Rebecca Martin: Die kleine Zitronenfarm am Gardasee

Nach dem Tod ihrer Nonna muss Isabella sich allein um die kleine Villa am Gardasee samt Zitronenplantage kümmern, doch das Erbe steckt bereits seit Jahren in Schulden. Ausgerechnet ihre erste große Liebe Raffaele de Luca setzt alles daran, das Anwesen zu kaufen – als sei sein Anblick nicht schon schwer genug, ohne dass er droht, Isabella ihr geliebtes Zuhause wegzunehmen. Gemeinsam mit ihren beiden besten Freundinnen aus der Schulzeit sucht sie fieberhaft nach einer Lösung.

Titel wie „Die kleine Zitronenfarm am Gardasee“ sind für gewöhnlich nicht das Genre, zu dem ich bevorzugt greife; da die Protagonistin und ich uns jedoch den gleichen Namen teilen, wollte ich dem Abenteuer Wohlfühlroman zumindest eine Chance geben. Es muss ja nicht immer alles düster und tiefgründig sein, manchmal braucht die Fantasie eben einen kurzen Urlaub in Italien.

Leider ist dieses Buch jedoch mehr als enttäuschend. Über fehlende Charakterentwicklung (oder fehlenden Charakter) bei den Figuren bin ich bereit hinwegzublicken; auch die Abwesenheit eines logisch-dramatischen Plots gehört vielleicht einfach zum Genre. Aber muss es so schlecht geschrieben sein? Dabei rede ich nicht einmal von der überragenden Empathie, die die Protagonistin sich zuschreibt, weil sie an den Tränen ihrer besten Freundin erkennt, dass etwas nicht in Ordnung ist. Oder darüber, dass Sätze oft dreifach erklärt werden, als werde hier von einem extrem dummen Leser ausgegangen. Meine Frage ist viel simpler als das: Wie viel Plusquamperfekt verträgt ein Buch, das bei einem der größten deutschsprachigen Verlage durchs Lektorat gegangen ist?

Mir ist bewusst, dass ich nicht ganz die Zielgruppe dieser Art von Buch bin, deshalb möchte ich die Handlung an dieser Stelle nicht weiter bewerten. Trotzdem finde ich es schade, eben dieser Zielgruppe etwas anzudrehen, was viel hätte sein können und nichts aus wenig macht. Die Menschen kaufen sich einen leichten Liebesroman mit Zitronenfarmsetting, um Himmels Willen! Es kann doch nicht zu viel verlangt sein, wenigstens einmal diese Zitronenfarm zu beschreiben, auf die sie sich träumen möchten! Wie riechen die Blüten, wie leuchten die Früchte, wie rascheln die Blätter, welches Gefühl hat man zwischen den Bäumen? Das will ich als Leser wissen und das muss ich mir nach der Lektüre von „Die kleine Zitronenfarm am Gardasee“ auch weiterhin selbstständig vorstellen.

Die Liebesgeschichte ist auch nicht umwerfend. Falls jemand, der sich nur für diesen Aspekt interessiert, sich gerade fragt, warum ich so viel über Zitronen rede. Raffaele de Luca begegnen wir auf den Seiten eher selten und die einzigen beiden Informationen über ihn – dass er eine dunkle Stimme und einen Bart hat – vermochten mich einfach nicht so sehr aus dem Häuschen zu bringen, wie meine Namensschwester.

Rebecca Martin: Die kleine Zitronenfarm am Gardasee.
Piper, April 2026.
332 Seiten, Taschenbuch, 17,00 €.

Diese Rezension wurde verfasst von Isabella M. Banger.

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