Enrico Brissa: Auf dem Parkett: Kleines Handbuch des weltläufigen Benehmens

Das ist schon etwas Besonderes, wenn der ehemalige Protokollchef beim Deutschen Bundestag und Protokollchef der Bundespräsidenten Wulff und Gauck ein Handbuch über gutes Benehmen und angebrachte Manieren vorlegt.

Enrico Brissa hat dies nun getan. Mit seinem Handbuch geht er aber teilweise ganz andere Wege als die herkömmlichen Benimmratgeber und Verhaltens-Knigges, mit denen der Buchmarkt aus gutem Grund übersättigt ist. In einem Vorwort erinnert sich Brissa kurz seiner eigenen Erziehung und verweist darauf, dass Manieren und gute Sitten z. B. Bei Tisch nicht nur ein Selbstzweck sind, sondern demjenigen, der sie beherrscht, Halt geben.

Darüber hinaus seien sie auch ein Zeichen von Achtsamkeit und Respekt. Das sehe im Privaten nicht anders aus als auf dem öffentlichen Parkett. In diesem Zusammenhang erinnert er an anderer Stelle an den berühmt berüchtigten Fototermin der Staats- und Regierungschefs auf dem Nato-Treffen in Brüssel 2017, als US-Präsident Donald Trump dadurch unangenehm auffiel, dass er den Premierminister von Montenegro, Markovic, rüde beiseiteschob und sich vordrängelte. Weiterlesen →

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Daniel Fuhrhop: Einfach anders wohnen

Ein Grundgesetz für bezahlbaren Wohnraum gibt es nicht. Und täglich kaufen Investoren weitere Quadratmeter. Wer sein Studium finanziell alleine stemmt, von einer kleinen Rente lebt oder als Normalverdiener keine bezahlbare Wohnung mehr findet, darf in diesem klugen Ratgeber die Ideen von 66 Raumwundern aufgreifen.

Eines wird beim inspirierenden Schmökern mehr als deutlich: Das klassische Wohnen war gestern. Heute braucht man Kreativität, um die vorhandenen Ressourcen erstens zu erkennen und zweitens zu nutzen.

Entrümpeln und sich auf das Wesentliche konzentrieren dürfte die leichteste Übung sein. Die inzwischen bekannten und geschätzten Tiny Houses bringen die Konzentration im Leben quasi auf den Punkt, während intelligente Möbelarchitektur im beengten Wohnraum mehr Möglichkeiten eröffnet. Aber die eigene Wohnung mit anderen zu teilen, bedeutet ein gravierendes Umdenken, bei dem für jede Form von Egoismus kein Raum bleibt. Nach dem Motto: Gemeinsam sind wir stark, zeichnet der Autor Daniel Fuhrhop unterschiedliche Lebensmodelle auf. Ob Arbeiten für Wohnen, der gemeinsame Erwerb von leerstehenden Häusern, klassische Wohngemeinschaften, für jeden Bereich gibt es Wege herauszufinden, wer passt zu wem. Im Zeitalter der Digitalisierung lassen sich Fragekataloge leicht entwerfen und auswerten. Inzwischen entwickeln sich daraus immer mehr Geschäftsmodelle, deren Eigendynamik gerade erst begonnen hat. Weiterlesen →

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Connie Palmen: Die Sünde der Frau

Marilyn Monroe, Marguerite Duras, Jane Bowles und Patricia Highsmith: Vier berühmte Frauen, vier Schicksale – ganz eigen und besonders, doch wenn man genauer hinschaut mit einigen Übereinstimmungen. Da wären die frühen Verluste der Väter, die starben, weggingen oder von ihren Ehefrauen aus dem Leben der Kinder getilgt wurden, und die komplizierten Beziehungen zu den Müttern. Da wäre der Schritt in die Öffentlichkeit, als Schauspielerin oder Schriftstellerin, mit dem gleichzeitig – durch einen neuen Namen – eine neue Identität erschaffen wurde.

Das Dilemma der Norma Jean Baker ist bekannt: Als Marylin Monroe ist sie ein Kunstprodukt, festgelegt auf die Rollen als (sehr blondes, etwas beschränktes) Sexsymbol. Sie wird durch Kameras erschaffen und beginnt erst zu leben, wenn Menschen ihre Blicke auf sie richten. Doch sie möchte eine ernsthafte Schauspielerin sein, ihrem Image entkommen, echt werden. Sie zweifelt an ihrer Begabung, ist zerrissen zwischen Dichtung und Wahrheit, glaubt nicht an sich. So flüchtet sie in Alkohol und Drogen, um ihr wertloses Leben zu ertragen, bis sie ihm im Alter von nur 36 Jahren selbst ein Ende setzt. Weiterlesen →

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Barbara Ehrenreich: Wollen wir ewig leben?

