Timon Karl Kaleyta: Die Geschichte eines einfachen Mannes

Timon Karl Kaleyta dürfte Musikfans vor allem als Frontman der Elektropop-Band „Susanne Blech“ ein Begriff sein. Nun hat der gebürtige Bochumer auch seinen ersten Roman geschrieben: „Die Geschichte eines einfachen Mannes“.

Der Held in diesem Buch ist ein Glücksritter, der zuweilen Ähnlichkeit mit Thomas Manns Hochstaplerfigur Felix Krull hat. Kaleytas Held macht sich – etwas naiv – zum Verdruss seiner Eltern zum Beispiel wenig Sorgen um die Zeit nach dem Abitur und glaubt, dass sich schon alles irgendwie finden werde. Das tut es eine Zeitlang sogar: Der Mann macht Karriere an der Uni, landet im Bett von tollen Frauen und startet mit seiner Band eine vielversprechende Musikkarriere. Weiterlesen

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Danielle Mc Laughlin: Dinosaurier auf anderen Planeten

Danielle McLaughlin, eine irische Autorin, legt in ihrem Sammelband „Dinosaurier auf einem anderen Planeten“ elf recht düstere Geschichten vor. Sie handeln von Armut, Tristesse, Schwermut und dem Unvermögen der unterschiedlichen Generationen, miteinander klarzukommen.

Auf eine solch durchgehend negative Stimmung muss man sich als Leser einlassen wollen. Und das fällt schon deshalb nicht immer leicht, weil sich eine Vielzahl von Figuren in den einzelnen Geschichten tummelt. Bis man sie verinnerlicht hat, ist die Story schon wieder vorbei, und es geht mit neuem Personal von vorne los.

Auch hat die Autorin einen Hang zum offenen Ende. Die Geschichten beginnen im Nirgendwo, der Leser erfährt kaum etwas über den Hintergrund der handelnden Figuren, und einige Seiten später ist die Story wieder vorbei. Gut, man könnte argumentieren: Genau das gehört zum Wesen von Kurzgeschichten. Aber sich permanent auf die Rätseltour nach der Aussage, dem Sinn der jeweiligen Geschichte machen zu müssen und ihn beileibe nicht immer zu erfassen, ist auf Dauer dann doch ermüdend. Weiterlesen

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Ian McGuire: Der Abstinent

In seinem historischen Thriller „Der Abstinent“ führt uns der britische Autor Ian McGuire tief ins 19. Jahrhundert. Im Manchester des Jahres 1867 tobt die Auseinandersetzung zwischen der englischen Polizei und den irischen Unabhängigkeitskämpfern, den „Fenians“.

Hauptkontrahenten sind der irischstämmige Polizist James O‘Connor und der zwielichtige Stephen Doyle, der eigens aus Amerika angereist ist, um in England Stunk zu machen. Schon bald gelingt ihm das.

Der Roman des 1964 geborenen Autors besticht durch seine düstere Atmosphäre. Wir werden gleich auf den ersten Seiten Zeugen einer grausamen Hinrichtung, beobachten einen brutalen Wettkampf, bei dem Hunde möglichst viele Ratten töten müssen, betrinken uns in Pubs, arbeiten in einer stinkenden Gerberei und begleiten eine Hure auf ihr Zimmer. Weiterlesen

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Arnon Grünberg: Besetzte Gebiete

Mit „Besetzte Gebiete“ legt der niederländische Erfolgsautor Arnon Grünberg einen fast schon irrwitzig oder grotesk zu nennenden Roman vor, der durch immer neue Wendungen überrascht.

Weil sich der Psychiater Otto Kadoke etwas zu sehr mit einer Patientin einlässt, verliert er in Amsterdam seine Zulassung und beschließt, sich zusammen mit seinem altersschwachen Vater ins Westjordanland abzusetzen, wo die widerspenstige Anat wohnt, mit er zuvor eine erotische Nacht auf dem Sofa verbracht hat.

