Tania Blixen: Babettes Gastmahl

Die Zutaten zu „Babettes Gastmahl“ sind so einfach wie edel: Da wären zunächst zwei Schwestern, Martine und Philippa, benannt nach Martin Luther und Philipp Melanchthon, Töchter eines Probstes, welcher in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine freikirchliche Gemeinschaft gegründet hatte. Beide sind inzwischen in der Mitte des Lebens angekommen, aber noch immer anmutig und graziös, jedoch fern aller modischen Verführungen. Dazu eine stetig alternde Gemeinschaft aus Brüdern und Schwestern, welche auch nach dem Tode des Probstes etliche Jahre zuvor ihrer Kirche und deren Regeln treu geblieben sind. Eine weitere und ganz entscheidende Zutat ist Babette, die französische Haushälterin der beiden Damen, eine Kommunardin. Sie musste vor 14 Jahren aus Paris fliehen und fand auf Empfehlung des Sängers Achille Papin, der einst im Hause des Probstes zu Gast war, dort Unterschlupf. Seitdem führt sie mit viel Geschick Haushalt und Küche. Und nicht zu vergessen General Löwenhjelm, welcher in seiner Jugend einige Wochen im Dorf der Schwestern verbracht hatte.

All das würzen wir mit ein bisschen abenteuerlicher Romantik in Gestalt des abgelegenen kleinen Dorfes Berlevaag im rauen Norden Norwegens am Ufer eines Fjordes, mit zwei Teelöffeln freundlich abgewiesener Liebe und einem Quäntchen Pariser Oper. Abgeschmeckt mit einem unerwarteten Gewinn und einer Prise Café Anglais, erhalten wir ein wohlschmeckendes Menu, das keine Wünsche offenlässt. Weiterlesen

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Thomas Ziebula: Engel des Todes

Der Erste Weltkrieg ist an keinem spurlos vorbeigegangen. Und dies nicht nur in der Bevölkerung. Auch die heimkehrenden Soldaten müssen sich umstellen. 75 % von ihnen werden nicht mehr gebraucht. Bei diesen weitreichenden Veränderungen kann es nur Aufruhr geben. Denn jeder in Leipzig verfolgt seine politischen Ziele. Die einen wollen die guten, alten Zeiten des Kaiserreichs zurück, die anderen Frieden und ihre gerade zurückgewonnene Freiheit behalten. Rechte, Linke, Konservative, Kommunisten stehen sich kämpferisch gegenüber. Der Putschversuch in Berlin kommt da vielen gerade zur rechten Zeit, um sich mit Waffengewalt zu positionieren. Aus dem in Berlin ausgerufenen Generalstreik entsteht auch in Leipzig ein blutiger Bürgerkrieg.

„Stainer starrte in die Flammen und rang um Fassung. Was sollte nun werden? Aus Leipzig, aus Deutschland – sah so die Zukunft der Republik aus? Der brennende Dachstuhl der Villa krachte zusammen.“ (S. 376)

In diesem politischen, kriegerischen Durcheinander muss Kriminalinspektor Stainer einen Serienmörder fangen, der seinen Opfern nicht nur das Leben nimmt, sondern auch ihre Köpfe vom Körper abtrennt. Weiterlesen

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Reinhard Kaiser-Mühlecker: Wilderer

Der Tod zweier Hunde bildet den Handlungsrahmen in diesem Roman. Sie gehören Jakob Fischer, einem jungen Bauern aus dem Alpenvorland. Die Hündin Landa wildert. Der Jagdtrieb geht mit ihr durch, sie haut ab, gehorcht nicht, macht auf eigene Faust Beute und frisst diese auch auf. Jakob vergiftet sie zu Beginn des Buches. Sie stirbt qualvoll.

Fischer betreibt auf dem heruntergekommenen Hof seiner Familie eine Geflügelmast. Erst hat man die Milchwirtschaft eingestellt, dann gingen eine Schafzucht und der Betrieb von Fischteichen daneben. Jetzt lebt Jakob also kläglich von der Hühnerfleisch-Produktion und führt ein zurückgezogenes, verschrobenes Leben. Mit am Hof wohnen seine Mutter, der Vater, der als „Nichtsnutz“ bezeichnet wird, die Oma, die nie den ersten Stock verlässt und fallweise seine Schwester Luisa, die nichts arbeitet, auftaucht, eine Weile bleibt und wieder verschwindet. Alles ändert sich, als er der unsteten und ziellosen Künstlerin Katja begegnet. Sie erkennt das Potential, das in Jakob und im Hof steckt. Mit der Freilandhaltung einer alten Schweinerasse feiert der Betrieb ein Comeback. Weil die verstorbene Großmutter Jakob viel Geld vererbt, kann er die verkauften Felder zurückholen. Es geht aufwärts. Er heiratet Katja, sie bekommen einen Sohn. Alles scheint gut zu laufen. Mit Axel kommt ein neuer Hund auf den Hof. Jakob glaubt, sein Leben im Griff zu haben, bis er entdeckt, dass auch Axel wildert. Er erwischt ihn, als er ein Rehkitz frisst. Grausamst erhängt er ihn und läutet damit den Niedergang seiner Ehe und seines Hofes ein. Weiterlesen

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Katharina Korbach: Sperling

Sie hatten beide lange nichts gesagt, dem Regen gelauscht. Von draußen war trübes Licht ins Zimmer gefallen, das über die Wände zog, wann immer ein Auto vorüberfuhr. Illuminierte Quadrate, durchschnitten von den Bahnen der Tropfen auf den Fensterscheiben. Ein Schattentheater.“ (S. 210)

Vorweg: Ich persönlich finde den Buchtitel und das Cover genauso einzigartig wie den Roman selbst.

Als ich mich der Story hingegeben habe, musste ich mich zuerst an den Schreibstil gewöhnen und wusste nicht so recht, wo mich diese Geschichte hinführen wollte. Katharina Korbach schreibt in einer klaren Sprache, literarisch bemerkenswert und elegant. Ganz deutlich spürt man beim Lesen die Liebe zur Kunst und auch zur französischen Sprache. Empfindungen und Gedanken kommen auf eine bedrückende Art und Weise zu Tage und so offenbart die Autorin der Leserschaft die fragile Verbindung zwischen Dozent und Studentin. Die Perspektivwechsel zwischen Charlotte und Wolfgang haben mir sehr gut gefallen. Auch wenn beide eine fast identische Erzählsprache aufweisen und ich einige Alltagszenen etwas langatmig empfand, war es äußerst interessant, ihren Lebenswegen zu folgen. Weiterlesen

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Marah Woolf: HexenSchwesternSaga 01: Sister of the Stars

Vor zwei Jahren hat Vianne alles hinter sich gelassen: Ihre Heimat, ihre Freunde und ihre große Liebe Ezra. Ihr gefährliches Demonenfieber konnte nur außerhalb von Frankreichs Mauer geheilt werden. Jetzt ist sie gesund, hat aber ihre Hexenkräfte verloren. Und ausgerechnet sie soll nun zurück nach Frankreich kehren, wo die Bedrohung der Dämonen allgegenwärtig ist. Ihre Aufgabe ist es, Ezra, der inzwischen Großmeister seiner Loge ist, davon zu überzeugen, den Pakt mit den Dämonen zu verlängern, damit diese sich zurückziehen und die Erde in Frieden lassen. Ausgerechnet Vianne, die sich in diesem gefährlichen Land ohne ihre Kräfte nicht verteidigen kann. Und die seit zwei Jahren nichts mehr von Ezra gehört hat. Während sie fast gestorben wäre, hat er sich nicht einmal gemeldet.

Zusammen mit ihren Schwestern und einem mulmigen Gefühl kehrt Vianne also in ihre Heimat zurück und muss feststellen, wie gefährlich es dort geworden ist, vor allem bei Nacht. Viele Menschen, die sie kannte, sind längst hinter die Grenzen geflüchtet, die wenigen, die noch da sind, empfehlen ihr, das gleiche zu tun. Und auch Ezra hat sich verändert: Er ist nicht mehr der fürsorgliche Junge, dem sie in ihrer Kindheit nachgelaufen ist. Er ist ernst und verschlossen Weiterlesen

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Stefan Zweig: Der Amokläufer (1922)

Ich wusste nicht, dass das Wort „Amok“ aus dem Malaiischen stammt. Die Malaien rufen es als Warnung, wenn ein Mensch in wahnartigen Rauschzuständen geradeaus durch den Ort läuft und wahllos jeden tötet, der nicht schnell genug weglaufen kann. In eben diesem Zustand befand sich der Protagonist dieser Novelle von Stefan Zweig. Der in Wien gebürtige Autor beschrieb mit Vorliebe menschliche Abgründe. Die vorliegende Novelle beschreibt die selbstzerstörerischen Auswirkungen einer übersteigerten Leidenschaft.

Die eigentliche Geschichte ist in eine Rahmenhandlung eingebettet. Der namenlose Erzähler trifft auf der Überfahrt von Kalkutta nach Neapel auf einen geheimnisvollen Fremden, der sich nur des Nachts an Deck des Passagierschiffes aufhält und ihm eine bewegende Geschichte erzählt. Der Mann ist ein deutscher Arzt, welcher auf einer der Distriktstationen in den holländischen Kolonien in Indonesien eingesetzt ist. Die Begegnung mit einer Frau bringt ihn dergestalt außer Takt, dass er wie im Rausch seine Existenz hinwirft, ihr nacheilt und jegliche Selbstkontrolle aufgibt. Weiterlesen

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Dror Mishani: Vertrauen

Inspektor Avi Avraham aus Tel Aviv überlegt schon seit einer Weile, dass sich in seinem Leben etwas ändern sollte. Das ewige Klein-Klein in der Ermittlung von Verbrechen scheint jeden Tag mehr an Banalität zu gewinnen. An dem Tag, an dem er mit seinem neuen Chef über seine berufliche Orientierung sprechen will, ereignen sich zwei Fälle, die er zunächst völlig voneinander losgelöst betrachtet. Denn was soll ein ausgesetztes Frühchen und die von einem Touristen nicht bezahlte Hotelrechnung auch schon gemeinsam haben? Während seine Kollegin nach der Mutter des Babys sucht und alle anderen gerade auch beschäftigt sind, fährt Avi zu dem Hotel, in dem der Tourist logierte. Was ihn dort erwartet, könnte wieder ein Beispiel für die Banalitäten seines Arbeitsalltages sein. Denn nach der Aussage des Rezeptionisten habe sich die Angelegenheit erledigt. Die Rechnung sei von zwei männlichen Verwandten des Touristen beglichen worden, und sie haben das Gepäck abgeholt. Doch einige Fragen bleiben offen: Warum hat der Tourist nicht selbst ausgecheckt? Wo ist er jetzt? Warum haben sich die zwei Männer so lange im Hotelzimmer aufgehalten? Warum gab der Tourist einen falschen Namen an, während die beiden Männer ohne Identitätsnachweis mit dem Gepäck verschwanden? Weiterlesen

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Tracey Turner & Åsa Gilland: Das ist unsere Welt

Esrin lebt in Göreme, das ist ein kleines Dorf in der türkischen Region Kappadokien. Mit ihrer Familie wohnt sie in Felsenwohnungen, die vor über tausend Jahren in die Formationen der versteinerten Vulkanasche geschlagen wurden.

Namelok ist eine Massai und lebt in der Serengeti Kenias in einem Dorf, das aus acht Hütten besteht. Sie geht gerne zur Schule und kümmert sich ansonsten um das Melken der Kühe und Ziegen oder spielt Fußball. Wenn sie groß ist, möchte sie Ärztin werden.

Jaimes Heimat sind die Yungas in Bolivien, Bergnebelwälder, die sich entlang der Anden erstrecken. Um zur Schule zu kommen, muss er ein großes Tal überqueren. Damit das möglich ist, hat sein Vater ein Seil quer über das Tal gespannt, an dem Jaime mithilfe einer Rollenkonstruktion auf die andere Seite rutscht. Pünktlich um 14:00 endet die Schule, damit alle Kinder noch bei Tageslicht Zuhause ankommen – denn im Dunkeln könnte man giftige Schlangen übersehen. Weiterlesen

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Ben Aaronovitch: Die Flüsse von London 11: Die Silberkammer in der Chancery Lane

Eigentlich ist Peter Grant ja nun wirklich mit anderen Sachen beschäftigt. Dingen wie etwa in die Geburtsvorbereitung zu gehen, zu lernen, wie man – besser gesagt Flussgöttin – bei Wehen richtig atmet, schließlich steht die Geburt ihrer Zwillinge kurz bevor. Doch dann kommt es wieder einmal ganz anders als gedacht.

Menschen werden ermordet. Nun ist die bedauerlicherweise nicht wirklich etwas, das sonst nie vorkommt. Doch vorliegend scheint die Täterin ein Engel komplett mit Heiligenschein und blitzschleudernder Lanze zu sein. In den Körpern, deren Wunden kauterisiert sind – ich erwähnte den Blitz aus dem Speer? – fehlt das Herz und irgendwie scheinen Platinringe auch eine Rolle zu spielen. Nach und nach kommen unsere Ermittler in Sachen magischer Verbrechen bei der Suche nach der Täterin und dem Motiv weiter. Dabei geht es tief in die Vergangenheit – ich sage nur der zweite Weltkrieg und die Spanische Inquisition -, es geht um einen kirchlichen Studentenkreis und eine den magischen Schmieden entwendete Lampe. Den Rest dürfen Sie mal selbst nachlesen – einmal mehr lohnt es sich … Weiterlesen

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Annegret Held: Das Verkehrte und das Richtige

Ein verschlafenes Dorf im Westerwald namens Scholmerbach in den 80er Jahren. Die junge Anna, unglücklich in ihrem Beruf als Polizistin in Darmstadt und unglücklich in ihrer Liebe zu einem verheirateten Kollegen, kommt nach Hause in ihr Dorf und begegnet auf dem Feuerwehrfest dem verboten attraktiven Pfarrer aus dem Nachbardorf. Was daraus entsteht und wie dies das Leben etlicher Menschen auf Dauer verändert, darum geht es in dem neuen Roman von Annegret Held.

In Ich-Form erzählt Anna von den Ereignissen damals, erzählt sie jemandem, dessen Identität man ahnt, die aber wirklich enthüllt wird erst am Ende des Buchs. Anna ist eine recht zerrissene junge Frau, einerseits fest verwurzelt in ihrem Dorf, in dem Umfeld, in welchem sie aufwuchs. Andererseits zieht es sie weg. Daher arbeitet sie in Darmstadt, hat sich auf eine andere Stelle in Frankfurt beworben. Doch die Arbeit bei der Polizei ist nichts für sie, sie kündigt und bewirbt sich erfolgreich um einen Studienplatz in Heidelberg, wovon sie immer geträumt hatte. Dort zieht sie in eine WG mit anderen Studentinnen, gleichzeitig pflegt sie eine innige Freundschaft mit Thea, eine jungen Mutter aus Scholmerbach. Weiterlesen

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