Jo Nesbø: Macbeth: Blut wird mit Blut bezahlt

Jo Nesbø, weltberühmter norwegischer Krimiautor, hat sich im Rahmen Shakespeare-Projektes von Hogarth Press (1917 von Virginia und Leonard Woolf gegründet) an die Neuerzählung von Shakespeares Tragödie „Macbeth“ aus dem Jahre 1606 gemacht. Der Thriller erschien am 27. August 2018 im Penguin Verlag. Deutsch von André Mumot.

Darin entwirft Nesbø ein düsteres Bild um den „Königsmörder“ Macbeth, den er zum Inspector einer Polizei-Spezialeinheit, dem SWAT-Team, in einer heruntergekommenen, ehemaligen Industriestadt in Schottland macht. Drogen und Gewalt sind an der Tagesordnung, jahrzehntelang toleriert von dem korrupten Chief Commissioner Kenneth. Doch nun ist Duncan Polizeichef geworden, und er setzt sich für Recht und Gesetz ein. Zunächst kämpft Macbeth, der selbst einmal drogenabhängig war, diesen Kampf gegen die Norse Riders und Hecate, der grauen Eminenz des Drogenhandels, erfolgreich mit. Doch dann gerät sein Gerechtigkeitsempfinden auf die falsche Spur. Weiterlesen

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Jonas Winner: Die Party

Als die ehemaligen Schulfreunde in 2018 zu einer Halloween-Revival-Party eingeladen werden, ahnen Nick, Donna, Ashley, Terry, Louise, Kim, Ralph, Henry, Janet und Scott nichts Schlimmes. Der Gastgeber ist ihr alter Schulfreund Brandon, der in seiner Villa ihre letzte Party wiederaufleben lassen möchte. An Halloween 1986 waren sie alle in dieser Konstellation zuletzt vereint. Eine Party, die mehrere Leben für immer veränderte. Eine Party, auf der Schreckliches geschah. Doch was war es? Und wer war beteiligt? Schon nach wenigen Minuten ahnen die ehemaligen Schulfreunde, dass es etwas Zerstörerisches sein muss. Denn kaum hat die Party begonnen, stürzt der Gastgeber Brandon in die Tiefe und wird vom schweren Kronleuchter begraben. Gleich im Anschluss – alle sind noch geschockt – meldet er sich per Videobotschaft. Nur einer der Gäste wird die 24 Stunden der Party überleben und es gibt kein Entkommen …

Jonas Winners neuer Roman hat viele Protagonisten, die man alle ein wenig kennenlernt. Am Greifbarsten wird dabei wohl noch Nick, dem viele Kapitel des Romans gewidmet sind. Er lebt als mehr oder wenige erfolgreicher Autor von Thrillern in Brooklyn, New York. In seinem Heimatstädtchen New Jericho war er seit dem Schulabschluss nicht mehr, auch Kontakt zu den ehemaligen Freunden hatte er wenig. Weiterlesen

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Jane Harper: Ins Dunkel

Der Ermittler Aaron Falk soll so schnell wie möglich Beweise vorlegen, damit eine schon lange verdächtige Melbourner Firma überführt werden kann. Ausgerechnet jetzt bricht Alice, seine wichtigste Informantin, mit einigen Kollegen und ihren Chefs zur alljährlichen Wanderung ins Giralang-Massiv auf. Jeweils fünf Frauen und Männer wandern in zwei Gruppen durch einen Wald. Jede Gruppe nimmt eine eigene Route, wer zuerst nach drei Tagen das Ziel erreicht hat, gehört zum Gewinnerteam. Das Spiel Männer gegen Frauen beginnt jedoch mit einigem Unmut, weil jeder von ihnen kurz vor einer Beförderung steht. Daniel und Jill, die Firmeninhaber, führen jeweils ihre Gruppe an. Bei Regen und Kälte geht es los. Doch in der Frauengruppe bahnen sich aus verschiedenen Gründen Konflikte an. Alte Rechnungen wollen beglichen werden. Während die Männergruppe wie erwartet pünktlich das Ziel erreicht, verirren sich die Frauen. Weiterlesen

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Volker Klüpfel & Michael Kobr: Kluftinger

Kommissar Kluftinger löst seinen 10. Fall. Diesmal sieht es ganz so aus, als wäre er selbst das Opfer. Ein Grab mit seinem Namen und eine Todesanzeige deuten stark darauf hin, dass jemand es auf Kluftinger selbst abgesehen hat. Weitere Drohungen bestätigen das und der Kommissar macht sich auf die Suche, die ihn in seine eigene Vergangenheit führt.

