Jens Brambusch: Tausche Büro gegen Boot

Der Journalist Jens Brambusch stellte eines Tages fest, dass er in seinem Leben dringend etwas ändern müsse. Schließlich hat sich in seinem Umfeld insbesondere bei den Arbeitsbedingungen vieles verändert und dies leider nicht zum Guten. Statt genug Zeit für eine gründliche Recherche zur Verfügung zu haben, um die Menschen so objektiv wie möglich zu informieren, wurde er wie all seine Kollegen dazu angehalten, so schnell wie möglich einen Artikel abzufassen. Ausgewogener Journalismus wird nun der Aktualität geopfert. Systematisch hat er sich für die Arbeit aufgerieben, und dann ist da noch sein Sport, das Strandsegeln. Als sein Körper ihn zu einem Umdenken zwingt, bleibt sein Kopf beim Segeln. Wer sein Leben lang den Segelsport betreibt, kann sich auf diesem Weg auch neue Schritte denken, und zwar das Wohnen auf einem Boot.

Wie er dann tatsächlich sein Büro gegen ein Boot tauscht, nachdem er seinen kompletten Besitz verkauft hat, beschreibt er strukturiert in verschiedenen Kapiteln den Start in ein Leben als Aussteiger. In der Türkei findet er mit der Hilfe eines Freundes das passende Boot. Sein Heimathafen soll Kas werden. Weiterlesen

Ellen Berg: Für immer, oder was?

Laura ist 38, kinderlos und wieder einmal Single. Freunde und Familie machen sich Sorgen, sie selbst ist unglücklich, weil sich „Mr. Right“ einfach nicht einstellen will. Dabei würde sie sehr gerne heiraten und eine Familie gründen. Als selbstständige Floristin stattet sie nur die Hochzeiten anderer mit Blumenschmuck aus und nie ihre eigene. Liegt es am Ende vielleicht an ihr, dass keine Beziehung länger als drei Jahre dauert? Hat sie gravierende Macken? Ist ihr platonischer Freund Skipper der Grund dafür, warum sie keinen Bräutigam findet? Ihre Freundinnen vermitteln ihr Daniel, beruflich, optisch und finanziell ein Traumtyp. Bevor Laura sich allzu sehr auf ihn einlässt, besucht sie binnen einer Woche alle ihre Ex-Freunde, um herauszufinden, warum die Beziehungen mit diesen Männern gescheitert sind. Mit Daniel soll alles, wirklich alles klappen. Sie will nichts falsch machen. Der Kontakt mit ihm über WhatsApp läuft wie am Schnürchen und die Sache sieht eigentlich vielversprechend aus. Weiterlesen

Nadia Al Omari: Alles Humbug

Tante Chapiquita wohnt am anderen Ende des Dorfes. Ein Mädchen wird jede Woche von ihrer Mutter zu der seltsamen alten Frau geschickt, um Eier zu holen. Wie an jedem Mittwoch hat das Mädchen auch dieses Mal ein mulmiges Gefühl, als sie sich auf den Weg zu Tante Chapiquita macht. Denn alle im Dorf behaupten, sie sei eine Hexe.

Als das Mädchen bei Tante Chapiquita ankommt, ist wirklich alles ziemlich unheimlich. Ihr ganzes Haus hängt voller Blüten und Wurzeln, die sie dort trocknet. Möglicherweise, um daraus Zaubertränke zu brauen? Und welches merkwürdige Arbeitsmaterial verbirgt sich in den geheimnisvollen Jutesäcken in ihrer Wohnstube? Weiterlesen

Raffaella Romagnolo: Das Flirren der Dinge

„Das Glück, Antonio. Hörst du nicht, dass es dich ruft?“ (S. 316)

Zunächst sieht Antonios Leben im Waisenhaus alles andere als glücklich aus.

Und wäre ihm in seiner Kindheit der Fotograf Alessandro nicht begegnet, wäre er vermutlich im Waisenhaus vor die Hunde gegangen. Wer wie er ganz unten in der Hierarchie der Kinder steht, lernt, sich unsichtbar zu machen. Und wer unsichtbar ist, wird weniger drangsaliert. Doch eines Tages steht wieder ein Fremder vor den aufgereihten Waisenkindern, um sich eine Arbeitskraft auszusuchen. Ausgerechnet Antonio will der Fotograf Alessandro als zukünftigen Assistenten mitnehmen, den unscheinbaren Jungen mit einem fast blinden Auge, das er unter einer Augenklappe verbirgt.

In der Zeit von 1867 bis 1915 betrachtet Antonio die gesellschaftlichen Ereignisse in Genua und in Mailand durch den Sucher und erfährt dabei, dass auch jenseits der Linse alles für ihn möglich ist. Er muss sich nur trauen und die Initiative ergreifen.

