Caroline Eriksson: Die Beobachterin

Die Icherzählerin Elena ist Autorin. Seit kurzem lebt sie von ihrem Mann getrennt in einem Haus, in dem sie sich nicht zu Hause fühlt. Ihre Schwester hat ihr diese vorübergehende Bleibe vermittelt. Aber es ist nicht nur das Haus, in dem Elena sich fremd fühlt. Mehr noch scheint Elena sich selbst eine Fremde zu sein. Mit fortschreitendem Text wird klar, dass sie unter autoaggressiven Störungen leidet, die nun, da ihr Ehemann Peter ihr Vertrauen zerstört hat, von neuem aufbrechen.

Im Haus gegenüber wohnt eine Familie, die Elenas Blicke über den Innenhof durchs Fenster immer häufiger auf sich zieht. Je öfter Elena das Ehepaar und deren Sohn beobachtet, desto mehr glaubt sie zu wissen, dass sich dort drüben bald ein schreckliches Drama abspielen wird. Leo, der Sohn der Familie, der Kontakt zu Elena knüpft, bestärkt alle Befürchtungen und beeinflusst ihre Eindrücke zunehmend.

Elena verliert immer mehr den Boden zur Realität, projiziert Handlungen und Verhalten des Nachbarpaares auf sich und die eigene Vergangenheit und interpretiert so das Geschehen gegenüber nach ihren subjektiven Auslegungen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Hannelore Hippe: Die verlorenen Töchter

Hannelore Hippe hat in diesem Buch einen bis heute nicht geklärten Kriminalfall um eine mysteriöse halb verbrannte Frauenleiche, die 1970 im Isdal, der Gegend um Bergen/Norwegen, gefunden wurde, aufgegriffen. In ihre fiktiv ausgearbeitete Handlung hat sie Zeugenaussagen, Namen, Daten und Orte aus der Polizeiakte einfließen lassen. 2017 wurde der Fall mit neuen forensischen Techniken abermals untersucht. Erstaunlicherweise gelangten die Ermittler dabei zu ähnlichen Resultaten, wie Hippe sie in der Romanhandlung aufzeigt.

Das Buch beginnt mit dem Fund einer Frauenleiche im Jahr 1970, macht aber nach wenigen Seiten einen Zeitsprung und wechselt ins Jahr 1942. Die Wurzeln dieses Kriminalfalls liegen in der norwegischen Geschichte, als deutsche Wehrmachtssoldaten während des zweiten Weltkrieges das Land bevölkerten:

Die zwanzigjährige Åse findet in Tromsø eine Anstellung in der Wäscherei der Besatzungsmacht. Wie viele andere junge Frauen geht sie eine Beziehung mit einem deutschen Soldaten ein. Weil dies unter großen Teilen der Bevölkerung als höchst anrüchig gilt,  können Åse und der Unteroffizier Kurt sich nur heimlich treffen. Selbst der eigenen Familie kann Åse sich nicht anvertrauen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Viveca Sten: Flucht in die Schären

Da mutet die schwedische Bestsellerautorin in ihrem neunten Band der Krimireihe ihren Protagonisten Nora Linde und Thomas Andreasson einiges zu. Den Leserinnen und Lesern übrigens auch. „Flucht in die Schären“ bricht eindeutig aus dem gewohnten Schären-Krimi-Genre aus. Die Geschichte trägt die Züge eines Thrillers. Viveca Sten konfrontiert ihr Ermittler-Duo mit drei Themen, die alle „unter die Haut“ gehen. Es geht um traumatische Kriegsfolgen, um häusliche Gewalt und skrupellose Wirtschaftskriminalität im schwedischen Drogenmilieu.

Den neuen Fall habe ich mit besonderer Spannung erwartet, weil ich meinen Sommerurlaub im Schärengarten vor Stockholm verbracht habe und „natürlich“ Viveca Stens Insel Sanddön mit ihrem Hauptort Sandham besucht habe. Es war schön viele Orte in der Realität zu entdecken, die die Autorin zur Kulisse ihrer Plots gemacht hat. In der Beschreibung der Schönheit dieses touristischen Kleinods übertreibt die Autorin nicht. Sanddön und überhaupt der Schärengarten ist für Schwedenfans ein Muss.