Ist unser Immunsystem wirklich nur zu unserem Schutz da? Oder ist es vielleicht ein egoistisches System, das sich im Zweifelsfall auch gegen uns wenden kann? Neuere Forschungsergebnisse kommen laut Barbara Ehrenreich zu genau diesem Ergebnis. Demnach operieren Makrophagen, auch bekannt als Fresszellen, durchaus eigensinnig und können zum Beispiel das Wachstum von Krebszellen fördern, statt es zu unterdrücken.

Eine für Barbara Ehrenreich folgenschwere Erkenntnis. Besagt diese doch nichts weniger, als dass unser Körper kein harmonisches System ist, in dem alle Teile an dessen Erhaltung arbeiten, sondern vielmehr ein Konglomerat aus egozentrischen Lebensformen, die ihren eigenen Vorteil suchen. Auch wenn dieser mittel- bis langfristig mit dem Tod ihres Wirtsorganismus und daher auch mit ihrem eigenen einhergeht.

Ist es vor diesem Hintergrund sinnvoll, das Immunsystem zu stärken? Gerade dann, wenn eine Krebserkrankung diagnostiziert wurde, scheint das genau die falsche Maßnahme zu sein. Weiterlesen →

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Allen Frances: Amerika auf der Couch: Ein Psychiater analysiert das Trump-Zeitalter

„Nicht Trump ist verrückt, die Amerikaner sind es, weil sie ihn gewählt haben. Er ist das Symptom, nicht die Krankheit“ (Quelle). Dieses Statement des Autors Allen Frances aus einem in der letzten Woche erschienen Interview, beschreibt auf den Punkt um was es geht: Trump ist nur die Fratze einer Gesellschaft auf  einem gefährlichen psychopathologischen Trip. Das Buch ist so gut, dass ich mir wünschen würde, dies zur Pflichtlektüre eines jeden angehenden Lehrers, jedes Mandatsträgers, jedes BWL – Studenten, etc., oder was auch immer zu machen,  um all diesen Menschen die Augen zu öffnen, um was es heute geht: Demokratie nicht nur zu retten, sondern zu verstehen. Nationalismus als Gefahr zu erkennen, kapitalistische Gier als System einordnen zu können und nicht zuletzt für die Zukunft dieses Planeten zu kämpfen.

Wahnsinn als Methode. Wird oft lapidar so dahin gesagt, aber es ist längst Realität. Trump ist so ein Clown, dass er Stephen Kings Pennywise aus „Es“ wie ein Kindergartenspaßmacher aussehen lässt. Weiterlesen →

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Margarete Stokowski: Untenrum frei

Ja, dies ist ein feministisches Buch.

Nein, es geht darin keineswegs um einen Rachefeldzug gegen die Männerwelt.

Und ja: Macht und Autonomie sind ein großes Thema, wobei die Autorin den Begriff „Feminismus“ genau wie Rassismus und Klassenunterschiede als redundant betrachtet und am liebsten aus der Gesellschaft ausradieren möchte.

Für Stokowski bedeutet Feminismus „…dass alle Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht, ihrer Sexualität und ihrem Körper dieselben Rechte und Freiheiten haben sollen…“ (S. 13)

Natürlich geht es um persönliche Freiheit, um sexuelle Freiheit, um Selbstbestimmung, Gewohnheiten, Rollenbilder, Klischees,  Hierarchien… Dabei greift die Autorin in erfrischend nonchalantem, niemals dogmatischem Tonfall unsere Denkmuster und Gewohnheiten genauso auf wie unsere Ängste und Fähigkeiten. Weiterlesen →

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Amy Liptrot: Nachtlichter

„Es ist schwer, von etwas genug zu bekommen, das nur beinahe funktioniert.“ (Zitat S. 339)

Amy Liptrot ist auf den Orkney-Inseln aufgewachsen, einer Inselgruppe nordöstlich von Schottland. Ihr Vater hat eine bipolare Störung, seine manischen und depressiven Phasen bestimmen das Leben auf dem Bauernhof ebenso wie das Wetter und die Gezeiten. Die Mutter ist tief religiös; ihr Glaube ist nichts, das auch der Tochter Halt geben könnte. Der Raum aus Himmel und Meer ist weit, doch Amy fühlt sich eingesperrt zwischen Klippen und Schafen, eingeengt durch die Kälte und den Wind. Sie zieht nach London, um zu studieren und um endlich zu leben.

