Anthony Powell: Die Philosophen des Krieges (1968)

1941 begegnet Nicholas Jenkins seinem alten Schulkameraden Widmerpool in einer dienstübergreifenden geheimen Besprechung und ist verwundert. Denn vor kurzen geriet dieser in der Hierarchie der Armee in Misskredit. Dieses déjà vu ähnelt früheren Erlebnissen, als der Jugendliche Widmerpool ausgegrenzt, belächelt oder direkt angegangen wurde. Dank eines Zufalls sitzt er nun an einer Schlüsselstelle innerhalb der Verwaltung. Und dies nur, weil Nicholas alter Schulfreund, Peter Templer, nicht den 16-Stunden-Job leisten und die langen Sitzungen protokollieren will. Erst als es zum Eingreifen zu spät ist, begreifen Nicholas und Peter, dass Widmerpool durch seine Position entscheiden kann, wie der Zweite Weltkrieg verlaufen soll. Doch was nützt ihm der ungewohnte Einfluss, wenn er in den Kreisen von Templer und anderen aus der Oberschicht weder erwünscht noch aufgenommen wird?

Zur gleichen Zeit begegnet Jenkins der attraktiven Pamela Flittons, die als Fahrerin ihren Dienst leistet. Dunkel erinnert er sich daran, dass es sich bei der jungen Frau um die Nichte eines weiteren alten Freundes handelt. Auch Pamela befindet sich in einem Krieg. Sie hat es auf die Männer abgesehen, die sich in sie verlieben, bis ihre vermeintlich neue Liebe für das Ende ihrer Karriere verantwortlich ist, darunter befinden sich auch Nicholas Freunde und Bekannte. Weiterlesen

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Susanna Clarke: Piranesi

Willkommen im Haus. Das Haus, das die Welt ist, in der neben dreizehn Skeletten auch zwei Menschen wohnen. Der Andere, ein älterer Gelehrter und Piranesi – so hat ihn der Ältere getauft – der nicht weiß, woher er kommt und wohin ihn sein Weg führt. Zweimal jede Woche treffen sich die beiden, jeweils für eine Stunde – länger hat der Andere keine Zeit. Dazwischen führt Piranesi ein Tagebuch, in dem er seine Entdeckungen festhält. Er erkundet die unzähligen Säle, die mit Statuen in verschiedenen Größen gefüllt sind und deren Aussehen, Größe und Darstellung er minutiös festhält. In dem unteren Stockwerk des Hauses brandet ein Ozean an die Treppen und sorgt dafür, dass Piranesi nicht verhungert – Fische und Hummer dienen als Nahrung, Tang und Fischhäute als Material zum Beispiel seine an den Bügeln kaputte Brille zu reparieren.

Fünfzehn Menschen bewohnen das Haus – dreizehn Tote und die zwei Lebenden. Doch dann gelangt ein sechzehnter Mensch – der Prophet – ins labyrinthische Haus – ein Mensch, der auf der Suche nach einem Verschollenen ist. Doch kann und soll Piranesi diesem Menschen trauen? Weiterlesen

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Florian Fuchs: Gnorl

Jonas muss mit seinen Eltern in den Ferien auf den Bauernhof. Echt jetzt? Ferien auf dem Bauernhof? Bergsteigen im Himalaya, eine Safari irgendwo in Afrika oder mehr Zeit an der Spielekonsole wären eher nach dem Geschmack von Jonas gewesen. So aber reisen Jonas und seine Eltern in den Schwarzwald auf den Bauernhof der Familie Bommele.

Zum Glück haben Bommeles Kinder im Alter von Jonas: die Zwillinge Anna und Benjamin. Und dann gibt es noch die merkwürdigen Kreaturen, die in der Nacht auf dem Bauernhof herumtollen. Merkwürdige Gestalten? Als die Kinder einer diesen Kreaturen folgen, gelangen sie in das Reich der Kobolde, das sich unter der Erde befindet.

Nun, wer sich halbwegs mit Kobolden auskennt, weiß, dass man ihr Reich nicht ungestraft betreten darf. Zum Glück gibt es den Kobold Gnorl, der nicht nur titelgebend ist, sondern den Kindern auch dabei hilft, den Häschern des unbarmherzigen Königs der Unterwelt zu entkommen. Im Gegenzug können sich die Kinder bei Gnorl revanchieren, denn auch er hegt ein Anliegen. Weiterlesen

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David Jackson: Der Bewohner

„… Der Plan hatte diese Entwicklung nicht vorgesehen. Der Plan sollte Spaß machen. Und das hier macht keinen Spaß.“ (S. 232)

