Everestgeschichten haben mich schon immer fasziniert. Tensing Norgay und Sir Edmund Hillary. Ich kann mich noch erinnern, dass bei den wenigen Büchern, die bei meinen Eltern damals standen, eines dabei war, dass hieß: Sturm auf den Thron der Götter. In der Nachfolge habe ich dann die Bücher von Reinhold Messner verschlungen, oder auch John Krakauers „In eisigen Höhen“ Eben solche Extremsituation, wie sie auch von Christoph Ransmayr, in „Die Schrecken des Eises und der Finsternis“ beschrieben werden. Genug davon. Aber extrem ist das neue Buch von Thomas Glavinic auch. Und bei der Titelauswahl „Das größere Wunder“ sind wir auch gleich im Thema: ein wunderliches Buch. Weiterlesen
Belletristik
Joachim Meyerhoff: Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war
Als jüngster Sohn des Direktors einer Kinder- und Jugendpsychiatrie in Schleswig wächst der Erzähler zwischen hunderten von körperlich und geistig Behinderten auf – und ist glücklich über diesen Umstand. So kann er beispielsweise am besten einschlafen, wenn nachts die Schreie der Patienten in sein Zimmer dringen und er liebt es, auf den Schultern eines glockenschwingenden, riesigen Insassen über das Anstaltsgelände zu reiten. Er verlebt eine behütete Kindheit, in der seine einzige Sorge zunächst die gelegentlichen Streitereien mit seinen älteren Brüdern oder seine Zubett-Geh-Zeit zu sein scheint. Aber nach und nach bekommt die Familienidylle Risse… Weiterlesen
Melanie Gideon: Die Eheprobe
Wer erinnert sich noch an die amerikanischen Klassiker der Hausfrauenliteratur, Erma Bombecks „Wenn meine Welt voll Kirschen wär …“ und „Nur der Pudding hört mein Seufzen“ ? Geschichten rund um Hausfrauen- und Karriereplanung in einem turbulenten Haushalt, Leid und Freud im Alltag der amerikanischen Familie.
In Melanie Gideons „Die Eheprobe“ ist die Familie nicht erwachsen geworden, die Probleme und deren Lösungen nicht geistreicher.
Auch wenn die NYT schreibt: „Was für ein wundervolles Buch“, ein Kommentar, mit dem der Verlag wirbt und den ich hier nicht vorenthalten will, der Roman ist langweilig. Weiterlesen
Helene Wecker: Golem und Dschinn
New York, 1899: Ein Mann siedelt mit dem Schiff in die Stadt über, in seinem Gepäck eine Frau aus Lehm, ein Golem, nach seinen Wünschen angefertigt, die ab jetzt an seiner Seite wachen soll. Doch das Unbeschreibliche passiert: Er erweckt gegen den Rat ihres Schöpfers die Frau bereits auf der Überfahrt und verstirbt kurz danach. Chava, die Lehmfrau, landet in der Obhut eines Rabbis. Andernorts in der Stadt wird ein jahrhundertealter Dschinn namens Ahmad freigelassen. Er wundert sich über Ort und Fortschritt des Geschehens, kann sich aber schnell an alles gewöhnen und beginnt eine gefährliche Liebschaft. Noch ahnen die beiden nicht, dass ihr Schicksals – das von Golem und Dschinn – seit Jahrhunderten miteinander verbunden ist. Weiterlesen
Emma Forrest: Deine Stimme in meinem Kopf
Emma hat Selbstmordversuche hinter sich, ritzt ihrer Haut, hat eine Magersucht und Abtreibung hinter sich. Geholfen hat der Heldin von Emma Forrest Roman „Deine Stimme in meinem Kopf“ Psychiater Dr. R.
Aber während die junge Frau ihr Leben wegschmeißen will, kämpft der Arzt ums Überleben. Und verliert gegen den Krebs. Seine Stimme in Emmas Kopf trägt die Musikjournalistin durchs Leben. – Immer haarscharf am Abgrund entlang.
