Die Geschichte vom Mädchen, das Perlen lächelte, liebte Clemantine am meisten. Unzählige Male ließ sie sich die Geschichte von ihrem Kindermädchen Mukamana erzählen. Das Schönste daran war, dass Mukamana ihr immer nur die Figuren und die Grundvoraussetzungen vorstellte und Clemantine selbst weitererzählen ließ: „Was glaubst du, was dann passiert?“
Clemantine führt ein behütetes Leben im Wohlstand in Kigali, Ruanda. 1994 ändert sich alles. Ihre Welt schrumpft, erst darf sie nicht mehr in den Kindergarten, dann nicht mehr draußen spielen, später bleiben selbst die Vorhänge geschlossen. Immer öfter donnern Explosionen, Leute verschwinden. Sie wird zur Großmutter nach Butare geschickt, zusammen mit Claire, der neun Jahre älteren Schwester. Doch auch bei der Großmutter ist es nicht lange sicher, die Mädchen müssen weglaufen. Auf der Flucht vor dem Völkermord, der Hunderttausende das Leben kostet, können sie niemandem trauen. „Seltsam, wie man von einem Menschen, der von zu Hause weg ist, zu einem Menschen wird, der kein Zuhause mehr hat. […] Du bist überall und von allen Menschen unerwünscht. Du bist ein Flüchtling.“ (Zitat S. 42)
Clemantines Kindheit ist mit sechs Jahren zu Ende. Sie lebt mit Claire in Flüchtlingslagern unter katastrophalen Bedingungen, steht stundenlang nach Maisrationen an, tut alles, um sich sauber zu halten und ihre wenigen Besitztümer zu schützen. Weiterlesen
Kriegslicht, das klingt nach Verdunkelung, nach kaum ausgeleuchteten Winkeln, nach Dingen, die im Verborgenen liegen und besser unentdeckt bleiben. Kriegslicht, das ist auch eine treffende Umschreibung für die Atmosphäre der Nachkriegsjahre in London, für eine Zeit, in der Nathaniel und Rachel erwachsen werden.

sein Leben zu beenden?
Nebraska 1871. Pete Ferguson ist seit Jahren auf der Flucht. Er und sein jüngerer Bruder werden als Deserteure des Bürgerkriegs gesucht; die Bowman-Ranch, ihren Zufluchtsort, musste er verlassen, nachdem er einen Mann getötet hatte. Jähzorn, Beschützerinstinkt und unbedingter Gerechtigkeitssinn lassen ihn immer wieder gewalttätig werden. Er ist unter falschem Namen unterwegs, allein mit seinem Pferd Reunion. In den Plains schließt er sich einem Trupp von Bisonjägern an; die Bisons sind beinahe ausgerottet, die Jäger sind den letzten Tieren auf der Spur. Einer von ihnen erzählt Pete vom Äquator, dieser Linie, die man überschreiten muss, um auf die andere Seite der Erde zu gelangen, wo die Menschen auf dem Kopf gehen und das Wasser die Flüsse hinauf fließt. In Petes Vorstellung könnte das Überschreiten des Äquators seine Erlösung bedeuten, das Ende der Gewalt, den Anfang von Gefühlen.
ie alten Frauen der Gemeinde Oceanside in Kalifornien genannt, kennen die Geheimnisse der Gemeindemitglieder. Das glauben sie jedenfalls, schließlich kümmern sie sich um deren Gebetsanliegen und beten für sie um neue Jobs, neue Häuser und Ehemänner, bessere Gesundheit, mehr Geduld und weniger Versuchungen. Und zusammengenommen haben sie jahrhundertelange Lebenserfahrung. Doch tatsächlich übersehen sie vieles. Ihnen entgeht, wie die siebzehnjährige Nadia Turner den Boden unter den Füßen verliert, nachdem ihre Mutter sich ohne ein Wort der Erklärung oder des Abschieds das Leben genommen hat. Sie wissen nichts von Nadias Selbstvorwürfen, denn ist Nadia der Grund, warum Elise Turner keine Ausbildung machen und nicht so leben konnte, wie sie es sich erträumt hatte. Die Mütter ahnen nicht, wie ungeliebt sich Nadia fühlt, wie tief sich der Vater in sich selbst zurückzieht, welche Sprachlosigkeit zwischen den beiden herrscht. 

