„Wenn man ihm glauben wollte, waren die Leute ständig damit beschäftigt, das Allerschlimmste entweder zu tun oder tun zu wollen oder zu wünschen und zu träumen, sie hätten es getan.“ (S. 247) Sigmund Freuds Lehren sind gerade in Mode, als die 63-jährige Mrs Hilary erstmals einen Psychiater aufsucht. Offiziell wegen Schlafstörungen, inoffiziell wegen Depressionen. Genauer: Weil sie mit ihrer Zeit nichts mehr anzuf
angen weiß, außer sie totzuschlagen. Von ihrem Therapeuten erfährt sie, dass ihre jüngste Tochter mit Affinität zu fragwürdigen Affären, nicht etwa in Sünde lebt, sondern „dem natürlichen Selbst gehorcht“.
Unfassbar amüsant, geistreich, sarkastisch: „Ein unerhörtes Alter“ ist ein Roman, der sich gleich auf mehreren Ebenen positiv hervorhebt. Sein großer Trumpf liegt in den Hauptdarstellerinnen. Selbst die Tratschmäuler, Aufbrausenden und Exzentrischen unter ihnen (also praktisch alle!) erobern sofort das Herz der hingerissenen Leserschaft. Das Erstaunlichste: Obwohl Macaulays Werk vor genau 100 Jahren publiziert wurde, ließe es sich problemlos in die Jetztzeit transferieren. Frauen stürzen in Midlife- und Selbstfindungskrisen, müssen sich zwischen verschiedenen Lebensmodellen entscheiden und äugen doch stets auf das der anderen. Dabei zeichnet die Autorin äußerst emanzipierte Charaktere. Während in anderen Romanen die Mehrheit der weiblichen Handlungsträger 1920 gerade erst das Korsett ablegt, schwimmen ihre Protagonistinnen durch Wellenbrecher, streben nach akademischen Titeln, verdienen ihr eigenes Geld, pflegen amouröse Bekanntschaften, tingeln durch Europa – und geben sich nicht mit dem zufrieden, was sie haben. Weiterlesen


Das Buch „Meine Freundin Annabel Lee“ erschien 1903, da war die Autorin tatsächlich gerade 21 Jahre alt und schon kein unbeschriebenes Blatt mehr. Ihren ersten Roman – „Ich erwarte die Ankunft des Teufels“ schrieb sie mit 19 Jahren und wurde mit einem Schlag berühmt. Der in Tagebuchform verfasste Versuch, in narzisstischer Selbstüberhöhung und provokanter Gesellschaftskritik aus der Enge der Kleinstadt Butte/Montana auszubrechen, war ein voller Erfolg. Die Einnahmen aus dem Verkauf der Bücher ermöglichten der jungen Autorin, der Provinz den Rücken zuzukehren. 




