Jan Weiler: Kühn hat Hunger

Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie man so eine Diät, noch dazu mit völlig bescheuerten Ansprachen und Direktiven, überhaupt überstehen kann. Um so etwas anzugehen, müssen die Dinge ziemlich schief laufen. Und das tun sie offensichtlich bei Kommissar Kühn. Er fühlt sich in seiner Haut nicht mehr wohl, und merkt auch, dass seine Frau Susanne sich distanzierter verhält, also ran an den Speck und die „Ferdie Caparacq Methode“ angewandt. Er will als Mann wieder attraktiver, begehrlicher sein. Seinen Platz zurück erobern, sozusagen. Nun kann man ja so eine Tortur einfach so angehen, wenn rings herum kein Stress ist. Aber wieder nix. Ein komplizierter Fall fordert das Gespür des ganzen Kommissars. Trotz ständigem Hunger. Eine junge Frau wird gefunden in einem Baustellenloch und in der Nähe ist ein Campingplatz. Bitter die Parallele zu Lügde, das wird ja grade erst gerichtlich aufgearbeitet und immer noch kommen schlimmste Nachrichten ans Tageslicht.

Parallel zu Kühns Hungerkur verfolgen wir die Psychopathologie zweier Gestalten, die versuchen unter dem Radar eines normalen Lebens klar zu kommen, obwohl sie beide schlimme Vorstellungen vom und mit dem Leben der Frauen haben. Sie beobachten lieber, setzen sich dann vor dem Screen. Weiterlesen

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Holger Wolandt (Hrsg): Tod am Fjord: Mörderische Geschichten aus Norwegen

Pünktlich zur Frankfurter Buchmesse im Oktober, wo Norwegen 2019 Gastland war, ist im Piper-Verlag die Anthologie Tod am Fjord erschienen. Die sechzehn spannenden Geschichten aus Skandinavien, die Herausgeber Holger Wolandt hierfür ausgewählt hat, lesen sich mal humorig, mal unheilvoll. Die Autoren sind Ingvar Ambjørnsen mit der Erzählung Der Silberfjord, Jo Nesbø und seine Geschichte Serum, Lars Saabye Christensen (Schlachtung), Levi Henriksen (Julian Johnsen), Jonny Halberg (Persona) und weitere.

Finstere Abgründe finden sich in vielen Schattierungen.

So geht es zum Beispiel im Kurzkrimi Der Wolf und die Rotkäppchen von Unni Lindell um einen perfiden Handlungsablauf mit Telefonterror, in der der Wolf letztlich das Sinnbild von vererbtem Hass ist.

Anne B. Ragde thematisiert in Do not disturb das Verhältnis ihrer Protagonistin mit einem ihrem Arbeitskollegen, einem verheirateten Mann.

Von Roy Jacobsen lesen wir eine dramatische Geschichte über einen Kampf ums Überleben bei stürmischer See, wobei der Motor eines Bootes versagt. Außerdem geht es um die Menschen eines Dorfes, die scheinbar alle zusammenhalten. Weiterlesen

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Anna Tell: Nächte des Zorns 02: Die Unterhändlerin

Amanda arbeitet in einem Team des schwedischen Sonderkommandos. Die Kommissarin wird bei Entführungen als Unterhändlerin eingesetzt. Ihr neuer Auftrag lautet, in den Kosovo zu reisen und zu untersuchen, ob ein dort stationierter schwedischer Polizist entführt worden ist. Recht schnell entwickelt sich der Vorfall zu einer Katastrophe. Abgesehen davon, dass möglicherweise die Mafia den Kollegen entführt haben könnte, sind sowohl der verschwundene Polizist als auch sein Vorgesetzter alles andere als harmlose Polizisten. Beim ersten Kontakt mit den möglichen Entführern zeigen sich weitere Ungereimtheiten. Eine davon ist die Ankündigung bei Nichtzahlung des Lösegeldes die in Schweden lebende Ehefrau des Polizisten zu verletzen.

