Delphine de Vigan hat einen neuen, glühenden Fan gewonnen. Der mir bislang zugegebenermaßen unbekannten Autorin gelingt etwas, woran andere scheitern. Sie schildert das Altwerden, das Vergessen und sich Verlieren mit einer großen Empathie, mit Mitgefühl und Verständnis und dabei vollkommen ohne Pathos, Gefühlsduselei oder Überheblichkeit.
Michka ist alt, sie verliert Dinge und sie verliert Worte, täglich mehr. Sie ersetzt sie durch andere, ähnlich
klingende. Als sie allein nicht mehr zurechtkommt, bringt Marie sie in einem Altersheim unter.
Marie ist eine junge Frau, die als Kind früher von Michka versorgt wurde. Marie hat eine starke Bindung an Michka, liebt sie und besucht sie regelmäßig. Für Michka ist es schwer, sich im Heim einzuleben, sich zurechtzufinden. Sie gewöhnt sich nicht an den Verlust ihrer Selbstständigkeit, ihrer Privatsphäre. Sie hat Albträume von einer furchterregenden Heimleiterin, in denen sie die Worte noch weiß, sie der Frau aber hilflos ausgeliefert ist.
Neben Maries Besuchen ist ihr weiterer einziger Lichtblick Jérôme, der Logopäde, der zweimal in der Woche zu ihr kommt. Er will ihr helfen, den Verlust der Wörter aufhalten. Doch die Aphasie erweist sich als stärker, Michka findet immer weniger die Worte, ihr fällt es immer schwerer, sich verständlich zu machen. Weiterlesen