Das ist definitiv eine interessante Idee, die sich deutlich vom Handlungsverlauf der bisher erschienen Bände abhebt. Genau das war wohl auch der Gedanke des Autorenduos Klüpfel und Kober, die zum Jubiläum des 10. Bandes etwas Besonderes bieten wollten. Das ist ihnen sicherlich gelungen. Ob es freilich den eingefleischten Klufti-Fans zusagt, erscheint mir fraglich. Während der etwas kauzige Kommissar sich bisher in relativ klar strukturierten Kriminalfällen auf die Jagd nach Verbrechern begab und diese dann auch regelmäßig zur Strecke brachte, sieht es im neuen Roman anders aus. Hier wird die Handlung von zahlreichen Rückblenden unterbrochen und es gibt ein offenes Ende. Man lernt dabei Kluftinger (und sogar seinen Vornamen) zwar näher kennen, dem Erzählfluss tut das allerdings nicht gut und schmälert insgesamt das Lesevergnügen. Weiterlesen

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Nina Laurin: Escape – Wenn die Angst dich einholt

Dreizehn Jahre ist es her, dass Ella als 10-jähriges Mädchen einfach verschwand und das erstmal niemand über Wochen merkte. Erst als ihre Mutter ins Gefängnis kam, fiel das Fehlen des kleinen Mädchens auf. Drei Jahre später kann sie ihrem Entführer entkommen, bei der polizeilichen Vernehmung allerdings fast nichts über ihn zur Aussage geben. Doch etwas hat ihr ihr Vergewaltiger und Peiniger mitgegeben: Ella ist schwanger.

Mittlerweile ist Ella 23 Jahre alt, hat das Baby gleich nach der Geburt zur geschlossenen Adoption freigegeben und schlägt sich irgendwie so durchs Leben. Sie ist von Tabletten abhängig und hat mehrere Jobs, um sich über Wasser zu halten. Als sie eine Vermisstenanzeige in die Hände bekommt, glaubt sie schnell, dass ihr damaliger Peiniger wieder zugeschlagen haben könnte. Die 10-jährige Olivia passt genau in das Beuteschema ihres größten Albtraums.

Wer bei Nina Laurins Roman einen Thriller erwartet, bei dem man atemlos Seite um Seite liest und mitbangt, der wird zweifellos enttäuscht sein. So ein Buch ist „Escape – Wenn die Angst dich einholt“ nicht. Es arbeitet eher auf psychologischer Ebener, befasst sich mit Ella, die mittlerweile Laine heißt, und ihrer inneren Zerrissenheit, als sie auch noch entdeckt, dass Weiterlesen

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Frank Goldammer: Vergessene Seelen

Dresden 1948. Ein extrem heißer Sommer. Drei Jahre nach Kriegsende ist Dresden noch immer eine riesige Baustelle und die Versorgung lässt zu wünschen übrig. Für Kriminalkommissar Max Heller hat sich hauptsächlich eins geändert: Es sind nicht mehr die Russen, die sich ständig in seine Arbeit einmischen, sondern es ist inzwischen die SED. Die ihn darüber hinaus auch noch dauernd in ihre Reihen aufnehmen will und in die sein zurückgekehrter Sohn bereits eingetreten ist. Max sieht sich einem Gegner gegenüberstehen, den er nicht bekämpfen will.

In einer Baugrube wird ein 14jähriger Junge gefunden. Die Todesursache ist unklar. Ist er gestürzt, hat er sich wegen seines gewalttätigen Vaters umgebracht oder wurde er von Schmugglern getötet. Max tauch tief in die Welt der einfachen Leute und ihrer Sorgen und Schwierigkeiten ein und mit ihm der Leser. Es wird oft vergessen, dass mit Kriegsende eben nicht plötzlich alles wieder gut war (im Westen übrigens auch nicht). Männer kehren traumatisiert aus dem Krieg zurück und wissen sich nicht anders zu helfen, als Gewalt gegen ihre Familien auszuüben. Weiterlesen

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Karen Cleveland: Wahrheit gegen Wahrheit

Die Protagonistin Vivian arbeitet bei der CIA als Spionageabwehr-Analystin. Durch akribischen Fleiß hat sie einen Algorithmus entwickelt, mit dessen Hilfe sie russische Spione enttarnen will. Doch als es ihr schließlich gelingt, sich in das Programm eines russischen Agentenbetreuers einzuloggen, macht sie eine schreckliche Entdeckung: Nachdem sie eine Datei mit fünf Schläfern geöffnet hat, erblickt sie auf einem der Fotos ihren Mann Matt und all ihr Enthusiasmus macht einer kalten Angst Platz. Alles, wofür sie sich eingesetzt und gearbeitet hat, scheint urplötzlich zunichte zu sein. Mehr noch, die Struktur ihrer Ehe und der gesamten Familie gerät ins Wanken. Basiert ihre Ehe, ihr Familienleben auf einer Lüge? – Matt gibt Vivians Verdacht unumwunden zu.

