Martina Parker: Zuagroast. Gartenkrimi

Ein fieser, brutaler Ehemann, der „Club der grünen Daumen“, eine Stammtischrunde garten- und kräuterinteressierter Damen, eine umtriebige Journalistin und ein fescher Gärtnermeister sind die Hauptakteure in diesem „Gartenkrimi“. Gewürzt wird die Sache mit einem ordentlichen Quantum Alkohol, einer Prise Sex und jeder Menge Garten-Fachwissen.

„Zuagroaste“ sind in Österreich ganz pauschal Personen, die sich an einem Ort ansiedeln, dorthin also „zureisen“, im Gegensatz zu den dort ansässigen Einheimischen. Sie werden manchmal belächelt oder übers Ohr gehauen, weil sie mit den örtlichen, oft dörflichen, Gegebenheiten nicht vertraut sind. Der Durchschnittsösterreicher steht Zuagroasten anfangs immer skeptisch und arrogant abwartend gegenüber, bis er sich nach geraumer Zeit mit ihnen fraternisiert oder auch nicht.

Die Journalistin Vera Horvath bezieht mit ihrer Tochter das Haus ihrer verstorbenen Urgroßmutter in einem Dorf im Südburgenland an der Grenze zu Ungarn. Sie freundet sich mit Eva Achleitner an, Gattin des Architekten Paul Achleitner, ebenfalls kürzlich zugezogen. Paul ist ein wahres Ekel und schon bald wendet Eva das im „Club der grünen Daumen“ gewonnene Kräuterwissen an, um sich an ihrem Ehemann zu rächen. Weiterlesen

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John Scalzi: Das Imperium der Ströme 03: Schicksal

Vorhang auf zum dritten und damit letzten Band um das Sternenreich, das sich vor Jahrtausenden von der Erde losgesagt, und mittels den die Planeten verbindenden Ströme prosperiert hat. Der Adel und ihre Handels-Häuser haben die Wirtschaft unter sich aufgeteilt, der Reichtum sorgt dafür, dass alle, auch die Armen, Wohlstand und Sicherheit genießen können. Dass eben jene Ströme, die das Reisen und den Warenaustausch zwischen den Planetensystemen erst ermöglichen am Zusammenbrechen sind, macht nicht nur der Imperatox und den Handelshäusern sondern so langsam auch den Bürgern Sorgen. Ein einziger Planet böte die Voraussetzungen, auf ihm dauerhaft zu überleben – doch zum Einen ist er weit entfernt und könnte auch unmöglich die Milliarden Bewohner der anderen Systeme und Habitate aufnehmen.

Imperatox Grayland II hat bereits mehrere Attentate überlebt, hat sich jede Menge Feinde, aber auch einige Verbündete geschaffen. Unter diesen einen Mann, den zu lieben sie gelernt, den zu ehelichen sie vorhat. Dass dieser möglicherweise eine Lösung zur Verhinderung des bevorstehende Genozids finden kann, wäre hilfreich, da ihr Gegnerin, deren Anschläge schon mehrfach fast erfolgreich waren, erneut ihr dunklen Ränke schmiedet. Doch dann muss sie einsehen, dass sie nicht Beiden bekommen kann – persönliches Glück und die Rettung ihrer Untertanen … Weiterlesen

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Peter Stamm: Das Archiv der Gefühle

Peter Stamms neuer Roman „Das Archiv der Gefühle“ ist eine zarte Liebesgeschichte. Sie handelt von zwei Menschen, die von ihrer Jugend an einander zugetan sind, zwischen denen sich aber nie eine Beziehung ergibt. Der Ich-Erzähler hat Franziska, so heißt die Herzensdame, vor 40 Jahren seine Liebe gestanden, die sie damals jedoch zurückgewiesen hat.

Seither denkt er jeden Tag an sie, auch wenn die beiden über viele Jahre hinweg keinen Kontakt zueinander haben. Kann es sein, dass sie später ihre Meinung geändert hat? Hinweise darauf gab es durchaus. Hätte er diese Gelegenheiten nur beim Schopf packen müssen?