Je mehr Amanda und ihre Kollegen über diesen Fall erfahren, um so undurchsichtiger werden Motive und Hintergründe.

Die Autorin Anna Tell ist in Schweden Kriminalkommissarin. Ihre über zwanzigjährige Erfahrung bei der Polizei, dem Militär und Auslandseinsätzen stehen für ihre Kompetenz. Der Leser darf nicht nur davon ausgehen, dass die Autorin weiss, wovon sie schreibt, auch die Einsätze ihrer fiktiven Amanda dürften sich an konkreten Erlebnissen orientieren. Weiterlesen

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Jussi Adler-Olsen: Opfer 2117: Der achte Fall für Carl Mørck, Sonderdezernat Q

Der dänische Schriftsteller Jussi Adler-Olsen (Jahrgang 1950) schreibt schon seit mehr als zehn Jahren an seiner Reihe um Carl Mørck vom Sonderdezernat Q. Mit „Erbarmen“ aus dem Jahr 2008 startete die Erfolgsserie von Adler-Olsens Thriller. Nun erschien am 10. Oktober 2019 der achte Fall für Carl Mørck mit dem Titel „Opfer 2117“ in einer Übersetzung von Hannes Thiess.

Alles fängt damit an, dass der spanische Journalist Joan Aiguader am Strand von Ayia Napa auf Zypern Fotos von einer scheinbar ertrunkenen, älteren Frau und umstehenden Trauernden macht. Diese Fotos mit dem Opfer Nummer 2117 (ertrunkene Flüchtlinge im Mittelmeer) schickt Aiguader an seine Redaktion von „Hores del dia“ und von dort aus gehen sie durch die internationale Presse, weil die Frau nicht, wie angenommen, ertrunken ist, sondern erstochen wurde. Aiguader wird auf die Geschichte angesetzt.

Gleichzeitig sitzt irgendwo in Kopenhagen ein junger Mann, Alexander, vor dem Computer und spielt Tag und Nacht Ballerspiele. An seinen Zimmerwänden hängen der Zeitungsartikel mit dem Foto von Opfer Nummer 2117 und ein Samuraischwert. Weiterlesen

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Håkan Nesser: Der Verein der Linkshänder

Der Schwede Håkan Nesser (Jahrgang 1950) schreibt Krimis, Psychothriller und Romane. Er zählt zu den bekannten und berühmten Schriftstellern Skandinaviens. In Deutschland kennt und schätzt man vor allem seine Krimis um die Kommissare Van Veeteren und Barbarotti. Und in seinem neuesten Buch „Der Verein der Linkshänder“ lässt Nesser die beiden Ermittler aufeinander treffen. Der Krimi ist am 23. September 2019 in einer Übersetzung von Paul Berf bei btb erschienen.

„Der Verein der Linkshänder“ spielt auf drei Zeitebenen (Ende der 1950er bis Ende der 1960er Jahre, 1991 und 2012) und lässt den inzwischen pensionierten Kommissar Van Veeteren in einem alten Mordfall mit vier Opfern ermitteln, der durch das aktuelle Auftauchen einer fünften Leiche in einem anderen Licht erscheint. Diese Leiche kann nicht der Mörder gewesen sein, d. h. der Mörder befindet sich noch immer auf freiem Fuß. Das kratzt mächtig an Van Veeterens Ermittlerkompetenz, hatte er doch damals den Fall als gelöst zu den Akten gelegt. Inzwischen betreibt Van Veeteren eine Buchhandlung und steht kurz vor seinem 75. Geburtstag. Er begibt sich mit seiner Frau Ulrike Fremdli, statt zu feiern, nach Oosterby, dem Ort des damaligen Verbrechens. Weiterlesen

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Harry Bingham: Fiona: Das tiefste Grab