Thomas Brogan ist ein erfolgreicher Serienkiller. Und weil er schlau und äußerst durchtrieben ist, gelingt ihm stets die Flucht vor der Polizei. Seine letzte Flucht hätte beinahe ein Desaster werden können, doch in letzter Sekunde findet er ein verlassenes Reiheneckhaus, in das er einbricht. Dort wartet er ab, bis die Polizei ihre Suche ausgeweitet hat. In dem heruntergekommenen Haus findet Brogan weder Wasser noch Nahrung, doch etwas anderes lässt ihn hoffen. Er kann über den Dachboden die Nachbarhäuser aufsuchen, weil die Trennwände zwischen den Häusern nur halbherzig hochgezogen worden sind. So nach und nach lernt Brogan seine Nachbarn kennen. Überraschenderweise rührt die alte Dame Elsie sein Herz, weil sie ihn an glückliche Momente in seiner Kindheit erinnert, während die attraktive Colette seine Begierden weckt. Viel zu lange redet er sich ein, noch etwas in seinem Versteck bleiben zu wollen, bis seine perfiden Spielchen mit den Bewohnern zu unerwarteten Wendungen führen. Weiterlesen

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Jonas Jonasson: Der Massai, der in Schweden noch eine Rechnung offen hatte

Wieder hat der Autor des „Hundertjährigen, der aus dem Fenster stieg“ eine herrliche Satire vorgelegt, ein furioser Spaß mit absurden Verstrickungen und kuriosen Verwicklungen und vor allem mit genial verrückten Figuren.

Zwar schießt Jonas Jonasson manches Mal über das Ziel hinaus, verläuft sich in Nebenhandlungen und verliert den Faden im Gewirr der Geschicke seiner Charaktere, aber das trübt nicht die Freude bei der Lektüre seines neuesten Machwerks.

Es gibt viele verschiedene Handlungsstränge, die dennoch zu einem haltbaren Konstrukt verwebt sind. Da haben wir den Kunsthändler Viktor, der sich auf üble Weise die Kunsthandlung seines Schwiegervaters erschleicht, dann aber unmittelbar nach dessen Tod seine Frau, die Tochter ebendieses Kunsthändlers, quasi mittellos vor die Tür setzt. Da haben wir Kevin, den möglicherweise Sohn von Viktor, den seine Mutter kurz vor ihrem Tod in Viktors Obhut gibt, was diesem jedoch keineswegs in den Plan passt. Also setzt Viktor Kevin, als dieser kurz vor der Volljährigkeit steht, mitten in Afrika in der Savanne aus, hoffend, die hungrigen Löwen würden sein Problem lösen. Weiterlesen

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Annie Ernaux: Der Platz

In ihrem autobiografischen Buch „Der Platz“ schreibt die 1940 geborene Annie Ernaux vom Leben ihres Vaters, was natürlich auch mit ihrem eigenen Aufwachsen im Elternhaus in der Normandie verbunden ist. In Frankreich erschien das Buch „La place“ bereits 1983.

Wie in den beiden hier bereits besprochenen Büchern der Autorin „Eine Frau und „Erinnerung eines Mädchens bleibt Ernaux ihrem sehr persönlichen, eindringlich emotionalen Stil treu.

Ausgehend vom Tod des Vaters ruft sie die mit ihm verbundenen Erinnerungsbilder in sich wach.

Aus einfachem Bauernstand stammend und geprägt von den Kriegsjahren war dem Vater geistige Kultur fremd. Vom Fabrikarbeiter arbeitet er sich zum Kolonialwaren- und Kneipenbesitzer hoch, worauf er stolz ist. Doch das Stigma vom armseligen Leben der Unterschichtenklasse wird er zeitlebens nicht los. Weiterlesen

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Derek Landy: Skulduggery Pleasant 13: Untotenland

Die Gegner waren besiegt, die Welt ein wenig sicherer geworden. Insoweit haben Walküre Unruh und ihr Partner, Skulduggery Pleasant ihre Aufgabe erfüllt. Und dennoch wacht Walküre jede Nach mit Alpträumen auf, zweifelt an sich und macht sich Vorwürfe.

Um Darkise, die die Welt vernichten wollte aufzuhalten, war sie gezwungen, ihre jüngere Schwester zu ermorden und ihre Seele zu zerreißen. Dass sie danach ihre Schwester wieder zum Leben erweckt und deren Seele geflickt hat, ändert die Tatsache nicht wirklich. Selbstzweifel und Schuldgefühle belasten sie massiv. Da kommt es gut, dass einmal mehr eine dunkle Bedrohung ihr Haupt reckt. Unsere Welt wird Ziel eines Angriffs. Aus einer Parallelwelt plant Mevolant nichts weniger, als die Invasion unserer Realität durch seine Zauberer. Die Menschen ohne Magie sollen unterjocht, ein Regiment des Schreckens und der Dominanz durch Magier errichtet werden. Die Alten Männer werden in die Parallel-Dimension entsandt, den Plan aufzuhalten. Weiterlesen

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Pierre Lemaitre: Spiegel unseres Schmerzes

Bewegend, hochspannend, mit einer starken Heldin: Autor Pierre Lemaitre widmet sich in diesem Roman einer der finstersten Epochen seines Landes. 1940 kann die französische Armee den Angriffen der deutschen Wehrmacht nicht mehr standhalten, die Nationalsozialisten fallen in Frankreich ein und erobern Paris. Dies löst unendliches Leid aus, sowohl an der Front entlang der Maginot-Linie als auch bei der Zivilbevölkerung, die in endlosen Flüchtlingsströmen gen Süden aufbricht. Hungernd, entkräftet, ohne Perspektive außer dem täglichen Überlebenskampf, schafft es nicht jeder bis ans Ziel. Verwundete werden zurückgelassen, Eltern von ihren Kindern getrennt. Inmitten des Durcheinanders zeigen Menschen ihr wahres Gesicht. Und so blitzt aller Tragik zum Trotz immer wieder Mitgefühl und Menschlichkeit auf.

