Laura McHugh: Im Sog der Schuld

17 Jahre ist es her, dass Arden zuletzt einen Fuß in ihre Heimatstadt gesetzt hat. Damals war sie selbst noch ein Kind und ihre Zwillingsschwestern verschwanden auf mysteriöse Weise als Kleinkinder. Seitdem plagen Arden die Gedanken an die beiden Mädchen. Leben sie etwa noch? Und welche Rolle spielte sie selbst bei ihrem Verschwinden? Als Arden das alte Haus der Familie erbt, beschließt sie, dort einzuziehen und der Sache genauer auf den Grund zu gehen, auch wenn das Geschehene schon so viele Jahre zurückliegt.

„Im Sog der Schuld“ ist ein leicht zu lesender Mystery-Roman. Thriller wäre schon fast zu viel gesagt, denn wirklichen Thrill gibt es kaum. Die kleinen Mädchen waren eines Nachmittags weg und Arden versucht sich an genaue Details zu erinnern. Damals wurde ein Mann verhaftet, dessen Auto Arden am Tatort, dem elterlichen Garten, gesehen hatte. Doch hatte er wirklich etwas mit der Sache zu tun? War sie als Kind noch felsenfest davon überzeugt, ist sie sich in der Gegenwart nicht mehr so sicher. Zusammen mit einem interessierten Blogger, der sich mit mysteriösen Vermisstenfällen aus der Vergangenheit befasst, begibt sich Arden deshalb auf Spurensuche. Weiterlesen

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Petra Hammesfahr: Das Mädchen Jannie

Petra Hammesfahr ist seit langem bekannt für ihre spannenden und brisanten Kriminalromane, die sich immer wieder mit hochaktuellen und oft verstörenden Themen beschäftigen.

So auch in diesem Fall: Die 10-jährige Jannie flüchtet vor der Brutalität des Anführers der Bettlerbande, an die sie im Alter von vier Jahren von ihrem eigenen Großvater verkauft worden war. Sie landet auf dem abgelegenen Bauernhof von Dieter Leuken, einem Psychopathen, der, um möglichst authentische Thriller schreiben zu können, die Taten, die er in seinem Büchern beschreiben möchte, vorher selbst ausübt. Doch Jannie beginnt, Dieter zu vertrauen, der ihr zu essen gibt, sie einkleidet und ihr Lesen und Schreiben beibringt. Und sie hat Freude daran, seine Mutter, die nach einem Schlaganfall gelähmt und stumm im Bett liegt, zu versorgen. Dass die Frau mit Augenblinzeln versucht, Jannie zu warnen vor dem, was Dieter mit ihr vorhat, erkennt sie nicht.

Parallel ermittelt Kommissar Klinkhammer im Fall einer rumänischen Kinderhandelbande und findet relativ bald heraus, dass zwischen dieser und der Bettlergruppe ein Zusammenhang besteht. Weiterlesen

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Ray Celestin: City Blues Quartett 02: Todesblues in Chicago

Chicago, 1928: Seit knapp zehn Jahren haben sich Ida und Michael nun in der Stadt niedergelassen. Sie führen ein kleines erfolgreiches Ermittlungsbüro und können an ihre Erfolge in New Orleans anknüpfen. Ihr neuster Fall führt die beiden in die Reihen der Schönen und Reichen, aber auch ins Drogen- und Alkoholmilieu der Stadt. Gibt es einen Zusammenhang zwischen der jungen Verlobten, die eines Nachts einfach verschwunden ist, und dem Anschlag auf ranghohe Tiere der Unterwelt? Ida und Michael nehmen die Ermittlungen auf und verbünden sich mit neuen Menschen, die ihnen für die Recherchen wichtig sein könnten.

Ray Celestin gelang im Vorjahr mit „Höllenjazz in New Orleans“ in meinen Augen ein wahres Glanzstück. Den vorliegenden zweiten Band kann man auch unabhängig lesen. Er findet zeitlich später und in einer anderen Stadt statt. Es sei allerdings dringend empfohlen, den ersten Band ebenfalls zu lesen – er ist es mehr als wert! Weiterlesen

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Dieter Aurass: Rheinlandbastard

Ein Kriminalfall im Jahr 1924 in Koblenz. Ein Fall um ein weitgehend unbekanntes Thema aus der Zeit der französischen Besatzung im Rheinland nach dem ersten Weltkrieg.

Dieter Aurass ist ein pensionierter Polizeibeamter, der nach einer Reihe von Frankfurter Regionalkrimis hier seinen ersten historischen Kriminalroman vorlegt. Und der ist ihm wirklich gelungen.

