Judith Merchant: Atme!

Es sollte ein ganz normaler Shoppingausflug werden. Nile und ihr Freund Ben. Und dann ist da dieses Kleid im Schaufenster. Nile und Ben betreten den Laden, sie probiert das Kleid an – vielleicht wäre es ja was für die anstehende Hochzeit? Doch als Nile aus der Umkleidekabine kommt, ist Ben wie vom Erdboden verschluckt und auch vor dem Laden kann sich niemand an ihn erinnern. Panisch ruft Nile in den Krankenhäusern der Umgebung an und telefoniert schließlich auch die Freunde von Ben ab, von denen er sich in der letzten Zeit distanziert hatte. Niemand interessiert sich für Bens Verschwinden! Nur Bens noch-nicht-ganz-Ex-Frau Flo scheint Anteil zu nehmen und möchte Nile helfen. Doch sagt sie wirklich die ganze Wahrheit?

Judith Merchant spielt in ihrem Thriller „Atme!“ mit der Wahrnehmung der Leserinnen und Leser, aber auch mit Niles Bezug zur Realität. Nile wird oft panisch, weshalb Ben mit ihr ein Ritual entwickelt hat, um sie auf den Boden der Tatsachen zurückzubringen. Weiterlesen

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Stefan Barz: Spiel des Bösen

Spannung für einen entspannten Sonntagnachmittag. So könnte man dieses Buch von Stefan Barz untertiteln.

Stefan Barz erzählt in flottem, dem Thema durchaus angemessenen Tempo von mysteriösen Todesfällen in der Eifel. Es gibt keine Motive, keine wirklich Verdächtigen und zunächst auch keinen erkennbaren Zusammenhang zwischen den drei Morden. Dann allerdings entdecken die beiden Kommissare Grimberg und Wagner durch Zufall drei Entführungsfälle. Kinder sind verschwunden ohne dass die jeweiligen Eltern sich bei der Polizei gemeldet hätten. Relativ schnell erkennt die Leserin, auch aufgrund der eingeschobenen Szenen aus der Perspektive des Täters, die Verbindung.

Stefan Barz schreibt spannend, keine Frage, aber die Spannung ist recht oberflächlich, so erkennbar erzeugt. Es mangelt an Subtilität, an Originalität. Der Stil ist wie aus dem Lehrbuch, viele Formulierungen sind abgedroschen,  Bilder und Vergleiche ausgelutscht. Und die reichlichen Fehler mindern das Lesevergnügen zusätzlich. Mehrmals sind die Namen der handelnden Personen – von denen es reichlich gibt – vertauscht, so dass man als Leser aus dem Lesefluss gerissen wird, weil man erst einmal überlegen muss, wer denn eigentlich gemeint ist. Weiterlesen

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Christine Brand: Blind

Nathaniel Brenner ist um die 40 Jahre alt und lebt als Blinder mit seinem Hund in Bern. Über eine App lässt er sich gelegentlich von Sehenden helfen, etwa wenn er ein Hemd einer bestimmten Farbe aussuchen will. Durch Zufall wird er dann mit einem der sehenden Nutzer verbunden und dieser hilft ihm über ein Videotelefonat. So geschieht es auch an diesem Tag und Nathaniel wird blinder Zeuge eines seltsamen Geschehens. Es kommt ihm so vor, als sei sein Gegenüber Carole in echter Gefahr und würde gerade überfallen werden. Beim Notruf nimmt niemand den blinden Mann ernst, zumal er nicht mal weiß, wie Carole mit Nachnamen heißt. Über Kontakte schafft er es schließlich, dass Caroles Wohnung überprüft wird. Angeblich hat sie gesund die Tür geöffnet und behauptet, es sei alles in bester Ordnung. Aber kann das wirklich sein? Ist nicht mehr dran an der Sache?

Die Schweizer Autorin Christine Brand hat mit „Blind“ eine sehr spannende Geschichte entworfen. Die Figuren ergänzen sich großartig und bieten ein Bild über das große Ganze. Die Kapitel sind immer sehr kurz gehalten und zeigen meist nur ein Bruchstück, wenn’s wirklich spannend wird, gibt es einen Szenenwechsel. Dadurch ist man angehalten, ständig weiterzulesen. Man kann den Roman kaum aus der Hand legen. Weiterlesen

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Joseph Jefferson Farjeon: Dreizehn Gäste (1936)

Ein Politiker, ein Cricket-Spieler, ein Maler, ein Klatschreporter, ein Wurstfabrikant, eine Krimiautorin, eine Schauspielerin und eine faszinierende Witwe namens Nadine Leveridge – diese und andere illustre Gäste hat Lord Aveling zu einem Wochenende auf seinem Landhaus Bragley Court eingeladen. Der verschuldete Adlige will nach außen hin die Fassade wahren, nützliche Kontakte pflegen und nebenbei seine Tochter mit einem aufstrebenden Politiker verkuppeln. Doch es soll anders kommen…