Und es dauert nahezu ebenso lange, bis er begreift, dass seine besondere Gabe nicht nur Fluch, sondern auch ein Segen sein kann. Weiterlesen

Mala Kacenberg: Malas Katze

Dieses Buch ist kein Roman, sondern die Erzählung der Erlebnisse der Autorin als Kind und Jugendliche während des Zweiten Weltkriegs. Die Jüdin Mala Kacenberg wurde 1927 in Polen geboren und wuchs in einem kleinen Dorf auf, in einer kinderreichen, armen Familie.

Als die Deutschen in Polen einmarschieren und schließlich auch in ihr Dorf eindringen, als dort die Juden verraten, verfolgt, verjagt und getötet werden, flieht das Mädchen, das dank seiner blonden Haare und hellen Augen so gar nicht jüdisch aussieht. So überlebt sie als einzige der Familie, alle anderen werden deportiert und sterben.

Auf ihrer Flucht wechselt sie immer wieder die Identität, reist bis nach Deutschland, wo sie als Zwangsarbeiterin bei einer ihr freundlich gesonnenen Familie unterkommt. Immer dabei hat sie ihre Katze Malach, deren Name das jüdische Wort für Schutzengel ist.

Mala ist ein tapferes Mädchen, das sich immer wieder durchschlägt, mit Wagemut, Ideenreichtum und Pfiffigkeit und auch dank ihrer Stärke, die sie auch die schwerste Arbeit bewältigen lässt. Weiterlesen

Robert Asprin: Dämonen-Reihe 03: Ein Dämon auf Abwegen

Nun, eigentlich ist das ja etwas wirklich Schönes, für einen Freund ein Geburtstagsgeschenk zu besorgen. Sie haben das Wörtchen eigentlich bemerkt? Das bezog sich auf die Tatsache, dass ich ein Präsent für einen Dämon brauche – Dämon wie in Dimensionsreisender, Dämon wie in meinem Mentor und Lehrer, dem Perverser Aahz. Das sollte für einen Zauberer trotzdem eigentlich nicht schwierig sein – Konjunktiv, Sie haben aufgepasst?

Tja, zwar bin ich inzwischen Hofmagier in einem veritablen Königreich, doch an der Tatsache, dass ich kaum einen Zauberspruch wirklich beherrsche, führt kein Weg vorbei. Aahz, mein Meister sollte mir das Zaubern eigentlich beibringen, kümmert sich aber lieber um das, was Dämonen am meisten schätzen – Geld scheffeln nämlich. Dass er auf seine eigenen Kräfte nicht zurückgreifen kann, ist dumm, hält ihn aber nicht davon ab, ein Vermögen zu ergaunern.

Zurück zu mir – ich bin mit einer Freundin, ja eine frühere, sehr erfolgreiche Attentäterin, auf Shopping-Tour durch eine andere Dimension – Geschenk für Aahz – schon vergessen? Natürlich geht fast alles schief, ich muss meine Begleiterin in Gefangenschaft zurücklassen und darf nun eine Befreiungsmission organisieren – und das Geschenk nehmen wir natürlich, allen Widerständen zum Trotz auch mit … Weiterlesen

Lindsey Hooper: Ein Sommer mit Hemingways Katzen

Hingegossen wie eine Königin, liegt sie auf der Veranda des Hemingway-Hauses. Das ist ihr liebster Lieblingsplatz auf der Insel. Die schöne Goldgetigerte lässt ihre Ohren zucken und öffnet die meergrünen Augen.“ (S. 13)

Ich bin froh, dass das deutsche Cover viel moderner gestaltet ist als das der amerikanischen Originalausgabe von 2021. Denn das super schöne Cover hat mich direkt an den laidback vibe meines Key West Urlaubs erinnert.

Die College-Absolvent Laura zieht für einen neuen Job von Syracuse, New York, nach Key West, Florida. Genau dort wird sie als Touristenführerin im historischen Hemingway-Haus arbeiten – mit 54 Katzen. Doch dann rast ein Hurrikan auf die Insel zu …

Inspiriert von der wahren Geschichte der berühmten Sechszehenkatzen des Ernest-Hemingway-Hauses in Key West (die heute als Hemingway-Katzen bezeichnet werden) – und dem Hurrikan, der sie fast weggeweht hätte – ist „Ein Sommer mit Hemingways Katzen“ eine kleine, süße Geschichte mit vielen Katzen.

Ich liebe Key West und war gespannt darauf, eine Story mit diesem Schauplatz zu lesen. Außerdem liebe ich Katzen, doch die gelegentlich verwendete Erzählperspektive aus Sicht der Katzen war für meinen Geschmack wirklich übertrieben. Daher musste ich leider die vielen Beschreibungen der felinen Gedanken überfliegen.

