Claudia Rikl: Der stumme Bruder

Kriminalkommissar Michael Herzberg befindet sich auf einem Abstellgleis, nachdem er einen kriminellen Kollegen angezeigt hat. Aus der Abteilung Mordermittlung herausgerissen steht er nun vor einem Fall mit Sachbeschädigung. Das Gemeindehaus wurde von Vandalen unbewohnbar gemacht, damit keine Flüchtlinge in das beschauliche Lichtenfels ziehen. An dem Tag, an dem Herzberg sich mit dem Zeugen Schröter treffen will, liegt dieser bereits in einem Sarg. Gerade noch rechtzeitig kann der Kommissar als einer der letzten Trauergäste einen Blick auf den Verstorbenen werfen und erkennt am Hals des Toten verdächtige Würgemale. Sofort stoppt er die Trauerfeier und sieht sich wütenden Protesten gegenüber. Sein Kollege stimmt mit ein, als wäre Herzberg völlig von Sinnen.

Zum Glück kann der Rechtsmediziner Herzbergs Verdacht bestätigen. Doch danach bleibt alles beim Alten: Die Kollegen behandeln ihn wie einen Verräter, und die Dorfbewohner, die er anlässlich der Verwüstung des Gemeindehauses befragen soll, mauern. Für Herzberg sieht alles nach einer Falle aus, in die ihn seine Kollegen haben laufen lassen. Seine Ermittlungen sind mit Schröters Tod gescheitert. Nur seine Kollegin Desiree arbeitet noch mit ihm zusammen. Denn ohne Herzbergs Hilfe dürfte ihre Suche nach Schröters Mörder ziemlich schwierig werden. Zu groß ist das Geflecht aus Schweigen und Lügen.

Claudia Rikl hat ihren zweiten Kriminalroman mit dem ermittelnden Michael Herzberg vorgelegt. Wie bei ihrem ersten Buch liegt der Schwerpunkt bei den Opfern der ehemaligen DDR. Politische Willkür, Desinformation, eine scheinbar totale Überwachung haben ein Klima für Schweigen, Duldung und rechtsradikale Gesinnung geschaffen. Weiterlesen

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Andrea Camilleri: Das Nest der Schlangen

Der italienische Schriftsteller Andrea Camilleri wurde 1925 auf Sizilien geboren, und das ist auch die Heimat seines berühmten Commissarios Salvo Montalbano, den er seit Ende der 1990er Jahre in der fiktiven sizilianischen Stadt Vigàta ermitteln lässt. Montalbanos erster Fall „Die Form des Wassers“ erschien im Frühjahr 2000 in Deutschland. Den neuen Krimi „Das Nest der Schlangen“ veröffentlichte Bastei Lübbe in einer Übersetzung von Rita Seuß und Walter Kögler am 31. Januar 2019, Camilleri schrieb den Roman aber schon 2008, wie er in seinen Anmerkungen am Ende des Buches erklärt.

Commissario Montalbano träumt und lauscht andächtig dem Gesang einer Nachtigall. Als er wach wird, hört er immer noch dieses wunderbare „Il cielo in una stanza“. Das kommt jedoch von einem Mann, der sich auf seiner Veranda vor dem Regen untergestellt hat. Montalbano bietet dem Fremden Kaffee und eine heiße Dusche an:

„Ein Vagabund, soviel war klar.“ (S. 7)

Dann klingelt das Telefon, und Catarella informiert ihn über den Mord an dem Buchhalter Cosimo Barletta. Weiterlesen

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S. K. Tremayne: Mädchen aus dem Moor

Kath Redway erholt sich gerade von einem schlimmen Autounfall. Man sagt ihr, dass sie versucht habe, im tiefsten Dartmoor Selbstmord zu begehen. Doch Kath hat überlebt und muss nun mit den Folgen leben. Sie glaubt die Geschichten rund um ihren Unfall nicht, kann sich aber selbst nicht an ihn oder die Umstände erinnern. Ja, es gibt einen Abschiedsbrief, geschrieben in ihrer Handschrift. Aber sie glaubt nicht an den Selbstmord. Gerade jetzt, wo sie mit sich selbst genug zu tun hat, geht es ihrer kleinen Tochter Lyla schlechter. Das Mädchen leider vermutlich am Asperger-Syndrom. Doch Kath und ihr Mann wollen der Kleinen keinen Stempel aufdrücken und lassen sie deshalb nicht diagnostizieren. Aber eine Persönlichkeitsstörung ist nicht mehr zu übersehen.  Lyla spricht unentwegt davon, dass sie einen Mann im Dartmoor sehen kann.

