Sammy ist
elf, als seine Familie, bestehend aus Vater, Mutter, dem 15-jährigen Bruder Linus und dem Aupair-Mädchen Hannah, von London nach Berlin zieht. Die neue Villa in Grunewald ist Sammy von Anfang an suspekt. Er bemerkt seltsame Vorkommnisse in seiner Umgebung und entdeckt schließlich seinen Vater, wie er durch einen Tunnel im Untergrund verschwindet. Sammy folgt ihm heimlich und findet dort eine Zelle vor, in der ein etwa 15-jähriges asiatisch-stämmiges Mädchen gefangen gehalten wird. Von nun an befindet sich Sammy in einem Zwiespalt, denn er möchte sich jemandem öffnen, weiß allerdings nicht, an wen er sich wenden soll. Als er kurze Zeit später nach dem Mädchen schauen will, ist dieses verschwunden. Sammy ist sich sicher: Nur sein Vater kann etwas mit der Sache zu tun haben. Weiterlesen
Autor: Leselust Team
Deborah Feldman: Unorthodox
„Ich habe keine Vergangenheit, an die ich mich klammern könnte; die letzten dreiundzwanzig Jahre gehören jemand anderem, jemandem, den ich nicht mehr kenne.“ Mit diesen Worten schildert Deborah Feldmann ihre Befreiung aus den Fesseln des Extremismus.
Es wird klar: Unorthodox ist ein autobiographischer Text der Autorin, die schon als Mädchen von der „Welt“ abgeschottet wird, das strengste Kleidervorschriften beachten und im Fall, dass sie nicht „angemessen“ bekleidet ist, mit Strafe rechnen muss. Kommt sie in einem hellblauen Rock zur Schule, wird sie nach Hause geschickt.
Aufgrund seiner dunklen, altmodischen (Einheits-)Kleidung erkennt man das Mädchen auch außerhalb des jüdischen Viertels als chassidische Jüdin, sie bleibt die Außenseiterin, die sich scheinbar freiwillig durch äußere Merkmale wie Kleidung und Sprache von anderen Amerikanern abschottet. Freundschaften außerhalb der Gemeinschaft, in die sie hinein geboren wird, sind unmöglich. Weiterlesen
Estelle Laure: Gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance
Einfa
ch gegangen ist die Mutter der 17-jährigen Lucille und ihrer 9-jährigen Schwester Wren. Nachdem der Vater in eine Psychiatrie eingewiesen wurde, brauchte die Mutter eine Pause. Doch was wird aus Lucille und Wren? Wer kümmert sich um die beiden, wer bezahlt ins Haus flatternde Rechnungen? Statt für die Schule zu lernen und sich Gedanken um die Liebe zu machen, übernimmt Lucille Verantwortung. Doch eine Frage lässt sie nicht los: Warum hat ihre Mutter sie im Stich gelassen? Und … naja … für die Liebe ist vielleicht auch noch neben dem Job in einer Bar Zeit … Weiterlesen
P. B. Gronda: Straus Park
Der Roman des flämischen Autors Paul Baeten Gronda, „Straus Park“, fängt etwas schwergängig an. Man hat Schwierigkeiten, sich die Figuren wirklich vorzustellen, sie wirken nicht lebendig. Ein steinreicher Playboy namens Amos Grossman gleitet etwas wahllos, so scheint es, von einer Liebesaffäre zur nächsten. Warum er diese oder jene Frau verehrt und dann wieder nicht, bleibt für den Leser wenig nachvollziehbar.Doch wer diese ersten etwas spröden und distanziert wirkenden Seiten übersteht, der wird mit einem Roman entschädigt, der ganz unerwartet einen starken Sog entfaltet. Weiterlesen
Stefan Krauth: Stummer Abschied: Erinnerung an Cecilia und Emil
Ein Mann verliert ganz plötzlich seine Frau, die an einem Hirntumor stirbt und bleib zurück mit dem neugeborenen Baby. Anderthalb Jahre später bekommt auch dieser Junge einen Hirntumor.
„Stummer Abschied“, in dem der Berliner Stefan Krauth diese Geschichte erzählt, ist ein sehr warmherziges und erschütterndes Buch. Der Vater flieht zunächst mit einer Freundin nach Kolumbien, weil er die mitleidsvollen Blicke der Menschen auf ihn als allein erziehenden Vaters nicht ertragen kann. Dann holt ihn die Geschichte ein. Weiterlesen
Wolfgang Herrndorf: tschick
Wer es bislang versäumt hat, tschick zu lesen, sollte dies unbedingt nachholen. Nicht nur, weil der Roman seit seinem Erscheinungsdatum 2010 zur Schullektüre avanciert ist und längst Kultstatus erworben hat – nein, mit tschick ist dem Autor Wolfgang Herrndorf einfach etwas ganz Großartiges gelungen.