Unfreiwillig platzt John Foss in diese bunt zusammengewürfelte Gesellschaft hinein. Als er am Bahnhof stürzt, nimmt ihn die schöne Nadine kurzerhand mit in das Landhaus. Dort soll sich John auskurieren. Als unerwarteter dreizehnter Gast lässt das Unglück nicht lange auf sich warten. Aufgrund seines verletzten Fußes ist John in einem Vorzimmer im Eingangsbereich untergebracht, wo er unfreiwillig Zeuge merkwürdiger nächtlicher Szenarien wird. Nach dem Motto „Der Beobachter sieht vom Spiel am meisten“ gewinnt John ungeahnte Einblicke in die Geheimnisse der Geladenen. Dieses Wissen ist für Kriminalinspektor Kendall bald Gold wert: Denn nach einem zerstörten Gemälde geht es diversen Vier- und Zweibeinern auf Bragley Court an den Kragen. Weiterlesen

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Niklas Natt och Dag: 1793

Stockholm, 1793: Die stark verstümmelten Überreste eines Menschen treiben in der Kloake der Stadt. Der Jurist Cecil Winge muss sich mit dem Fall auseinandersetzen und gerät immer wieder mit dem ermittelnden Jean Michael Cardell aneinander. Doch nur wenn die beiden zusammenarbeiten, wird es ihnen gelingen, diesen komplexen Fall zu lösen. Was ist dem Mann, dessen Überreste sie gefunden haben, wirklich passiert? Die Antwort führt die beiden auf einen gefährlichen Pfad.

„1793“ ist genial. Man kann es nicht anders sagen. Der Roman ist genial und nochmals genial. Ich habe seit langem nicht mehr ein solch guten historischen Kriminalroman wie diesen gelesen. Er ist sehr abwechslungsreich und zeigt dabei ein authentisch wirkendes Bild der Zeit. Im 18. Jahrhundert war nichts einfach und man musste täglich ums Überleben kämpfen, wenn man bestimmten Gesellschaftsschichten angehörte. Cecil hat eine schwere Lungenkrankheit und jeder Tag wird für ihn beschwerlicher. Weiterlesen

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Jean-Luc Bannalec: Bretonisches Vermächtnis

Der Sommer braucht seine eigene Lektüre! Und weil dies so ist, halte ich das Erscheinungsdatum von Kommissar Dupins achten Fall für bewusst und geschickt gewählt. Aber in diesem Band ist es nicht das Erscheinungsdatum allein, das Urlaubsstimmung aufkommen lässt. Protagonist Dupin darf in Concarneau, quasi vor seiner eigenen Haustür, ermitteln. Und hier schlägt auch das Herz des Autors. Jean-Luc Bannalec macht aus seiner Vorliebe für die Südbretagne kein Geheimnis. Sein Kommissar darf, neben seiner Ermittlungstätigkeit, hemmungslos schwärmen für bretonische Landschaften, Strände, Orte und Produkte, von seinen kulinarischen Vorlieben ganz zu schweigen. Ganz selbstverständlich wird das „Amiral“, Dupins Stammrestaurant, zum Besprechungsort für das Ermittlerteam, in das zwei neue Polizistinnen eingeführt werden. Stellenweise erweckt der Autor den Eindruck, als wolle er dem Ort der Handlung, Concarneau mit seinen Häfen, mit seiner Altstadt, Galerien, Restaurants und Traditionen eine besondere Würdigung zuteilwerden lassen. Immer wieder hat der Lesende das Gefühl: „Ich muss da mal hin.“ Ein gewollter Nebeneffekt zum Krimiplott? Warum nicht!

Eine alte Geschichte holt die Gegenwart ein. Es braucht seine Zeit, bis der Kommissar begreift, dass der Krimi „Gelber Hund“ von Georges Simeon, der 1031 veröffentlicht wurde und in Concarneau spielt, mit seinen aktuellen Morden zu tun hat. Weiterlesen

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Bo Svernström: Opfer

Hauptkommissar Carl Edson aus Stockholm stößt nach dem Fund eines gefolterten Mannes auf eine Serie von Morden, die alle auf einen Täter hinweisen. Schnell entwickelt sich dieser Fall völlig anders als alles, was er bisher erlebt hat.

Der Journalistin Alexandra Bengtsson ergeht es ähnlich. Ihr sensationsgieriger Chef setzt sie auf diese Story an und bringt sie, ohne es zu ahnen, in größte Schwierigkeiten.

Bo Svernström, Autor, Dr. der schwedischen Literatur und Journalist, legt mit seinem Debüt einen ungewöhnlichen Thriller vor, der von Ulla Ackermann übersetzt worden ist.

