Jean-Luc Bannalec: Bretonische Nächte

Pünktlich zum angekündigten Erscheinungsdatum und an den Anfang der Sommerferien in NRW placiert, liegt er im Buchhandel vor: Kommissar Dupins 11. Fall!

Wie gewohnt bekommt der Lesende einen ausgewogenen Mix aus Landschaftsbeschreibungen, kulturellen und kulinarischen Besonderheiten im Genre eines Krimis vorgelegt. Darüber hinaus steht der Autor, der in Frankfurt und in der Bretagne lebt, auch für eine politische Botschaft. Bannalec setzt sich für ein  geeintes und starkes Europa ein. Ein Wert, der für den Autor vor allem in der deutsch-französischen Freundschaft sichtbar und praktisch wird. Für dieses Ansinnen und sein diesbezügliches Engagement wurde er schon häufig ausgezeichnet und geehrt.

In seinem elften Fall legt der Bestsellerautor Jörg Bong alias Jean-Luc Bannalec seinen Fokus auf bretonische Gärten mit ihrem geheimnisvollen Charme, auf seltene Vogelarten und auf Cidre, jener bretonische Apfelwein, der besonders während der warmen Jahreszeit gern getrunken wird.

Kommissar Dupin führt der neue Fall in den „wilden“ bretonischen Norden an die Mündung des Flusses Aber Wrac’h im Finistère. Hier lebt die Familie von Inspektor Kadeg, der in diesem Fall, persönlich betroffen, zum Opfer wird. Weiterlesen

Amor Towles: Lincoln Highway

Überraschend, nachdenklich, witzig, manchmal sogar geradezu weise – all das ist der unbedingt lesenswerte neue Roman des 1964 geborenen Amerikaners Amor Towles. „Lincoln Highway“ heißt er.

Vier Jungs, drei von ihnen waren zuvor in einer Besserungsanstalt, machen sich in einem alten Studebaker auf den Weg in eine vermeintlich bessere Zukunft: Zwei wollen in Kalifornien ihre verschollene Mutter wiederfinden, zwei erhoffen sich durch einen Abstecher in New York einen dicken Batzen Geld.

Von Anfang an läuft ihre Reise alles andere als geplant. Unsere Helden stolpern von der einen in die andere Misere. Sie lernen etwa einen Pater kennen, der wenig ehrenhaft handelt – oder Ulysses, der sich als eine Art Widergänger seines Namensvetters aus dem alten Griechenland entpuppt. Weiterlesen

Susan Kaufman: New York – Wie es keiner kennt

Ein intimes Porträt: fantastisches New York – so wie es kaum jemand kennt. Blinkende Lichter, Wolkenkratzer, Sirenenlärm, U-Bahn-Rattern, Taxi-Hupen, hektische Business People, Touristenmassen … All das spüre ich in keiner Sekunde, wenn ich durch den wunderschönen Bildband blättere.

Bestaunen können wir blühende Kirschblüten, charmant-elegante Stadthäuser, dekorierte Geschäfte mit fantasievollen Schaufensterfronten, einzigartige Parks, zauberhafte Blumeninstallationen an Ladenfassaden und unzählige atmosphärische Straßenbilder.

Susan Kaufman nimmt uns mit auf einen außergewöhnlich schönen Streifzug durch die Straßenzüge, weit abseits der typischen Touristenpfade und bekannten Sehenswürdigkeiten. Weiterlesen

Kristine Getz: Poppy

Lotte Wiig führt ihr Leben online. Vor allem seit ihre jetzt 2-jährige Tochter Poppy geboren wurde, bewirbt sie online alles vom Babybett bis zur Nuss-Nougat-Creme. Dabei hat sie mit ihrem Mann Jens, der die Online-Inhalte managt, großen Erfolg. Mütter eifern ihr nach, Zeitungen schreiben über sie und auch Neider gibt es genug. Dann taucht ein Stalker auf, der heimlich von ihr und Poppy Bilder schießt, und mit ihm ein ungutes Gefühl. Doch Lotte und Jens wollen sich nicht verunsichern lassen und posten weiter. Bei einem Wochenende im Wellnesshotel eskaliert dann die Situation: Poppy, die in der Obhut des Opas zurückblieb, verschwindet plötzlich spurlos. Forderungen von Kidnappern gibt es allerdings keine – was kann passiert sein?

