Der Kanadier Yann Martel wurde vor rund 15 Jahren mit seinem Roman „Schiffbruch mit Tiger“ bekannt, der 2012 auch verfilmt worden ist. Nun liegt etwas Neues des 1963 geborenen Autors vor: „Die Hohen Berge Portugals“ unterteilt sich in drei Episoden, die 1904, 1938 und 1981 spielen und nur lose miteinander verbunden sind, aber allesamt äußerst fantasievoll daherkommen und mit großer Herzenswärme und Liebe zu den einzelnen Figuren ausgestattet sind. Weiterlesen
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Joseph O’Neill: Der Hund
Wer schon immer mal wissen wollte, wie das Leben in Dubai so läuft, der sollte Joseph O‘Neills „Der Hund“ lesen.
Ein Wirtschaftsanwalt aus den USA trifft einen alten Freund aus Studienzeiten, der einer superreichen Familie mit Sitz in den Vereinigten Arabischen Emiraten angehört. Dieser Freund bietet dem Anwalt an, künftig für seine Familie in Dubai zu arbeiten. Gesagt, getan … Weiterlesen
Kerry Howley: Geworfen
Dies ist ein überraschendes und allein schon deshalb erfrischendes Buch. Es stellt etwas in durchaus positivem Licht dar, das Menschen, die Bücher lesen, gemeinhin wohl eher ablehnen: Mixed Martial Arts – die Kunst, sich in Käfigen vor Publikum zu verprügeln. Nicht selten, bis einer der Teilnehmer blutüberströmt und bewusstlos auf der Matte liegt.
Die Philosophin Kit, aus deren Perspektive das Buch geschrieben ist, langweilt sich maßlos bei einer Phänomenologie-Konferenz. Weiterlesen
John Irving: Straße der Wunder
In seinem 770-Seiten-Wälzer „Straße der Wunder“ hat John Irving zu alter Fabulierlust zurückgefunden: Ähnlich wie etwa in „Das Hotel New Hampshire“ erfindet er viele kleine makabre, skurrile und oft so witzige Begebenheiten, dass man beim Lesen lauthals lacht.
Die Geschichte beginnt mit zwei Halbwaisen, die auf einer Müllkippe in Mexiko aufwachsen. Das Mädchen, Lupe, kann zwar die Gedanken anderen Menschen lesen, hat aber Probleme beim Sprechen. Weiterlesen
Robert Kisch: Glück
„Robert Kisch“ ist das Pseudonym für einen ehemals renommierten Journalisten, der seinen Job verlor und fortan als Verkäufer in einem Möbelhaus arbeitete. Dass dieser Mann sich so nennt wie der wohl berühmteste Vertreter des Journalismus, Egon Erwin Kisch, der Anfang des 20. Jahrhunderts für Furore sorgte, lässt zumindest aufhorchen. Haben wir es hier mit einem sehr ausgeprägten Selbstbewusstsein zu tun, oder ist das (sympathische) Selbstironie? Weiterlesen
Matt Sumell: Wunde Punkte
Alby gerät bei der kleinsten Kleinigkeit in Wut, er prügelt und säuft sich durch Leben und ist alles in allem genau das, was man einen Proleten nennen würde.
Der amerikanische Autor Matt Sumell geht das Wagnis ein, eben jenen durchaus unsympathischer Zeitgenossen zum Ich-Erzähler seines Erstlings zu machen. Und das Wagnis geht auf. Der Text reißt einen mit seiner derben Sprache sofort mit Wucht in die Welt der Zukurzgekommenen, und man weiß an vielen Stellen nicht, ob man lachen oder weinen soll – zum Beispiel gleich auf der ersten Seite, wenn Alby zu einem wildfremden Mädchen sagt: „Wow, das ist ja übel.“ – „Was denn?“ – „Dein Gesicht.“ Drei Seiten weiter schlägt er seine ältere Schwester, weil sie seiner Meinung nach die Spülmaschine falsch eingeräumt hat. Weiterlesen
Jóanes Nielsen: Die Erinnerungen
Dies ist ein gutes Beispiel für einen Roman, der zwar im Land seiner Herkunft funktionieren mag, exportiert in andere Gegenden der Welt aber massiv an Bedeutung verliert.
Der 1953 geborene Autor Jóanes Nielsen greift in seinem Buch „Die Erinnerungen“ lange zurückliegende Ereignisse seiner Heimat, den Färöer-Inseln, auf. Eine Masernepidemie Mitte des 19. Jahrhunderts kommt genauso vor wie ein Arzt, der sich weigert, auf die abgelegenen Inseln zu reisen, oder wie Beispiele von kolonialer Hochnäsigkeit, die die Dänen den Bewohnern der Färöer-Inseln entgegenbringen. Weiterlesen
Szczepan Twardoch: Drach
Der polnische Autor Szczepan Twardoch ist deutschen Lesern seit 2014 bekannt. Damals erschien sein wuchtig-düsteres Erstlingswerk „Morphin“, das mit den Themen Drogen, Sex, Gewalt und andere menschliche Abgründe einen faszinierenden Lesesog entwickelte.
Um menschliche Abgründe geht‘s auch in seinem neuen Werk „Drach“, aber diesmal macht es der 1979 geborene Autor seinen Lesern ungleich schwerer als im Erstling. Er erzählt keine lineare Geschichte, sondern springt – manchmal mehrmals auf einer Seite – wild durch die Zeiten. Weiterlesen
Meg Mitchell Moore: Eine fast perfekte Familie
Bei den Hawthornes in Kalifornien läuft äußerlich vieles ziemlich rund: Mutter Nora und Vater Gabe haben Erfolg in ihren Jobs, Tochter eins – Angela – hat als Jahrgangsbeste ihrer Schule beste Chancen, in Harvard angenommen zu werden. Tochter zwei – Cecily – ist eine erfolgreiche Tänzerin und zugleich der Sonnenschein der Familie. Nur Tochter drei – Maya – bereitet etwas Kummer, weil sie einfach nicht lesen lernen will.
Doch mit wachsender Seitenzahl merkt der Leser, dass auch vieles von dem sonstigen Glück der Familie nur Fassade ist. Hinter den schönen Kulissen lauern jede Menge Stress und gleich mehrere düstere Geheimnisse. Weiterlesen
Pierre Jarawan: Am Ende bleiben die Zedern
Dem 1985 geborenen Münchner Autor mit libanesischem Vater, Pierre Jarawan, gelingt in seinem Debütroman „Am Ende bleiben die Zedern“ gleiches Mehreres: eine spannende Familiengeschichte zu erzählen etwa oder ein Schlaglicht auf die historische und aktuelle politische
Situation im Libanon zu werfen. Außerdem dokumentiert das Buch die Zerrissenheit von Migranten in Deutschland zwischen alter und neuer
Heimat. Stellenweise verströmt es sogar einen Hauch von Tausend und einer Nacht. Weiterlesen