Er wird zum Einsiedler mit autistischen Zügen, der ein von einer Zeitung aufgegebenes Archiv privat im Keller weiterführt und den Kontakt zu anderen Menschen meidet, sie zu einer gefeierten Chanson-Sängerin. Dann treffen sich die beiden doch noch wieder. Haben sie eine Chance auf einen Neubeginn? Weiterlesen

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Monika Held: Der Schrecken verliert sich vor Ort

Der Roman „Der Schrecken verliert sich vor Ort“ von Monika Held hat mich tief berührt. Er thematisiert die Schrecken des Konzentrationslagers Auschwitz und ist gleichzeitig die Geschichte einer Liebe. Wie kann das zusammenpassen?

Lena lernt Heiner im Gerichtsgebäude in Frankfurt kennen. Von 1963 bis 1965 findet in der Stadt der erste Auschwitz-Prozess statt. Lena arbeitet beim Gericht als Dolmetscherin. Heiner ist als Zeuge nach Frankfurt gereist. Er ist einer der wenigen, die die Lagerhaft überlebt haben. Im Prozess muss er erleben, wie seine Aussagen von der Verteidigung angezweifelt und seine Beobachtungen unglaubwürdig gemacht werden. Er sieht in den Gesichtern der Täter keine Reue, eher Hohn. Als er schließlich im Flur des Gerichtsgebäudes zusammenbricht, findet ihn Lena und hilft ihm.

Lena und Heiner verlieben sich, sie heiraten und kaufen sich ein Haus auf dem Land irgendwo im Norden Deutschlands. Das Zusammenleben ist nicht leicht. Heiner verkraftet keinen normalen Arbeitsalltag, er schreit nachts und kann ohne Licht nicht schlafen. Auschwitz lässt ihn nicht los, er hat das Lager ertragen, weil er eine Mission hatte: Er wollte ein glaubwürdiger Zeuge sein. Jedem Besucher zeigt er sein Senfglas, welches auf den ersten Blick mit Sand gefüllt scheint, aber in Wirklichkeit Asche und Knöchelchen von Verbrannten enthält. Weiterlesen

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Cassandra Clare: Chain of Iron: Die Letzten Stunden 2

Eigentlich sollte Cordelia glücklich sein – schließlich hat sie alles in ihrem Leben, was sie sich je gewünscht hat: Sie heiratet ihre große Liebe James, sieht ihren Vater endlich wieder und ihre Kampfkünste mit ihrem berühmten Schwert Cortana geben einen Ausblick darauf, was für eine großartige Heldin sie einmal sein wird. Ja, eigentlich sollte sie glücklich sein. Doch nichts ist, wie es scheint. Die Ehe mit James wird nicht echt sein, denn dieser ist nach wie vor in die geheimnisvolle und wunderschöne Grace verliebt. Das Glück, ihren Vater zu sehen, hält nicht lange und auch mit Cortana ist irgendetwas nicht in Ordnung …

Lucie ist hingegen dabei, einen Weg zu finden, wie sie Jessie wieder zum Leben erwecken kann. Weil derartige Praktiken natürlich strengstens verboten sind, kann sie niemandem davon erzählen und verstrickt sich genau wie Cordelia immer tiefer in ihren eigenen Lügen, bis es nicht nur für sie und ihre Freunde, sondern auch für ganz London höchst gefährlich wird. Weiterlesen

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Golnaz Hashemzadeh Bonde: Was bleibt von uns

Diesem Buch muss man sich stellen, muss es aushalten. Denn es tut weh, es ist aggressiv, es verstört. Die Autorin, als Kind aus dem Iran nach Schweden geflohen, schont ihre Leserinnen nicht. Sie eröffnet vielmehr einen ungewohnten, einen gewöhnungsbedürftigen Blick auf Krankheit und Tod.