Auch aus diesem Grund habe ich mich auf meine virtuelle Rückkehr nach Sandham gefreut. Natürlich auch auf die Begegnung mit Nora Linde und Thomas Andreasson. Nora hat die Stelle gewechselt und arbeitet nun als Staatsanwältin bei der Behörde gegen Wirtschaftskriminalität. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Louis Greenberg: Die Bedrohung

Wir schreiben die nicht allzu ferne Zukunft. Die Welt hat sich von dem technischen Fortschritt abgewendet, das Internet, die Mobiltelefone, Überwachungskameras – das alles gibt es nicht mehr! Nur eine kleine Siedlung namens Green Valley hat sich gegen die so genannte Wende gestellt. Die Menschen hier sind mit ihren Avataren verkabelt und leben in einer virtuellen Realität. Die Polizistin Lucie Sterling ist verwundert, als sie (auf ihrem an der Wand befestigten Schnurtelefon) einen Anruf ihres Exmannes David erhält. Er berichtet ihr diffus, dass die gemeinsame Tochter Kira, die bei ihm lebt, verschwunden ist, ja, entführt wurde. Lucie ist sofort alarmiert, denn David und Kira leben nirgend anders als in Green Valley. Verbirgt das High Tech-Viertel vielleicht ein Geheimnis?

Luis Greenbergs Roman tut sich am Anfang schwer. Man lernt die Zukunftsvision kennen, die eigentlich in die Vergangenheit gehört. Weil die Menschen sich zu stark von IT-Unternehmen und Überwachungsstaaten kontrolliert gefühlt haben, haben sie jegliche elektronische Technik abgeschafft und sich rückbesinnt in eine Zeit etwa in den 1950er Jahren. Das verändert natürlich auch die Polizeiarbeit, der Lucie nachgeht, wieder maßgeblich. Green Valley wird mit misstrauischem Blick von allen beobachtet. Aber Genaueres weiß niemand. Denn der Zugang zu Green Valley ist streng limitiert und nicht jeder kann rein und raus wie er möchte. Als Lucie doch einen Einblick erhält und David besuchen kann, ist sie verwirrter als bisher. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Volker Kutscher: Marlow: Der siebte Rath-Roman

Der Schriftsteller Volker Kutscher (Jahrgang 1962) lebt und arbeitet in Köln. Mit seinen Krimis über den Kriminalkommissar Gereon Rath wurde er berühmt. Die Krimis spielen im Berlin der 1920er und 1930er Jahre. Die Krimireihe wurde mit dem Titel „Babylon Berlin“ u.a. unter Regisseur Tom Tykwer verfilmt. Die zweite Staffel läuft zurzeit in der ARD.

Volker Kutscher ist aktuell mit seinem siebten Rath-Krimi „Marlow“ in Deutschland auf Lesereise. Der Krimi ist am 30. Oktober 2018 im Piper Verlag erschienen.

„Marlow“ so heißen ein Mecklenburgisches Dorf und ein Verbrecherkönig in Berlin. Auf dem Gut des kaiserlichen Forstinspektors Friedrich Larsen in der Nähe von Marlow im Jahre 1918 beginnt Volker Kutscher in seinem Krimi „eine andere Geschichte“.

Und im Berliner August des Jahres 1935 steigt Gerhard Brunner im hellen Sommeranzug in das Taxi von Otto Lehmann. Der Taxifahrer gibt Gas und rast mit seinem Gast in vollem Tempo gegen eine Mauer. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

M. Hjorth & H. Rosenfeldt: Die Opfer, die man bringt

In diesem Roman ist der Kriminalfall selbst ganz interessant, aber nicht überragend und auch nicht wirklich besonders glaubhaft. Aber das Ermittlerteam ist wieder das ganze Buch wert. Da ist zunächst mal Sebastian Bergmann, der Kriminalpsychologe mit der psychischen Störung, der einfach den „Hosenstall nicht zulassen kann“. Der steht in direktem Konflikt mit seiner Tochter Vanja, ebenfalls erfolgreiche Polizistin und im gleichen Team, der er immer wieder in dem, was er unter „gutem Glauben“ versteht, das Leben ruiniert. Sie könnte keine erfolgreiche Polizistin ein, wenn sie sich das gefallen lassen würde. Mit Ursula hatten sowohl Sebastian als auch der Leiter des Teams Törgel bereits ein Verhältnis.

Törgel versucht das Team zusammenzuhalten, ist aber viel mehr mit seiner neuen Liebe beschäftigt. Und damit, dass sein Posten ausgerechnet der energischen Einsatzleiterin gefällt, die die Reichsmordkomission zu den Vergewaltigungsfällen zu Hilfe gerufen hat. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Stefan Böhm: Straßburger Geheimnisse – Kommissar Sturnis erster Fall

Während Antoine Sturni, der Leiter der Straßburger Mordkommission, mit seinem Sohn Christian in seinem Lieblingsrestaurant sitzt und einen Ausflug in den Europa-Park plant, stirbt nicht weit entfernt bei einer Gedenkfeier im Europa-Parlament der Kabinettschef des Präsidenten der Europäischen Kommission, Dr. Werner Hasselfeld. Zunächst sieht alles nach einem Herzinfarkt aus, aber ein winziger Einstich im Nacken des Toten weckt erste Zweifel und die Obduktion bestätigt diesen Verdacht: Hasselfeld wurde mir einer Gift-Injektion ermordet.