Die 36-jährige Britin erzählt die Geschichte der verzweifelten jungen Frau mit einer bewundernswerten Leichtigkeit. Weiterlesen
Ka Hancock: Tanz auf Glas
Lucy und Mickey haben es nie leicht gehabt. Seit vielen Jahren sind sie nun verheiratet und trotzen den Schwierigkeiten des Lebens. Mickey hat eine bipolare Störung und lebt mit dem Auf und Ab von Depression und Manie, Lucy hat bereits ein Krebsrisiko in die Wiege gelegt bekommen und muss sich ständig der Angst stellen, dass der bereits einmal ausgebrochene Krebs zurückkehrt. Für beide stand schon am Anfang ihrer Beziehung fest: Kinder bekommen wir keine! Lucy hat sich sterilisieren lassen, doch Jahre danach passiert das Wunder. Lucy wird schwanger! Das Paar wankt zwischen Freude und Panik – sollen sie das Kind bekommen? Dann kehrt der Krebs zurück und ihre Liebe wird auf ein harte Probe gestellt … Weiterlesen
Lauren Groff: Arcadia
In den 1970er Jahren ist der kleine Bit gerade mal fünf Jahre. Er führt allerdings kein gewöhnliches Leben: Er wurde in einer Hippie-Kommune geboren und lebt mit seinen Eltern und den unterschiedlichsten Menschen in einem alten Schulgebäude. Bit ist noch sehr jung, beobachtet aber das Geschehen um sich herum und versucht, sich einen Reim darauf zu machen. Warum wird seine Mutter eigentlich im Winter immer so traurig und was passiert draußen in der großen Welt? Denn die kennt er nur aus Erzählungen. Er wächst in der Hippie-Kommune heran und versteht mit der Zeit immer mehr Zusammenhänge. Doch in der Welt da draußen passieren Dinge, die letztlich auch ein Einfluss auf den kleinen Jungen nehmen. Sein bisheriges Weltbild gerät ins Wanken und der Zusammenschluss der Hippies bricht auseinander. Bit muss sich in der Realität neu orientieren. Weiterlesen
Sabine Thomas: Und konnten es einfach nicht fassen
Bei einer fröhlichen Grillparty schüttet der Ehemann Spiritus ins Feuer. Das Kind der Freunde verbrennt, die Ehefrau ist entstellt. Ihr Mann schafft es nicht mehr, mit ihr zusammen zu leben und reicht die Scheidung ein.
Die Ehefrau nahm sich Sabine Thomas als Anwältin. Und die erzählt nun diese und 15 weitere, erschütternde Geschichten aus ihrer Duisburger Kanzlei im Buch „Und konnten es einfach nicht fassen“. Nicht fassen kann man auch die Geschichte, vom Mörder, der versucht ins Leben zurück zu finden, von den Kindern, die ihre Großeltern nicht mehr sehen dürfen, und den Jugendlichen, die Eltern werden. Thomas erzählt diese wahren Geschichten, die das Leben schrieb, in schöner Sprache, so gar nicht juristentypisch trocken.
Sabine Thomas: Und konnten es einfach nicht fassen.
Ullstein, September 2013.
240 Seiten, Gebundene Ausgabe, 16,99 Euro.
Diese Rezension wurde verfasst von Julia Gaß.
Anna Stothard: Pink Hotel
Sie ist siebzehn Jahre alt, von der Schule geflogen und verletzt sich gerne. Während sie in dem heruntergekommenen Café ihres Vaters als Aushilfe arbeitet, ist sie auf dem besten Weg, ihr Leben zu verlieren. Nur weil ihr Vater vergisst, eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter zu löschen, erfährt sie von dem Unfalltod ihrer Mutter. Kurzerhand stiehlt sie die Kreditkarte ihrer Stiefmutter und fliegt von London nach Los Angeles, wo die Beerdigung stattfindet. Sie kommt zu spät und erlebt im Hotel ihrer Mutter eine riesige Abschiedsparty. Weil bei ihrem Erscheinen keiner mehr nüchtern ist, kann sie sich in Lilys Wohnung umsehen. Unter dem Bett findet sie einen roten Koffer mit Liebesbriefen, Fotos und Papieren. Aus einer Laune heraus packt sie noch ein paar Kleider ein und nimmt ihn mit. Weiterlesen
Mike Greenberg: Was uns glücklich macht
Samantha, Kathrerine und Brooke stehen mitten im Leben. Samantha hat nach nur zwei Tagen Ehe gemerkt, dass ihr Mann nicht der Richtige ist und kann gerade noch die Kurve in eine Annulierung der ehe kratzen, bevor sie Jahre der unglücklichen Zweisamkeit erdulden muss. Katherine ist erfolgreich, smart und reich. Doch mit der Liebe klappt’s nicht so recht, denn vor 20 Jahren hat ihr derzeitiger Chef ihr das Herz gebrochen. Brooke hingegen ist seit vielen Jahren glücklich verheiratet, hat den tollsten Ehemann der Welt und zwei süße Zwillingskids. Dann jedoch gerät das Leben der drei Frauen ins Wanken und sie müssen erkennen, dass sie alle eine Gemeinsamkeit haben. Weiterlesen