Gallert & Reiter: Glaube Liebe Tod

War es nicht ein katholischer Pfarrer, der das Wort „kriminalisieren“ in aller Munde gelegt hat? Kriminalisierende Pfarrer sind gar nicht so selten. Neu hinzugekommen ist jedoch der Polizeiseelsorger Martin Bauer in diesem Genre.

Das Autorenduo Gallert/Reiter macht den Leser mit einer kuriosen Persönlichkeit bekannt, der gleich zu Beginn der Handlung in eine ebenso kuriose Situation gerät. Ein vielversprechender „Sprung ins kalte Wasser“, mit dem der Protagonist den Leser in seinen Bann zieht. Schnell spürt man, dass die Autoren keine Anfänger sind. Als erfahrene Drehbuchautoren erzeugen sie gekonnt einen Spannungsbogen, der es den Lesern schwer macht, das Buch aus der Hand zu legen. Polizeiseelsorger Martin Bauer schafft es, als Pfarrer authentisch zu bleiben und sein kriminalistisches Gespür zur Entfaltung zu bringen. Natürlich stößt er dabei nicht nur auf Gegenliebe. Die Kommissarin Verena Dohr tut sich schwer damit, Bauer in ihre Arbeit einzubeziehen. Weiterlesen

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Paula Daly: Stiefmutter

Die sechzehnjährige Verity hat versucht, ihre Stiefmutter Karen zu erwürgen. „Ich wusste, dass ich aufhören muss. […] Aber die Wahrheit ist: Ich wollte gar nicht. Ich bin mir ziemlich sicher, ich wollte, dass sie zu atmen aufhört.“ [Zitat S. 201]

Nach und nach enthüllt die Autorin, mit welchen Problemen die Patchworkfamilie zu kämpfen hat. Noel hat seine Tochter Verity in die Ehe eingebracht, Karen ihren etwa gleichaltrigen Sohn Ewan. Ihn hat Karen aufgegeben, er tut nichts anderes, als mit Freunden abzuhängen und zu kiffen. Karen richtet all ihre Energie auf Brontë, die gemeinsame Tochter mit Noel. Brontë ist zehn und ein Wunderkind, meint jedenfalls Karen. Sie hat die Kleine zu ihrem Projekt gemacht. Brontës Terminkalender lässt kaum Zeit zum Essen; sie spielt Klavier und Harfe, sie tanzt, zudem erwartet Karen schulische Glanzleistungen von ihr.

Verity liebt ihre Halbschwester. Brontë tut ihr leid; nie hat sie Zeit für sich, Karen lässt sie nicht aus den Augen, überlastet sie mit ihren Erwartungen. Der „Vorfall“ hatte mit Brontë zu tun: Verity hat Karen gewürgt, weil sie ihre kleine Schwester beschützen wollte. Weiterlesen

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Graham Masterton: Gequälte Engel

Jahrelang hat sich Katie Maguire abgemüht, hat sich mühsam und gegen alle Widerstände hochgearbeitet, bis sie die erste Frau ist, die als leitende Ermittlerin im Morddezernat zum Detective Superintendent bestellt wurde. Nach dem Tod ihres Mannes, eines Säufers und Tunichtguts, hat sie eine neue Liebe gefunden, alles scheint seinen wohl geregelten Gang zu gehen. Doch wehe, wenn es einem zu wohl wird.

Zunächst hält sie eine Reihe von Morden an katholischen Priestern beruflich auf Trab, dann teilt John ihr mit, dass er sein gesamtes Vermögen an der Börse mit Start-Ups verspekuliert hat und nach Californien zurückgehen möchte, um noch einmal neu anzufangen. Natürlich kommt sie mit, schließlich liebt sie ihn, und bricht ihre Zelte ab, kickt ihre so mühsam erreichte Karriere ihm zu liebe in den Gully.

Doch dann überfällt man ihre Schwester und die Serie an Priestermorden nimmt eine persönliche Note an. Im Verlauf der Ermittlungen wird deutlich, dass es beileibe nicht nur um vor 30 Jahren begangene Kindermissbräuche geht, damals versuchten einige zu gläubige Katholiken Gott näher zu kommen, als erlaubt – und begingen Frevel, die nicht zu verzeihen oder zu sühnen sind, auch wenn die gefolterten, kastrierten Leichen der aufgefundenen Priester ein anderes Bild sprechen. Weiterlesen

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Katrine Engberg: Kopenhagen-Serie 01: Krokodilwächter