Menschen mit einem Mordmotiv sind schnell gefunden, denn Hasselfeld war ehrgeizig, einflussreich und hatte sich vor allem im beruflichen Umfeld bis in höchste Ebenen einige Feinde gemacht. Doch auch seine kühle und unnahbare Ehefrau – Teilhaberin in einer großen amerikanischen Anwaltskanzlei mit Sitz in Brüssel und Spezialistin für Lobby-Arbeit – könnte etwas damit zu tun haben.

Sturni und sein Team beginnen zu ermitteln, dabei muss er auch in die ungeliebte „europäische Hauptstadt“ Brüssel reisen, um Recherchen anzustellen und Verdächtige zu befragen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Dennis Lehane: Der Abgrund in dir

Rachel Childs hat alles, was man sich wünscht: Sie sieht gut aus, ist glücklich verheiratet und hat eine Bilderbuchkarriere als Fernsehjournalistin. Als man sie jedoch nach einem verheerenden Erdbeben nach Haiti schickt, um über die Verwüstungen vor Ort zu berichten, erleidet Rachel vor laufender Kamera einen Nervenzusammenbruch. Dies bedeutet nicht nur das Ende ihrer Karriere, sondern auch das Ende ihres Lebens, wie sie es bisher kannte. Panikattacken suchen sie heim, ihre Ehe geht in die Brüche. Am Ende schafft sie es nicht einmal mehr, das Haus zu verlassen. An diesem Tiefpunkt in ihrem Leben trifft sie – erneut – auf Brian Delacroix, den sie vor Jahren als Privatdetektiv angeheuert hatte. Er kümmert sich liebevoll um sie und hilft ihr, langsam ins Leben zurückzukommen. Doch auch dieses neue Leben scheint nicht von langer Dauer: Eines Tages trifft sie Brian zufällig in der Stadt, zu einer Zeit, an der er angeblich tausende Kilometer entfernt sein sollte. Rachels journalistischer Instinkt ist geweckt, bis sie schließlich droht, in einer unglaublichen Verschwörung unterzugehen… Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Sabine Kornbichler: Der letzte Gast

Mia kennt die alte Frau Kiening schon seit vielen Jahren. Die Frau hat ALS und möchte in vier Wochen Sterbehilfe in der Schweiz in Anspruch nehmen. Bei ihrer Familie löst dies allerdings verschiedene Gefühle aus. Als Mia nach einem unguten Gefühl zu Frau Kienings Wohnung kommt, findet sie diese nur noch tot vor. Hat Frau Kiening ihren Tod vorgezogen oder ist etwas Schlimmes passiert? Die Polizei geht schnell von Mord aus und Mia wird zur wichtigsten Zeugin. Damit wird sie auch für den vermeintlichen Täter hochinteressant …

Dass der Täter vermeintlich zur Familie von Frau Kiening gehört, ist schnell klar. Doch innerhalb der Familie gibt es mehr als eine Person mit Motiv. Mia und die anderen jüngeren Mitglieder der Familie sind miteinander aufgewachsen und haben als Kinder gemeinsam gespielt, sich als Jugendliche ineinander verliebt. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Eva Lesko Natiello: Memory Box – Verborgene Lügen

Eigentlich war es nur als Spaß gedacht, als Caroline sich selbst bei Google sucht. Die Ergebnisse sind schockierend für die Ehefrau und junge Mutter zweier Mädchen im Grundschulalter. Von der Suchmaschine erfährt Caroline, dass ihre Schwester JD verstorben sein soll. Kann es wirklich sein, dass JD schon seit sechs Jahren tot ist? Daran würde Caroline sich doch erinnern! Sie beginnt heimlich zu recherchieren, denn sie hat Angst, was die anderen Mütter des Ortes über sie herausfinden könnten oder was ihr Ehemann Andy von ihr denken könnte. Und ihre Suche fördert weitere schockierende Dinge zutage …

Eva Liesko Natiellos Roman „Memory Box – Verborgene Lügen“ ist ein New York Times Bestseller. Sie entwirft hier eine rasante Geschichte über eine junge Mutter, die sich selbst nicht wiedererkennt und Erinnerungslücken bei sich feststellt. Da sie dies aber auf keinen Fall ihren Mitmenschen gegenüber offenlegen will, muss Caroline selbst tätig werden und nach der Wahrheit suchen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: