Petina Gappah: Die Farben des Nachtfalters

farbeEs tut mir leid, gleich zu Anfang sagen zu müssen, dass ich mehrfach bei diesem Roman, eher eine Art autobiographisches Tagebuch, eingeschlafen bin. Das ist überhaupt nicht meine Art – ich habe immer Respekt vor dem geschriebenen Wort und den Autorinnen und Autoren. Ich habe aber keinen Zugang gefunden. Die Namen haben mich ermüdet, die Orte und die Sätze, die unendlich, in einer mir völlig fremden Sprache, die Augen schläfrig werden lassen.

Wir befinden uns in einem Frauengefängnis in Zimbabwe, im früheren Rhodesien. Memory, so heißt die Ich – Erzählerin, ist wegen Mordes verurteilt und wartet seit Jahren, auf, na ja, auf was auch immer. Weiterlesen

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Nathan Hill: Geister

geisterEin literarisches Schwergewicht in doppelter Hinsicht legt der amerikanische Autor Nathan Hill vor. Zum einen ist sein Roman „Geister“ mit über 850 Seiten ein echter Wälzer, zum anderen ist er richtig gut.

Der Literaturprofessor Samuel Anderson ist als Kind von seiner Mutter verlassen worden – ein Trauma, das er auch 20 Jahre danach noch nicht überwunden hat. Doch nun soll er für seine Mutter bürgen. Sie hat einen republikanischen Präsidentschafts-Kandidaten angegriffen – ein Fall, auf den sich die Medien stürzen.

Doch das ist nur der Ausgangspunkt für eine ganze Reihe von Verwicklungen und überraschenden Wendungen, die mit den Studentenunruhen im Chicago des Jahres 1968 ihren Anfang nehmen und erst 2011 mit der Demonstration Occupy Wall Street enden. Weiterlesen

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Andreas Drouve: Den Letzten beißt der Grottenolm

olmWarum Journalisten die zweitniedrigste Lebenserwartung aller Berufsgruppen haben, erschließt sich dem Leser spätestens nach der Lektüre dieser amüsant-überdrehten Satire. In deutschen Regionalredaktionen ist nicht alles Gold, was gedruckt wird. Straßenumfragen werden gefälscht, die journalistische Objektivität beugt sich dem Anzeigenetat, grottenschlechte Laientheater werden mit militärischen Fachjargon – eins zu eins aus Weltkriegsberichten kopiert – aufgewertet. Dies führt zu schmissigen, aber schlichtweg erlogenen Sätzen wie „In einer Bombeninszenierung torpedierte das Ensemble die Lachmuskeln der Besucher.“

Ob Nacktwanderwege, Karnevalsprunksitzungen, Verleihungen von Ehrennadeln  oder durchgeknallte Vernissagen wie „Hähnchen in 125 Positionen“ eines Scan-Art Künstlers: Themen wie diese verlangen von dem namenlos bleibenden Ich-Erzähler alles ab. Weiterlesen

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Anja Jonuleit: Rabenfrauen

rabeDer Titel „Rabenfrauen“ von Anja Jonuleits Roman trifft den Inhalt nur am Rande: Es geht um die Sekte „Colonia Dignidad“, dessen Mitglieder in Chile unglaubliche Brutalität erleben.

Auch Christa wird Mitglied der Sekte. Im Sommer 1959 lernt sie mit ihrer Freundin Ruth Erich kennen. Auch Ruth war in Erich, der Christa dann nach Chile mitnimmt, verliebt. Die Freundinnen werden getrennt, aber teilen ein Geheimnis. 50 Jahre später reist Ruths Tochter Anne mit ihrer Mutter nach Chile. Die Reise verändert auch Annes Leben. Weiterlesen

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Henning Mankell: Die schwedischen Gummistiefel

gummiIm August veröffentlichte der Zsolnay Verlag nach „Die italienischen Schuhe“ von 2007 nun „Die schwedischen Gummistiefel“ als zweiten Teil der Geschichte um den Chirurgen Fredrik Welin. Dies ist Henning Mankells letzter Roman, der schwedische Autor der Wallander-Krimis starb 2015.

Der inzwischen siebzigjährige Fredrik Welin, der während seiner Arbeit als Chirurg einer jungen Frau versehentlich den falschen Arm amputierte und sich daraufhin auf eine Insel in den schwedischen Schären zurück zog, rettet sich in letzter Minute aus seinem brennenden Haus, das einst seine Großeltern auf der Insel bauten. Auch die maßgefertigten „ italienischen Schuhe“ des Schuhmachers Giaconelli werden Opfer der Flammen. Übrig bleiben ihm der schwarzverkohlte Schuhspanner der feinen Lederschuhe und zwei linke Gummistiefel, in die er bei der Flucht mitten in der Nacht aus dem Schlaf heraus hastig geschlüpft war. So zieht er in den Wohnwagen seiner Tochter Louise, richtet sich notdürftig ein und bestellt in der örtlichen Schiffshandlung ein Paar schwedischer Gummistiefel. Weiterlesen

