Ian McGuire: Der Abstinent

In seinem historischen Thriller „Der Abstinent“ führt uns der britische Autor Ian McGuire tief ins 19. Jahrhundert. Im Manchester des Jahres 1867 tobt die Auseinandersetzung zwischen der englischen Polizei und den irischen Unabhängigkeitskämpfern, den „Fenians“.

Hauptkontrahenten sind der irischstämmige Polizist James O‘Connor und der zwielichtige Stephen Doyle, der eigens aus Amerika angereist ist, um in England Stunk zu machen. Schon bald gelingt ihm das.

Der Roman des 1964 geborenen Autors besticht durch seine düstere Atmosphäre. Wir werden gleich auf den ersten Seiten Zeugen einer grausamen Hinrichtung, beobachten einen brutalen Wettkampf, bei dem Hunde möglichst viele Ratten töten müssen, betrinken uns in Pubs, arbeiten in einer stinkenden Gerberei und begleiten eine Hure auf ihr Zimmer. Weiterlesen

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Ada Fink: Blütengrab

„Ingrid blickt zu Boden und spürt, wie die heiße Wange langsam anschwillt. Ihre Mutter […] flüstert: ‚Wir zwei machen nachher den Kranz. Der wird das Böse von uns fernhalten.‘ Ingrid nickt, obwohl sie denkt, das Böse ist doch schon da.“ (S. 17)

Vier Jahre nach der Wende in einem kleinen Ort in Mecklenburg läuft vieles für die Kommissarin Ulrike Bandow nicht gut. Seit einer Weile verausgabt sie sich, ohne dass sie ihren privaten oder beruflichen Zielen näherkommt: Ulrike lebt mit ihrem gerade volljährig gewordenen Bruder allein in ihrem herunter gewohnten Elternhaus, das von Ungeziefer heimgesucht wird. Entweder streiten die ungleichen Geschwister, oder sie gehen getrennte Wege. Als Ingrid im Wald die Leiche einer Dreizehnjährigen findet, die das Opfer eines Ritualmordes geworden ist, wird Ulrike von ihrem familiären Problem abgelenkt.

Für die Kommissarin Bandow beginnt eine aufreibende Zeit, in der sie mit dem neuen Kollegen auf ungewöhnlich viele Widerstände stößt. Und nach den ersten Ermittlungsergebnissen folgen weitere Widerstände. Allein die Vorstellung, es könne sich bei dem Mord um die Tat eines Serientäters handeln, stößt bei vielen Kollegen im Polizeipräsidium auf Ungläubigkeit und Ablehnung. Weiterlesen

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Maria Adolfsson: Doggerland: Fester Grund

Karen Eiken Hornby hadert – mit sich, mit ihrem Alter, mit ihrer Kondition und mit Leo, ihrem „Untermieter“, mit dem sie ab und zu auch – rein freundschaftlich – ins Bett geht. Ein paar Monate ist der Einsatz her, den sie nur knapp überlebt hat, sie ist immer noch leicht lädiert und in ein paar Tagen steht der Gesundheitscheck bei der Polizei an. Ein nicht gerade beliebter Termin. Und dann ist da noch diese kleine Verhärtung in ihrer Brust, die sie beim Duschen entdeckt hat.

Leo hingegen strahlt. Die berühmteste Sängerin Doggerlands, der Kultstar Luna ist heimlich in die Heimat zurückgekehrt und hat sich ausgerechnet KGB Productions, das Studio seines Freundes Kore, für die Aufnahmen ihres Comeback-Albums ausgesucht. Er kennt Luna von früher und Karen ist sich sicher, dass zwischen den beiden etwas läuft. Leo scheint Luna zu vergöttern, Karen grummelt. Diese Frau ist nahezu perfekt – im Gegensatz zu ihr.