Ein sehr spannender Thriller aus Skandinavien: Julie ist jung, hübsch und gerade erst vom Land nach Kopenhagen gezogen, um dort Literatur zu studieren. Doch ihre Pläne kann sie niemals verwirklichen. Sie wird ermordet aufgefunden. Pikantes Detail: Der Täter hat ihr mit einem Messer ein merkwürdiges Muster ins Gesicht geritzt, teilweise als sie noch bei Bewusstsein war. Ein Zeichen? Ein irres Kunstwerk? Kommissar Jeppe Korner und seine Kollegin Anette Werner haben bald alle Hände voll zu tun. Es stellt sich heraus, dass die engelsgleiche Julie längst kein Unschuldslamm war. Vor ihrem Tod hat sie mit einem mysteriösen, älteren Fremden angebandelt. Dann präsentiert Julies Vermieterin Esther de Laurenti das Manuskript zu ihrem ersten Roman, in dem der Mord exakt so beschrieben wird. Wer hatte Zugang zu der Druckschrift? Die Liste der Verdächtigen wird immer länger, ein zweiter Mord passiert. Es stellt sich die Frage, ob die Tat nicht nur Mittel zum Zweck war, um eine ganz andere Person zu treffen. Weiterlesen

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Petra Hammesfahr: Als Luca verschwand

Ein neun Monate alter Junge verschwindet vor einer Drogerie. Wer könnte ein Motiv für diese grausame Tat haben? Zuerst geraten die Mutter sowie eine verwirrte Alte ins Visier der Ermittler. Doch gibt es Verbündete? Geht es um Lösegeld, Rache, menschliches Versagen? Weitere Personen streifen das Geschehen, mit Motiven, die im Dunkeln liegen. Durch gut gehütete Geheimnisse, mysteriöse Zufälle und Verluste, an denen sie zu zerbrechen drohen. Petra Hammersfahr ist ein exzellenter Pagetuner mit Gänsehautgarantie gelungen. Ohne blutiges Gemetzel schafft sie Horrorszenarien, die hinter Fassaden lauern. Subtil, einfühlsam und daher umso erschreckender.

Welche Mutter stellt ihr Baby mitten im Januar unbeaufsichtigt vor einer Drogerie ab, um ungestört Lippenstifte zu kaufen? Für die Ermittler ist Mel, die Mutter des verschwundenen Luca, von Anfang an verdächtig. Hat die offensichtlich überforderte Frau, deren ältester Sohn Max ebenso allein durch den Laden streift, ihr Kind getötet und will es nun als Entführung vertuschen? Zeugen haben jedoch auch die „verrückte Alte im Poncho“ am Kinderwagen beobachtet. Sie soll kleinen Kindern Süßigkeiten schenken und schon mehrmals Familien gestalkt haben. Max traf vor dem Kinderwagen zudem auf einen mysteriösen „Buhmann“, der ihn absichtlich erschreckt und somit abgelenkt hat. Weiterlesen

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Steve Hockensmith: Weiße Magie 03: direkt ins Schwarze

Wie konnte mir diese Reihe nur bislang entgehen? Sie ist witzig, voller lebhafter Protagonisten und Wendungen und macht an einem vereisten Samstagnachmittag einfach Spaß. Alanis McLachlan führt in einer amerikanischen Kleinstadt den Tarotladen ihrer verstorbenen Mutter weiter. Leider war ihre Mutter nicht der netteste Mensch auf Erden und Alanis ist ziemlich damit beschäftigt, an allen möglichen Stellen wieder gut zu machen, was diese angerichtet hat. Da taucht Biddle auf, ein Mann, der einmal ihr (schlechter) Vaterersatz war und den sie längst tot glaubte. Und plötzlich tauchen mehr und mehr Menschen auf, die ein bestimmtes Bild suchen, von dem Alanis nicht einmal wußte, dass es existierte. Schon bald säumen Leichen und Mörder ihren Weg und sie hat sehr viel zu tun, ihre kleine Schwester und sich selbst vor all dem zu beschützen. Und den Mörder zu finden. Und am Leben zu bleiben. Weiterlesen

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Klaus-Peter Wolf: Ostfriesenfluch

Ann Kathrin Klaasen und ihr Team sind zurück. Wer diese außergewöhnliche Hauptkommissarin aus Ostfriesland kennt und mag, wird sich darüber freuen, aber auch Neueinsteiger kommen mit diesem spannenden Krimi gut zurecht. In einem Rapsfeld nahe des Deiches liegt eine nackte, tote, mit Blumen geschmückte Frau. Neben ihr, ebenfalls mit einem Schrotgewehr ermordet, ein Tourist aus Wattenscheid. Die Identitäten sind schnell geklärt und bald stellt sich heraus, dass Angela Röttgen vor ihrem Tod schon seit einiger Zeit spurlos verschwunden war. Hat sie ihre Familie verlassen, wurde sie entführt oder hat ihr Mann sie im Haus eingeschlossen?