Der Klappentext führt hier eher in die Irre. Im Grunde geht es um die Bewältigung von und den Umgang mit der Nachricht, bald sterben zu müssen. Das ist es, was der Protagonistin und Ich-Erzählerin Nahid widerfährt. Nahid, im Iran geboren und aufgewachsen, lebt heute, sie ist sechzig Jahre alt, in Schweden. Sie wohnt allein, ihre Tochter Aram lebt in einer Beziehung mit dem Schweden Johann. Als Nahid von ihrer Ärztin die Nachricht bekommt, sie habe nicht mehr lange zu leben, wirft sie das völlig aus der Bahn. Sie kann das nicht verarbeiten, sie ist wütend, auf alles und jeden. Nahid will nicht sterben, sie will, dass die Ärzte alles in ihrer Macht Stehende tun, um ihr Leben zu retten. Nahids Zorn richtet sich auch besonders gegen Aram, diese Tochter, die ihr nicht nahe ist, die, in Nahids Augen, zu wenig besorgt ist um ihre Mutter, die zu wenig weiß über Nahids Geschichte. Weiterlesen

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Therese Anne Fowler: Gute Nachbarn

Das ist wieder so ein Roman, bei dem es mir schwerfällt, zu sagen, er gefällt mir oder er gefällt mir nicht. Denn obwohl die Autorin sehr subtil Spannung aufbaut und mittels einer ungewohnten Perspektive fesselt, bedient sie gleichzeitig viele Klischees. Auch ist die Handlung leider trotz allem vorhersehbar.

In einer zu einigem Ansehen gekommenen Siedlung in North Carolina zieht eine wohlhabende Familie in ein neues, etwas protziges Haus. Diese neuen Bewohner haben es sich bereits vor ihrem Einzug mit ihrer Nachbarin Valerie verdorben, da durch die Bautätigkeiten ihr Garten und besonders eine sehr alte Eiche darin Schaden genommen haben. Zusätzlich ist Valerie durch ihre Vorurteile voreingenommen gegen die Familie, vor allem den Vater Brad, der ihr wie das personifizierte weiße Übel vorkommt. Valerie ist farbig, ihr Mann war weiß und so ist ihr Sohn Xavier, 17 und gerade mit der Schule fertig, ein „Mischling“, der sich nirgendwo so richtig zugehörig fühlt.

Das Drama nimmt seinen Lauf, als sich Xavier und die gleichaltrige Juniper, Brads Stieftochter, ineinander verlieben. Neben den durch die Hautfarbe bedingten Problemen kommen erschwerend die von der Kirche beeinflussten, etwas merkwürdigen Erziehungsmethoden von Junipers Eltern hinzu. So musste sie zu Beginn der Pubertät ein Gelöbnis ablegen, als Jungfrau in die Ehe zu gehen. Weiterlesen

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F. Scott Fitzgerald: Partytime (1920-1930)

Der US-Amerikaner F. Scott Fitzgerald (1896-1940) ist berühmt für seine Romane „Diesseits vom Paradies“ und  „Der große Gatsby“, die im Original 1920 bzw. 1925 veröffentlicht wurden. Fitzgerald schrieb außerdem Drehbücher und Kurzgeschichten. Im Diogenes Verlag erschien 2015 der Shortstory-Band „Liebe in der Nacht und andere Lovestorys“ (1920). Am 28. Juli 2021 ist nun ebendort „Partytime“ mit Geschichten aus den Roaring Twenties herausgekommen. Die sieben Geschichten wurden im Original zwischen 1920 und 1930 (meist in Zeitschriften) veröffentlicht. Für den Diogenes Verlag hat sie Silvia Zanovello ausgewählt.

Und natürlich dreht sich alles um Partys in den Geschichten. Da meint die reiche und eigenwillig-arrogante Rags Martin-Jones auf den Prince of Wales in einem Nachtclub in New York zu treffen.

Da bekommt die langweilige Bernice von ihrer Cousine Nachhilfe zur Steigerung ihrer Attraktivität auf Partys und lässt sich sogar darauf ein, sich einen Bubikopf schneiden zu lassen.