Plötzlich ist Luna wie vom Erdboden verschluckt. Nach einer Meinungsverschiedenheit mit dem Produktionsteam hat sie sich einfach in Luft aufgelöst. Niemand weiß etwas – weder Leo noch Billy, ihr persönlicher Assistent für ihre Zeit auf Doggerland, weder Lunas Ex-Ehemann, bei dem die Kinder derzeit sind, noch die Chefs des Studios. Karen geht der Sache nach, ohne viel Wind zu machen. Weiterlesen

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Carsten Sebastian Henn: Der Gin des Lebens

Die Freundin hat seinen Heiratsantrag abgelehnt. Sein Job macht ihm keinen Spaß. Den Oldtimer hat er aus Versehen im Rhein versenkt. Zudem wird ihm mangelnder Ehrgeiz sowie das Fehlen jeglicher Erfolgsperspektiven vorgeworfen. Kurz: Bei Benoit „Bene“ Lerchenfeld läuft es gerade richtig mies. Aus Frust möchte er sich mit dem Gin seines verstorbenen Vaters die Kante geben – bis er bemerkt, dass es sich um ein wahres Meisterwerk handelt. Wie konnte sein Vater einen so herausragenden Tropfen produzieren? Liegt darin eine Geschäftschance für Benoit?

Seine Nachforschungen führen in die englische Stadt Plymouth, Genauer: In das niedliche Bed & Breakfast von Cathy Callaghan. Auch diese versucht seit Jahren vergeblich, die Gin-Rezeptur ihres verstorbenen Vaters nachzubauen. Aktuell hat sie jedoch viele weitere Sorgen: In ihrem Garten ist ein toter Obdachloser aufgefunden worden. Unverhofft gerät Cathy selbst ins Kreuzfeuer der Ermittlungen. Daneben macht ihr alkoholkranker Bruder Probleme und jemand scheint ihre Gin-Produktion sabotieren zu wollen.

Als sich Cathy und Bene begegnen, liegen sie sofort auf einer Wellenlänge. Ihre Väter waren über Jahre miteinander befreundet. Doch je weiter die beiden forschen, desto mehr erhärtet sich der Verdacht, dass in der Vergangenheit ein dunkles Familiengeheimnis begraben liegt. Noch dazu befindet sich Bene gegenüber Cathy im Zwiespalt: Einerseits fühlt er sich zu ihr hingezogen, andererseits hat er sich beim Wettlauf um die Gin-Rezeptur unbewusst als Cathys Konkurrent platziert. Brände, stadtbekannte Schlägertypen und rachsüchtige Polizisten sorgen ohnehin dafür, dass für romantische Gefühle (vorerst) weder Zeit noch Muße bleiben. Weiterlesen

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Nicola Förg: Böse Häuser

Der neueste Fall führt die bodenständige Kommissarin Irmi Mangold aus Nicola Förgs „Alpen-Krimi“-Reihe in die Immobilienszene.

Sie möchte gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Fridtjof Hase einen Bauernhof kaufen. Bei der Besichtigung eines passenden Objektes wird der Mitbewerber Peter Unger von einer Drohne erschossen. Unmittelbar neben Irmi und Fridtjof. Und schon steckt sie mitten in einem neuen Fall, diesmal an der Seite des grummeligen Gerhard Weinzirl. Der Tatort liegt in seinem Zuständigkeitsbereich und er borgt Irmi quasi zur Unterstützung aus, weil seine Kolleginnen gerade nicht verfügbar sind. (Weinzirl kennen eingefleischte Förg- Leser schon aus anderen Büchern.)

