Schon im Roman „Das unerhörte Leben des Alex Woods oder warum das Universum keinen Plan hat“ war ich angenehm überrascht von der Nähe, die der Autor zu seinem Protagonisten herstellt. In „Libellen im Kopf“ hat er das fast noch perfektioniert. Die eher erfolglose Journalistin Abby findet ihren toten Nachbarn Simon, als sie sich eine Dose Tomaten ausborgen will. Was sich wie der Anfang eines Krimis liest, ist jedoch nur der Beginn einer Abwärtsspirale in Abbys Innerem, die zunächst steil aufwärts zu zeigen scheint. Abby verarbeitet das Erlebnis in einem Artikel, sie macht das auf eine sehr persönliche Art und Weise und verknüpft es mit ihrem eigenen Empfinden. Das kommt zunächst gut an. Ebenso wie der Folgeartikel, der noch persönlicher wird, aber in der Hauptsache nur ihr engeres Umfeld verärgert. Weiterlesen
Autor: Leselust Team
Geoff Dyer: Aus schierer Wut
Geoff Dyer möchte ein Buch über sein großes Vorbild, den Autor D.H.Lawrence, verfassen. Dazu kommt es nicht. Denn Geoff Dyer hat ein Problem: Er will grundsätzlich das, was er gerade nicht hat. Er will das Buch schreiben, vermeidet aber die Arbeit an demselben. Ausreden findet er zur Genüge – und sei es, dass sein Lieblingscornetto im Caffé Farnese ausverkauft ist. Wer jemals von Schreibblockaden heimgesucht wurde oder ein wichtiges Projekt auf die lange Bank geschoben hat, weiß sich beim Lesen in bester Gesellschaft. Nie wurde darüber so schräg und unverblümt berichtet.
Überdreht, unentschlossen, wankelmütig? Gestatten, Geoff Dyer! Der Autor pflegt solche Eigenschaften mit Inbrunst. Weiterlesen
Alex Gino: George
George ist 10 Jahre alt und ein Mädchen. Bloß hat sie das noch keinem gesagt, selbst ihrer Mutter nicht! Tagtäglich ist sie in der Schule Hänseleien ausgesetzt. Wichtige Stütze ist dabei allein ihre beste Freundin Kelly, bei der sie zumindest ein bisschen sie selbst sein kann. Heimlich sammelt sie Mädchen-Zeitschriften und liest sie in unbeobachteten Momenten. Gerne allerdings würde sie viel mehr tun als nur das! Zum Beispiel die weibliche Hauptrolle im Theaterstück der Schule spielen. Doch das geht wohl nicht, denn für alle anderen ist George nur eines: ein Junge! Weiterlesen
Jennifer Estep: Black Blade 03: Die helle Flamme der Magie
Stellen sie sich eine Welt vor, in der Einzelne magische Gaben haben. Der eine Begabte hat ein Talent für Stärke, der nächste für Schnelligkeit oder für das Heilen. Willkommen on Cloudburst Falls, der Stadt, in der die so Begabten leben. Sie haben sich in einzelne Familien aufgesplittet, die die Stadt unter sich aufgeteilt hat. Das erinnert sie jetzt an die Mafia-Clans aus Sizilien und New York, die ihre Reviere auch klar gegeneinander abgeschottet haben. Stimmt, so ähnlich ist es auch in Falls.
