Bissige Satire, treffsicher und ziemlich realitätsnah
Was ein Tropfen Gurkenwasser so anrichten kann – Johanna Sebauer hat es in Worte und Nikolaus Heidelbach hat es in Bilder gefasst.
Was war geschehen? Pertak, seines Zeichens Mitarbeiter einer Lokalzeitung, möchte auf seinem Frühstücksbrötchen ein Gurkenscheibchen. Doch beim Öffnen des Gurkenglases in der Kaffeeküche der Redaktion spritzt ihm ein Tropfen des Gurkenwassers ins Auge.
Darüber dermaßen erbost und tagelang mit einem verpflasterten Auge herumlaufend, verfasst Pertak einen geharnischten Artikel über die Gefahren von Gurkenwasser, verbunden mit der Forderung, dies sofort zu verbieten. Er weist vor allem darauf hin, was Kindern geschehen könnte und tritt damit eine Lawine los, die er nicht mehr aufhalten kann.
In Zeitungen, auf den Sozialen Medien, überall wird binnen kurzem über die Gefahr von Gurkenwasser diskutiert, die Wogen gehen hoch, die Meinungen auseinander. Gegner und Befürworter von Gurkerln beharken sich gegenseitig, die Gurkenindustrie läuft Sturm, es gerät außer Kontrolle.
Erzählt wird das Ganze von einem Kollegen Pertaks, der schließlich voller Alpträume in der Psychiatrie landet, quasi traumatisch verfolgt von Gurken.
Eine herrliche Satire, ein bissiger Spaß, eine treffsichere Spiegelung der heutigen Zeit. Ein kleines, aber feines Buch, das man schnell durchgelesen hat und immer wieder mal gerne zur Hand nehmen wird.
Nur der Preis ist für diese paar Seiten denn doch etwas hoch, trotz der gelungenen und pointierten Zeichnungen und der schönen Aufmachung, sogar mit Lesebändchen.
Johanna Sebauer – Das Gurkerl
DuMont, Mai 2026
Gebundene Ausgabe, 62 Seiten, 20,00 €
Diese Rezension wurde verfasst von Rena Müller.