Der Krimi vor dem Hintergrund realer historischer Ereignisse ist hochspannend und, soweit ich das beurteilen kann, hervorragend recherchiert. Es geht um grausame und scheinbar willkürliche Morde an französischen Besatzungssoldaten. Der mit der Aufklärung beauftragte Colonel ist fest davon überzeugt, dass nur ein Deutscher der Täter sein kann. Die Deutschen, oder doch zumindest die Meisten, hassen die Franzosen, die ihr Land besetzt haben. Und die Franzosen, allen voran eben auch dieser Colonel, hassen die Deutschen für all das Leid, dass sie im Krieg über Frankreich gebracht haben. Weiterlesen

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Petra Ivanov: Entführung

Steinerne Mienen, steife Rücken, angespannte Stille. Im Büro der Staatsanwältin knisterte die Luft, sie war aufgeladen mit kaum verhohlener Wut. Pal Palushi sieht seinem Klienten nach. Trotz Handschellen und Fußfesseln wirkte Mustafa Saifullah unbekümmert …“ (S. 7)

Pal Palushi hat in einen Sack voller Giftschlangen gegriffen: Er wird Pflichtverteidiger eines Entführers, der die Aussage verweigert, und die Staatsanwältin missbraucht ihr Amt, um mit Pal alte Rechnungen zu begleichen. Während die Medien alles über die Entführung von Lara Blum, der Tochter eines Millionärs, ausbreiten, der Polizei Ermittlungsansätze fehlen, wird Pal in seiner Berufsehre öffentlich angegriffen. Wie kann ein Anwalt einen muslimischen Entführer verteidigen?

Um Lara zu retten, bringen sich Pal und seine Freundin Jasmin in Gefahr.

Petra Ivanov hat bereits über Jasmin Meyer, inzwischen Ex-Polizistin, und den Anwalt Pal Palushi drei Kriminalromane geschrieben, in denen das ungleiche Paar ermittelt. Im neuen Fall tauchen beide in das Milieu der strenggläubigen Muslime ein, die mit ihren Doktrin Glaubensbrüder radikalisieren. Weiterlesen

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Aimee Molloy: Die Mutter

Sie nennen sich die Mai-Mütter, fast zur gleichen Zeit entbinden sie und sie treffen sich regelmäßig in Brooklyn im Park auf einen gesunden Drink und zum Erfahrungsaustausch. Eines Tages beschließen sie, einen Abend, nur einen Abend, einmal wieder ausgehen, Stress vergessen, wieder ohne Baby lachen. Für eine von Ihnen endet das mit dem Verlust des Babys. Aber was steckt dahinter? Eine überforderte Mutter? Ein abgewiesener Liebhaber? Oder ein ganz anderes Verbrechen?

„Die Mutter“ ist ein gut aufgebauter Psychothriller, dessen Ende so nicht voraussehbar war. Er ist durchweg spannend und gut zu lesen. Das ist nicht selbstverständlichen, denn Aimee Molloy hat noch einen anderen Aspekt eingebaut: Die Schwierigkeiten frischgebackener Mütter in Amerika, den irren Spagat zwischen Mutterschaft und Beruf und Leidenschaft. Einige der Mai-Mütter müssen oder wollen wieder arbeiten, andere haben das nicht nötig, wieder andere wollen das nicht, haben aber mit dem Einkommen des Mannes zu kämpfen. Weiterlesen

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Judith Merchant: Atme!

Es sollte ein ganz normaler Shoppingausflug werden. Nile und ihr Freund Ben. Und dann ist da dieses Kleid im Schaufenster. Nile und Ben betreten den Laden, sie probiert das Kleid an – vielleicht wäre es ja was für die anstehende Hochzeit? Doch als Nile aus der Umkleidekabine kommt, ist Ben wie vom Erdboden verschluckt und auch vor dem Laden kann sich niemand an ihn erinnern. Panisch ruft Nile in den Krankenhäusern der Umgebung an und telefoniert schließlich auch die Freunde von Ben ab, von denen er sich in der letzten Zeit distanziert hatte. Niemand interessiert sich für Bens Verschwinden! Nur Bens noch-nicht-ganz-Ex-Frau Flo scheint Anteil zu nehmen und möchte Nile helfen. Doch sagt sie wirklich die ganze Wahrheit?

Judith Merchant spielt in ihrem Thriller „Atme!“ mit der Wahrnehmung der Leserinnen und Leser, aber auch mit Niles Bezug zur Realität. Nile wird oft panisch, weshalb Ben mit ihr ein Ritual entwickelt hat, um sie auf den Boden der Tatsachen zurückzubringen. Weiterlesen

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Stefan Barz: Spiel des Bösen

Spannung für einen entspannten Sonntagnachmittag. So könnte man dieses Buch von Stefan Barz untertiteln.

