Eigentlich hat dieses Buch alles, um mich dazu zu bringen, es zu hassen. Es gibt Frauen, die nach Gleichberechtigung streben in Zeiten, die noch nicht soweit sind, es gibt Debütantinnenbälle, es gibt Mädchenintrigen, Rumzickerei und die Love-Story ist sehr weit vorne und natürlich ist er der perfekte Mann. Trotzdem mochte ich dieses Buch sehr. Das lag zum einen an Nadi, dem Geist des Glücks, mit dem Beatrice sich verbündet und der wirklich zu süß ist. Zum anderen aber auch an Beatrice selbst, die sich und ihre Umwelt wirklich ernst nimmt und nicht einfach nur in Selbstverwirklichungsfantasien um sich schlägt.
WeiterlesenKlaus-Peter Wolf: Der Weihnachtsmann Killer
Immer wieder gab es in den letzten Jahren Meldungen über Männer, die nach einem Auftritt als Weihnachtsmann auf einem Weihnachtsmarkt oder einer Weihnachtsfeier einfach verschwunden waren – bisher hat das keiner so wirklich ernst genommen, auch wenn es nie wieder ein Lebenszeichen von den Vermissten gegeben hat. Ann Kathrin Klaasen hat allerdings ein mulmiges Gefühl, sie vermutet, dass es jemand auf die als Nikolaus oder Weihnachtsmann verkleideten Männer abgesehen hat.
Warum auch immer. Aber das kann man ja klären. Ihr Team ist sofort dabei, als sie ihre Vermutung äußert und beschließt, aktiv zu werden. Sehr zum Ärger ihrer Vorgesetzten, Polizeidirektorin Elisabeth Schwarz. Aber das kümmert wieder mal keinen – sie gehört einfach nicht wirklich dazu und für Frank, Rupert und Marion zählt eh, was Ann Kathrin sagt. Und schließlich und endlich behält Ann Kathrin auch diesmal wieder Recht. Ausgelöst durch einen Artikel von Holger Bloem, der als Journalist die Arbeit der Polizei in Norden ja schon häufiger unterstützt hat, startet eine Aktion, die für einige Beteiligte, unter anderem Rupert, ziemlich gefährlich wird. Immerhin hat der Killer sich vorgenommen, aufzuräumen.
WeiterlesenMichael Moorcock: Elric
Den weißhaarigen Albino mit seinem magischen Schwert einem Fan der Fantasy-Literatur vorzustellen, das hieße Eulen nach Athen tragen.
Wer noch nicht von dem zynischen, dekadenten und fluchbeladenen Anti-Hero gehört, besser gelesen hat, die oder der hat nicht nur ein überwältigendes Leseerlebnis versäumt, sie oder er kann auch nicht wirklich sagen, sich in der Fantasy auszukennen. Zusammen mit Tolkiens „Herr der Ringe“ gehören Elric und seine Brüder im Geiste (Corum und Hawkmoon) zu den Vorlagen, aus denen Fantasy-Autorinnen und Verfasser seit ihrem Erscheinen Inspiration gezogen haben. Moorcock hat das Genre, das bis dahin aus jungen, gesunden und wohlmeinenden Recken mit einer Mission bestand, kurzerhand revolutioniert. Er erzählt die Geschichte(n) eines Mannes, dessen Existenz von Leiden geprägt ist, der zu seinem magischen Schwert eine symbiotische Beziehung hegt, der seine Welt und sich selbst nicht mag. Auf dem Rubinthron zu Imrryr, der in der Träumenden Stadt residierend, herrscht Elric als König über das kleine, einst so mächtige und nach wie vor gefürchtete Melniboné.
WeiterlesenPaolo Giordano: Tasmanien
Paolo Giordanos neuer Roman „Tasmanien“ hat mich von Anfang an in seinen Bann gezogen. Selten habe ich mich in einem Buch so sehr wiedergefunden und erkannt gefühlt.