Mittlerweile lässt sich an Tremaynes Romanen ein Muster erkennen. „Mädchen im Moor“ ist immerhin schon der dritte Roman aus der Feder des Autors. Mann, Frau und beliebig viele Kinder – meist ist es nur (noch) eins – leben in einer abgelegenen menschenfeindlichen Gegend. Weiterlesen

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Robert Galbraith: Weißer Tod

Niemand könnte annehmen, dass ausgerechnet Billy irgendwelche Verbindungen in höchste britische Kreise hat. Völlig verwirrt taucht er in Cormoran Strikes Büro auf und erzählt unzusammenhängend von einer Kindstötung. Dann verschwindet er und hinterlässt einen Cormoran, dem die Sache einfach keine Ruhe lässt.

Zeitgleich schlägt Strike seine plötzliche Berühmtheit auf das Geschäft, plötzlich ist er kein Unbekannter mehr, der sich unerkannt und ungesehen in allen Kreisen bewegen kann. Auch Robin ist beileibe keine Unbekannte mehr, aber sie ist einfach besser beim Verkleiden. Die kleine Agentur ist inzwischen so berühmt, dass ein Mitglied des Parlamentes um Hilfe bittet – er wird erpresst. Robin ermittelt gegen den erbitterten Widerstand ihres gerade angetrauten Ehemannes als Bürokraft und allmählich schließt sich der Kreis zu Billy, denn dessen Familie ist einer der – früher hätte man Pächter gesagt – naja, „Nachbarn“ des Erpressten.

Der Krimiteil ist gut aufgebaut und auch spannend, zeigt genau die richtige Menge Politik und genügend mögliche Täter, um den Leser bei der Stange zu halten. Was mir aber mit Abstand am Besten gefallen hat, ist dieses Herumtänzeln von Strike und Robin. Weiterlesen

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Jacqueline Sheehan: Das namenlose Mädchen

Delia ist 32 Jahre alt, als sie ihr Leben umkrempeln will und nochmal von vorne beginnen möchte. Ein Café möchte sie gemeinsam mit ihrer 26-jährigen Schwester Juniper eröffnen und dort täglich Brot und Kuchen backen. Ihr Job beim Pflegekinderdienst ist schon gekündigt, nur noch einen Monat, dann hat sie das oft zermürbende Geschehen im Amt hinter sich. Ein letzter Fall liegt allerdings auf ihrem Tisch. Die 5-jährige Hayley stand leicht bekleidet auf einer Straße, von Blut bespritzt. Das Blut stellt sich als nicht ihr eigenes heraus. Wenige Blocks von ihrem Fundort entfernt wird ein Haus mit drei Leichen zu einem Tatort erklärt. Doch niemand von den drei Personen ist mit Hayley blutsverwandt. Es beginnt ein Rätselraten und die Suche nach Verwandten.

Von dieser Beschreibung des Buches her sollte man meinen, dass es im Wesentlich in diesem Roman um eine spannende Hatz nach Tätern, Opfern und dem großen Geheimnis geht. In „Das namenlose Mädchen“ spielt das leider nur eine untergeordnete Rolle. Weiterlesen

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Simon Beckett: Die ewigen Toten

David Hunter, forensischer Anthropologe, verbringt mehr Zeit mit den Toten als mit den Lebenden. Er untersucht die Verwesung und den Zerfall, um menschliche Überreste zu identifizieren. Häufig hilft er der Polizei als Berater bei der Ermittlung von Mordfällen. Dabei macht er seinem Namen in jeder Hinsicht Ehre. Sein Spürsinn geht viel weiter als bis zum Rand eines Obduktionstisches. Regelmäßig gerät er auf Fährten, die die Ermittler zunächst nicht vorrangig bearbeiten. Der damit verbundene Ärger ist vorprogrammiert und unvermeidbar.

Als im Londoner Norden im abbruchreifen Krankenhaus St. Jude eine mumifizierte Leiche gefunden wird, sieht es zunächst nach einem ganz normalen Mordfall aus. Doch bei der ersten Untersuchung der Umstände fällt der konsultierte Pathologe durch eine marode Stelle im Boden in einen darunter liegenden Raum. Auf der Suche nach dem Verletzten werden zwei weitere Tote gefunden, durch die der Fall unerwartete Ausmaße annimmt.

Der gerade in Ungnade gefallene Anthropologe David Hunter soll die Londoner Polizei unterstützen. Beschnittene Kompetenzen, medialer Gegenwind und viele Gegenspieler machen aus Hunters sechstem Fall eine komplexe Jagd, die ihn erneut in Lebensgefahr bringt. Weiterlesen

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Regina Riest: Stiller Bach

Bei einem Klassenausflug entdecken zwei Schulkinder eine männliche Leiche. Sie liegt kopfüber im Stillen Bach in Weingarten. Ertrunken sein kann der Mann dort kaum, dafür ist der Bach viel zu niedrig. Und dann wird in der Lunge des Toten auch noch Salzwasser gefunden. Der ermittelnde Kommissar Maibach und sein Team stehen vor einem Rätsel.

