King Karnickel, der 27. seiner Art, ist ein ganz besonderer König: Ein Kaninchen-König eben, mit langen Ohren, klein und pfiffig, und Herrscher über das Land Vergissmeinnicht. Warum das Land so heißt, hat er leider vergessen, aber das ist nicht weiter schlimm – er kennt eigentlich weder sein Land noch seine Untertanen. Er nimmt aber mal an, dass er welche hat.
Eigentlich heißt er auch nicht King Karnickel, sondern hat eine ganze Menge sonderbarer Vornamen, die sich kein Mensch merken kann. Deshalb heißt er einfach „King Karnickel“. Er lebt mit seinem Butler Lothar, einem Kuschelhuhn, in seinem wunderbaren Schloss und hat nicht viel zu tun, wie er selbst sagt. Jeden Morgen muss er seinen Butler wecken, sie machen gemeinsam das immer gleiche Frühstück und regieren ein paar Minuten. Das bedeutet, dass sie feststellen, sich in keinem Krieg zu befinden und dass die Untertanen wohl glücklich sind. Danach haben sie Zeit zu spielen – in einem riesigen Spielzimmer, jeden Tag mit anderen Spielsachen, bis sie eines Tages kein neues Spielzeug mehr haben.
Doch da machen sie eine tolle Entdeckung: Am Thron gibt es nämlich einen Knopf. Wenn man den um Punkt zwölf Uhr drückt, erscheint eine Blume, die bunt durcheinandergewirbelte Buchstaben als Blätter niest, aus denen ein Fantasiewort entsteht. King Karnickel und Lothar müssen dazu einen Begriff für etwas erfinden, das es noch nicht gibt. Zum Beispiel aus „Ratza Ottomani“ ein Schnarchsofa, aus „Vitali Chilli“ ein Boxbett und so weiter. Das macht einen Riesenspaß!
Eines Tages aber hat Anna Blume ganz traurig nur graue Buchstaben geniest: „Druftenschaf“ stand da, und Anna forderte sie auf, ein Druftenschaf zu finden. In nur drei Tagen, sonst würde die Blume verduften – und mit ihr der gesamte Palast samt Inhalt. Ups! Und jetzt? King Karnickel und Lothar hatten den Palast noch nie verlassen. Wo sollte so ein Schaf wohl zu finden sein? Es bleibt ihnen nichts anderes übrig, als sich auf den Weg zu machen und ihr Bestes zu geben.
Alleine können sie das aber kaum schaffen, also sind sie auf Hilfe angewiesen. Nicht ganz freiwillig bitten sie Konstanzia, die Krone der Herrscher von Vergissmeinnicht, um Unterstützung. Da diese nie gebraucht wird und deshalb in einer Truhe schlummert, sagt sie mit sichtbarem Missvergnügen zu. So machen sie sich auf den Weg und bestehen gemeinsam mit den Helferbesen, die sich ihnen angeschlossen haben, eine ganze Reihe von Abenteuern, bis sie schließlich so ein Druftenschaf gefunden zu haben glauben und sich mit ihm auf den Heimweg machen.
Gerade noch rechtzeitig vor Ablauf der Frist schaffen sie es – nur um von Anna Blume zu hören, dass das kein Schaf, sondern eine Ziege sei. Oh je! Alles umsonst? Nein, Kuschelhuhn Lothar hat im letzten Moment die richtige Eingebung und findet heraus, was „Druftenschaf“ eigentlich bedeuten soll.
Ein herrlich amüsantes, witzig geschriebenes und sehr liebevoll bunt illustriertes Kinderbuch zum Vorlesen und Spaßhaben beim Wörtererfinden – denn dazu animiert die Geschichte unbedingt. Die Wortschöpfungen, auf die man hier stößt, sind lustig, fantasievoll sowie geistreich und regen zum Selberausdenken an.
King Karnickel und Lothar das Kuschelhuhn sind zwei tolle Gestalten, die einen mit ihrer trockenen Art und den humorvollen Dialogen zum Schmunzeln bringen und entdecken, wie schön und wichtig es ist, Freunde zu haben. Der Text ist einfach und kindgerecht, sodass auch Erstleser gerne dranbleiben. Die liebevollen Illustrationen machen es kleineren Kindern leicht, der Geschichte zu folgen und zuzuhören.
Loewe, Juni 2026
127 Seiten, Hardcover, 15,00 Euro
Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Ertz.