Dear Mr. Bingham,

in Ihrem Nachwort schreiben Sie von Ihrer Gewohnheit, alle Rezensionen zu lesen, weil diese Ihren Lesern zugutekommen. Vielleicht schenkt Ihnen das eine oder andere Feedback aber auch Anregungen. Für mich ist die Verschmelzung der Erzählstile Ihrer Favoriten Sir Arthur Conan Doyle mit seinen vertrackten Rätseln und Raymond Chandler mit seinem moralisch denkenden Ermittler deutlich erkennbar. In den klärenden Gesprächen/Verhören à la Doyle zeigt sich, dass immer wieder neue Aspekte hervortreten. Die komplette Geschichte könnte man mit einem Bilderstapel vergleichen, der allmählich – Schicht für Schicht freigelegt, neue Hintergründe für das gleiche Motiv offenbaren und damit eine tiefer gehende Deutung erlauben. Der eilige Leser wird vermutlich diese kostbaren Details überlesen, so dass Andeutungen und Wortspielereien möglicherweise verloren gehen.

Mir bereitet es immer wieder eine große Freude, wenn Ihre kluge Kunstfigur Fiona mit den Mächtigen und Stärkeren ringt. Eine zierliche, durch eine Erkrankung gehandikapte Frau schlägt mit enormen Fleiß und Mut da hin, wo es den im Verborgenen agierenden Herren richtig weh tut. Weiterlesen

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Jo Nesbø: Messer: Ein Fall für Harry Hole

Der Norweger Jo Nesbø (Jahrgang 1960) gehört zu den erfolgreichsten internationalen Krimischreibern. Seine Harry-Hole-Reihe hat Kultstatus. Bei Ullstein Buchverlage ist am 27. August 2019 Fall Nummer 12 mit dem Titel „Messer“ in einer Übersetzung von Günther Frauenlob erschienen.

Harry Hole ist an einem weiteren Tiefpunkt seines Lebens angelangt: Rakel hat ihn rausgeschmissen, er trinkt wieder und sein Job an der Polizeihochschule ist auch futsch. Harry weiß nicht, warum Rakel sich von ihm getrennt hat. Er versinkt in Selbstmitleid und noch mehr Alkohol. Dann erreicht ihn die schlimmste aller Mitteilungen: Rakel wurde ermordet. Und Harry hat den Abend und die Nacht im Vollrausch verbracht, er erinnert sich an nichts. Die Ermittlungen beginnen. Katrine Bratt, Harrys Chefin,  muss ihn suspendieren. Sie ist inzwischen mit Björn Holm, dem Kriminaltechniker verheiratet. Die beiden haben einen kleinen Sohn. Auch Ole Winter vom Kriminalamt wird eingeschaltet. Es gibt keine Spuren. Aber Harry Hole hat einen Verdacht: Svein Finne, der Vergewaltiger und Mörder, den Hole ins Gefängnis brachte. Harry vermutet Rache als Svein Finnes Motiv, weil Harry dessen Sohn Valentin Gjertsen erschossen hat.

Svein Finne spielt sein eigenes makabres Spiel. Doch dann gerät Rakels Chef Roar Bohr in den Fokus der Ermittlungen. Harry Hole folgt seinem Bauchgefühl, unterstützt von Kaja Solness, seiner  Ex-Kollegin und Ex-Freundin und Alexandra Sturdza von der Rechtsmedizin. Bald entsteht in Hole ein ungeheurer Verdacht, Weiterlesen

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Mick Schulz: MS Mord – Tödliches Nordlicht

Da hat ein Autor seine neue „Nische“ im Genre Kriminalroman gefunden. Der 1959 in Bonn geborene Mick Schulz veröffentlicht seinen zweiten Kreuzfahrt-Krimi. Ermutigt durch den großen Erfolg des ersten (2018 veröffentlichten) Bandes der MS Mord Reihe, nimmt er nun seine Leserinnen und Leser mit auf die legendäre Postschiffroute entlang der norwegischen Küste. Werden die Reisenden mit dem einzigartigen Naturschauspiel der Aurora Borealis, dem flackernd grünen Polarlicht belohnt?

