Einen Neuanfang wagen, eine Karriere nach der Karriere planen … wer möchte das nicht, wenn gerade das Ende einer Sackgasse erreicht worden ist?
Für Florence Green ist so ein Punkt des Stillstands gekommen, als ihr Mann stirbt. Seit acht Jahren wohnen sie in Hardborough.
„Der Ort selbst war eine Insel zwischen Meer und Fluß; er zog sich mürrisch in sich zusammen, sobald er die Kälte spürte.“ (S. 15). Hier wird schon lange ein Stillstand gepflegt, der sogar den Fischhändler zur Aufgabe zwingt. Inzwischen gibt es so gut wie keine Geschäfte mehr, und das Geldverdienen ist schwierig geworden. Weiterlesen
Autor: Leselust Team
Günter Grass: Sechs Jahrzehnte
Seit fast zehn Jahren zieht Günter Grass Bilanz. Einen Roman will sich der 87-jährige Literatur-Nobelpreisträger „nicht mehr zumuten“, weil die Recherchen dafür sechs bis sieben Jahre dauern würden.
Aber nach seinen drei Autobiografie-Bänden, die im nächsten Jahr im Steidl-Verlag als Trilogie-Box erscheinen, blickt er nun auf „Sechs Jahrzehnte“ Künstlerleben zurück. Es ist ein gewichtiges Buch, 1700 Gramm schwer, 608 Seiten dick mit mehr Bildern als erklärenden Texten, dazwischen Manuskripte und Gedichte. Weiterlesen
Sebastian Fitzek: Passagier 23
Was für eine ärgerliche Zeitverschwendung. Ich habe mich blenden lassen. Genau dort, wo man immer seine Finger von lassen sollte: nämlich von den Bücherstapeln am Eingang der Buchumschlagplätze in den dicken Fußgängerzonen mit den noch dickeren Plakaten wie „Spiegelbestseller“ oder sonst irgendwelchen Listen und Lügen. Da stand ich nun eines Tages und wartete auf eine Bekannte. Es dauerte und regnete. So kam ich zu diesem Buch. Nun bin ich ja gerne Kreuzfahrer, hab als Künstler schon einiges von der Welt sehen dürfen und mag das Leben auf solchen Schiffen. Nicht so Riesenpötte wie die hier beschriebene „Sultan of the sea“ eher ein-zwei Nummern kleiner, aber was solls. Weiterlesen
Siobhan Curham: Shipwrecked
Seit Wochen haben sich Grace und ihre Freunde auf den Tanzworkshop gefreut, der sie als Performance-Truppe auf ein Kreuzfahrtschiff in den Pazifik bringt. Vor zahlreichen Reisenden sollen sie hier mehrere Wochen eine Show tanzen – ein wahrer Traum! So packen sie also ihre Glätteisen, Nagellack in verschiedenen Farben und die neusten Handys ins Gepäck und stürzen sich in das Abenteuer. Das verläuft jedoch ganz anders als sie es sich erträumt haben. Schon bevor sie auf dem Kreuzfahrtschiff ankommen erleiden die Jugendlichen und ihr nur Spanisch sprechender Begleiter Cruz Schiffsbruch und landen schließlich auf einer abgelegenen Insel, die schnell sehr geheimnisvoll und gefährlich wirkt. Und das Schlimmste: Keins der mitgebrachten Handys hat Empfang und eine Steckdose fürs Glätteisen gibt es vorerst auch nicht! Weiterlesen
Michael Murgia: Murmelbrüder
Unbeschwert ist die Kindheit der Jungs auf Sardinien, von der Michela Murgia in den „Murmelbrüdern“ erzählt. Jedenfalls so lange, bis die Kinder sich in die Kanalisation schleichen, die Ratten dort bekämpfen wollen und die heiß geliebte Palme im Garten des Pfarrers in Brand stecken.
Ausgerechnet der Geistliche entzweit daraufhin die traute Dorfgemeinschaft; fortan gibt es zwei Gemeinden, zwei Kirchen, viel Feindschaft und zwei Osterprozessionen.
In einer schönen Sprache erzählt die Autorin aus Sardinien in dem schön aufgemachten Buch aus dem Wagenbach-Verlag, wie eine doppelte Maria bei der Prozession wieder Frieden in die Gemeinde bringt.
Ein Buch über den Wert der Freundschaft, deren Keimzelle in Kindertagen gelegt wird.
Michael Murgia: Murmelbrüder.
Verlag Klaus Wagenbach, August 2014.
120 Seiten, Gebundene Ausgabe, 14,90 Euro.
Diese Rezension wurde verfasst von Julia Gaß.
Sabine Thiesler: Versunken
Als es auf dem Schiff, auf dem Malte bisher gearbeitet hat, zu einem Tumult kommt, in dessen Folge er um sein Leben bangen muss, springt er kurzerhand heimlich von Bord. Doch das verbessert seine Situation nur geringfügig. Jetzt ist er ohne Geld, Papiere, Unterkunft oder Freunde in einem fremden Land unterwegs, seine Verfolger immer noch auf den Fersen. Anderswo sorgt eine aus dem Wasser gefischte Leiche für Fragen und man vermutet schon einen Haiangriff. Keiner allerdings könnte besser Aufschluss darüber geben als Malte selbst. Weiterlesen
Howard Jacobson: Im Zoo
Schriftsteller sollten lieber nicht über Schriftsteller schreiben. Booker-Preisträger Howard Jacobson tut das im Roman „Im Zoo“ und liefert eine Satire auf den Literaturbetrieb und und eine Abrechnung mit Internet-Händlern, die er für den Niedergang des Buchhandels verantwortlich macht.
Die Briten kürten den Roman zum witzigsten Buch des Jahres, aber es fällt schwer, sich durch die 448 Seiten zu lesen, weil Jacobsons Held, der erfolglose Schriftsteller Guy Ableman, abstruse Sex-Fantasien und animalische Triebe hat, von denen man so genau gar nicht lesen will. Weiterlesen
Ian McEwan: Kindeswohl
Bei Ian McEwan ist es egal, über was er schreibt, gut ist es – fast – immer. Das Wörtchen „fast“ bezieht sich auf seinen vorigen Roman „Honig“ (2013), von dem einige Kritiker sagen, dass er etwas schwächer ist, als seine übrigen Werke. Sollte das stimmen, so hat der 1948 geborene Brite diese Schwäche spätestens mit seinem neuesten Roman „Kindeswohl“ überwunden.
McEwan schlüpft diesmal in den Kopf einer Familienrichterin am High Court in London. Sie muss nicht nur den Seitensprung und den Auszug ihres Mannes verdauen, sondern steht auch beruflich vor einer schwierigen Entscheidung. Weiterlesen
Corina Bomann: Krähenmann
Die 16-jährige Clara ist neu auf dem Eliteinternat Rotensand auf Rügen und hat vom ersten Tag an nicht nur mit Mobbing durch ihre neuen Mitschülerinnen zu kämpfen, die sich gegen sie verbünden. Kaum ist sie angekommen, liegt ein toter Vogel auf ihrem Kopfkissen und im anliegenden Wald wird die Leiche einer Schülerin geborgen! Die übrigen Schüler und Schülerinnen verfallen in Angst, doch Clara ist neugierig. Sie stöbert in der Geschichte der Insel und der Schule und trifft auf ungeahnte Geheimnisse. Auf eigene Faust beginnt sie zu ermitteln und begibt sich damit in große Gefahr. Weiterlesen
Alfonso Pecorelli: Mord und andere kleine Geschenke des Himmels
Geldgier, Hass und enttäuschte Liebe treibt die Menschen in den sieben Kurzkrimis von Alfonso Pecorelli an. Es sind perfide Morde, von denen die meisten nicht aufgeklärt werden können.
Da ist das Ehepaar, das nach 40 Jahren Ehe aus Versehen einen Doppelmord begeht, das Liebespaar, das mit dem Fallschirm in den Tod rast – dabei wollten sich Marine und Jean-Luc doch nur gegenseitig überraschen. Eine Adelige mit schwarzer Mamba und eine Gräfin, die ungewollt einen Kinderschänder überfährt, aber noch ein anderes Geheimnis hat. Alles liebeswerte Menschen.
Etwas Versöhnliches gibt es zum Schluss: „Die schönste Geschichte der Welt“ auf einer Seite.
Alfonso Pecorelli: Mord und andere kleine Geschenke des Himmels.
WOA, September 2014.
127 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,90 Euro.
Diese Rezension wurde verfasst von Julia Gaß.