Johann Scheerer: Wir sind dann wohl die Angehörigen

33 Tage lang war Jan Phillip Reemtsma in den Händen seiner Entführer. Seine Geschichte hat er in dem kleinen Band „Im Keller“ bereits erzählt. Zur Zeit seiner Entführung hatte Jan Phillip Reemtsma einen dreizehnjährigen Sohn: Johann. Dieser hat jetzt seine Geschichte der 33 Tage in einem Roman verarbeitet. Es begann an einem Morgen, als seine Mutter in sein Zimmer kam mit den Worten: „Jan Phillip ist entführt worden.“ Von da ab beginnen 33 Tage, die im Nachblick surrealistisch erscheinen. Die Wohnung wird verkabelt, Polizisten ziehen in das Haus mit Mutter und Sohn und werden beinahe zu Freunden.

Johann Scheerer erzählt von dem, was er empfunden hat. Von der Langeweile des Wartens, die durch nichts betäubt werden kann. Von der Angst und der Verzweiflung, die mit jeder gescheiterten Lösegeldübergabe wuchs. Von Fehlern wie eine falsch aufgebaute Kopie des Familienwagens, die ihn einfach nur wütend machten. Kontakte zu Schule oder Freunden waren in der Zeit kaum möglich, und wenn sie möglich waren, erwiesen sie sich als schwierig. Weiterlesen →

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Neil deGrasse Tyson: Das Universum für Eilige

Erinnern Sie sich eventuell an die Fernsehserie ‚Unser Kosmos‘, die in den achtziger Jahren ein regelrechter Straßenfeger war? Damals führte der Astrophysiker Carl Sagan die Zuschauer in mehreren Folgen in die Geheimnisse des Universums, unseres Sonnensystems und des Lebens auf unserer Erde ein. Er tat dies auf eine so bemerkenswerte und anschauliche Art und Weise, dass die Serie zu einem großen Erfolg wurde.

Seither ist viel Zeit vergangen, es gibt neue Erkenntnisse und natürlich ohnehin so viel Wissenswertes über das Universum zu vermitteln, das in den zwölf Folgen damals nicht angesprochen werden konnte. Daher fassten die Macher der auch in den USA sehr erfolgreichen Serie 2014 den Entschluss zu einer Fortsetzung.

Moderator sollte ein ebenso renommierter Wissenschaftler werden, wie es der mittlerweile leider verstorbenen Carl Sagan gewesen war. Vor allem aber auch jemand, der in der Lage war, die zum Teil sehr komplexen Sachverhalte anschaulich und verständlich zu vermitteln. Die Wahl fiel auf Neil deGrasse Tyson, der diese Aufgabe mit Bravour erfüllte. Weiterlesen →

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Friedrich Christian Delius: Die Zukunft der Schönheit

Ein junger deutscher Dichter und Student ist im Frühjahr 1966 zu einer Tagung in New York eingeladen und steht kurz vor der Heimreise. An seinem letzten Abend will er noch etwas Besonderes erleben, deshalb besucht er gemeinsam mit zwei Freunden einen Jazzclub in einer abgelegenen, finsteren Ecke der Stadt. Doch schon bei den ersten „kreischenden, klagenden, schrillen Tönen“ des Saxophonisten Albert Ayler und seiner Band hat er das Gefühl, „von Getröte, Gezirpe, Gehämmer, Gejaule“ in die Flucht getrieben zu werden. Da er sich nicht blamieren und als unwissender Laie, als hinterwäldlerischer Provinzler erkannt werden möchte denkt er: „Lehn dich zurück und hör einfach zu oder hör weg.“

Der Freejazz ist eine neue Erfahrung für ihn und weghören will ihm nicht gelingen, so eindringlich, so aufdringlich spielen die fünf Musiker auf der Bühne. Weiterlesen →

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Philippe Sands: Rückkehr nach Lemberg

Vier Männer, alle um 1900 geboren, alle mit einem Bezug zu Lemberg, stehen im Mittelpunkt dieses Buches. Philippe Sands verwebt ihre Lebensgeschichten, ihre Ideen, ihre Erfolge und ihre Niederlagen zu einer ebenso informativen wie bewegenden Geschichte.

Da wären zunächst Hersch Lauterpacht und Raphael Lemkin. Beide waren Juden und haben große Teile ihrer Familie durch NS-Verbrechen verloren. Beide haben an der Universität in Lemberg im Abstand von wenigen Jahren Jura studiert und gelten als Experten und Vorreiter auf dem Gebiet des Völkerrechts und der Menschenrechte. Beide haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Verbrechen der Nationalsozialisten juristisch zu fassen und dafür zu sorgen, dass die Verantwortlichen in den Nürnberger Prozessen strafrechtlich belangt werden konnten. Doch hier endeten auch schon die Gemeinsamkeiten. Während Lauterpacht sich auf den Schutz des Individuums konzentrierte und den Begriff „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ prägte, führte Lemkin das Konzept des „Genozids“ ein, das die gezielte Vernichtung von nationalen, ethnischen, rassischen oder religiösen Bevölkerungsgruppen beschrieb. Weiterlesen →

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Ed Yong: Winzige Gefährten

Das erste Buch des Wissenschaftsjournalisten Ed Yong ist gleich zum New York Times-Bestseller avanciert. Interessant aufbereitet erklärt er in „Winzige Gefährten“, wie die Welt voll kleinster Lebensgemeinschaften besteht, die sich in Hunderten von Jahrmillionen entwickelt haben und dass das gesamte Dasein eine Symbiose ist. Den LeserInnen eröffnet sich so eine neue, unsichtbare Welt mitten um und in uns, ohne die das Leben nicht funktionieren würde.

Seine vielen Gespräche mit verschiedenen Wissenschaftlern über ihre jeweiligen Forschungen, stellt Yong in diesem Buch gut verständlich vor.  Anhand Yongs aufgeführten Beispielen wird deutlich, dass Mikroorganismen unsere ständigen und vor allem essentiellen Begleiter sind. „Jeder Teil der Welt ist voller Partnerschaften, die sich seit Hunderten von Jahrmillionen entfalten und sich auf die gesamte Pflanzen- und Tierwelt ausgewirkt haben, die wir kennen.“ (S. 342)

In weiteren Ausführungen erfährt man, dass Mikroorganismen unsere Organe formen, uns vor Giften und Krankheiten schützen, dass Mikroben Viren in Schach halten, dass sie unsere Emotionen, sogar unser Wesen beeinflussen und unsere genetische Veranlagung verändern können. Weiterlesen →

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Stefan Bollmann: Monte Verità

Sie sind langhaarig, Vegetarier, Aussteiger, praktizieren freie Liebe und nacktes Sonnenbaden: Nein, die Rede ist nicht von den 1968ern. Die Rede ist von den Bewohnern des Monte Verità, jenem Ort über dem Lago Maggiore bei Ascona, der zwischen 1900 und 1920 Hotspot von Anarchisten, Rebellen, Freidenkern, Künstlern und Naturmenschen war. Körper, Geist und Seele wieder in Einklang bringen. Raus aus dem steifen Korsett, den industrialisierten und verdreckten Großstädten. Rein in eine Selbstversorger-Kommune, die Freiheit und Selbstentfaltung verspricht. Stefan Bollmann folgt der illustren Gründertruppe und ihren Gästen, von Hermann Hesse bis Käthe Kruse. Er zeigt, dass das Vermächtnis des Monte Verità noch Generationen später weltweit Früchte trägt. Sogar sprichwörtlich: Denn ohne diese Reformbewegung hätte Steve Jobs seine Firma nicht Apple genannt! Weiterlesen →

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Jeffrey M. Masson: Die verborgene Seele der Kühe

Jeffrey M. Masson ist renommierter Tierverhaltensforscher und Bestsellerautor. In diesem Buch fasst er seine Erkenntnisse und eigene Betrachtungen über das Glück und Leid von Tieren zusammen. Rückhaltlos fordert der passionierte Veganer dazu auf, mehr Respekt für Hoftiere zu entwickeln und regt an, den eigenen Fleischkonsum in Frage zu stellen und unsere Verhaltensweisen und Ansichten zu ändern.