Über Monate hatte eine Jury dutzende von Bewerbungen für den Bodensee-Oberachwaben-Krimiwettbewerb der Schwäbischen Zeitung, Ravensbuch und Emons gesichtet. Voraussetzung für die Autoren: Der Krimi musste in der Region Oberschwaben-Bodensee und in der Gegenwart spielen.  Im Finale setzte sich Regina Riest mit „Stiller Bach“ gegen 39 Mitbewerber durch.

Mich vermochte der Krimi jedoch nicht vollends zu überzeugen. Zwar sind die Charaktere durchweg sympathisch, sie bleiben insgesamt aber recht flach. Dies mag der Tatsache geschuldet sein, dass dies ein relativ kurzes Buch mit dem Fokus auf den Ermittlungen ist. Weiterlesen

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Arnaldur Indriðason: Graue Nächte

Der bekannte isländische Krimiautor Arnaldur Indriðason (Jahrgang 1961) hat mit dem Island-Krimi „Graue Nächte“ nach „Schattenwege“ (2017) und „Der Reisende“ (2018) den dritten Band in der Reihe um den isländischen Kommissar Flóvent und Thorson, seinen kanadischen Kollegen von der Militärpolizei, geschrieben. Der Bastei Lübbe Verlag veröffentlichte das Buch in einer Übersetzung von Anika Wolff am 21. Dezember 2018.

Der Krimi „Graue Nächte“ spielt während des 2. Weltkrieges. Island ist von den Amerikanern besetzt.

In Petsamo, Nordfinnland, warten im Frühjahr 1940 beinahe 300 Isländer darauf, mit dem Passagierschiff „Esja“ zurück in die Heimat zu gelangen. Eine junge Frau ist mit ihrem Verlobten, dem Medizinstudenten Ósvaldur, verabredet, aber der erscheint nicht. Von einem Kommilitonen von Ósvaldur erfährt sie, dass er wahrscheinlich von den Nazis verhaftet wurde. Trotz Genehmigung wird die Überfahrt nach Island wegen der kriegerischen Auseinandersetzungen auf See gefährlich, und die junge Frau macht sich große Sorgen um ihren Verlobten. Noch während der Fahrt versucht sie, Informationen zu seinem Verschwinden zu erhalten. Weiterlesen

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Catherine Ryan Howard: Ich bringe dir die Nacht

Zu Beginn ihres ersten Studienjahres in Dublin lernt Alison Will kennen und lieben. Aus diesem Grund hat sie für ihre beste Freundin Liz und ihr Studium immer weniger Zeit. Die scheinbar unbegrenzte Freiheit verändert die schüchterne Alison. Sie wird mutig, sagt ihre Meinung und trifft zum ersten Mal eigene Entscheidungen.

Die Partyfreude der Studenten ändert sich schlagartig, als innerhalb weniger Monate fünf junge Frauen aus dem ersten Semester, darunter auch Liz, ermordet und in den Kanal geworfen werden. Verschiedene Indizien geben der Polizei Anlass, Will zu verdächtigen. Während Alison noch der Presse gegenüber beteuert, an Wills Unschuld zu glauben, gesteht dieser die Morde.

Zehn Jahre später werden wieder junge Studentinnen am Kanal in Dublin ermordet. Will erfährt davon und behauptet, er könne Informationen über den echten Kanalkiller liefern. Er würde aber nur mit Alison sprechen wollen. Weiterlesen

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Matthew Richardson: Niemand kennt deinen Namen

Solomon Vine, leitender Spezialist der britischen Spionageabwehr, dachte, schon alles gesehen und erlebt zu haben. Als ihn eine Terminänderung nach Istanbul zu der Vernehmung eines möglichen Terroristen bringt, gerät er in ein Netz aus Lügen und Täuschungen. Ebenfalls hineingeraten ist sein Kollege Wilde, mit dem er früher befreundet war. In den Reihen des Secret Services soll es einen Maulwurf mit dem Codenamen Niemand geben, behauptet der Inhaftierte. Die Enthüllung dieses Geheimnisses sei seine Freiheit wert. Am gleichen Tag steht Vine vor dem Ende seiner Karriere: In Abwesenheit von Wilde wird der Inhaftierte angeschossen. Alle Indizien sprechen für Solomons Schuld, so dass dieser auf unbestimmte Zeit suspendiert wird. Drei Monate später verschwindet Wilde spurlos. Weil alles nach einer Entführung durch Profis aussieht, bietet ihm Vines ehemaliger Chef die Chance für eine Rehabilitation. Solomon soll in Wildes Vergangenheit nach den Motiven der Entführer suchen. Ohne es zu ahnen, gerät Solomon immer tiefer in ein Komplott, für das er erneut den Sündenbock spielen soll. Weiterlesen

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