London, das sind hell erleuchtete Straßen, durchfeierte Nächte, ständig neue Bekannte, Freunde und Mitbewohner, Alkohol, wechselnde Jobs, halbherzige Abstinzenzversuche, noch mehr Alkohol, Drogen. Amy lässt sich treiben, immer auf der Suche nach dem nächsten Kick, immer in der Gefahr abzustürzen. Sie verliert ihre Liebe, die Wohnung und den Job und erkennt, dass sie etwas ändern muss. Dass sie sich ändern muss. Die dreimonatigen ambulante Therapie in einem Behandlungszentrum zieht sie irgendwie durch – und nun? Arbeitslos und eben erst trocken in London zu sein, ist schwierig. Sie beschließt, nach zehn Jahren auf die Orkney-Inseln zurückzukehren. Ihre Familie ist dort, sie kann sich von Orkney aus für neue Jobs bewerben. Weiterlesen →

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Matthias Jung: Chill mal!: Am Ende der Geduld ist noch viel Pubertät übrig

Als meine Tochter 12 Jahre alt war, schrieb ich ein Lied über die kritische Zeit der Pubertät. Im Refrain steht: „Sie ist so jung, so unverfroren unalt, sie ist so cool, und oft Lichtjahre entfernt – sie weiß so viel, vor allem alles besser, manchmal redet sie als käme sie von einem andern Stern, und genau das Gleiche, denkt sie über ihren alten Herrn“. Tja, jetzt ist sie mehr als doppelt so alt und ich spiele dieses Lied noch immer. Weil es zeitlos ist und ich die Worte geplagter Eltern immer noch gerne höre: „Herr Ape, sie singen genau von meiner Tochter“. Das zu beschreiben ist auch Matthias Jung mühelos gelungen. Man kennt ja diesen Psychotest, wenn ein Proband mal ganz schnell drei Dinge sagen soll: „Musikinstrument, Werkzeug, Farbe“. Die Antwort kommt zu nahezu 90% wie aus der Pistole geschossen: „Geige, Hammer, rot“. Und den vorher mit genau diesen drei Begriffen beschriebenen Zettel, hält man diesen verdutzen Zeitgenossen vor die Nase. Weiterlesen →

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Peter Michalzik: 1900

Tolstoi will sein Land verschenken. Johannes Guttzeit zieht als moderner Apostel durch die Lande und predigt die vegetarische Lebensweise. Nietzsches zarathustrische Philosophie wird zum Glauben einer neuen Zeit. In Zürich formt sich der Dadaismus. Auf dem Monte Verità in Ascona tanzen langhaarige Menschen den „Tanz an die Sonne“ – nackt, frei, ekstatisch. Um 1900 bildet sich eine Gegenbewegung zur zunehmenden Industrialisierung. Die eigene Selbstentfaltung steht im Vordergrund. Peter Michalzik folgt den schillerndsten Figuren dieser Epoche. Er gibt Anekdoten zum Besten, die es nicht in unsere Geschichtsbücher geschafft haben. Sehr unterhaltsam!

Von Philosophie bis Politik: Selten haben „gehaltvolle“ Bereiche so viel Spaß gemacht, wie in diesem Buch. Der Autor versieht seine Informationen mit einem humoristischen Unterton, der hervorragend zu den besonderen Akteuren passt. Wussten Sie, dass Nietzsche mit beginnendem Wahn seine Briefe mit „Der Gekreuzigte“ oder „Dionysos“ unterschrieb? Oder dass Kafka in Mailand ein Bordell besuchte, um die Damen lediglich aus der Ferne zu beobachten? Weiterlesen →

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Sabine Wery von Limont: Das geheime Leben der Seele

Die Hamburger Verhaltenstherapeutin Sabine Wery von Limont hat ein wirklich unterhaltsames Buch über die menschliche Seele geschrieben. Ja, das geht. Ich habe das Buch wirklich gern gelesen. Es beschäftigt sich damit, warum es ein Fehler ist, sich nur auf körperliches zu beschränken. Die Seele ist ein mächtiges Organ und in der Lage, den gesamten Körper zu beeinflussen, positiv wie negativ. Sie bestimmt nicht nur unsere Persönlichkeit, unsere Erinnerungen, unser Verhalten, sondern in der Tat sogar unsere körperliche Leistungsfähigkeit und unsere Heilgeschwindigkeit.

Die gute Nachricht ist: Was in der Kindheit versaut wurde, kann auch im Erwachsenenalter noch einigermaßen repariert werden. Die schlechte Nachricht ist: nicht so einfach. Bahnen, die in der Kindheit falsch angelegt wurden, z.B. durch Mißhandlung oder Vernachlässigung, können nur mit großer Anstrengung und sehr bewußt nachgebaut werden. Aber sie können. Weiterlesen →

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