Antoine Laurain: Eine verdächtig wahre Geschichte

Vermutlich mag jeder, der gerne liest und vor allem jeder, der selbst schreibt, Romane, die in Verlagen spielen und das Leben von Autoren und Lektoren zum Thema haben. Daher habe ich auch dieses Buch des Franzosen Antoine Laurain mit großer Freude gelesen, wie auch schon seine früheren Romane.

Hauptfigur in dieser verdächtig wahren Geschichte ist die Lektorin Violaine Lepage. Sie ist ein Star in ihrem Beruf und leitet in dem Verlag, bei dem sie arbeitet, die sogenannte Manuskriptabteilung. Dort sind mehrere Menschen damit beschäftigt, die täglich zu Hunderten eintreffenden Manuskripte bekannter und unbekannter Autor:innen zu sichten und zu bewerten. Dabei benutzen sie ein einfaches System: ein Quadrat als Symbol qualifiziert das Manuskript als Ausschuss, ein Mond besagt, man könne später eventuell darauf zurückkommen. Und eine Sonne kennzeichnet eine wertvolle Entdeckung.

Nun machte Marie, Mitarbeiterin in dieser Abteilung, eines Tages eine solche Sonnen-Entdeckung und der Verlag veröffentlichte das Buch „Die Zuckerblumen“ eines bis dato unbekannten Autors. Dieser Roman aber wird nun für den Prix Goncourt, den angesehensten französischen Literaturpreis, nominiert. Doch der Autor – oder ist es eine Autorin? – ist unauffindbar. Weiterlesen

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Ralf Rabinski: …und das verschwunde Licht. Ein Hörspiel von Ulrike Rank

In der dritten Geschichte um den kleinen Raben Ralf Rabinski geht es um die Angst. Nachts fällt Ralf vom Baum. Es ist so dunkel, dass er nicht einmal den Flügel vor den Augen sehen kann. Weil er sich vor all den unbekannten Geräuschen fürchtet, verläuft er sich zu allem Überfluss. Zum Glück trifft er auf die Hummel Tülay. Mit ihr findet er heraus, dass sich hinter all den schrecklichen Geräuschen gar keine Monster verbergen.  Stattdessen stecken ganz liebe Waldbewohner dahinter.

Die Geschichte ist inhaltlich ansprechend und kindgerecht. Die Kinder fiebern beim Hören mit dem kleinen Raben (der nicht fliegen kann) mit. Weiterlesen

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Saskia Louis: Die Lügendiebin

Tag für Tag, Nacht für Nacht gehen die Angriffe auf die belagerte Stadt Mentanos weiter. Die Weißen Magier leisten ihren Dienst beim Aufrechterhalten des Schutzschirmes, die Roten Magier kümmern sich um den Schirm und die innere Sicherheit. So war es seit Jahrzehnten, so wird es bleiben. Innerhalb der Stadt, die von einem König regiert und von den Magiern beherrscht wird, sind die Schichten streng voneinander getrennt. Hier die Adeligen im weißen Kreis, dort die Arbeiter im Grauen.

Fawn, deren verstorbene Mutter einst zu den Roten Magieran gehörte, wuchs im grauen Kreis auf. Sie hat ein geringes Magie-Talent, doch gibt es etwas, das sie weit besser beherrscht, als die Anderen – sie kann Lügen von den Lippen lesen. Spricht Jemand die Wahrheit, so entfleucht ein weißer Nebel dem Mund, ist der Atem rot, ist es eine Lüge. Und auf Lügen hat sie sich spezialisiert – kann man diese doch in Phiolen sammeln und für teuer Geld verkaufen.

Immer wieder steigt sie als Fassadenkletterin in die Villen der Reichen ein, versteckt sich in Belüftungsschächten und fängt Unwahrheiten auf. Schon mehrfach hat sie dabei das Anwesen der Falcrons, einer der mächtigsten Familien der weißen Magier heimgesucht, als sie von Caeden Falcron, dem Sohn des jüngst ermordetet Anführers der Weißen Magier auf frischer Tat erwischt wird. Dessen Mutter bietet ihr einen Deal an – statt in den Diamant-Minen oder gar auf dem Schafott zu landen, soll sie vorgeben, die Verlobte Caedens zu sein und helfen herauszufinden, wer dessen Vater ermordet hat. Weiterlesen

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Terry Pratchett: Maurice, der Kater, gelesen von Volker Niederfahrenhorst

Der Kater auf dem Cover blickt mich mit strengen, wissenden Augen an. Maurice ist ein besonderer Vertreter seiner Art, er kann sprechen und lesen, genauso wie die Ratten in seiner Umgebung, die er aus eben diesem Grund jetzt nicht mehr frisst. Seitdem er aus unerklärlichen Gründen intelligent geworden ist, hat er auch erkannt, dass Geld der Schlüssel zu einem guten Leben sein kann. Als er eines Tages auf einen dumm aussehenden Jungen mit Flöte trifft, hat er die Geschäftsidee seines Lebens: Gemeinsam mit den Ratten und dem Jungen zieht er von Stadt zu Stadt. Die Ratten inszenieren eine Rattenplage, der Junge mit der Flöte gibt den Rattenfänger, der Lohn wird geteilt.

Das funktioniert gut, doch mit der Zeit ergeben sich Probleme. Es gibt immer mehr Orte, wo der schräge Trupp den Wachen ein Dorn im Auge ist. Noch ärger erscheint Maurice, dass die Ratten mit der Zeit ein soziales Gewissen entwickelt haben, etwas, das der Kater für völlig überflüssig hält. Sie wollen nicht länger von Gaunereien leben und träumen von einer Insel mit einem eigenen Königreich. Die Ratten finden, dass sie genug Geld zusammengetragen haben. Man beschließt, nach der nächsten Aktion aufzuhören und getrennter Wege zu gehen. Maurice willigt zähneknirschend ein. Doch Bad Blintz, wo die letzte Show steigen soll, erweist sich als gefährliches Pflaster. Das Rattenfänger-Show-Team bekommt es mit mehreren gefährlichen Gegnern zu tun. Weiterlesen

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Imogen Crimp: Unser wirkliches Leben

Intensiv, modern, psychologisch – eine Lovestory wie das Extrakt aus einer Künstlerseele. Imogen Crimps glühendes Romandebüt ist eine fesselnde Liebesgeschichte mit tiefgründigen, psychologischen Aspekten über eine Beziehung mit ungleichen Machtverhältnissen, über Obsession, Geld und Verlangen. Die bittersüße Amour fou in die sich die junge Opernsängerin Anna und der Bankier Max verlieren, wird modern erzählt.

Wenn man mich neben verschiedene Männer hält, nehme ich ihre Farbe an. Werde mehr wie sie und weniger wie ich.“ (S. 440)

Die Protagonistin Anna passt weder in die Welt der angehenden Opernstars noch ins Leben ihres Liebhabers und hat ständig das Gefühl, sich verstellen zu müssen. Dabei beschreibt die Autorin diese Zerrissenheit und die Disbalance zwischen Männern und Frauen mit feinsinnigem Gespür. Imogen Crimp selbst hat für kurze Zeit Operngesang an einem Londoner Konservatorium studiert.

Ich wagte zu denken, also war es gut?, und dann, als der Applaus anhielt, wie eine Welle, die nicht abebbt, sondern immer weiter rollt, wuchs in mir die Gewissheit, ja, es war gut. Es war sogar verdammt gut.“ Weiterlesen

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Thomas Enger & Jørn Lier Horst: Bluttat

Für Kriminalkommissar Alexander Blix ist ein Alptraum wahrgeworden. Seine Kollegin Kovic wird in ihrem Haus ermordet, und seine Tochter Iselin, die einzige Zeugin dieses Mordanschlags, kann sich nur knapp über eine Flucht durch ein Fenster vor den Mörder retten. Am nächsten Tag wird Iselin entführt. Jetzt gilt Blix als befangen und darf die Ermittlung nicht mehr leiten. Doch er kann nicht loslassen. Jede Sekunde, Minute und Stunde zählt. Blix will seine Tochter unbedingt retten. Dabei missachtet er alle Regeln der Polizeiarbeit.

Auch die mit ihm befreundete Kriminalreporterin Emma Ramm ignoriert Regeln. Im Wettlauf mit der Zeit bringen sie nicht nur sich und ihre Reputation in Gefahr. In seiner Angst um seine Tochter setzt Blix bei seinen heimlichen Ermittlungen buchstäblich alles auf eine Karte.

Die Thrillerautoren Thomas Enger und Jørn Lier Horst haben sich entschlossen, zusammen an einer Serie zu schreiben. Beide haben in der Vergangenheit alleine Bestseller geschrieben. Während der studierte Publizist Thomas Enger am liebsten aus der Perspektive von Journalisten, Kriminalfälle offenlegt, erzählt Jørn Lier Horst, wie die Osloer Polizei Verbrecher jagt. Mit seinem Insiderwissen zeigt er sehr detailliert, in welche Fallen Ermittler geraten, wenn sie persönlich angegriffen werden. Sein Leitgedanke findet sich im Klappentext: Wie kann ein Mann mit einem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit als Täter ins Zentrum einer Mordermittlung kommen? Weiterlesen

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Charles Pépin: Kleine Philosophie der Begegnung

Einige Begegnungen grenzen fast an Magie. Plötzlich glaubt man, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Man fühlt sich, als hätte man erst durch diese Person zu sich selbst gefunden.

In dem Sachbuch „Kleine Philosophie der Begegnung“ zeigt Charles Pépin, dass jeder zwischenmenschliche Kontakt nicht nur eine Begegnung mit der Welt, sondern auch eine Begegnung mit sich selbst ist. Der Schriftsteller, der Philosophie unterrichtet, entfaltet seine Argumentation anhand großer Denker des 20. Jahrhunderts, die sich mit zwischenmenschlichen Beziehungen und deren fundamentalen Bedingungen beschäftigt haben – von Aristoteles über Sigmund Freud, Martin Buber und Simone Weil bis hin zu Jean-Paul Sartre. Doch dabei bleibt es nicht: Pépin beleuchtet Begegnungen auch von der anderen Seite und entführt einen in die Welt derer, die bezaubernde Begegnungen in Szene gesetzt haben, also unter anderem Maler, Filmregisseure und Romanschriftsteller. Nicht zuletzt erzählt er von bekannten Werken, die ohne eine Begegnung nicht entstanden wären – spannende Geschichten und Details vorprogrammiert.

Essentiell für ein Sachbuch – vor allem für eines, das sich mit Philosophie beschäftigt – ist eine klare Struktur, die es einem erleichtert, dem Inhalt zu folgen. Das ist Pépin hervorragend gelungen. Gefolgt von einem Inhaltsverzeichnis und einer kurzen Einleitung unterteilt sich das Werk in drei Teile. Zuerst klärt Pépin darüber auf, was man unter einer wahrhaftigen Begegnung versteht. Weiterlesen

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Doris Dörrie: Die Heldin reist

Von Odysseus zu Spider Man, es gibt jede Menge Geschichten über männliche Heldenreisen. Die Frau ist diejenige, die zuhause wartet oder errettet werden muss. Ein Mann, unabhängig unterwegs, ist ein Entdecker und Wegbereiter. Eine Frau, allein reisend, ist einsam, in ständiger Gefahr und ohne echtes Ziel. Schluss mit diesem Schubladendenken! Deutschlands Starregisseurin und Autorin Doris Dörrie leitet mit diesem Buch einen Perspektivenwechsel ein. Sie lässt uns Leser ganz unmittelbar an ihren eigenen Eindrücken vom Reisen teilhaben. Herausgekommen ist ein kluges, sehr persönliches Buch, in dem uns Dörrie nach San Francisco, Japan und Marrakesch entführt. Auf kluge, unterhaltsame Art, macht dieses Buch (nicht nur Frauen) Lust, den Koffer zu packen und einfach losziehen. Denn auf Reisen gibt es immer etwas zu lernen. Vor allem über sich selbst.

Frauen auf Reisen erzählen anders. Weg vom Ego, hin zu den Besonderheiten ringsum. Aber können diese Geschichten auch erfolgreich sein? „Momentaufnahmen der puren Aufmerksamkeit von Augenblick zu Augenblick: Darin könnte eine ganz andere Art verborgen liegen, die Welt wahrzunehmen und über sie zu berichten. Eine fragmentarischere, aber unter Umständen wahrhaftigere und sogar poetischere Erzählung als das ewige Narrativ von Aufbruch, Kampf und Rettung.“ (S .33) Weiterlesen

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Karen M. McManus: You Will Be The Death Of Me

Ivy, Cal und Mateo waren auf der Middle School beste Freunde. Inzwischen sind sie auf der Highschool und haben sich auseinandergelebt. Jeder geht seinem Leben nach und nicht einmal, wenn sie sich auf den Fluren begegnen, sprechen sie noch miteinander.

Das ändert sich schlagartig, als alle drei sich zufällig vor dem Schulgebäude treffen und jeder von ihnen einen Grund hat, den Tag freimachen zu wollen. Kurzentschlossen beschließen sie, zusammen abzuhauen – wie in alten Zeiten. Und so merkwürdig es ist: Sie haben eine gute Zeit!

Bis sie in einem leerstehenden Gebäude die Leiche eines Mitschülers finden und auf einmal auf der Flucht vor der Polizei sind. Weil sie Panik bekommen haben. Nicht, weil einer von ihnen etwas mit dem Mord zu tun hatte. Oder?

Die Ereignisse verstricken sich immer enger um die drei ehemaligen Freunde und auf einmal wird ausgerechnet Ivy zur Hauptverdächtigen erklärt, weil ein anonymer Hinweis an die Polizei von einer blonden Frau am Tatort sprach. Weiterlesen

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Lara Hawthorne: Kleine geheime Welten an Land

Dieses Pappbilderbuch macht neugierig auf alles, was man in der Natur nicht auf den ersten Blick wahrnimmt. In vielen bunten Bildern wird anschaulich dargestellt, wo und wie Tiere und Kleinlebewesen wohnen, wie sie sich ernähren, wo sie sich verstecken, welche besonderen Eigenschaften sie haben, wie manche Lebewesen als Team zusammenarbeiten usw. So erfährt man beim Lesen und Betrachten von Räubern, Pflanzenfressern oder „Zersetzern“ und bekommt die ungewöhnlichsten Tierwohnungen gezeigt, über die man einfach nur staunen kann. Von einigen tierischen oder pflanzlichen Existenzen haben nicht nur die kleinen Leser, sondern sicher auch so manche erwachsene Vorleser zuvor noch nie etwas gehört.

Die geheimen Welten von denen man erfährt, machen nicht nur neugierig sondern können durchaus auch anregen, vielleicht beim nächsten Waldspaziergang einmal die Blätter auf dem Waldboden oder einen Stein auf dem Wiesenweg umzudrehen. Weiterlesen

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