Die amerikanische Autorin Kristine Getz legt mit „Poppy“ ihren Debütroman in norwegischer Sprache vor. Er ist in Norwegen angesiedelt, welches sie durch ihren Ehemann vermutlich gut kennt. Beschrieben wird unter anderem, dass erst wenige Wochen zuvor ebenfalls ein Kleinkind in der Nähe verschwand. Nur etwa vier Stunden nach seinem Verschwinden tauchte es unversehrt wieder auf. Ein Unterschied zu Poppy: Von dem Mädchen gab es online kein einziges Bild, von Poppy tausende. Die Mutter des ebenfalls verschwundenen Mädchens war aber ein großer Fan von Lotte Wiig. Ist das eine erste Spur? Weiterlesen

Donna Freitas: Die neun Leben der Rose Napolitano

Der Körper von Frauen gehört ihnen nie allein. Das macht nicht nur der in Amerika gekippte „Roe vs. Wade“-Beschluss zum Thema Abtreibungsrecht deutlich. Donna Freitas setzt mit ihrem Roman „Die neun Leben der Rose Napolitano“ noch viel früher an – und zwar beim noch nicht mal gezeugten Kind. Ihre Protagonistin Rose ist eine erfolgreiche Professorin, verheiratet mit dem Fotografen Luke und mit der klaren Einstellung, keine Kinder haben zu wollen. Das wird ihr von der Gesellschaft übelgenommen. Sie mache einen Fehler, den sie bereuen werde. Die Muttergefühle würden schon noch in ihr erwachen. Könnte es sein, dass Luke nicht der Richtige ist? Die Zerrissenheit der Frauen, die perfiden Erwartungen und Widersprüche der Gesellschaft sowie Rollenbilder, die zum Scheitern verurteilt sind – all dies beschreibt die amerikanische Autorin absolut nahbar und nachvollziehbar. Ein Buch, das verärgert, berührt und Frauen Mut macht, auf ihr eigenes Bauchgefühl zu hören. Was auch immer dieses ihnen mitteilt.

Als Luke, der zu Beginn ihrer Ehe noch versprochen hatte, ebenfalls keinen Nachwuchs haben zu wollen, plötzlich seine Meinung ändert, steht Rose vor einem Dilemma. Soll sie auf ihrem Standpunkt beharren und ihn verlieren? Soll sie ihn ziehen lassen und die beste Beziehung ihres Lebens ruinieren? Könnte sie ihre Meinung vielleicht ebenfalls ändern? Was, wenn sie im Alter ganz allein ist? Und ihre Mutter würde sich so sehr über ein Enkelkind freuen! Weiterlesen

Stephanie Wrobel: Willkommen in Wisewood

Sie ist eine missbrauchte Tochter, sie ist Lady Fearless. Sie hat etwas geschaffen und etwas vernichtet.

Natalie sucht ihre kleine Schwester Kit. Kit hat sich vor dem Leben auf eine Insel mit einer Kommune geflüchtet und doch hat sie Nat eine E-Mail geschrieben. Ist es ein Hilferuf? Nat macht sich auf den Weg auf die Insel, um sich selbst ein Bild zu machen. Was sie vorfindet, verwirrt sie, kein Körperkontakt, keine Elektronik und sagt ihr eigentlich jeder hier die Wahrheit, auch wenn alle behaupten, der reinen Wahrheit verpflichtet zu sein.

Stephanie Wrobel erzählt die Geschichte in mehreren Zeitebenen und aus drei Perspektiven: Nat, Kit und noch einer, von der nicht von Anfang an klar ist, wem sie gehört. Es erzählt ein Mädchen mit einem mehr als strengen Vater, der sie immer wieder vor Aufgaben stellt, für die es wichtige Punkte gibt. Weniger als 15 Punkte am Tag bedeutet, nicht schlafen gehen zu dürfen. Die Aufgaben können alles mögliche sinnvolle und sinnlose enthalten. Es kann einfach sein, wie ein Punkt für eine gute Note, aber auch fast unmöglich, wie 3 Minuten die Luft anhalten oder die eigene Schwester fast ertränken. Weiterlesen

Anna Burns: Amelia

Das Cover trifft bereits den Nagel auf den Kopf. Der Weg zum Erwachsenwerden ist bei Amelia Lovett, im katholischen Stadtteil Ardoyne von Belfast geboren, von etlichen Schrammen begleitet. Mitten in den Unruhen Nordirlands zwischen Katholiken und Protestanten in der 70er und 80er Jahren aufgewachsen, bleibt ihr eine gewöhnliche Kindheit versagt. Die für ihr Buch „Milchmann“ ausgezeichnete Man-Booker-Prize Trägerin zeichnet Amelias Lebensweg von 1969 bis zum Waffenstillstand 1994 nach. Dabei schafft Sie Szenen zwischen Horror und schrillem Wahnsinn, zwischen Gewalt und Humor, zwischen verschiedenen Erzählebenen. Das Buch ist eine Tour-de-Force. Da bleibt beim Lesen die Luft weg, das Lachen im Halse stecken und der eine oder andere Schreckmoment in den Gliedern stecken. Beängstigend gut!

