Romy Fölck: Nebelopfer

Man muss sich ein bisschen orientieren in diesem Buch, wenn man die vorigen vier Bände nicht kennt, in denen Bjarne Haverkorn und Frieda Paulsen von der Kripo Itzehoe ermitteln. Nach den ersten Seiten begibt man sich aber dann wie mit alten Freunden auf Mörderjagd. Ein Erhängter wird gefunden. Bezeichnender Weise an einem ehemaligen Galgenbaum. Um den Hals trägt er ein Schild aus Pappkarton. Darauf steht, der Tote gestehe, beim Prozess gegen Cord Johannsen falsch ausgesagt zu haben. Dieser Cord Johannsen, ein Bauer, soll 2005 seine Frau und seine zwei Söhne erschossen haben. Den Jüngsten hatte er nicht gefunden, weil er in die Güllegrube flüchten konnte. Er gesteht aber die Tat nie, beteuert immer seine Unschuld. Es dauert nicht lange und es gibt einen zweiten Erhängten. Auch er trägt ein Schild um den Hals mit der Anschuldigung, gegen Johannsen falsch ausgesagt zu haben. Darüber hinaus findet Haverkorn ein Schild in seinem Garten, worauf er aufgefordert wird, den wahren Täter zu stellen. Andernfalls werde das Konsequenzen für ihn haben. Zeitlimit: 48 Stunden. Fieberhaft versuchen Haverkorn und Frieda Paulsen den alten Fall aufzurollen. Immer wieder landen sie mit ihren Ermittlungen in Sackgassen und Haverkorn gerät sogar in Lebensgefahr. Weiterlesen

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Hoeps & Toes: Der Tallinn-Twist

Für Außenstehende mag es eine Beförderung sein, doch für die betroffene Marie Vos sieht die Entsendung nach Tallinn schwierig und zugleich gefährlich aus. Sie soll den ermordeten Assistenten der Leiterin der Taskforce ersetzen und inoffiziell den Maulwurf finden, der Russland mit Insiderwissen versorgt. Im Mittelpunkt stehen die unterbrochenen Vertragsverhandlungen über Tallinns Wasserwerke und eine Privatisierung mit weitreichenden Folgen. Kaum ist Marie in Tallinn eingetroffen, gipfeln die politischen Unruhen in Gewaltausbrüchen. Unterschiedlich motivierte Gruppierungen schüren in der Bevölkerung Ablehnung und Hass auf die EU, so dass Mordanschläge jede Bewegungsfreiheit der EU-Vertreter nahezu unmöglich macht. In diesem aufgeputschten Gerangel um Meinungs- und Machthoheit sucht Marie den Verräter.

Das deutsch-holländische Autorenduo Hoeps & Toes hat nach dem erfolgreichen Polit-Thriller Die Cannabis-Connection ein brisantes Thema aufgegriffen. Der Themenbereich Korruption mit EU-Geldern und der Kampf um Ressourcen wird am Beispiel von Estland aufgezeigt. Im Fokus stehen dabei auch die Tricksereien, mit denen Russland in osteuropäischen Ländern systematisch Einfluss gewinnt. Weiterlesen

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Eva Reichl: Todesdorf

Die Protagonistin Diana wird den Hof ihrer Eltern übernehmen. Der liegt in Österreich, an der Grenze zu Tschechien. Mit am Hof leben Dianas Eltern, ihr jüngerer Bruder Alexander und ihr Ehemann Oliver. Das junge Paar ist glücklich, teilt die Liebe zur Landwirtschaft und macht sich über notwendige Neuerungen im Betrieb Gedanken. Da wird Oliver mitten in der Nacht nach einem Schuss sterbend in der Scheune aufgefunden. Die polizeilichen Ermittlungen gehen von Selbstmord aus und die Staatsanwaltschaft legt den Fall ad acta. Diana aber kann nicht glauben, dass ihr lebensfroher Gatte sich umgebracht haben soll und macht sich im Alleingang auf die Suche nach dem mutmaßlichen Mörder. Tatsächlich tauchen viele Ungereimtheiten auf. Was plant ihr Vater Geheimnisvolles mit dem jahrelang angefeindeten Nachbarn? Wozu will ein Bankbeamter die zwei Männer drängen? Welche Rolle spielt Dianas Bruder Alexander im Zusammenhang mit Olivers Tod? War der am Ende gar nicht der gute Mensch, für den sie ihn gehalten hat? Im Dorf feindet man sie an, weil sie mit ihrem Schulfreund Johannes ein Cafe´ besucht. Man munkelt, sie selbst habe Oliver erschossen, um freie Bahn für einen Liebhaber zu schaffen. Wem kann Diana trauen? Weiterlesen