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Elena Ferrante: Meine geniale Freundin

ferranteLila und Elena sind wie Feuer und Wasser und doch werden sie schon in der Grundschule Neapels zu besten Freundinnen, die meist fast nichts trennen kann. Es sind die 50 Jahre des letzten Jahrhunderts in denen diese weitverzweigte Geschichte ihren Lauf nimmt. Hier wachsen die beiden Mädchen in einem Milieu der Gewalt und der Unterdrückung von Frauen auf. Der Tagesinhalt der Menschen scheint einzig darin zu bestehen, gegeneinander Familienfehden auszutragen, die Ehre der Frauen wiederherzustellen und ums tägliche Überleben zu kämpfen. Nicht einfach für so zwei begabte Mädchen wie Elena und Lila es sind. Beide glänzen in der Schule, doch schnell wird klar, dass sich Lilas Familie die Bildung über den Standard hinaus nicht leisten kann. Elena hingegen kann auf eine weiterführende Schule gehen. Die Freundschaft der beiden wird auf mehr als eine harte Probe gestellt.

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Peter Terrin: Monte Carlo

monteMonte Carlo 1968: Kurz vor dem Start des Formel-1-Rennens kommt es just in dem Moment zu einer gefährlichen Stichflamme, als die umjubelte Schauspielerin Deedee einen Gang durch die Boxen unternimmt.

Einer der Mechaniker wirft sich zwischen sie und die Flamme und wird dabei schwer verletzt. Die Schauspielerin aber kann unversehrt von ihrem Leibwächter in Sicherheit gebracht werden. Soweit die Ausgangssituation in Peter Terrins kurzem Roman „Monte Carlo“.

Doch was hier wie ein Heldenepos à la „Bodyguard“ mit Whitney Houston und Kevin Costner klingt, entpuppt sich im weiteren Verlauf als psychologisches Drama. Weiterlesen

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Marie Malcovati: Nach allem, was ich beinahe für dich getan hätte

allesUm dieses Buch für mich zu einer kleinen literarischen Sensation zu machen, genügt ein kleines Zitat aus Seite 109: „Einer spielte Memory mit seinem Hund, aber der Hund war nicht ganz bei der Sache“. Großartig. Wie überhaupt die ganze Story so verrückt und gleichzeitig so tragisch-komisch ist, dass es einfach gute Laune macht.

Eine Entdeckung ist dieses Romandebut von Marie Malcovati allemal. Es gibt drei Protagonisten und ein paar Randfiguren. Lucy, genannt nach unserer afrikanisch – Altvorderen und den Beatles; Simon, Millionärssohn, aber schwarzes Schaf einer pharmazeutischen Familien – Erfolgsgeschichte und ein kränkelnder Cop mit Hinkebein namens Marotti, der grad auch noch von seiner Frau verlassen wurde und der trotz Krankenschein, die Videoüberwachung einer Schalterhalle in Basel übernommen hat. Weiterlesen

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J. K. Rowling: Harry Potter und das verwunschene Kind

potterNeun Jahre hat Joanne K. Rowling die Harry-Potter-Fans auf eine Fortsetzung der magischen Geschichten aus Hogwarts warten lassen. Nun ist „Harry Potter und das verwunschene Kind“ auf Deutsch erschienen.

Das Buch hat nicht die Erzählkraft der vorherigen Bände, was daran liegt, dass es das Theaterskript ist, das da abgedruckt ist. Das ist anstrengend zu lesen, aber am Schluss doch noch spannend.

Rowling holt nicht so weit aus wie in den sieben dicken Büchern zuvor. Der achte Band hat nur 324 groß und zu zwei Drittel bedruckte Seiten; die ersten drei Schuljahre von Harry Potters Sohn Albus werden auf gerade einmal fünf Seiten abgehandelt. Und man vermisst die Beschreibungen des Alltagslebens in Hogwarts – all’ das, was das Internatsleben früher ausgemacht hat. In einem Theaterstück ist das eben schlecht zu realisieren. Und auch die Charaktere zeichnet Rowling nicht so stark wie in den ersten Bänden. Weiterlesen

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Jodi Picoult: Die Spuren meiner Mutter

mutterTod und Trauer sind ja schon in mehreren der letzten Bücher von Jodi Picoult ein großes Thema, ebenso wie Schuld. Dieses mal verbindet sie das mit den Tieren, die für ihre Trauer, ihr langes Gedächtnis, aber für ihr gnadenloses Verfolgtsein bekannt sind: Elefanten. Elefanten trauern, da ist sich Alice Metcalf ganz sicher. So sicher, dass sie ihre Forschungsarbeit darauf ausrichtet. Das war vor 10 Jahren. Dann verschwand sie.

Heute ist ihre Tochter Jenna 13 und macht sich auf die Suche nach ihrer Mutter. Gemeinsam mit dem ehemaligen Medium Serenity und dem abgehalfterten Privatdetektiv Virgil versucht sie herauszufinden, was vor 10 Jahren im Elefantengehege ihrer Eltern geschah. Wurde die Pflegerin wirklich von der Elefantenkuh niedergetrampelt oder hatte Jennas Mutter etwas damit zu tun und ist deshalb geflohen? Weiterlesen

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