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Rebekka Reinhard: Die Zentrale der Zuständigkeiten

Probiere es aus: Stell dich breitbeinig hin, streck die Ellbogen nach außen und stemm die Fäuste in die Hüften – ja, ganz genau, wie Wonder Woman. Denk nicht nach, tu es einfach.“ (S. 123)

Das, was du da gerade machst, nennt sich Power Posing. Es signalisiert nicht nur Macht und Autorität, sondern bewirkt auch, dass deine innere Frauenpower nach außen strahlt. Spürst du es?

Ich muss zugeben, Rebekka Reinhards neues Werk hat mich absolut positiv überrascht und begeistert. Ihre klugen Statements sind so erfrischend offen und ehrlich, dass es beinah weh tut. In ihrem („no bullshit“-)feministischen Manifest schreibt sie über die Rolle der modernen Frau, die permanent Super Woman spielt und tausend Dinge gleichzeitig tut, plant und bedenkt. Dabei lebt sie mit dieser Angst, nicht mitzukommen, zu versagen, aufzufallen, nicht anerkannt zu werden, ungeliebt zu sein.

Solange wir unseren Super-Woman-Fleiß in unbewusster Komplizenschaft mit dem bestehenden System perfektionieren, ändert sich nichts. Wir ackern und ackern und strampeln uns ab. Zum Trost hat man uns ein tolles Spielzeug mit vielen bunten Apps in die Hand gedrückt.“ (S. 102) Weiterlesen

Jay Kristoff: Das Reich der Vampire: A Tale of Blood and Darkness

Für alle Vampir-, Horror- und Dark-Fantasy-Fans ist dieses Buch ein Ereignis: düster, blutrünstig und in einer brachialen, modernen Sprache geschrieben, die eins zu eins zum Inhalt passt.

Der Australier Jay Kristoff, neuer Star am Genre-Himmel, erzählt seine apokalyptische Geschichte, die auf drei 1000-Seiten-Bände angelegt ist, in zwei Erzählsträngen: Vor 27 Jahren ist die Sonne unter- und seither nicht mehr aufgegangen. In der mittelalterlichen Welt, in der die Geschichte angesiedelt ist, hat das zur Folge, dass sich die Vampire immer weiter ausbreiten. Einzige Hoffnung sind die „Silberwächter“, Halbvampire, die sich dem Bösen entgegenstemmen.

Einer von ihnen ist Gabriel de Léon, aus dessen Sicht der Roman erzählt ist. In Handlungsstrang eins ist er ein Jüngling, der langsam zum Silberwächter wird. Handlungsstrang zwei spielt viele Jahre später. Gabriel hat viele Schlachten geschlagen und schwere Schicksalsschläge erlitten. Sein Ziel ist es, den König der Vampire zu erledigen. Weiterlesen

John Niven: Die F*ck-It-Liste

Als John Niven diesen Roman 2020 schrieb, hätte er als politische Satire durchgehen können. Im Jahr 2022 liest er sich hingegen wie eine bittere Realität. Denn vieles, was der Autor im Amerika des Jahres 2026 als fiktive Dystopie entwirft, ist längst eingetreten. Zwar ist Trump momentan kein Präsident mehr, doch Schul-Amokläufe, die Verankerung des Waffenrechts und der gekippte „Roe versus Wade“-Beschluss spalten das amerikanische Volk. In Nivens Roman ist die Gesellschaft schon einen Schritt weiter: Amerika hat sich in ein Land verwandelt, „… wo das Undenkbare erst denkbar, dann machbar und schließlich alltäglich geworden war.“ (S. 250)

Im Mittelpunkt steht Frank Brill, der alles verloren hat: seine Frau, seine Kinder, seine Gesundheit, seine Hoffnung. Der ehemalige Chefredakteur musste einige schwere Schicksalsschläge hinnehmen, die er auf die fatalen Entschlüsse unter der Trump Regierung zurückzuführt. Zwar sitzt im Jahr 2026 Tochter Ivanka im Präsidentenamt, welche sich nur geringfügig von ihrem Vater unterscheidet, doch Donald Trump hält im Hintergrund alle Fäden in die Hand und macht Stimmung gegen Ausländer, „Schmarotzer“, Schwuchteln und allem, was nicht ins Weltbild passt. Der Supreme Court ist längst ultrakonservativ besitzt, die Presse gleichgeschaltet, wichtige Grundrechte ausgehebelt. Nordkorea wurde im Atomkrieg von der Landkarte getilgt und soll in 30 Jahren, sobald die Strahlenwerte es wieder zulassen, zum 51. Bundesstaat von Amerika werden. Nun hat der vereinsamte, 60-jährige Frank Darmkrebs im Endstadium. Folglich nichts mehr zu verlieren. Sein letzter Akt: Fünf Personen auf seiner F*ck-It-Liste aus dem Weg zu räumen, die er auf persönlicher oder politischer Ebene für sein Leid verantwortlich macht. Weiterlesen