Laurent Mauvignier: Mit leichtem Gepäck

28076_4cEs gibt Bücher, die brechen über den Leser herein, entwickeln einen Sog, wie eine literarische Naturgewalt. Laurent Mauvignier hat eine davon geschaffen, zumal sein Roman mit jenem Tsunami beginnt, der am 11. März 2011 über Japan hinwegfegte.

Guillermo und Yuko geben sich hier dem Rausch ihrer Jugend hin. Alkohol, Sex, Partys. „Ihre Körper schreien nach dem Leben“. Doch der Tod lauert bereits im Ozean. Wir begleiten das Paar auf seinen letzten Stunden, die Spannung steigert sich ins Unermessliche, die Welle und ihre Zerstörung beschreibt der Autor so, als habe er sie tatsächlich erlebt, als habe er selbst noch Tage später die schwarze, salzige Flüssigkeit aus Meerwasser, Schlamm und Todesrudimenten erbrochen.

Auch die übrigen Protagonisten dieses Buches machen sich auf die Reise, um auf Erhofftes, Unvorhergesehenes und Neuartiges zu treffen. Weiterlesen

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John Burnside: Wie alle anderen

Wie alle anderen von John BurnsideJohn Burnside, einer der profiliertesten schottischen Autoren, hat einige seiner Romane autobiographisch angelegt – zum Beispiel „Lügen über meinen Vater“, in dem er radikal mit seinem Erzeuger abrechnet (2011).

Autobiographisch ist auch sein neues Werk „Wie alle anderen“, das im englischsprachigen Original bereits 2010 erschienen ist. Burnside, geboren 1955, beschreibt darin seine Versuche, ein bürgerliches Leben zu führen, um von seiner Alkohol- und Drogensucht sowie seiner Schizophrenie loszukommen. Weiterlesen

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Gabriella Engelmann: Wildrosensommer

roseSeit mehr als zwei Jahren ist Nic, der Vater von Aurelias Töchtern, spurlos verschwunden. Da beschließt die Mutter aus München, ihre Leben grundlegend zu ändern und  zieht auf ein Hausboot  im Moorfleeter Yachthafen in Hamburg. Aber auf dem Boot spukt es, und das Schiff birgt ein Geheimnis: das des Vorbesitzers, der vor zwei  Jahren gestorben ist, und das  von Nic.
Gabriella Engelmann erzählt im romantischen Liebesroman „Wildrosensommer“ eine ähnlich märchenhafte Geschichte wie zuvor in „Apfelblütenzauber“.  Weiterlesen

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Peter Goldammer: Der Zirkus der Stille

stilleThaïs hat mit zwölf Jahren ihre Mutter verloren und seitdem bei ihrer Großmutter Victoria im Zirkus gelebt. Ihre Erinnerung an die Zeit sind nicht immer glücklich, konnte ihre Großmutter doch beispielsweise nicht verstehen, warum es schöner sein sollte, ein Fahrrad statt eines Pferdes zu besitzen. Deshalb kehrte Thaïs dem Zirkus mit ihrer Volljährigkeit den Rücken zu. Jetzt mit Mitte zwanzig wird sie gezwungen, zurückzukehren und sich ihrer eigenen Vergangenheit zu stellen, als ihre Großmutter verstirbt und ihr ein Häuschen und ein Bild hinterlässt. Das kleine Foto zeigt Thaïs‘ Vater! Den Vater, dessen Name sie nicht einmal kannte. Weiterlesen

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Saphia Azzeddine: Bilqiss

bilqissSaphia Azzeddine scheint ein vorausschauendes Gespür für brisant aktuelle Thematik zu haben. So hat sie in ihrem vorangegangenen Roman Mein Vater ist Putzfrau das Zuhause des jungen Protagonisten in den Banlieues von Paris angesiedelt und die Perspektiv- und Trostlosigkeit dieser Umgebung gespiegelt, was kurz darauf, nach den Pariser Attentaten, in den Focus der Medien aufgenommen wurde.

In Bilqiss tangiert Azzeddines Roman erneut aktuelles Tagesgeschehen, Politdebatten und Medienberichte – in diesem Fall  betrifft es Burka tragende Frauen (im Buch allerdings im islamischen Heimatland) und ihre innere Einstellung hierzu.  Weiterlesen

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Grégoire Delacourt: Die vier Jahreszeiten des Sommers

sommerEs gibt Stellen in diesem Buch, da kommen Dir echt die Tränen. Selten war ich dem Tod literarisch so nahe. Wir befinden uns in der Hauptsache im Sommer des Jahres 1999, und hier speziell am letzten 14. Juli des letzten Jahrtausends, dem Nationalfeiertag Frankreichs, an einem Strand der Normandie im Badeort Le Touquet. Das Leben von ursprünglich vier Paaren kreuzt sich im Laufe der (Welt-)Geschichte. Das älteste Pärchen traf sich an diesem Strand auf der Flucht vor Bomben in der von Deutschen besetzten Normandie. Mit diesem Paar erleben wir auch die eindringlichsten Momente, Momente der Endlichkeit, der Schönheit des Lebens, der Liebe und vor allem die Momente des Alterns. Weiterlesen

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Helen Garner: Drei Söhne: Ein Mordprozess

dreiIn Australien sorgte ein Prozess für viel Medienrummel. 2005, am Abend des Vatertages, fuhr Robert Farquharson mit seinen drei Söhnen zu seiner Exfrau. Sein alter Wagen verließ unter merkwürdigen Umständen die Straße, rollte in einer langgezogenen Kurve einen Abhang hinunter, kollidierte mit dem Ende eines Zaunes und touchierte Büsche. Danach versank er mit seinen Insassen in einem Baggersee. Die drei Jungen ertranken, Robert, der Vater, konnte sich retten.