Die Kommissare entdecken, dass es mit Unger den Falschen erwischt hat. Der Anschlag galt eigentlich dem Noch-Hausbesitzer Max Bach. Nach Recherchen zu dessen Person finden die Ermittler heraus, dass es da einiges an Ungereimtheiten gibt. Ist Bach der in Kanada verschollene Adam Max Bach-Baur oder der untergetauchte Berliner Immobilienhai Siegfried Butzke? Beide sehen sich frappant ähnlich…

Als auch Bach/Butzke ermordet wird, geraten Irmi und Weinzirl in Lebensgefahr und am Ende ist jemand der Mörder, von dem man das gar nicht erwartet hätte. Weiterlesen

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Marc Elsberg: Der Fall des Präsidenten

Marc Elsberg ist zurzeit sicherlich einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Thrillerautoren. Bekannt wurde er mit seinen Büchern ‚Blackout‘, ‚Zero‘ und ‚Helix‘. Zuletzt beschäftigte er sich in ‚Gier‘ auf spannende Weise mit dem Thema Wettbewerb. Mit ‚Der Fall des Präsidenten‘ ist nun von ihm ein Politthriller erschienen.

Douglas Turner, der Amtsvorgänger des aktuellen US-Präsidenten trifft mit Privatjet und Bodyguards in Athen ein, wo er für einen Vortrag gebucht wurde. Zu seiner großen Überraschung wird er jedoch direkt am Flughafen im Auftrag des Internationalen Strafgerichtshofs (ICC) von der griechischen Polizei verhaftet. Der Vorwurf lautet: Kriegsverbrechen.

Diese Verhaftung hat in der Welt große Aufmerksamkeit zur Folge und wird insbesondere in den USA mit Entsetzen und Unverständnis aufgenommen. Arthur Jones, der direkte Amtsnachfolger Turners und gerade mitten im Wahlkampf, wird sofort aktiv und macht deutlich, dass die USA die Verhaftung eines Ex-Präsidenten auf keinen Fall akzeptieren werden. Weiterlesen

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Pascal Engman: Rattenkönig

Um es gleich vorwegzunehmen: der Roman hat mich enttäuscht. Weder fand ich Zugang zur Handlung noch konnte ich mich für den Stil des Autors erwärmen.

Vorrangiges Thema soll die Gefahr durch sogenannte „Incels“ sein. Incel steht für Männer, die angeblich ungewollt Single sind, die sich von Frauen verachtet, abgelehnt fühlen. Dieses Gefühl kompensieren sie durch extreme Gewalt gegen Frauen, oft in Gruppen, oft durch Vergewaltigung, Folter, ja sogar Mord.

Protagonistin ist die Stockholmer Kommissarin Vanessa Frank, der vorliegende Roman ist der zweite des Autors um diese Ermittlerin. Diese Figur ist durchaus vielschichtig angelegt und hat das Potenzial, ein faszinierender Romancharakter zu sein. Doch leider verschenkt der Autor meines Erachtens dieses Potenzial.

Für mich hat sich in dem Roman die Spannung nicht aufgebaut, über die ersten einhundert, einhundertfünfzig Seiten geschah zu wenig. Womit ich nicht sagen will, dass der Mord an einer Frau – wofür ihr Exfreund in Verdacht gerät – und die Mehrfachvergewaltigung einer jungen Journalistin „nichts“ sind. Das sind durchaus griffige Thrillermotive. Aber man kommt nicht hinein in die Handlung, ständig werden neue Figuren eingeführt, ohne dass erklärt wird, welchen Bezug sie zu den Geschehnissen haben. Weiterlesen

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Viveca Sten: Das Grab in den Schären

Viveca Sten arbeitete als Justiziarin bevor sie sich als Autorin einen Namen machte. Die Schärenwelt vor Stockholm, Bühne ihrer Krimireihe,  kennt sie gut seit ihrer Kindheit, da ihre Familie dort ein Haus besitzt. Viveca Sten wohnt mit ihrer eigenen Familie bei Stockholm. Ihre Krimi-Reihe ist in diesem Jahr auf stattliche zehn Fälle angewachsen, die ihre Protagonisten, der Kommissar Thomas  Andreasson und dessen Jugendfreundin Nora Linde  zu lösen hatten. Alle Fälle erfreuten sich als Bestseller einer großen Leserschaft. Viele Fälle wurden verfilmt. Der 10. Band der Reihe um Thomas Andreasson und Nora Linde umfasst 416 Seiten, die sich in 104 Kapitel gliedern und um Zwischenkapitel und Rückblenden ergänzt werden. Die Handlung spielt im Sommer 2016 auf Sandhamn.

