sie es, die den Dingen Bedeutung verleihen oder tun dies die Dinge selbst? Und ist es dasselbe mit Namen? Verleiht ein Name seinem Träger eine Identität? Und wer ist die Person auf der anderen Seite des Spiegels?

Fragen wie diese werden in Burhan Sönmez Anfang 2020 erschienenem Roman Labyrinth auf jeder Seite geboren und nicht wieder vergessen. Dabei ist das Vergessen präsent in jeder seiner Zeilen und gräbt sich in den nicht zweifelsfrei als Boratin zu benennenden Protagonisten ein. Denn Boratins Existenz verschwand bei einem Sprung von der Bosporusbrücke und ließ einen jungen Mann ohne Erinnerungen zurück. Ein junger Mann, der durch die Straßen des ihm nun fremden Istanbuls irrt, sich nicht zwischen seinem jetzigen Ich und dem früheren Boratin entscheiden kann, weder den einen noch den anderen kennt und versucht, dem Gesicht im Spiegel eine Identität zu geben.

Diese Suche nach sich selbst birgt auch die Suche nach dem Warum. Warum der Sprung von der Brücke, warum der Tod? Was ist mit dem Knoten geschehen, der Boratin dazu trieb, sein Leben den Wellen des Bosporus zu opfern? „Den bist du losgeworden,“, sagt ein vermeintlicher Freund des Nachts. „nicht durch Sterben, sondern durch Vergessen.“ Klingt da Neid in seiner Stimme mit? Ist es ebendies Vergessen, das der damalige Boratin bezwecken wollte? Für den Gedächtnislosen scheint dieser Zustand alles andere als erstrebenswert zu sein. Zwischen Tagen und Nächten verschwimmt seine Zeit, wird durch das Ticken der Uhr bedeutungslos, gestern und die Antike gleichen sich bis aufs Haar, lassen sich nicht unterscheiden, er kennt keines von beiden und driftet dahin auf ungleichmäßigen Wellen ohne Bedeutung und Klang. Weiterlesen

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Christian von Aster: Die große Erzferkelprophezeiung 02: Das abartige Artefakt

Willkommen in der etwas anderen Welt der Zwerge. Vor Urzeiten, im letzten großen Krieg der Zwerge, wurden alle weiblichen Vertreter der trink- und prügelfreudigen Stollenbewohner getötet. Seitdem werden die letzten Eier – ja, auch wenn sie es bisher nicht wussten, Zwerge schlüpfen aus Eiern – gehütet, wie kein anderer Schatz der Kleinwüchsigen mit ihren Bärten. Für jeden Zwerg, der ins Reich des Todes eingeht, werden zwei der Eier der streng bewachten Schatzkammer entnommen. Doch mittlerweile hat der Vorrat stark abgenommen, das Ende der stolzen Zwergengeschlechter scheint absehbar.

Eine Prophezeiung über den Untergang der stolzen Kleinen gibt es auch, die Erdferkelprophezeiung spricht von einem Zwerg, der kein Bier trinkt – eigentlich unvorstellbar, ja ein Widerspruch in sich selbst – und von weiteren Vorzeichen. Nachdem der Neue Stahl vom Schicksalszwerg – einer Gruppe findiger, altgedienter aber eben auch unwilliger Zwerge – besiegt wurde, könnte Ruhe in die Stollen einkehren. Die Erdferkelprophezeiung scheint abgewendet, die Bösen Zwerge in die ewige Esse geschickt. Doch erstens kommt es anders, als zweitens ein bierseeliger Zwerg meistens denkt.

Was ist das Schlimmste, das einem aufrechten Zwerg wohl passieren kann? Dass sein Bart nicht wächst – eine Katastrophe, dass sein Bier zu dünn ist, ein Weltuntergang, dass seine Spitzhacke nicht länger auf festes Gestein trifft undenkbar – und doch gibt es etwas, das stellt all diese Horrorszenarien weit in den Schatten. Es geht um das „Undenkbare“. In einer kryptischen Kammer, am Ende eines geheimen, mit Fallen nur so gespickten Ganges im tiefsten Schacht des Gebirges versteckt, Weiterlesen

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Heinrich Steinfest: Der Chauffeur

Heinrich Steinfest ist ein von mir hochverehrter, moderner Märchenerzähler. Seine Ideen und Romaninhalte sind bisweilen von absurder Unwahrscheinlichkeit, die aber durch seinen launischen, aber immer hoch unterhaltsamen Erzählstil, ganz plausibel erscheinen. So auch in seinem neuen Werk mit einem Chauffeur, der auf Grund eines tragischen Ereignisses, seinen eigentlich sehr gemochten Job (fährt gern in einem Audi der Extraklasse einen ambitionierten Politiker und Kanzlerkandidaten durch die Lande) eben diesen aufgeben muss. Auf Grund einer falschen, schrecklichen Entscheidung nach einem schrecklichen Unfall. Es sind immer diese bizarren Ereignisse, quasi vorbestimmte Zufälle – die es folglich nicht gibt, weil vorbestimmt – die dem Leben immer eine Wendung geben, die sich Paul Klee, ja so heißt er wirklich, nie hätte träumen lassen. „Zufällig“ trifft er Inoue, die ihm als Maklerin ein Haus zeigt, in dem er fortan seine Vorstellung von der Führung und Gestaltung eines Hotels, realisieren möchte. Inoue, welch eine schicksalhafte Begegnung (einmal mehr), wird zur geliebten Frau und Geschäftspartnerin im „Hotel zur kleinen Nacht“. Weiterlesen

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