Der Ich-Erzähler ist auf der Flucht vor sich selbst. Er steckt in einer tiefen Sinnkrise, ausgelöst durch die Erklärung seiner Frau, sich nicht weiter den zermürbenden Versuchen einer künstlichen Befruchtung zu unterziehen. Ausgehend von diesem Ereignis erzählt er von seinem Leben und von seiner Suche nach einem Thema, das ihn trägt. Er stürzt sich in verschiedene Projekte: Er beschäftigt sich mit Klimaveränderungen und ihren Folgen, er unterstützt Freunde in ihren Beziehungsproblemen und er greift ein bis dahin vernachlässigtes Buchprojekt über die Atombombe und die Abwürfe auf Hiroshima und Nagasaki wieder auf. Bei allen diesen Unternehmungen wirkt er ziellos und unzufrieden, wie einer, der sucht, aber nicht weiß, wonach. Paolo Giordanos Protagonist ist einer, der beobachtet, kommentiert, aber nicht handelt. Der mich in einen Strudel der Ausweglosigkeit zieht und am Ende doch einen Rettungsring bereithält.
WeiterlesenM.W. Craven: Der Botaniker
Wie konnte mir dieser Autor bislang entgehen? Wird jetzt die ganze Reihe noch mal auf Deutsch rauskommen. Ich hoffe sehr, ich will unbedingt miterleben, wie Tilly in das geniale Team kommt.
Vor laufender Kamera stirbt ein Mann. Zuerst vermutet man einen Herzinfarkt, aber er wurde vergiftet. Vorher erhielt er einen Brief mit einer Blüte und einem Gedicht. Die Blüte stammte von der Pflanze, aus der auch das Gift gewonnen wurde. Kann passieren. Ein Politiker erhält ebenfalls einen Brief mit einer Blüte und einer Drohung, wird rund um die Uhr mit großem Aufgebot bewacht und stirbt trotzdem. Sollte nicht passieren. Ein Serienmörder also, der recht schnell den Beinamen „Der Botaniker“ erhält. Das NCA um Stephanie Flynn, Mathilda Bradshaw und Washington Poe wird auf den Fall angesetzt. Für Poe kommt der interessante Fall zur Unzeit, denn gerade wurde ganz woanders in England seine Lieblingspathologin wegen Mordes an ihrem Vater verhaftet. Sie war es nicht, für Poe keine Frage, aber alle Beweise sprechen gegen sie.
WeiterlesenDaniel Schulz: Ich höre keine Sirenen mehr
Sehr persönliche Eindrücke aus dem Kriegsgebiet in der Ukraine
Daniel Schulz ist ein mehrfach preisgekrönter Journalist der Zeitung taz. Er bereiste wiederholt die Ukraine, schon 2016 und 2018, als er unter anderem für die ukrainische Zeitung Kyiv Post arbeitete und schon damals vom Krieg im Donbass berichtete, als dieser hier noch kaum Aufmerksamkeit fand.
Nachdem im Februar 2022 der Angriffskrieg Russlands begann, reiste der Autor erneut in die Ukraine. Er traf alte und neue Bekannte, beobachtete Freiwillige bei ihrer Arbeit für die Soldaten und die Zivilbevölkerung. Er begleitete Transporte, die mit Medikamenten und Lebensmitteln in die von Russland besetzten Gebiete fuhren, er begab sich in die Orte, die von den Ukrainern zurückerobert worden waren und sah, was dort geschehen und was das mit den Menschen dort gemacht hatte.