Das Dilemma für Vivian könnte nicht perfider sein. Soll sie ihren Mann enttarnen und damit gleichzeitig ihr eigenes und das Leben ihrer Familie, alles was sie hat und liebt zerstören? Was würde aus den vier Kindern werden, wenn sie ohne den liebevollen Vater aufwachsen müssten? Weiterlesen

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Mark Johnson: Die schlichte Wahrheit

Die Umfragen in der schwedischen Bevölkerung sprechen ein paar Monate vor der Wahl für einen Regierungswechsel. Ministerpräsident Ekholm wirkt jedoch zum Erstaunen aller wenig besorgt. Denn keiner weiß von seiner Intrige gegen die gerade so beliebte Opposition. Wie bei einem raffinierten Schachspiel setzt er auf seinen letzten Bauern, der in zwei Zügen die gegnerische Dame schlagen soll.

Ekholms politischer Berater Jonatan Stark weiß noch nichts von seiner besonderen Rolle in diesem politischen Ränkespiel. Die Bitte um seine Mithilfe ist so vage formuliert, dass Jonatan nur zögernd seine Zustimmung für diesen geheimnisvollen Auftrag gibt. Kurz nach seiner Zusage wird sein Leben innerhalb von 24 Stunden ruiniert: Alles beginnt mit der Kündigung und kurz darauf mit einem dubiosen, neuen Job bei einer großen Beratungsfirma. Doch viel zu schnell geht Ekholms Finte ins Leere und bringt Jonatan in Erklärungsnot. Deshalb will ihn ein bis dahin im Hintergrund agierender Auftraggeber persönlich an Deck seines Schiffes sprechen. Noch am gleichen Tag steht Jonatan einem kriminellen Großinvestor gegenüber. Ehe er begreift, wie ernst seine Lage ist, geht das informelle Gespräch in eine Befragung auf der Folterbank über. Weiterlesen

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Sophie Hénaff: Kommando Abstellgleis

Ein Mordsspaß mitten in Paris: Anne Capestan ist eine talentierte Polizistin, die leider einen Haken hat: Sie ist äußerst hitzköpfig! Leicht erregbar, gerechtigkeitsfanatisch und schießwütig, hat sie sich bei ihrem letzten Einsatz ein paar Kugeln zu viel erlaubt. Folglich wird sie zur Leitung einer neuen Brigade abkommandiert, welche sich als ein Sammelsurium von Polizeikollegen herausstellt, mit denen keiner zusammenarbeiten will. Da ist zum Beispiel José Torrez, dessen vier letzte Partner bei Einsätzen entweder schwer verletzt oder getötet wurden. Seitdem umweht ihn die Aura des Todesengels, der nur Unglück bringt. Da sind der homosexuelle Lebreton, der Säufer Merlot (Name verpflichtet!) und der etwas debile Hacker Dax, der sich bei Boxkämpfen ein paar graue Zellen gequetscht hat. Die mondäne Eva Rosière hat nicht nur Allüren, sondern durch ihre Tätigkeit als Drehbuchautorin einer Krimiserie etliche Kollegen vor einem Millionenpublikum bloßgestellt. Die schüchterne Polizistin Evrard ist der Glücksspielsucht erlegen, während der PS-verrückte Lewitz in drei Monaten drei Dienstwagen zu Schrott gefahren hat. Zusätzlich wird die Brigade von Rosières Schoßhündchen Pilote abgerundet. Weiterlesen

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Chevy Stevens: Ich beobachte dich

Mehr als zehn Jahre ist es her, dass Lindsey und ihre damals noch 6-jährige Tochter dem gewalttätigen Ehemann Andrew entkamen. Er kam sogar wegen einer anderen Sache ins Gefängnis. Doch nun hat er seine Strafe abgesessen und ist wieder auf freiem Fuß. Und sofort merkt Lindsey, die mittlerweile die Mutter eines 17-jährigen Teenies ist, dass in ihrer Umgebung seltsame Dinge passieren. Im Haus sind Gegenstände verrückt und sie spürt, dass jemand in ihren Räumen war. Sie fühlt sich verfolgt. Und dann taucht auch noch Andrew in dem kleinen Städtchen auf. Wer sonst soll es also gewesen sein? Doch die Ereignisse entwickeln eine Eigendynamik und schon bald kann Lindsey niemandem mehr trauen.

Mittlerweile bin ich ein großer Fan der Romane der kanadischen Autorin Chevy Stevens. Sie stehen oft für Spannung pur, interessante und häufig unterwartete Wendungen innerhalb der Geschichten und prägnant gezeichnete Figuren. „Ich beobachte dich“ erfüllt allerdings nicht alle diese Kriterien in Gänze. Spannung pur habe ich hier zum Beispiel vermisst. Die Geschichte ist ohne Zweifel gekonnt erzählt, hat die passenden Wendungen, führt Leser und Leserinnen wie betroffene Figuren oftmals in die Irre, aber der Wow-Effekt, den ich bei ihren anderen Romanen, wie etwa „Those Girls – Was dich nicht tötet“ hatte, bleibt aus. Weiterlesen

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