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Susanne Goga: Schatten in der Friedrichstadt

Ein neuer Fall für Leo Wechsler, den Kommissar im Berlin der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts. Was mir an dieser Krimireihe der Mönchengladbacher Autorin so gut gefällt, ist die Schilderung normaler Menschen in (mehr oder weniger) normalen Verhältnissen. Anders als in so vielen anderen Büchern oder Filmen, die vor allem die nächtliche, die schattige Seite des Berlins dieser Jahre zeigen, treffen wir in den Wechsler-Krimis auf Alltag, Menschen mit alltäglichen Problemen oder mit alltäglichem Glück.

Wobei das Mordopfer natürlich weniger Glück hat, als der Mann nämlich vom Dach des Ullstein-Hauses gestoßen wird. Moritz Graf war das, was man heute einen Investigativ-Journalisten nennt. Aufgrund seiner erfolgreichen Artikel, die auf akribischen Recherchen beruhten, hatte er einigen Freiraum im Verlag, darunter das Privileg, auch mal auf dem Dach des Hauses zu schreiben. Das wurde ihm nun zum Verhängnis.

Leo Wechsler und sein Team finden lange nicht heraus, was denn das Motiv für den Mord war und fischen daher in vielen trüben Gewässern. In Verdacht gerät ein Arbeitsloser ohne Obdach, aber auch Mitarbeiter anderer Verlagshäuser kommen ins Visier der Polizei. Dabei spielt auch die damalige politische Situation in Deutschland und besonders in Berlin eine erhebliche Rolle, gerät doch Leo Wechsler unter heftigen Druck und wird sogar bedroht. Weiterlesen

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Jan Costin Wagner: Am roten Strand

Es ist der zweite Band seiner zweiten Krimireihe den der Autor im März 2022 den Lesenden vorlegt. In einer Zeit, in der sexualisierte Gewalt ein öffentlich relevantes Thema geworden ist, bietet es sich natürlich auch an, das Wagnis einzugehen, sich diesem Thema im Genre eines Krimis zu nähern.

Dass dies kein leichtes Unterfangen ist und Fingerspitzengefühl braucht, ist klar. Aber Jan Costin Wagner ist ein erfahrener Autor, der es bisher immer wieder geschafft hat, ungewöhnliche Handlungsstränge und Charaktere in seinen Plots zusammenzubinden. Das hat sicherlich auch damit zu tun, dass Wagner mit einer Finnin verheiratet ist. Folglich findet  sein Leben zwischen Finnland und seiner hessischen Heimat bei Frankfurt statt. Hier wurde er 1972 geboren. Nach seinem Germanistik- und Geschichtsstudium verlegte er sich ganz auf das Schreiben  spannender Krimis. Mehrere hochkarätige Auszeichnungen und die Übersetzungen seiner Titel in vierzehn Sprachen sind eindrucksvolle Bestätigungen seines schriftstellerischen Könnens.

Nach dem im Jahr 2020 erschienen ersten Band „Sommer bei Nacht“ müssen sich seine Ermittler Ben Neven und Christian Sandner nun der brisanten Frage stellen, wie eine Gesellschaft mit  Pädophilität umzugehen hat. Weiterlesen

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Fabian Navarro: Miez Marple und die Kralle des Bösen

Einen Katzenkrimi in der Hand zu halten, verspricht Spannung. Nicht nur des Genres wegen, sondern auch in Bezug auf die Realitätsnähe „tierischen“ Verhaltens. Fabian Navarro hat mich nicht enttäuscht. Dazu kommt ein sympathisch erfrischender Schreibstil.