Stefan Barz erzählt in flottem, dem Thema durchaus angemessenen Tempo von mysteriösen Todesfällen in der Eifel. Es gibt keine Motive, keine wirklich Verdächtigen und zunächst auch keinen erkennbaren Zusammenhang zwischen den drei Morden. Dann allerdings entdecken die beiden Kommissare Grimberg und Wagner durch Zufall drei Entführungsfälle. Kinder sind verschwunden ohne dass die jeweiligen Eltern sich bei der Polizei gemeldet hätten. Relativ schnell erkennt die Leserin, auch aufgrund der eingeschobenen Szenen aus der Perspektive des Täters, die Verbindung.

Stefan Barz schreibt spannend, keine Frage, aber die Spannung ist recht oberflächlich, so erkennbar erzeugt. Es mangelt an Subtilität, an Originalität. Der Stil ist wie aus dem Lehrbuch, viele Formulierungen sind abgedroschen,  Bilder und Vergleiche ausgelutscht. Und die reichlichen Fehler mindern das Lesevergnügen zusätzlich. Mehrmals sind die Namen der handelnden Personen – von denen es reichlich gibt – vertauscht, so dass man als Leser aus dem Lesefluss gerissen wird, weil man erst einmal überlegen muss, wer denn eigentlich gemeint ist. Weiterlesen

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Christine Brand: Blind

Nathaniel Brenner ist um die 40 Jahre alt und lebt als Blinder mit seinem Hund in Bern. Über eine App lässt er sich gelegentlich von Sehenden helfen, etwa wenn er ein Hemd einer bestimmten Farbe aussuchen will. Durch Zufall wird er dann mit einem der sehenden Nutzer verbunden und dieser hilft ihm über ein Videotelefonat. So geschieht es auch an diesem Tag und Nathaniel wird blinder Zeuge eines seltsamen Geschehens. Es kommt ihm so vor, als sei sein Gegenüber Carole in echter Gefahr und würde gerade überfallen werden. Beim Notruf nimmt niemand den blinden Mann ernst, zumal er nicht mal weiß, wie Carole mit Nachnamen heißt. Über Kontakte schafft er es schließlich, dass Caroles Wohnung überprüft wird. Angeblich hat sie gesund die Tür geöffnet und behauptet, es sei alles in bester Ordnung. Aber kann das wirklich sein? Ist nicht mehr dran an der Sache?

Die Schweizer Autorin Christine Brand hat mit „Blind“ eine sehr spannende Geschichte entworfen. Die Figuren ergänzen sich großartig und bieten ein Bild über das große Ganze. Die Kapitel sind immer sehr kurz gehalten und zeigen meist nur ein Bruchstück, wenn’s wirklich spannend wird, gibt es einen Szenenwechsel. Dadurch ist man angehalten, ständig weiterzulesen. Man kann den Roman kaum aus der Hand legen. Weiterlesen

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Joseph Jefferson Farjeon: Dreizehn Gäste (1936)

Ein Politiker, ein Cricket-Spieler, ein Maler, ein Klatschreporter, ein Wurstfabrikant, eine Krimiautorin, eine Schauspielerin und eine faszinierende Witwe namens Nadine Leveridge – diese und andere illustre Gäste hat Lord Aveling zu einem Wochenende auf seinem Landhaus Bragley Court eingeladen. Der verschuldete Adlige will nach außen hin die Fassade wahren, nützliche Kontakte pflegen und nebenbei seine Tochter mit einem aufstrebenden Politiker verkuppeln. Doch es soll anders kommen…

Unfreiwillig platzt John Foss in diese bunt zusammengewürfelte Gesellschaft hinein. Als er am Bahnhof stürzt, nimmt ihn die schöne Nadine kurzerhand mit in das Landhaus. Dort soll sich John auskurieren. Als unerwarteter dreizehnter Gast lässt das Unglück nicht lange auf sich warten. Aufgrund seines verletzten Fußes ist John in einem Vorzimmer im Eingangsbereich untergebracht, wo er unfreiwillig Zeuge merkwürdiger nächtlicher Szenarien wird. Nach dem Motto „Der Beobachter sieht vom Spiel am meisten“ gewinnt John ungeahnte Einblicke in die Geheimnisse der Geladenen. Dieses Wissen ist für Kriminalinspektor Kendall bald Gold wert: Denn nach einem zerstörten Gemälde geht es diversen Vier- und Zweibeinern auf Bragley Court an den Kragen. Weiterlesen

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