Harry Bingham: Fiona: Das Leben und Sterben

In Harry Binghams zweiten Kriminalroman werden Fiona und ihr Kollege zu einer angeblich illegalen Müllbeseitigung gerufen. Möbelpacker schicken sie in die Garage zu einer alten Gefriertruhe, in der unter anderem das beschuhte Bein einer Frau liegt. Für die Waliser Polizei beginnt mit diesem Fundstück eine extrem aufwändige Ermittlungsarbeit, die täglich nur Fragen aber keine Antworten bringt. Auch die Suchaktion nach dem restlichen Körper in der Umgebung sorgt für mehr Verwirrung, denn schon bald werden weitere Leichenteile, auch die eines vor kurzem ermordeten Mannes, entdeckt. Stetig und mit jedem neuen Fundort vergrößert sich die Zahl der Verdächtigen auf fast dreihundert Personen, ohne dass eine konkrete Spur für Klärung sorgt.

Unter der allseits gefürchteten Leitung von DI Watkins macht Fiona das, was sie am besten kann. Sie ordnet sich scheinbar unter und ermittelt privat in andere Richtungen. Fionas Alleingänge fallen trotzdem auf. Weiterlesen

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James Rollins: Sigma Force 10: Projekt Chimera

Mitten in einem idyllisch gelegenen Naturschutzgebiet im Westen der USA liegt sie, eine der vielen, gerade in den letzten Jahren neu aufgebauten Forschungsstationen, in denen an genetisch-biologischen Entdeckungen gearbeitet wird. Einer der Forscher versucht das Artensterben aufzuhalten. Sein Ansatz ist dabei ebenso revolutionär wie gefährlich – man nehme künstliche Kleinstviren, die man so verändert und schützt, dass kein bekannter Stoff sie angreifen kann und baut daraus Gottes Schöpfung neu. Dass seine Tätigkeit dabei genauestens beobachtet wird, ahnt er nicht. Und nein, es ist weder die NSA noch eine andere Regierungsbehörde, die ihn kontrolliert – es sind militante Umweltschützer, die bereit sind, um die Erde zu retten, die Menschheit zu vernichten.

Als die Forschungstation überfallen und der leitende Wissenschaftler entführt wird bleibt ein Explosionskrater zurück – zu wenig, denn der Professor war erfolgreich. Und so breitet sich scheinbar unaufhaltsam eine schwarze Masse aus, die alles Leben, wie wir es kennen auslöscht.

Die Spur führt die Agenten der Sigma Force in den Brasilianischen Regenwald und in die eisige Antarktis … Weiterlesen

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Karen Hamilton: Perfect Girlfriend – Du weißt, du liebst mich

SIE ist davon überzeugt, den perfekten Mann gehabt zu haben. ER dagegen fand es Zeit für eine Beziehungspause. Aber was weiß er schon? Bestimmt nicht, was gut für ihn ist, findet Juliette. Aber da er nun einmal ein eigenständiger Mensch mit einem Recht auf eigene Meinung ist, muss ein Plan her. Zunächst einmal muss er davon überzeugt sein, dass sie seine Entscheidung akzeptiert hat. Dann muss sie ihm UNAUFFÄLLIG näherkommen. Was eignet sich besser, als ein Arbeitsplatz, auf dem man noch dazu auf engstem Raum aufeinander angewiesen ist und in der Freizeit in unbekannten Orten festhängt und nur einander kennt? Nate ist Pilot, also wird Juliette Flugbegleiterin. Sie gibt sich viel Mühe, vor Nate zu verbergen wie nahe sie ihm immer wieder kommt. Aber sie freundet sich mit seinen Freunden an, betritt seine Wohnung, wenn sie ihn unterwegs weiß und verfolgt sein Handy heimlich. Das wäre an sich schon perfide genug, aber ihr eigentlicher Plan haut den Leser dann vom Stuhl.

Am Anfang war ich von dem Roman eher gelangweilt (äh, ja, schon wieder ne Stalker-Story). Das änderte sich aber nach und nach, je tiefer Karen Hamilton dem Leser Einblick in Julies Inneres verschafft. Weiterlesen

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Harry Bingham: Fiona: Den Toten verpflichtet

Es gibt genug Gründe, Fiona den Polizeidienst zu verweigern. Zum einen verdient ihr Vater, ein polizeibekannter ‚Verbrecher‘ ohne Verurteilung, sein Geld mit Stripteaselokalen. Darüber hinaus hält Fiona ihre psychische Erkrankung geheim, die sie unter der Maske der verschrobenen Einzelgängerin mit Verstand verbirgt. Jeden Tag könnte dieses Geheimnis entdeckt werden.