Weitere Fälle von verschwundenen Frauen werden bekannt. Bei Freunden (oder Geliebten?) kommen Päckchen mit Frauenkleidung an. Auf Angela Röttgens Ehemann wird mit dem Schrotgewehr geschossen. Wie hängt das alles zusammen? Gibt es einen Täter oder sind es mehrere? Weiterlesen

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Claudia Rikl: Das Ende des Schweigens

Das Ende des Schweigens besiegelt der Mörder, in dem er dem Opfer die Zunge herausschneidet. Kommissar Herzberg findet schnell heraus, dass der Tote zu Lebzeiten ein unangenehmer Zeitgenosse war. Der Ex-Major zählte zu den Hardlinern im DDR-Regime und agierte seinen Soldaten gegenüber ebenso rücksichtslos wie in seiner Familie. Je tiefer Herzberg in die Geschehnisse vor der Wende eintaucht, um so mehr leidet er an den eigenen Erinnerungen, die er bisher erfolgreich verdrängt hat. Damals wurde er wie alle jungen Männer zu einem harten Wehrdienst gezwungen, der den Willen der angehenden Soldaten brechen sollte. Herzberg selbst ging danach in den Widerstand und wurde wegen der Lektüre eines verbotenen Buches inhaftiert. Weit über Zwanzig Jahre nach dem Mauerfall findet er noch immer Zeitgenossen, die der DDR und der guten, alten Armeezeit hinterher trauern. Gleichzeitig gehen sie über ihre eigenen Taten schweigend hinweg. Einer dieser Männer ist sogar Herzbergs unsympathischer Kollege Sven Färber. Sehr schnell macht dieser sich verdächtig, weil er immer neue Lügen erzählt. Während ihrer Ermittlungen finden Herzberg und sein Team auch überraschend viel über Svens Vergangenheit und dessen Verbindung zu dem Opfer heraus. Weiterlesen

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Matthew Costello & Neil Richards: Tiefer Grund

Im kleinen Städtchen Cherringham, nicht weit entfernt von Oxford, geht das Schuljahr zu Ende. Lehrer und Schüler der Abschlussklassen feiern diesen Anlass in einem Pub. Josh, einer der Lehrer, scheint dabei viel zu viel getrunken zu haben. Außer einer Kollegin nimmt das aber keiner so recht zur Kenntnis. Noch am selben Abend wird Josh tot unter einer Brücke aufgefunden. Ein Unfall?

So beginnt der neueste Fall des bereits in einer Reihe von Kriminalfällen (als E-Book bei Bastei Lübbe erschienenen) erfolgreichen Duos Sarah und Jack. Denn schnell kommen Zweifel auf, ob Josh wirklich ‚nur‘ betrunken war oder ob nicht viel mehr Drogen im Spiel waren. Diese Befürchtung hat jedenfalls Louise, die neue Direktorin der Schule. Denn sie weiß, dass es dort Drogenprobleme gibt. Weiterlesen

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Jan Weiler: Kühn hat Ärger

Mit den Figuren aus dem „Pubertier“ und „Maria, ihm schmeckts nicht“ haben die Krimis von Jan Weiler wenig gemeinsam. Der Kommissar Martin Kühn des 50-jährigen Düsseldorfers ist wesentlich humorfreier als Weilers Antonio oder Maria. Jetzt ist – drei Jahre nach dem ersten Band „Kühn hat zu tun“ der zweite Band der noch jungen Krimireihe erschienen: „Kühn hat Ärger“.

Ehefrau Susanne benimmt sich komisch, Martin Kühn wittert einen Seitensprung, aber der Hauptkommissar selbst streckt auch die Fühler nach anderen Frauen aus. Dabei hätte er eigentlich genug zu tun, den ein junger Mann ist erschlagen und eine Schülerin ist mit einem Joghurt aus dem Supermarkt vergiftet worden. – Zwei Fälle, die nichts miteinander zu tun haben, außer, dass sie Menschen des reichen und armen Teils von München gegenüberstellen. Und beide Fälle löst Kühn am Schluss auch nicht gerade befriedigend für den Leser. Weiterlesen

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