Sein Thema ist das Wechselspiel zwischen Täter und Opfer, bei dem die alttestamentarische Auffassung von Gerechtigkeit »Auge um Auge, Zahn um Zahn« die Regie übernommen hat. Seine Opfer stecken unmenschliche Grausamkeiten ein, nachdem sie selbst als Täter eine Brutalität ausgelebt haben, die nur verstören kann. Die Grenzen zwischen Opfer und Täter sind deshalb aufgelöst. Niemand kann sich sicher fühlen, weil Justiz und Polizei naturgemäß immer zu spät kommen. Weiterlesen

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Karsten Dusse: Achtsam morden

Zum Totlachen! Achtsamkeitsübungen integriert in einem schwarzhumorigen Krimiplot – Karsten Dusse hat mit diesem Roman eine literarische Lücke geschlossen. Erkenntnis: Unliebsame Geschäftspartner lassen sich ganz tiefenentspannt aus dem Weg räumen, ohne schlechtes Gewissen! Beißt der Boss durch unterlassene Hilfeleistung ins Gras, liegt dies nicht an böser Absicht. Weit gefehlt! Es liegt lediglich daran, dass man in diesem Moment einfach fokussiertes Singletasking betrieben und sich auf die eigene Zeitinsel zurückgezogen hat. Wer unkooperativen Geschäftspartnern die Nase bricht, tut dies selbstverständlich nur, weil er deren innerste Bedürfnisse erkannt hat. Das Gegenüber hatte das Bedürfnis nach Krawall. Den hat er bekommen. Wenn einem ein Haufen Krimineller nach dem Leben trachtet, ist es hilfreich, sich den Begriffen Sicherheit und Unsicherheit völlig wertfrei zu nähern… schon sieht das Leben wieder rosig aus. Und mit der richtigen Atmung bringt einen auch ein explodierter Firmenwagen nicht aus der inneren Mitte.

Zur Story: Björn Diemel hat Probleme. Er ist völlig überarbeitet, bekommt seine Tochter kaum noch zu Gesicht, seine Ehe liegt in Scherben. Als Anwalt sind ihm alle Aufstiegschancen in der Kanzlei verwehrt. Leider ist er zuständig für den „Bäh“-Kunden Dragan, dem Chef eines Verbrechersyndikats. Weiterlesen

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Kristina Ohlsson: Schwesterherz/Bruderlüge

Da sind sich die Leser nicht einig. Hat die schwedische Autorin mit ihrer Mini-Serie „Schwesterherz“ und „Bruderlüge“ einen geschickten Schachzug getan, um eine Geschichte in zwei Veröffentlichungen zu verkaufen? Oder macht es wirklich Sinn, den Plott in zwei aufeinander aufbauenden Teilen zu präsentieren? Die Leserschaft ist sich nicht einig. Einmütigkeit herrscht jedoch bezüglich der zu lesenden Reihenfolge: zuerst „Schwesterherz“ und anschließend „Bruderlüge“.

Daran habe ich mich gehalten und die beiden Bände unmittelbar hintereinander gelesen. Es liegen also über 900 Seiten Schwedenkrimi hinter mir, die sich um den Protagonisten Martin Benner ranken. Martin Benner ist Anwalt und gerät in eine Geschichte hinein, die es aus juristischer Sicht gar nicht geben dürfte. Er soll eine Verurteilte und inzwischen verstorbene Massenmörderin rehabilitieren! War Sara Texas zu Unrecht verurteilt? Eine Frage, die Martin Benner in ihren Bann zieht.

Kristina Ohlsson gelingt es, eine zunächst spannende Geschichte zu entfalten, die den Leser in eine Welt von Gewalt, Drogen und Terror führt. Es ist klar, dass es hier gewaltvoll und rücksichtslos zugeht. Eine Welt, die die Autorin zu kennen scheint und darum von ihr realistisch und erschreckend schlüssig beschrieben wird. Geholfen haben ihr ihre Fachkenntnisse, die sie sich als Terrorismusexpertin bei der schwedischen Polizei und bei der OSZE in Wien erworben hat. Die 1979 geborene Autorin bringt mit dem Anwalt Martin Benner einen neuen Ermittler in die schwedische Krimiszene, der von Anfang an sein Leben, und das seiner Adoptivtochter Belle in Gefahr bringt. Worum geht es? Weiterlesen

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Garry Disher: Kaltes Licht

Fünf Jahre nach seiner Frühpensionierung kehrt Adam Auhl in den Polizeidienst zurück. Zu seinen Hauptaufgaben gehört die Bearbeitung der kalten, also ungeklärten Mordfälle. Doch dann wird ein Skelett unter einem scheinbar alten Betonfundament gefunden. Die Umstände und Spurenlage weisen auf einen Mord hin, der recht bald mit der Ermordung einer jungen Frau in Verbindung gebracht wird. Damals liefen die Ermittlungen ins Leere, weil der mutmaßliche Täter verschwunden war. Neue Indizien verändern die Ausgangslage, so dass Sergeant Auhl seine Kollegen in diesem komplizierten Fall unterstützen soll.

Vergessliche Zeugen, Halbwahrheiten und Lügen sowie Medienrummel erweisen sich als wenig hilfreich.

Und während Auhl mit den Widerständen bei den Ermittlungen innerhalb und außerhalb der Polizeibehörde kämpft, kündigen sich in seinem Privatleben Veränderungen an. Seine Frau geht nun endgültig eigene Wege. Gleichzeitig bringen neue Untermieter dem sozial engagierten Sergeant Probleme ins Haus, die seine Werte vollständig in Frage stellen. Weiterlesen

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