Auf der Schäreninsel Telegrafholmen werden bei Sprengarbeiten menschliche Knochen gefunden. Thomas Andreasson und sein Kollege Aram müssen ermitteln und stürzen sich in ihre kriminalistische Routine. Zunächst überprüfen sie die Vermisstenakten der letzten Jahre. Tatsächlich gelten zwei Frauen seit zehn Jahren als vermisst: die 17-jährige Astrid und die 35-jährige Siri. Ist eine von ihnen einem Verbrechen zum Opfer gefallen und auf Telegrafenholmen vergraben worden? Die Antwort erweist sich als schwierig und führt die Protagonisten in akribische Ermittlungen. Weiterlesen

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Willem Asman: Enter: Die Wahrheit wird dich töten

Ein furioser Action-Thriller, rasant und hochspannend, mit Schauplätzen in Amsterdam, London, New York und Miami. Geschickt konstruiert und packend geschrieben, mit einer vielschichtigen Protagonistin.

Der niederländische Autor vermischt Agentenstory mit Familiendrama und Verbrechergeschichte. In Amsterdam lebt Tyler Young mit ihrer 15-jährigen Tochter Charlie. Was Charlie nicht weiß: Tyler hat eigentlich einen ganz anderen Namen und lebt im Zeugenschutzprogramm mit einer neuen Identität. Ihrer Tochter hat sie erzählt, Charlies Vater sei tot, bei einem Brand umgekommen, zusammen mit dem Familienhund Buster. In Wahrheit hat Tyler vor Jahren gegen ihren Mann ausgesagt und musste danach untertauchen.

Doch Charlie, in der Pubertät und entsprechend aufsässig, hat heimlich in den Unterlagen ihrer Mutter gesucht und beginnt nun nach vermeintlichen früheren Familienmitgliedern zu suchen. Auf einer Klassenfahrt in London wird sie jedoch entführt. Als Tyler bei der Schutzorganisation, die ihr die neue Identität gegeben hatte, um Hilfe bittet, beginnt eine abenteuerliche Jagd von Amsterdam über London nach Amerika. Weiterlesen

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Lone Theils: Falsche Gesichter

Die dänische Journalistin Nora Sand wird nach Nordengland in die Stadt Toppingham geschickt, um über die ungewöhnliche Ermordung des Kriminalkommissars Crow zu berichten. Der Leiter der Sittenabteilung wurde entführt und dessen Tötung in einem Video veröffentlicht. Während viele einen Bezug zum IS sehen wollen und Crow öffentlich in den höchsten Tönen loben, sieht Nora zunächst einige Unstimmigkeiten. Wie kann sich ein Beamter einen so teuren Wagen leisten? Und warum kommen kritische Äußerungen so verhalten? Wie ein eigenwilliger Spürhund folgt Nora ihrem Instinkt.

Kurz darauf muss sie beobachten, wie unsensibel die örtliche Polizei mit den Nöten junger Mädchen umgeht. Eine von ihnen ist Laura, die volltrunken jemandem in einem Imbiss vorwirft, an Mels Tod schuld zu sein. Als Nora in Lauras Umfeld recherchiert, geschieht ein zweiter Mord. Dieser stellt nicht nur die bisherige Richtung der polizeilichen Ermittlung in Frage sondern bestätigt auch Noras Zweifel. Je mehr Bewohner sie befragt, um so deutlicher spürt sie, dass hinter der Fassade der Normalität nichts mehr normal sein kann. Weiterlesen

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