Amelia ist acht Jahre alt, als die Probleme zwischen Katholiken und Protestanten in Belfast eskalieren. In einer katholischen Familie aus eher ärmlichen Verhältnissen wächst sie zwischen ihrem gewalttätig veranlagten Bruder und ihren beiden Schwestern auf. Auch ihre hitzigen Eltern wenden in ihrer eigenen Logik Gewalt an, um keine Gewalt erfahren zu müssen. Kaum jemand, der sich nicht einer IRA-ähnlichen Widerstandsgruppe angeschlossen hat. Der perfekt austarierte Plot der Autorin lässt die Konflikte gegen die Besatzer im Hintergrund schwelen und zeigt dabei andere Ebenen der Verrohung auf, die schon längst alle Gesellschaftsschichten durchziehen. Weiterlesen

Kristina Pfister: Ein unendlich kurzer Sommer

Ein Sommer auf einem rustikalen Campingplatz an einem ruhigen, märchenhaften See irgendwo im Nirgendwo. Wer diese Atmosphäre verspüren will, der sollte „Ein unendlich kurzer Sommer“ von Kristina Pfister lesen. Der Roman ist nicht nur die perfekte Sommerlektüre, sondern zeigt auch, dass manchmal schwere Entscheidungen ein Tor zum Glück sein können, wenn man es zulässt.

Nach einem Schicksalsschlag verspürt Lale das dringende Bedürfnis nach einem Tapetenwechsel. Sie will einfach nur raus, muss weg von ihrem Ehemann und ihrem gemeinsamen Zuhause. Ihr Weg führt sie zu einem alten Mann, der ihr anbietet, auf seinem Campingplatz an einem See irgendwo in Deutschland auszuhelfen und im Gegenzug dort unterzukommen. Doch Lale ist nicht die Einzige, die zu dem Campingplatz findet. Die Magie des Ortes führt vier Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensstandpunkten zusammen, die fortan einen unendlich kurzen Sommer miteinander verbringen. Weiterlesen

Carole Johnstone: Das Spiegelhaus

Warum verlassen zwei kleine Mädchen ihr Elternhaus und laufen nachts mit blutbefleckten Kleidern zum Hafen auf der Suche nach einem Schiff?

Weil ihre Zwillingsschwester El von einem Segelausflug nicht zurückgekommen ist, kehrt Cat nach zwölf Jahren Abwesenheit zurück in die kleine Stadt in der Nähe von Edinburgh. In die Stadt ihrer Kindheit. In das Haus ihrer Kindheit. Dort trifft sie auf Ross, den Gatten ihrer Schwester und ihrer beider Spielgefährte aus Kindertagen. Er wirkt verzweifelt und hilflos. Die ermittelnden Beamten der Polizei haben Fragen und erwarten, dass Cat ihnen einen Grund für das Verschwinden von El nennen kann. Fast alle haben die Hoffnung, sie lebend zu finden, inzwischen aufgegeben. Doch Cat glaubt nicht an den Tod ihrer Schwester. Sie ist sich sicher, dass sie gespürt hätte, wenn El etwas Schlimmes zugestoßen wäre, so wie sie früher ihre Ängste und Schmerzen gespürt hat.

Sie verfängt sich in dem Netz aus Erinnerungen, dem sie mit ihrer Flucht in die USA zu entkommen versucht hatte. Da sind die ausgelassenen Spiele auf einem Piratenschiff, die Geschichten des Großvaters und die, die ihnen ihre Mutter vorgelesen hat. Das Haus war voller Abenteuer. Weiterlesen

Tamzin Merchant: Die Gilde der Hutmacher. Geheimnisse aus Stoff und Seide

„Die Gilde der Hutmacher“ ist der Auftakt zu einer spannenden und magischen Jugendbuchreihe für Leser ab zehn Jahren. Hauptfigur ist die elfjährige Cordelia Hatmaker, deren Vater auf dem Meer verschollen ist – auf der Suche nach besonderen Accessoires für neue Hüte. Aber das ist leider nicht einmal ihre einzige Sorge, denn das ganze Land schwebt in Gefahr und kann nur gerettet werden, wenn Cordelia es schafft, die verfeindeten Gilden wieder zu versöhnen.

Hutmacher, Stiefelmacher, Mantelmacher … das alles sind die üblichen Ausstatter des Königs, wie man sie aus unzähligen Geschichten kennt. Doch Tamzin Merchant hat sie mit magischen Fähigkeiten ausgestattet, sodass ihre Kreationen nicht nur die königliche Familie zu kleiden vermögen, sondern sogar den Frieden zwischen England und Frankreich gewährleisten könnten. Könnten, denn die Magie wird offenbar auch zu dunklen Zwecken eingesetzt. Erklärt das vielleicht das unglaubliche Verhalten des englischen Königs, der vollkommen unzurechnungsfähig zu sein scheint?!? „[…] auf einem Bein blökend wie ein verlorenes Schaf. Über ein Ohr hatte er sich einen Samthandschuh gestülpt, in einem Nasenloch steckte ein Radieschen und auf seinem Kopf balancierte er den anderen hellblauen Stiefel.“ (Seite 38). Weiterlesen