Im Verlauf der nächsten zehn Jahre versucht das Gericht die Ungereimten zu klären, während der angeklagte Vater stets seine Unschuld beteuert.

Viele Zeugen werden ausgiebig verhört und dabei vom Verteidiger oder Staatsanwalt mit zahlreichen Fangfragen irritiert. Jeder von ihnen tappt in die Falle, beginnt zu zweifeln. Einige verlassen demoralisiert ihre ursprüngliche Aussage, weil sie auf einmal ihrer Wahrnehmung misstrauen. Und nach jeder weiteren Befragung scheint es eine andere Perspektive auf die Wahrheit zu geben. Weiterlesen

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Christopher Kloeble: Die unsterbliche Familie Salz

salzMehr als 100 Jahre umfasst der Roman des deutschen Autors Christoph Kloeble, „Die unsterbliche Familie Salz“. Darin geht’s um eine Familie, der viele Jahre das prunkvolle Leipziger Hotel „Fürstenhof“ gehört hat. Der Clou dabei: den Fürstenhof gibt’s wirklich, die Familie Salz nicht.

Alles beginnt im Jahre 1914, als der unsympathische und herrische „Herr Salz“ den Fürstenhof kauft und seine widerspenstige Tochter Lola eine Rolle beim Tod ihrer schwerkranken Mutter spielt. Weitere Stationen sind Lolas strapaziöse und schicksalhafte Odyssee durch Deutschland im Zweiten Weltkrieg mit zwei kleinen Kindern, das unglückliche Leben ihrer alkoholabhängigen Tochter Aveline in den 60er-Jahren, die Wendezeit, als Kurt Salz den Fürstenhof aus DDR-Staatsbesitz zurückerhält und sich in eine um Jahrzehnte jüngere Frau verliebt, und schließlich das Jahr 2015, das aus der Sicht von Kurts Tochter Emma geschrieben ist. Ganz am Ende gibt’s sogar noch einen kleinen Ausblick auf das Jahr 2027 mit einem Brief von Emmas Tochter Tara an ihre Mutter. Weiterlesen

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J. Ryan Stradal: Die Geheimnisse der Küche des Mittleren Westens

stradalWas sich liest wie der Titel eines Kochbuchs, ist (fast) reine Belletristik. Aber der Autor hat – wie der Titel vermuten lässt, einige Menüpläne und Rezepte in den Plot eingebaut, denn die Handlung dreht sich um Kulinarisches, ums Kochen, um Regionalität und Nachhaltigkeit von Lebensmitteln, ums Genießen, um Kochwettbewerbe….

Der Roman setzt sich aus mehreren Geschichten zusammen, deren Figuren irgendwie mit der Hauptprotagonistin Eva verwoben sind. Doch liest man so manch Überflüssiges, was nicht wirklich dazu beiträgt, den Roman voranzutreiben. Einige Figuren verlieren sich zu sehr in Nebenhandlungen, dass man sich fragt, warum hier nicht mehr herauslektoriert wurde.

Zum Inhalt: Evas Geschmacksknospen werden durch ihren Vater, der Koch ist, bereits als sie erst wenige Wochen alt ist, für außergewöhnliche kulinarische Genüsse sensibilisiert. Ihre Mutter Cynthia kann mit dem kleinen Kind nichts anfangen und verlässt die junge Familie kurze Zeit nach Evas Geburt. Weiterlesen

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Paul Theroux: Der Fremde im Palazzo d’Oro

Der Fremde im Palazzo dOro von Paul TherouxTaormina, Sizilien, anno 1962: Gil Mariner, ein junger Student, streift durch die Straßen und entdeckt ein elegantes Paar auf der Terrasse des Nobelhotels „Palazzo d’Oro“. Die goldblonde Frau, geschätzte Mitte Dreißig, in ein weißes Kleid gehüllt und trotz der Hitze Spitzenhandschuhe tragend, erregt das Interesse des 21-Jährigen. Er weiß sofort: „Ich will euer Leben leben.“ Ein bittersüßer Wunsch, der sich durch ein unmoralisches Angebot erfüllen soll. Bald findet sich der naive Amerikaner in einem amourösen Wechselspiel aus Dominanz und Unterwerfung wieder. Denn Griffin, die mondäne deutsche Gräfin mit den zwei Gesichtern, hütet ein unglaubliches Geheimnis. Weiterlesen

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