Baptiste wächst mit zwei Schwestern auf. Seine Mutter erzieht die Kinder alleine, der Vater hat die Familie früh verlassen. Sie wohnen in einem Vorort von Marseille, das Umfeld ist geprägt von hart arbeitenden „kleinen Leuten.“ In der Schule langweilt sich Baptiste zu Tode. Eine Ausbildung in der Gastronomie erfüllt ihn nicht. Er wird Monteur in einer Helikopterfirma, bis ein Fotograf ihn entdeckt und sich für ihn die Türen in die Modewelt öffnen. Als Karl Lagerfeld sein Foto in einer Zeitschrift sieht, holt er Baptiste in den Olymp der Modebranche. Er erinnert ihn an seine Jugend. Der Modegott und der 18- jährige Monteur ohne Ausbildung oder Lehre werden Freunde.
„Denn zwischen uns bestand ein Band, das nur der Tod auflösen konnte – an den ich damals natürlich keine Sekunde dachte. Mir ging es nicht darum, ihn zu besitzen. Karl ging es nicht darum, mich haben zu wollen. Unser Band bestand aus aufrichtiger, zärtlicher Zuneigung, die über jeden Anspruch erhaben war.“ (S. 14) „Ihn faszinierte meine Jugend, meine Frische und Unbeschwertheit, er wiederum kitzelte bei mir den Rebellen, Provokateur und verrückten Spinner heraus, was ihm auch gut gefiel.“ (S. 75)
Karl lässt Baptiste in einer seiner Wohnungen wohnen, fördert und fotografiert ihn, nimmt ihn an seiner Seite überall hin mit und macht ihn weltberühmt. Er trifft die Reichen, die Schönsten der Schönen, die Künstler und Stars der globalen High Society, lebt ein Luxusleben ohne Gleichen. Wohnsitze an den malerischsten Flecken Europas und ein Privatjet versetzen ihn in unbändiges Staunen, werden aber irgendwann selbstverständlich. Dennoch versucht Baptiste am Boden“ zu bleiben, „seine Leute“ nicht zu vergessen. Bald wird er zum weltweit gefragtesten Männermodel. Weiterlesen


Elise war voll des Glücks, hatte sie doch einen nicht nur reichen, sondern auch umschwärmten Junggesellen geehelicht. Nicht zuletzt verdankt ihr Bruder dem Adeligen, dass seine Fabrik vor dem Ruin bewahrt wurde. Zu ihrem Glück, der Londoner High Society anzugehören und die Ballsaison am Arm ihren Bräutigams zu besuchen, gesellt sich bald die freudige Nachricht, dass sie schwanger ist. Dann aber verstirbt ihr Mann unerwartet – die gute Sitte verlangt es, dass Elise sich zur Trauer die nächsten Jahre auf das abgelegene Familienanwesen zurückzieht. Schon die Fahrt in die Provinz, nur begleitet von der Cousine ihres verstorben Gatten, erweist sich als herausfordernd. Die Straßen sind bessere Feldwege, die Kutsche bleibt im Schlamm stecken, zu allem Übel fällt die Witwe hin und verunstaltet sich und ihre Robe. So kann, so will sie sich ihren neuen Untergebenen natürlich nicht präsentieren.