Grünberg würzt seinen Roman mit Zutaten, die auf den ersten Blick nicht zueinander zu passen scheinen: Humor und Zionismus-Kritik zum Beispiel – oder die Kritik an einer allzu gottergebenen Haltung der Juden im Westjordanland, die sogar das Putzen in ihren schäbigen Baracken vernachlässigen, weil ja doch bald der Erlöser kommt. Immer wieder heißt es, sie seien im 19. Jahrhundert stehen geblieben. Weiterlesen

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Klaus Modick: Fahrtwind

Wie sähe Joseph von Eichendorffs spätromantische Taugenichts-Erzählung von 1826 aus, wenn man sie heute schreiben würde? Dieses literarische Experiment wagt Klaus Modick in seinem Roman „Fahrtwind“. Herausgekommen ist ein ausgesprochen vergnüglicher Text, der sich selbst nicht allzu ernst nimmt. Es geht um die Liebe, die Musik, den Rausch und das süße Nichtstun. Ironie und ein gewisses Augenzwinkern sind ständige Begleiter bei der Lektüre.

Ein junger Mann hat keine Lust, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten, der das Firmenschild seines Sanitär-Großhandels-Unternehmens gerne mit dem Zusatz „& Sohn“ versehen würde. Stattdessen packt dieser Sohn seine Siebensachen inklusive Gitarre und macht sich ohne viel Geld und ohne ein rechtes Ziel auf den Weg hinaus in die weite Welt. Wie bei Eichendorff wird er von zwei Damen aufgegabelt, nur dass die nicht in einer Kutsche unterwegs sind, sondern in einem Mercedes-107-Cabrio, wie es in den 70er-Jahren, in denen der Roman spielt, modern war. Und natürlich verliebt sich unser Ich-Erzähler in die jüngere der beiden Frauen.

Gespickt ist dieser Roman mit allerlei Gedichten und Naturbeschreibungen – wie das unvergleichliche Licht in Italien – und ihre Wirkung auf den jungen Mann. Weiterlesen

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Frank Goosen: Sweet Dreams

Man kann dem Bochumer Autor Frank Goosen sicherlich vorhalten, mehr oder weniger immer dasselbe zu schreiben. Seine Bücher sind nostalgische Erinnerungen an das Leben im Ruhrpott – speziell in Bochum – in den 70er und 80er Jahren. In gefühlt jedem seiner Texte kommen die berühmten C-90-Kassetten vor – in seinem neuesten Werk „Sweet Dreams“ sogar auf dem Cover (in einem Walkman).

Und doch: Wer selbst im Pott aufgewachsen und ungefähr im selben Alter wie Goosen ist, wird an diesem Buch seine Freude haben. Das steigert sich, wenn man einen Bezug zu Bochum hat: Die Ruhr-Uni kommt genauso vor wie der VfL Bochum in der Bundesliga und die „Zeche“ mit ihren vielen tollen Konzerten.

Besonders zu Anfang liest sich „Sweet Dreams“, das offenbar nah an einer Autobiografie ist, unterhaltsam. Man begleitet den Ich-Erzähler und seine Freunde Brocki, Spüli, Förster und einige andere gerne durch ihr Leben als Jugendliche, das sich um die typischen Themen dreht, die für die meisten Jungs im Alter von 17, 18 oder 19 eben das Wichtigste sind: Mädchen und Alkohol. Weiterlesen

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Johann Scheerer: Unheimlich nah

Johann Scheerer ist der Sohn von Jan-Philipp Reemtsma, dem Erben der Reemtsma Cigarettenfabriken, der 1996 entführt und gegen Zahlung eines Lösegeldes freigelassen wurde. Fortan konnten die Familienmitglieder keinen Schritt mehr gehen, ohne von Sicherheitsleuten bewacht zu werden.