Er hinterfragt unsere Liebe zu den Haustieren wie Katze oder Hund und verdeutlicht den Unterschied zu unseren Gefühlen für Nutztiere wie Schwein, Kuh oder Schaf, denen nur eine begrenzte, meist sehr unschöne Lebenszeit zugestanden wird, bis sie auf dem Speiseteller von uns Menschen liegen. Seine Überlegungen führen dabei zurück bis zur Domestizierung der Tiere. Weiterlesen →

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Richard Brox: Kein Dach über dem Leben

Einen Ratgeber, wie man über 30 Jahre auf der Straße überleben kann, liefert Richard Brox‘ Biographie nicht direkt. Sie vermittelt eher einen Eindruck, warum jemand das Weite suchte, wenn Schutz versprechende Räume ein Synonym für An- und Übergriffe geworden sind beziehungsweise für das Aussperren von Sinneseindrücken und Leben. In der Freiheit der Straße sah der in der Seele schwer verletzte Richard seinen einzigen, zunächst provisorischen Fluchtweg. Dies wird um so verständlicher, wenn statt einer echten Hilfe nur der Drill für ein funktionsorientiertes Leben auf ihn niederprasselte.

Was der Leser bei der Lektüre erfährt, dürfte in mancher Hinsicht überraschend sein. Denn Richard Brox‘ bewegende Lebensgeschichte erinnert ein wenig an eine moderne Charles Dickens Version. Darüber hinaus vermag er mit einem ansprechenden Schreibstil und zahlreichen Wendungen zu fesseln. Eine dürfte die mit dem Hünen einer berüchtigten Motorradgang sein. Weiterlesen →

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Knut Reinhardt: Wenn Fußball Schule macht: Mein Weg vom Fußballprofi zum Lehrer

Knuuuuuut. Tja, das war sein Markenzeichen wie es aus zigtausend Kehlen in den Neunzigern der Hitzfeld  – Ära im Dortmunder Westfalenstadion schallte, wenn Knut Reinhardt an der Außenlinie zum Sprint ansetzte, sogar den Ball technisch versiert vor sich hertrieb und im richtigen Moment entweder eine Flanke in den Strafraum zirkelte oder nach kurzem Doppelpass mit Andy Möller, eine Klebe ansetzte, für die man in der Regel einen Waffenschein brauchte, bzw. einen verdutzten Torhüter schlecht aussehen ließ. Nun gut das ist vorbei. Aber Knut hat auch ein Leben vor dem Profifußball und ein Leben danach. Wir befassen uns am besten mit dem Leben danach. Was Knut vorher aus seinem Leben als heranwachsender, fußballbegeisterter Junge zu erzählen hat, gehört in die Kategorie „fast normal“. Selbst ich hätte aus der Zeit viel zu sagen, träumte ich doch auch von einem Leben als Torwartprofi. Da gibt es jede Menge Ups and Downs zu verarbeiten, Siege und Niederlagen, Fettnäpfchen, geplatzte Träume, Verletzungen innen wie außen. Weiterlesen →

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Loel Zwecker: Vom Anfang bis heute: Eine kleine Geschichte der Welt

Loel Zwecker schafft in seinem neusten Sachbuch „Vom Anfang bis heute: Eine kleine Geschichte der Welt“ einen Schnelldurchlauf durch die Weltgeschichte. Man lernt alle wichtigen Herrschervölker der letzten Jahrtausende kennen, erfährt am Rande einige wichtige Fakten über die Evolution und zahlreiche Erfindungen, für die dann im späteren Verlauf der Mensch zuständig war oder welche er gar durch Zufall entdeckte. Wissen Sie bereits, wer das Parfüm erfunden hat? Nein? Loel Zwecker kann da weiterhelfen …

Dabei ist der Schreibstil nicht lehrbuchhaft und langweilig, sondern im Gegenteil spritzig, teils witzig und auf jeden Fall lebendig. In diesem Buch kann man sehr schnell historisches Wissen ansammeln. Weiterlesen →

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