Seit vier Jahren arbeitet DC Fiona Griffith bei der Polizei in Wales, als sie in die Ermittlung eines Doppelmordes eingebunden wird. Der Anblick der toten Mutter und Tochter in dem verwahrlosten Haus lässt sie nicht los. Vor allem die ungewöhnlich brutale Ermordung des sechsjährigen Mädchens treibt Fiona zu unzähligen Überstunden. Statt sich nur auf den einen Ermittlungsauftrag zu konzentrieren, betreibt sie noch eigene Recherchen, die mehr in Gang setzen, als sie ahnen kann. Und dann werden noch mehr Menschen ermordet. Tote schweigen bekanntlich für immer. Weiterlesen

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Lone Theils: Das Meer löscht alle Spuren

Normalerweise arbeitet die Journalistin Nora Sand nicht für die Sparte Kultur. Trotzdem soll sie den iranischen Dichter Manash Ishmail interviewen. Dieser wurde auf sie aufmerksam, als er in einem dänischen Auffanglager zufällig erfährt, Nora Sand sei London-Korrespondentin für ein dänisches Magazin. Weil Manash seit seiner Ankunft in Dänemark mit Interviewanfragen überschüttet wird, trifft er mit Nora und ihrem Chef eine Vereinbarung. Für ein Exklusivinterview soll Nora in London die verschollene Ehefrau des Dichters suchen. Erste Spuren weisen auf ein privat geführtes Auffanglager für Asylanten hin, das wie ein Hochsicherheitstrakt kaum zugänglich ist. Und je tiefer Nora gräbt, um so häufiger tauchen Indizien auf, die aus der banalen Geschichte einer Verschwundenen eine brisante Story über eine kriminell agierende Organisation machen. Bei ihren Recherchen kommt Nora den Hintermännern so nahe, dass es nicht nur für sie persönlich gefährlich wird. Weiterlesen

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Robert Harris: Konklave

Nicht, dass ich die Trachtentruppe im Vatikan jemals ernst genommen hätte. Dazu bin ich viel zu weit vom Klerus entfernt und versuche eher, einen gewissen Humanismus zu leben, bin Darwinist und fast schon Atheist. Das hindert mich aber nicht, sprachlos vor Staunen durch den Vatikan zu stolpern, denn die Augen sind immer irgendwo und nie am Boden um schließlich in der sixtinischen Kapelle nur noch nach oben zu gucken. Eben Michelangelo. Dass Menschen in der Lage sind, so ein Bauwerk, solche Gemälde zu erschaffen. Eigentlich unfassbar. Und für was?

Trotz allem legt Robert Harris eine spannende Geschichte über eine Papstwahl vor und vergnügt lernt man, bei aller Spannung die grade Harris in der Lage ist, zu vermitteln, wie denn so eine Konklave eigentlich abläuft. Also inner circle sozusagen. Und vor allem liest man genüsslich, dass es (als wenn wir es nicht vorher gewusst hätten) bei den Jungs mit den bedenklichen Hüten und Umhängen auch nicht anders zugeht, wie im richtigen Leben Weiterlesen

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Ray Celestin: City Blues Quartett 01: Höllenjazz in New Orleans

New Orleans, 1919: Eine Serie von Morden hält die Stadt in Atem. Immer wieder werden italienische Ladenbesitzer mit einer Axt gemeuchelt. Schnell glaubt die Polizei, den Täter in den Reihen der italienisch stämmigen Bevölkerung des multikulturellen Städtchens suchen zu müssen, als auch ein Deutscher sich in die Reihen der Opfer einreiht. Angst und Schrecken gehen um, Michael Talbot übernimmt die Ermittlungen bei der Polizei. Aber auch andere Personen in der Stadt haben ein Interesse an der Aufklärung, etwa die forsche junge Frau Ida Davis, die für ein Detektivbüro arbeitet, hier aber in eigener Sache und Neugier unterwegs ist. Luca d’Andrea war selbst einmal Polizist, gehörte aber auch der italienischen Mafia an und arbeitete im Hintergrund für sie, bis das mal schief ging. Dann war er jahrelang im Gefängnis. Nun ist er in der Stadt zurück und interessiert sich ebenfalls für die Mordserie.