In seinem autobiografischen Coming-of-Age-Roman „Unheimlich nah“ beschreibt Scheerer, wie sich diese Situation besonders für einen Heranwachsenden anfühlt. Wie wirkt es auf Schulfreunde, wenn nach Schulschluss immer die dunklen BWWs an der nächsten Straßenecke warten? Und wie, wenn es zum ersten Mal zu Zärtlichkeiten mit einem Mädchen kommt? Was macht es ganz generell mit einem Kind oder Jugendlichen, wenn er in einer martialischen Macho-Welt aus Waffen und zwar freundlichen, aber stets gewaltbereiten Männern mit Muskeln und Pistolen-Holster unter dem Jackett aufwächst? All diesen Fragen geht Johann Scheerer in seinem Roman nach. Weiterlesen

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Barney Norris: Die Jahre ohne uns

„Die Jahre ohne uns“ des britischen Autors Barney Norris handelt von zwei älteren Menschen, die auf ihr Leben zurückblicken, das für sie nicht optimal verlaufen ist. Der Roman teilt sich im Wesentlichen in zwei Hälften, die zunächst rein gar nichts miteinander zu tun haben – es folgt noch ein kurzer dritter Teil. Der erste Part besteht aus Selbstreflexionen der Frau. Sie ist einsam und findet nur in der Gartenarbeit etwas Freude. Besonders betrauert sie den Verlust ihres Vaters, der offenbar – genau wird es nicht erläutert – wegen einer psychischen Erkrankung die Familie verlassen hat, als unsere Ich-Erzählerin sieben Jahre alt war. Auch ihren Mann hat sie später schon kurz nach der Heirat verloren.

Diese rund 100 Seiten kommen arg freudlos und wehleidig daher, und man muss ich etwas hindurchquälen. Das wird in Teil zwei leider nicht besser. Weiterlesen

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Alexander Gorkow: Die Kinder hören Pink Floyd

Einen warmherzigen, humorvollen und atmosphärisch dichten Roman legt der deutsche Journalist Alexander Gorkow (54) vor: „Die Kinder hören Pink Floyd“.

Der gebürtige Düsseldorfer, der für die Süddeutsche Zeitung arbeitet, beschreibt darin auf liebevolle Art seine eigene Kindheit in den 70er Jahren im Rheinland.

Der Vater, der etwas rechthaberisch über die Familie herrscht, hütet die Stereoanlage im Wohnzimmer, während sich die Mutter unterordnet und die 16-jährige Schwester mit Herzfehler den Part der Aufmüpfigen übernimmt. Der zehnjährige Ich-Erzähler hat mit dem eigenen Stottern und mit diversen anderen altersgemäßen Problemen zu kämpfen.

Die ZDF-Hitparade und Rainer Barzel kommen genauso vor wie The Sweet, ein prügelnder Pfarrer oder die berühmte hydraulische Federung beim Citroen DS. Weiterlesen

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Simon Urban: Wie alles begann und wer dabei umkam

Einen ausgesprochen witzigen Schelmenroman legt der deutsche Autor Simon Urban vor. In seinem 544-Seiten-Wälzer mit dem langen Titel „Wie alles begann und wer dabei umkam“ geht es um die Juristerei und die Frage, wie gerecht unsere Gesetze eigentlich sind.

Der Held entwickelt schon als Kind Interesse an diesem Thema. In Abwesenheit verurteilt er seine Großmutter, den tyrannischen Familiendrachen, zum Tode.

Kein Wunder also, dass er später Jura studiert – und zwar in Freiburg. Dort eckt er mit einer neuen Professorin an, die sich für eine Gesetzgebung einsetzt, die weniger auf Strafe ausgerichtet ist. Unser Held sieht‘s anders. Im Wesentlichen kommt er nicht damit klar, dass ein Täter nicht für ein und dieselbe Tat zweimal verurteilt werden kann – auch dann nicht, wenn neue Beweise auftauchen. Der Ich-Erzähler mutiert mehr und mehr zum düsteren Racheengel, der das Gesetz selbst in die Hand nimmt. Weiterlesen

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