Der mit absurden Abenteuern gespickte Roadtrip-Roman kommt spannend, witzig, locker und hintersinnig zugleich daher.
Bereits jetzt kann man den Jugendroman, der ebenso für Erwachsene geeignet ist, als modernen Klassiker einstufen. Weiterlesen
Judith Hermann: Lettipark
Das literarische Werk von Judith Hermann ist überschaubar, jedoch mitunter hoch gelobt. Der verstorbene Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki prophezeite ihr 1998 mit „Sommerhaus, später“ eine große Schriftstellerinnen-Zukunft, die sich zunächst nicht einstellte, fiel doch ihr zweiter, heiß ersehnter Erzählband „Nichts als Gespenster“ von 2003 deutlich gegen den ersten ab. Mit „Alice“ (erschienen 2009) und ihrem Roman „Aller Liebe Anfang“ (2014) versucht sie seitdem an ihren Debüt-Erfolg anzuknüpfen.
Nun also „Lettipark“, 17 Erzählungen kurz und knapp wie ihre Titel, erschienen im S. Fischer Verlag. Da werden in „Kohlen“ ebendiese geschippt als Requiem für eine tote Mutter, die an der Liebe gestorben ist und als Trost für ihren kleinen Sohn Vincent. Weiterlesen
Ian Rankin: Das Gesetz des Sterbens
Detective Inspector Shioban Clarke untersucht den Tod eines berühmten Anwalts in Edinburgh. Auf den ersten Blick scheint es so, als habe ein Einbrecher ihn in seiner Wohnung erschlagen. Doch in seiner Brieftasche findet man eine an ihn gerichtete Botschaft: „Ich werde dich finden für das, was du getan hast.“ Seltsamerweise hat Edinburghs Unterweltgröße Big Ger Cafferty die gleiche Botschaft erhalten – kurz, bevor auf ihn geschossen wurde. Clarke kommt mir ihrer Untersuchung nicht weiter und so bittet sie den mittlerweile in den Ruhestand versetzten John Rebus um Hilfe. Er ist der einzige, mit dem Cafferty zu sprechen bereit ist. Steckt hinter dem Verbrechen vielleicht ein Verbrecherclan aus Glasgow, der sich zurzeit in Edinburgh aufhält und in dessen Beobachtung auch Malcolm Fox involviert ist? Weiterlesen
Joël Dicker: Die Geschichte der Baltimores
Nichts ist so wie es scheint oder ein Lehrstück in Sachen subjektiver Wahrnehmung. Joël Dicker legt hier wieder einen tollen Roman hin, hervorragend konstruiert und wer seinen Vorgänger, „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“, gelesen hat, der denkt sich, sieh mal an, hier ist er wieder, unser Marcus Goldman, der neue Stern am Literaturhimmel, der geplagt von einer Schreibblockade, sich irgendwo in ein Häuschen seines ehemaligen Professors einmietet, um endlich seinen neuen Roman zu schreiben, auf den seine Agentur und die Welt wartet. Und ähnlich wie bei Quebert wird ihm die Idee, bzw. der Stoff für den Roman, auf dem Tablett serviert. Er schreibt einfach das auf, was ihm widerfahren ist. Es ist seine Geschichte und die Geschichte der Goldmans. Weiterlesen
Herbert Knebel: Im Liegen geht’s!
Wer das Ruhrgebiets-Original Herbert Knebel kennt, nimmt ihm den Titel seines neuen Buchs „Im Liegen geht‘s“ nicht ab. Den Rentner mit der beigen Jacke, Kappe und dicken Hornbrille kann man sich gar nicht anders vorstellen, als erregt über eine Bühne zu laufen.
Der Blutdruck steigt bei dem Ruhrpott-Rentner in den 61 Geschichten des Buches. Bühnennummern, nur drei, vier Seiten lang, sind das, in denen der Hebbert aus Altenessen von seiner Guste, den Enkeln und seinem ganz normalen Alttagswahnsinn erzählt. – Jede Geschichte ein Lacher, genau so, wie man es von Herbert Knebel kennt. Weiterlesen