„Höllenjazz in New Orleans“ ist ein klasse Buch, so viel nur vorweg. Ray Celestin fängt auf den Seiten perfekt die Stimmung in der Stadt ein, die von Jazzmusik geprägt ist und in der sehr viele Einwanderer aus den unterschiedlichsten, vor allem europäischen Ländern wohnen. Weiterlesen

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Laline Paull: Das Eis

Die Eisdecke in der Arktis schmilzt unaufhörlich und auch im Sommer gibt es kein Eis mehr im Nordpolarmeer. Raffgierige Unternehmen wittern ihre Chance und wetteifern um einen Platz im einstmals „ewigen Eis“.  In diese Szenerie gerät ein Kreuzfahrtschiff mit gut zahlenden, anspruchsvollen Gästen, die ihre Reise auf dem luxuriösen Schiff unter dem Motto „Im Reich des Eiskönigs“ gebucht haben. Diesen Eiskönig, einen echten Eisbären, wollen sie nun sehen. Unzufrieden mit schmutzigen Gletscherzungen, gelangweilt von der Aussicht auf die sterbende Arktis, drohen sie bereits mit einer Klage. Der Kapitän des Schiffs lenkt ein und nimmt Kurs auf einen gesperrten Fjord.

Hier erleben die Gäste das Kalben eines Gletschers, der Eisberg bricht und treibt ins Meer. Dieses Naturschauspiel fördert spektakulär eine männliche Leiche zutage Weiterlesen

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John Bude: Mord in Cornwall (1935)

Deduktion statt DNA-Analyse: Auch dieses erstmals ins Deutsche übersetzte Fundstück von 1935, reiht sich nahtlos in die herrlich nostalgische Krimireihe des Klett-Cotta Verlages ein. Hier werden Spuren anhand von Fußabdrücken und Kieselsteinchen verfolgt, hier fährt der Inspektor den möglichen Fluchtweg selbst mit dem Auto ab, um die Zeit zu stoppen. Der Spannung tut dies keinen Abbruch. Im Gegenteil. Weil hier keine traumatisierten oder hochbegabten Ermittler am Werke sind, sondern sympathisch-schrullige Charaktere, wähnen wir uns als Leser ganz dicht am Geschehen. Als wandelten wir selbst die Küstenpfade Cornwalls entlang – zu einer Zeit, als diese vor Rosamunde-Pilcher-Verklärung und Massentourismus einen ganz eigenen Charme versprühte.

Boscawen, eine idyllische 400-Seelen-Gemeinde in den 30er Jahren: Die Welt ist in Ordnung, die Dinge gehen ihren geregelten Gang. Wer nach dem großen Abenteuer sucht, weicht auf die Literatur aus. Wie Reverend Dodd und Dr. Pendrill, eingefleischte Junggesellen und älteste Freunde. Jeden Montag treffen sie sich bei Dodd vor dem Kaminfeuer, gehen den Inhalt ihrer neu bestückten Bücherkiste durch und tauschen sich über Krimis aus. Bis an einem gewitterigen Montagabend ein Anruf eingeht: Der alte Julius Tregarthan liegt in seinem Wohnzimmer – Tod durch Kopfschuss! Weiterlesen

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Frank Goldammer: Tausend Teufel

Max Heller ist in Dresden auch nach dem Zusammenbruch es Dritten Reiches noch oder wieder (nur) Oberkommissar. Dresden ist ein einziges Trümmerfeld und gehört zur sowjetischen Besatzungszone, oder wie die Zeitgenossen es ausdrücken würden: die Russen haben jetzt hier das Sagen. Trotzdem oder gerade deswegen gibt es noch ein Komissariat, in dem in Mordfällen ermittelt wird. Es fehlt an allem, an Mitarbeitern, an Material und eigentlich auch an Zeit, aber man gibt sein Bestes. Ausgerechnet zwei russische Offiziere werden kurz hintereinander ermordet, und zwar auf eine Art und Weise, die nicht unbedingt auf einen Täter schließen lässt, der bloß das Kriegsende verschlafen hat.

Frank Goldammer lässt die Zeit 1947 wieder zum Leben erwachen. Der Leser spürt den Hunger, die Angst und auch die verschiedenen Traumata an jeder Stelle des Romans, der trotzdem noch ein solider Krimi ist. Weiterlesen

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