Oder der arme Gordon, der sich in der Geschichte „Erster Mai“ wegen eines Mädchens unbedingt Geld leihen und dafür seinem ehemaligen Studienkollegen Philip auf einen Ball der Yale-Absolventen folgen muss. Weiterlesen

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Marianne Philips: Die Beichte einer Nacht

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war die Rolle der Frau aus armen Verhältnissen klar umrissen: kein eigenes Geld, keine oder wenig Bildung, früh Kinder gebären und heiraten. Bei Heleen ist die Ausgangslage nicht gerade glücklich. Als Erstgeborene muss sie sich schon sehr früh um die kleinen Geschwister kümmern. Fast jedes Jahr bekommt ihre arbeitende Mutter ein weiteres Baby. Als Heleen zwölf Jahre alt wird, endet ihre Schulzeit. Sie wird in einer Schneiderei Laufmädchen und lernt nähen. Von dort beginnt ihre ungewöhnliche Karriere.

Die Autorin Marianne Philips wurde 1886 in Amsterdam geboren. Aus ihrem Werdegang als Politikerin, Schriftstellerin, Mutter und 1919 als erstes weibliche Ratsmitglied der Niederlande kann man erkennen, dass Emanzipation im Kopf der Frau stattfindet. Aus der Perspektive der Autorin kann das Märchen vom Prinzen, der ein schönes Mädchen lieben lernt und aus ihrer Armut und Not rettet, nur in einer neuen, ehrlichen Version erzählt werden. Dies gelingt der Autorin sehr überzeugend. Weder ist der erste Prinz ein guter Mensch, noch musste er seine zukünftige Königin retten, denn in ihrem Beruf war sie bereits eine. Die Autorin lässt Heleen von ihrer Einsamkeit erzählen und dass sie niemanden hatte, mit dem sie ihre Erlebnisse teilen konnte. Erfolg macht einsam und für Frauen erst recht. Karrierefrauen passen einfach nicht in die Schemata männlicher Erwartungen. Weiterlesen

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Douglas Stuart: Shuggie Bain

Der Schotte Douglas Stuart (Jahrgang 1976) studierte Modedesign in London und arbeitete für bekannte Marken wie Calvin Klein oder Gap. Er lebt in New York. Für sein Erstlingswerk „Shuggie Bain“ erhielt Stuart 2020 den Booker Prize. Nun ist der halbautobiografische Roman am 23. August 2021 bei Hanser Berlin im Carl Hanser Verlag erschienen. Übersetzt hat ihn Sophie Zeitz.

Douglas Stuart wuchs in Glasgow auf. Seine Mutter war alleinerziehend und alkoholabhängig. Sie starb als Stuart sechzehn Jahre alt war. Ihr hat er das Buch gewidmet.

„Shuggie Bain“, der eigentlich Hugh heißt, ist der jüngste Sohn von Agnes und Shug Bain. Seine Geschwister Leek und Catherine stammen aus Agnes’ erster Ehe mit Brendan McGowan. Sie leben Anfang der 1980er Jahre – zunächst zusammen mit Agnes’ Eltern, Lizzie und Wullie – in einer Hochhaus-Siedlung im Glasgower Stadtteil Sighthill. Big Shug Bain ist Taxifahrer und Macho. Er betrügt Agnes nach Strich und Faden mit anderen Frauen. Dann ziehen sie nach Pithead, einem heruntergekommenen Bergarbeiterdorf, um. Shug verlässt die Familie. Und Agnes, auf sich allein gestellt, säuft und lässt sich mit Männern ein, die ihr den nächsten Drink, das nächste Bier spendieren. Catherine geht mit ihrem Freund und Verlobten nach Südafrika. Und auch Leek haut irgendwann ab. Nur Shuggie harrt bei seiner über alles geliebten Mutter aus. Er verzeiht ihr alle Alkoholexzesse, ihr Selbstmitleid und ihr Gezeter. Für kurze Zeit wird Agnes  mit Hilfe der Anonymen Alkoholiker trocken. Sie hat einen neuen Freund, Eugene, der ebenfalls Taxi fährt. Doch die neue Liebe hält nicht lange. Agnes versinkt im Alkohol. Und Shuggie spürt immer mehr, dass er anders ist als die anderen Jungs. Weiterlesen

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