Der Autor kennt den Weg! Dies spürt der Leser recht schnell. Der Autor weiß, wovon er schreibt. Er ist schon auf den Postschiffen der Hurtigruten gefahren. Er kennt die Häfen, Städte und Routen. Und noch etwas ist zu spüren, wenn man Mick Schulz ließt. Der Autor ist ein echtes Multitalent: Er liebt die Literatur, er kennt sich aus in der Philosophie und er ist musikalisch begabt. Darum studiert er Musik und erlernt das Dirigat am »Mozarteum« in Salzburg. Schulz geht an die Oper, ohne jedoch seine literarische Ader zu vernachlässigen. So ist es nur eine Frage der Zeit, dass er das Schreiben als neue Passion für sich entdeckt. Er verfasst Kurzgeschichten, Erzählungen und Romane. Im Harz schlägt er neue Wurzel. Ob der Autor auch im Krimi-Genre weitere Wurzel treibt, wird auch die Lektüre von „MS-Mord – tödliches Nordlicht“ zeigen. Weiterlesen

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Tom Callaghan: Erbarmungsloser Herbst

Akyl Borubaew, Inspektor der Mordkommission in Bischkek, Kirgisistan, glaubt nicht daran, alt zu werden. Sein Job ist extrem schmutzig und gefährlich, seine Gegner sind skrupellos, und die Politik in Gestalt des Ministers für Staatssicherheit ist auch nicht ohne.

In der Vergangenheit hat Akyl dem Minister so manche Gefallen erwiesen, die an der Grenze oder auch jenseits der Legalität waren. Inzwischen kennt er zu viele Geheimnisse, die ihn in ernsthafte Gefahr bringen. Sein neuer Auftrag sieht deshalb auch nach Erpressung aus. Der Minister zeigt ihm die beiden Alternativen: Entweder Auftrag erfüllen oder sofort durch die Hand der Kollegen sterben. Akyl entschließt sich für eine mögliche spätere Ermordung. Bisher hatte er mit viel List seine Kontrahenten in Schach gehalten, vielleicht gelingt es ihm bei der Kontaktaufnahme mit den Drogenbaronen im eigenen Land oder in Bangkok wieder.

Der englische Autor Tom Callaghan begann seine Thrillerserie um den kirgisischen Inspektor Akyl Borubaew 2015 und ging mit ihm durch die Jahreszeiten Blutiger Winter, Tödlicher Frühling und Mörderischer Sommer. In diesem Jahr schließt sich der Kreis der Jahreszeiten, der insgesamt von Sepp Leeb und Kristian Lutze übersetzt wurde. Weiterlesen

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S.L. Huang: Nullsummenspiel

Cas Russel lebt in L.A. Man kennt sie – in gewissen Kreisen. Sie besorgt Dinge und befreit Menschen, nicht ganz legal, dafür teuer und zuverlässig. Nur die Behörden kennen sie nicht – dafür hat einer ihrer Geschäftspartner gesorgt. Keine Sozialversicherungsnummer, keine Steuernummer – nirgendwo taucht ihr Name auf.

Freunde oder soziale Kontakte hat sie keine. Eine merkwürdige Beziehung aber hegt sie zu einem Killer, vor dem selbst die abgebrühtesten Attentäter, Terroristen und Geheimdienstler Angst haben – Rio, ein Mann ohne jegliche Moral, ohne Empfinden oder Mitgefühl. Ein Mann, der sich auf ganz eigene, besondere Art in den Dienst Gottes, so wie er diesen begreift, gestellt hat, und gnadenlos Jagd auf die macht, die er als schuldig im Sinne der Bibel verdammt.

Cas selbst hat eine besondere Gabe – ihre Affinität für Mathematik lässt sie in Sekundenbruchteilen Handlungen und deren Folgen berechnen – so dass sie zu einer perfekten Kampf- und Killmaschine wird. Cas´ neuester Fall bringt sie in Konflikt mit einem kolumbianischen Drogenkartell. Sie soll ein von diesen gefangen gehaltenes Mädchen befreien – eigentlich kein Problem, neunzehn Leichen später, hat sie ihr Ziel fast erreicht, als sie auf Rio stößt, der sich undercover bei den Kolumbianern eingeschlichen hat. Weiterlesen

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