Miez Marple, die stadtbekannte Katzendetektivin, hat sich aus allen Ermittlungen zurück­gezogen und erfreut sich des Lebens als normale Hauskatze, als ihr Kamerad und Assistent Watson unter falschem Verdacht verhaftet wird. Der Produzent berühmter Katzenvideos mit Florian Silberschweif wurde ermordet, und der prominente Kater ist verschwunden. Das ist erst der Anfang einer Kette verbrecherischer Untaten durch die Katzenmafia und ihrer geheimnisvollen Gegenspielerin, durch kriminelle Hähnen und einen mörderischen Hummer. Bei der Aufklärung geraten sich Miez Marple und die Katzenpolizei gegenseitig ins Gehege.

Die Vermenschlichung von Katz‘ & Co glaubhaft darzustellen, ist eine Herausforderung, der sich Navarro auf humorvolle Weise erfolgreich gestellt hat. Seine Darstellung kätzischer Verhaltensmuster wie auch die gut durchdachten kriminellen Handlungen und Organisationen kann ich als Katzenhalter und Krimileser als authentisch – zumindest als plausibel – bestätigen. Weiterlesen

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Rebecca Fleet: Die Stiefmutter

Ein Brand zerstört nicht nur das Haus der Familie von Alex und Nathalie, er zerstört auch ihr Vertrauen zueinander, verbrennt ihre Träume, Lügen und Gefühle. Das klingt dramatischer und spannender als dieser Roman letztlich ist – ein Thriller ist er ganz sicher nicht.

Nein, im Gegenteil, mich hat dieser Roman so gar nicht gefesselt, die Spannung fehlt in meinen Augen völlig, die Figuren waren hölzern, die Dialoge ebenso und die Handlung flach und ohne Höhepunkte. Die Aktionen der Protagonisten waren für mich zu keiner Zeit nachvollziehbar, Kleinigkeiten wurden aufgebauscht, wichtige Fragen nicht verfolgt.

So beginnt der Roman mit dem Brand. Das Haus, in dem Alex mit seiner zweiten Frau und seiner Tochter aus erster Ehe lebt, geht in Flammen auf. Misstrauen wächst in Alex, da Nathalie offensichtlich aus dem Haus geflohen ist, ohne seine Tochter Jade mitzunehmen. Diese wird dennoch gerettet und erzählt später von einem Unbekannten, der im Haus gewesen sei, Nathalie hingegen will ihn nicht gesehen haben. Weiterlesen

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Esther Novalis & Jean P.: Immaculati: Gefährliches Spiel

Detektivarbeit mit erotischem Knistern. Die ersten Seiten – geschrieben aus der Ich-Perspektive – lassen einen Roman vermuten, der zwischen Krimi und Thriller angesiedelt ist. Mit reichlich Selbstironie und mit seinem erotischen Einschlag erinnert der Anfang vom Schreibstil her trotz des anderen Settings an den Vampir-Thriller Night Rebell – Kuss der Dunkelheit der erfolgreichen amerikanischen Schriftstellerin Janiene Frost, die Handlung um Mädchenhandel lässt Parallelen zum aktuellen Bestseller Tom Clancy –  Das Reich der Macht erwarten. Beide Vermutungen führen in die Irre: Mit Immaculati hat das Autoren-Duo Esther Novalis und Jean P. ein eigenständiges Werk geschaffen – aber inhaltsmäßig genauso wie vom Schreibstil her packend wie die genannten Bestseller.