In diesen Kriegswirren kreuzen sich die Wege der Protagonisten, jeder für sich von diversen Traumata gezeichnet. Da ist die attraktive Louise Belmont, die weder ihre Kindheit im Schatten der depressiven Mutter, noch ihre eigene Unfruchtbarkeit überwunden hat. Noch dazu ist sie einem finsteren Familiengeheimnis auf der Spur. Da ist Monsieur Jules, Besitzer eines Cafés, in dem die Lehrerin Louise an Samstagen arbeitet. Er hat seine große Liebe nie bekommen können. Da ist der Soldat Gabriel, einst friedliebender Mathematiklehrer, der von den harten Umständen an der Front überfordert ist. Auch von seinem Kameraden Raoul Landrade, der in illegale Schmuggelgeschäfte verstrickt ist, ihn erpresst und drangsaliert. Da ist der Mobilgardist Fernand, der zwischen Pflicht und Gefühl wählen muss. Er erhält den Befehl einen Gefangenentransport zu eskortieren, muss aber gleichzeitig seine kranke Frau Alice in Sicherheit bringen. Weiterlesen

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Fenja Lüders: Speicherstadt-Saga 02: Der Glanz der neuen Zeit

Hamburg, 1920: Die Kaffeeimportfirma Kopmann & Deharde hat den Krieg stark angeschlagen überstanden. Kaffee gibt es in der Hansestadt schon lange keinen mehr und Mina ist ratlos, wie sie das Auskommen der Firma bestreiten soll. Dann hat sie einen mutigen Plan: Sie wird ihrem Schwiegervater Paul in Guatemala schreiben und ihn bitten, ihr von seinem Kaffee zu verkaufen. Mina weiß sehr wohl, dass der Mann mit ihrem Ehemann Frederik einen nicht begrabenen Streit hat und ihr Frederik dieses Vorpreschen sehr übel nehmen wird. Doch Mina hat keine Wahl, möchte sie die Firma und ihre Familie retten. Sie setzt alles auf eine Karte.

Fenja Lüders zweiter Roman der Speicherstadt-Saga aus Hamburg ist mindestens so schön wie der erste. Doch sei es Neueinsteigern der dreiteiligen Reihe empfohlen, auf jeden Fall mit dem ersten Band „Der Duft der weiten Welt“ zu beginnen. Einige Ereignisse des ersten Teils werden nur sehr locker nacherzählt, so dass zum vollen Verständnis und Genuss der erste Band Pflicht ist. Weiterlesen

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Diane Setterfield: Was der Fluss erzählt

Es war einmal ein Wirtshaus …“ (S. 11). So beginnt dieser märchenhafte Roman, der zugleich spannend, mystisch, amüsant, poetisch, fantastisch und sogar ein wenig gesellschaftskritisch ist.

Mit liebevollem Augenzwinkern sowie hin und wieder einem zarten Hauch von Ironie erzählt die Autorin von geheimnisvollen Ereignissen gegen Ende des 19. Jahrhunderts am Oberlauf der Themse. Es beginnt eines Abends in besagtem Wirtshaus, als ein schwer verletzter Mann die Schenke betritt, in den Armen ein kleines Mädchen. Sie ist tot, so hat es den Anschein und so beurteilt es auch Rita, die erfahrene und stets pragmatische Krankenschwester des Ortes. Doch das täuscht, die Kleine erwacht und von nun an steigt die Spannung von Seite zu Seite.

Denn nicht nur, dass Rita zu verstehen versucht, wieso das Kind, das so eindeutig tot war, wieder zum Leben erweckt wurde. Es erheben mehrere Menschen „Anspruch“ auf das kleine Mädchen. So vor allem das Ehepaar Vaughan, dessen kleine Tochter vor zwei Jahren entführt wurde und spurlos verschwand. Helena Vaughan ist fest davon überzeugt, dass das jetzt aufgetauchte Mädchen ihre Tochter Amelia ist. Und da ist die scheue Lily White, die sich sicher ist, das Mädchen ist ihre kleine Schwester Ann. Oder ist die Kleine vielleicht doch Alice, die Tochter von Robin Armstrong? Keiner der Beteiligten ist sich ganz sicher oder kann etwas komplett ausschließen. Dabei spielen nicht alle mit offenen Karten. Weiterlesen

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