Ich bin Lila Merriweather, Meisterdiebin und seit Kurzem Leibwächterin des Sinclair Erben. Dass ich mich in den tollen Typ verliebt habe – und er sich in mich – war nicht vorgesehen. Genauso wenig, wie dass die Draconis mittels magischer Waffen versuchen würden, alle anderen Familien auszurotten. Weiterlesen
Claudia Piñeiro: Ein wenig Glück
Eine defekte Bahnschranke in Temperley, Argentinien, teilt Marilés Leben in ein davor und danach. Wer die Schienen passiert, schaut zuerst zur Bahnhofsseite, die eine weite Sicht erlaubt. Auf der anderen Seite des Übergangs überblickt man 200 Meter der Schienenstrecke. Jeder überquert den Bahnübergang vorsichtig, erst recht wenn die Schranken unten sind und das Warnlicht blinkt. Alle wissen von der defekten Anlage. Nie ist etwas passiert. Als Marilé den anderen Fahrzeugen über die Schienen folgt, geschieht das Unglück. Mitten auf dem Bahnübergang versagt der Motor ihres Wagen, während ein Zug anrauscht. Auf der Rückbank sitzen ihr sechsjähriger Sohn und dessen Klassenkamerad. Leider kann sie nur ihren Sohn retten. Nach dem Unglück beginnt die Zeit der Anfeindungen, des Hasses. Weiterlesen
Carmen Korn: Töchter einer neuen Zeit
Sie sind noch jung, als der Große Krieg endete, wie man den Ersten Weltkrieg zu ihrer Zeit nannte, einer Zeit, in der man sich nicht vorstellen konnte, dass sich wo etwas noch einmal wiederholen könnte. Um vier Frauen geht es in diesem Roman. Henny und Käthe gehen zur Hebammenschule, Lina muss auf ihren Bruder aufpassen, weil die Eltern im letzten Kriegswinter verhungerten, um die Kinder überleben zu lassen und Ida ist zwar privilegiert aufgewachsen, aber auch in den Zwanzigern ist nicht alles Gold, was glänzt. Die Geschichten der vier Frauen verweben sich miteinander im Laufe der Jahre, gemeinsam mit ihnen erlebt der Leser eine Reise durch die Zeit, die einen nicht mehr loslässt. Weiterlesen
Roger Willemsen: Wer wir waren
Im Sommer vor seinem Tod am 7. Februar 2016 hat Roger Willemsen an einem neuen Buch gearbeitet. „Wer wir waren“ sollte es heißen und ein Blick auf unsere Gegenwart aus der Zukunft sein. Dieses Buch werden wir leider nie lesen können, aber die „Zukunftsrede“, die der 60-Jährige bei seinem letzten Auftritt hielt und die wie eine Einleitung zu dem Buchs ist, ist in einem schmalen Büchlein auf 64 Seiten erschienen.
Die Rede ist eine – wie von Willemsen gewohnt – sehr kluge Analyse unserer Schneller-und-alles-gleichzeitig-Mentalität. Weiterlesen
Asfa-Wossen Asserate: Die neue Völkerwanderung
Wer den Autor noch nicht kennt, erfährt gleich eingangs des Buchs, dass er auch sich selbst als Flüchtling versteht. Prinz Asfa-Wossen Asserate ist ein Großneffe des letzten äthiopischen Kaisers Haile Selassie. Während er als junger Mann in Frankfurt studierte, kam es in seiner Heimat zu einem blutigen Putsch, so dass ihm die Rückreise nach Äthiopien verwehrt war. Er beantragte und erhielt Asyl in Deutschland, hat die deutsche Staatsbürgerschaft, lebt hier als Buchautor und berät Firmen in Bezug auf Afrika.
In seinem Buch „Die neue Völkerwanderung“ beschäftigt sich der Autor mit dem afrikanischen Teil der aktuellen Flüchtlingskrise. Weiterlesen
Margaret Atwood: Die steinerne Matratze
Margaret Atwood gehört zu den großen Erzählerinnen unserer Zeit. Die 77-jährige Kanadierin erhielt für ihre Romane, Erzählungen und Gedichte viele Auszeichnungen und Preise, u.a. 2009 den Nelly-Sachs-Preis der Stadt Dortmund für ihr Gesamtwerk. Ihre Science Fiction liegt in der Tradition von George Orwell und Aldous Huxley. In ihren Texten nimmt sie politische Themen auf und gesellschaftliche Entwicklungen vorweg. Es geht um Macht, Religion, Feminismus, Umwelt und wie nun in dem im November im Berlin Verlag erschienenen Erzählband „Die steinerne Matratze“ um das Alter.
Da sind in der letzten Erzählung „Fackelt die Alten ab“ Wilma und Tobias gezwungen, vor einem tobenden Mob junger Menschen aus ihrer in Flammen stehenden Seniorenresidenz zu fliehen. Weiterlesen
David Levithan: Letztendlich geht es nur um dich
Ein neuer Levithan Roman und dann geht es sogar mit der spannenden Geschichte um Rhiannon und „A“ weiter, den mysteriösen Jugendlichen, der dazu verdammt ist, jeden Morgen in einem neuen Körper aufzuwachen, und der Konstanten in seinem Leben gar nicht kennt. Neu ist leider bei näherem Hinsehen nur der Titel, sonst nichts. Aber fangen wir vorne an. Rhiannon ist eine ganz normale amerikanische Schülerin, sie hat seit etwas mehr als einem Jahr einen festen Freund und auch einen stabilen Freundeskreis. An einem Morgen ist ihr Freund Justin allerdings wie ausgewechselt, will die Schule mit ihr schwänzen und einen romantischen Tag am Meer verbringen. Gar nicht typisch für den sonst eher gechillten jungen Mann! Tage später meldet sich dann ein Fremder bei Rhiannon, der behauptet, er habe einen Tag lang in Justins Körper gesteckt und sie so kennenlernen können. Ist das die Wahrheit oder will ihr jemand einen üblen Streich spielen? Weiterlesen