WeiterlesenLynn Cullen: Die Formel der Hoffnung
„Kinderlähmung ist grausam – Schluckimpfung ist süß“ – an diesen Slogan kann ich mich aus meiner Kindheit noch gut erinnern, auch an die Tage, wenn dann die Ärzte vom Gesundheitsamt in die Schule kamen, um die Schülerinnen und Schüler gegen Kinderlähmung und andere Krankheiten zu impfen. Deshalb – unter anderem – hat mich das Thema des Romansgleich interessiert. Lynn Cullen betont, keinesfalls eine Biografie geschrieben haben zu wollen, Daten und Fakten des Lebens von Dr. Dorothy M. Horstmann sind dennoch belegt und nachprüfbar, ebenso wie die Namen der Personen, die im Buch eine Rolle spielen. Sie sind am Ende des Buches noch einmal alphabetisch aufgeführt und kurz skizziert. Und es sind viele Namen, die uns begegnen. Manchmal ein bisschen schwierig, sie alle auseinanderzuhalten und richtig zuzuordnen.
WeiterlesenChrista Anita Brück: Ein Mädchen mit Prokura (1932)
Der Titel beschreibt schon die Ungeheuerlichkeit: Wie kann ein „Mädchen“ in einer Berliner Bank die Prokura haben und dies 1931 während der Bankenkrise? Viele arbeitslose Menschen leiden unter einer großen Not, die Familien hungern. In diesem Zusammenhang ist es fast schon verständlich, wenn die männlichen Angestellten dem unverheirateten Fräulein Thea Iken, fast dreißigjährig, groß, schlank und schön diese Position nicht gönnen.
Thea hatte bis dahin einen harten Weg hinter sich, und auch mit dem anfänglichen Lohn kann sie ihr Leben kaum finanzieren. Um nach ihrem Schwächeanfall nicht als schwächliche Frau angesehen zu werden, gesteht sie zögernd, seit Wochen nichts Warmes mehr gegessen zu haben. (S. 17)
WeiterlesenTheresa Prammer: Schattenriss
Der homosexuelle Privatdetektiv Edgar Brehm und die junge Schauspielschülerin Toni Lorenz ermitteln gemeinsam in Wien. Zwei junge Menschen verschwinden. Julian König und seine Bekannte Anna-Sophie Schill werden als abgängig gemeldet und Edgar soll gemeinsam mit Toni nach Julian suchen. In der Wohnung von Julians Stiefmutter und deren neuen Lebensgefährten trifft Edgar auf Ralph, die Liebe seines Lebens, der ihn aber wegen einer Frau verlassen hat und obendrein jetzt katholischer Priester ist. Ralphs standesamtlich geschlossene Ehe hat nicht lange gehalten und er betreut jetzt eine Pfarre in Wien. Edgar versucht, sich auf die Vorfälle zu konzentrieren.
WeiterlesenAtsuhiro Yoshida: Gute Nacht, Tokio
Der Japaner Atsuhiro Yoshida (Jahrgang 1962) ist Coverdesigner und Schriftsteller. Er entwarf auch das Cover seines am 23. Oktober 2023 bei hanserblau im Carl Hanser Verlag erschienenen Buches „Gute Nacht, Tokio“. Katja Busson hat es aus dem Japanischen übersetzt.
Tokio bei Nacht
In zwölf Episoden erzählt Atsuhiro Yoshida von Menschen in Tokio, die um ein Uhr in der Nacht wach sind, arbeiten oder unterwegs sind. Allen voran Mitsuki Sawatari, eine Requisiteurin beim Film, die für Ihre Regisseure ständig nach Dingen suchen muss, die diese für ihre Filme unbedingt benötigen. In der ersten Episode ist es eine Biwa, die gelbe Frucht der japanischen Wollmispel. Zum Glück sind da Matsui, der nachts Taxi fährt und Koichi, Mitsukis Freund und Krähenexperte, der weiß, wo sie Biwas finden kann. Aber da ist noch jemand, der die Früchte pflückt: Kanako Fuyuki, die bei der Tokioter Telefonseelsorge arbeitet und ihren Bruder Ren sucht. Auch sie benötigt eines Nachts Matsuis Taxi-Dienstleistungen.
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