Als Beatrice Philipps sich in der Detektei von Marc Phillips um eine Anstellung bewirbt, spielen die Hormone verrückt. Sie erhält den Zuschlag sogar für eine Partnerschaft und wird gleich im ersten Auftrag in einen Wirbel aus Geheimnis, Gewalt und Erotik hineingezogen, wobei die Beziehung zu ihrem Partner Marc alles andere als rein geschäftlich bleibt. Nur ihre telepathische Verbindung zu ihm retten sie letztendlich aus den Fängen des Geheimbundes der Immaculati, der in klösterlichen Gemäuern mit Mädchenhandel ein weltweit florierendes Geschäft betreibt und in den sie sich einschleichen. Sollte ihnen die Aufklärung von Menschenhandel und Zwangsprostitution gelingen, wäre das nur ein kleiner Schritt, denn der erste der auf drei Teile ausgelegten Serie spielt an nur wenigen Schauplätzen. Weiterlesen

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Zhou Haohui: 18/4 – Der Hauptmann und der Mörder

In der chinesischen Metropole Chengdu ist ein Mord passiert, der unter den hiesigen Polizisten für Aufsehen sorgt: Zheng Haoming, geschätzter Kollege und Hauptkommissar, wird tot in seiner Wohnung aufgefunden. Und damit nicht genug: Es scheint ganz so, als sei ein mit dieser Tat ein Serienkiller wieder aktiv geworden, der zuletzt vor 18 Jahren gemordet und sich selbst den Namen Eumenides gegeben hat.

Schnell stellt sich heraus, dass Zheng vor seinem Tod Nachforschungen zu Eumenides angestellt hat. Pei Tao, eigentlich Hauptmann in einer anderen Stadt, ist zum Zeitpunkt des Mordes deshalb auch gerade in Chengdu. Er war in die Mordfälle vor 18 Jahren verwickelt, und wollte mit seinem Kollegen über die alten Fälle sprechen, doch dafür ist es nun zu spät.

Eilig wird die alte Ermittlungsgruppe mit dem Namen 18/4 wieder einberufen, samt Hauptmann Pei Tao. Eine scheinbar aussichtslose Jagd nach dem Mörder beginnt. Denn obwohl Eumenides all seine Taten vorab per Todesanzeigen ankündigt, wird es für die Polizei von Chengdu keine leichte Aufgabe, seine potentiellen Opfer vor ihm zu schützen.

„Der Hauptmann und der Mörder“ ist der erste Teil von Haohuis 18/4-Trilogie, die in China bereits vor einigen Jahren erschienen ist. In seiner Heimat war sein Roman-Debüt ein großer Erfolg. Die Trilogie ist sowohl als Streaming-Serie als auch für das Kino verfilmt worden. Weiterlesen

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Ralf Langroth: Ein Präsident verschwindet

Wenn 1954 ein hochrangiger Politiker, und in diesem besonderen Fall der Präsident des Verfassungsschutzes, verschwindet, ein paar Tage später in Ost-Berlin vor Presseleuten eine kommunistische Rede schwingt, sind einige Fragen zu beantworten. Dies soll der Bonner Kriminalhauptkommissar Gerber vom BKA für Adenauer erledigen. Schon zu einer früheren Zeit gelang es diesem, brisante Unterlagen für den Bundeskanzler zu sichern. Nun steht er wieder an der Front zwischen den Geheimdiensten. Angeblich soll neben dem ‚übergelaufenen‘ Dr. John auch Gerbers Freundin, die Journalistin Eva Herden, in Ost-Berlin gesehen worden sein. Sie habe Dr. John interviewt und über die Grenze begleitet. Gerber sieht von den beiden Fotos und ist irritiert. Hat Eva die ganze Zeit gelogen? Hat sie seine Kontakte möglicherweise für Spionagezwecke missbraucht? Zweifel und Angst um Eva begleiten seine Ermittlungen.

Normalerweise sollte ein Polizist an keiner Ermittlung beteiligt sein, wenn dessen Angehörige im Zentrum von möglichen Straftaten stehen. Doch Adenauer ist der Meinung, dass gerade die enge Verbindung zwischen Gerber und Eva Herden höher zu bewerten sei als eine Befangenheit. Natürlich sehen Kollegen vom Nachrichtendienst der Organisation Gehlen (ORG) dies anders. Während Gerber den Spuren eines Auftragsmörders folgt, der systematisch alle wichtigen Zeugen in West-Berlin umbringt, entwickelt sich seine Ermittlung in eine politisch hochexplosive Richtung. Weiterlesen

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