Toni Morrison: Die Herkunft der anderen

Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison (Jahrgang 1931) hat sich ihr Leben lang mit den Themen Rasse und Rassismus beschäftigt. In ihrem literarischen Werk beschreibt sie das Leben und Schicksal afroamerikanischer Menschen, insbesondere von Frauen in den Vereinigten Staaten von Amerika. In dem Roman „Gott, hilf dem Kind“, 2017 bei Rowohlt auf Deutsch erschienen, spielte die Hautfarbe der Hauptfigur eine große Rolle.

2016 hielt Toni Morrison eine Vortragsreihe an der Harvard University in Cambridge über „Die Literatur der Zugehörigkeit“. Im März 2018 veröffentlichte der Rowohlt Verlag sechs Texte aus diesen Vorlesungen unter dem Titel „Die Herkunft der anderen – Über Rasse, Rassismus und Literatur“ in einer Übersetzung von Thomas Piltz. Darin nähert sich Toni Morrison von verschiedenen Seiten den Themen Rasse und Rassismus und ihrer Rolle in der Literatur bzw. für die Literatur.

In „Romantisierte Sklaverei“ beschreibt sie den Nutzen einer Unterscheidung nach Hautfarbe für den Erhalt von Macht und die Legitimierung von Unterdrückung. Und wie Literatur einen Beitrag zur Romantisierung der Sklaverei leistet (Beispiel: „Onkel Toms Hütte“ von Harriet Beecher Stowe, 1852). „Amerikanisch zu sein“, bedeutet auch heute noch „weiß zu sein“. Weiterlesen

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Nicholas Searle: Verrat

Bridget ist katholisch und lebt in Nordirland. Seit ihrer Kindheit kennt sie nichts anderes als Kämpfe zwischen Protestanten und Katholiken, aber auch Brutalität von Seiten der britischen Soldaten oder Polizisten. Sie erfährt Armut, Kälte und ständig Ungerechtigkeit, die ihr ein normales Leben mit Ausbildung, gut bezahlter Arbeit und einem angstfreien Alltag unmöglich machen. Nach der Schule wollte sie studieren. Doch ihre Mutter bat sie, noch eine Weile damit zu warten. Und während sie auf den geeigneten Moment wartet, begegnet sie Francis, einem erfahrenen Freiheitskämpfer, der für ein vereintes Irland Menschen tötet. In sein verwegenes Lächeln verliebt sie sich. Nach ihrer Heirat bleibt ihre einzige Fortbildung das Rauf- und Runterlesen der mobilen Bücherei. Häufig verschwindet Francis ohne eine Erklärung. In den Zeitungen liest Bridget von diversen Angriffen im Süden oder in England, die wiederum Angriffe in Nordirland nach sich ziehen.

Bridget kennt ihr ganzes Leben lang nur die Eskalation von Gewalt. Sie hat Angst um Francis, und sie hat Angst um sich. Ständig sucht sie einen Ausweg, der unverhofft über Sarah, einer britischen Geheimagentin, angeboten wird. Weiterlesen

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Inge Löhnig: Scherbenparadies

Sandra ist 17 Jahre alt und kann das Leben nicht wie die anderen Mädchen in ihrem Alter in vollen Zügen genießen. Sie wahrt ein Geheimnis vor ihren Mitschülern und Mitschülerinnen, das ganz nebenbei auch noch dazu führt, dass sie mit ihnen kaum etwas unternehmen kann. Ihre Mutter ist alkoholabhängig und hat sie und ihre 6-jährige Schwester Vanessa bereits vor Wochen im Stich gelassen, um Zeit mit ihrem neuen Freund zu verbringen. Nur gelegentlich bringt die Mutter etwas Geld vorbei – viel zu wenig für die beiden Mädchen, um davon zu leben. Als Sandra einen großen Fehler macht, kommt eine Klassenkameradin hinter ihr Geheimnis …

Inge Löhnig verwebt in diesem Jugendroman für Mädchen ab 14 Jahren zwei Ideen miteinander und dadurch wird es fast ein bisschen zu viel des Guten. Zum einen sind da die beiden Mädchen, die auf sich gestellt sind und mit den geringsten finanziellen Mitteln überleben müssen. Das führt dazu, dass Vanessa öfter ohne Schulbrot in der Schule auftaucht und Sandra nicht nur Magenknurren hat, sondern auch rapide abnimmt. Solche Dinge müssen auf Dauer natürlich anderen Menschen auffallen, etwa den Lehrern. Weiterlesen

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Imogen Hermes Gowar: Die letzte Reise der Meerjungfrau

September 1785, Londoner Hafen. Jonah Hancock wartet auf die Heimkehr der Calliope. Doch der Captain kommt ohne Schiff zurück; er hat es verkauft, um für Hancock etwas ganz Außergewöhnliches zu erwerben: eine Meerjungfrau, gefangen von einem japanischen Fischer. Leider hat das Wesen nicht überlebt, und es sieht nicht im Geringsten so aus, wie man sich eine Meerjungfrau vorstellt. Es ist klein wie ein Säugling, dessen Leib in einem Fischschwanz endet, und hat die Hände mit den schrecklichen langen Krallen vors fratzenhafte Gesicht geschlagen. Die harte, vertrocknete Haut erinnert Hancock an die toten Ratten, die er einmal hinter der aufgeschlagenen Küchenwand fand. Er ist entsetzt über den Verlust des Schiffes für dieses … Ding. Sein Captain hingegen ist davon überzeugt, dass man mit der Meerjungfrau Geld machen kann, viel Geld, wenn man sie als Kuriosität ausstellt.

Hancock entschließt sich, den Versuch zu wagen. Mit Hilfe seiner Nichte Sukie organisiert er die Zurschaustellung der Meerjungfrau. Wider Erwarten ist der Andrang groß. Auch das Interesse der Kupplerin Mrs. Chappell ist geweckt. Sie mietet das Exponat, um es bei einem rauschenden Fest in ihrem Bordell zu zeigen. Hancock ist hierzu eingeladen und lernt Angelica kennen, eine stadtbekannte gefeierte Edelhure.

Mit dieser Begegnung beginnt sich der Lebensweg des biederen Kaufmanns, der ein Bäuchlein und Hängebacken sein eigen nennt, mit dem der Kurtisane zu verflechten. Angelica könnte selbst eine Meerjungfrau sein, in fließende Stoffe gehüllt, mollig, rosig, mit wallenden blonden Locken. Sie liebt den Luxus und wird gerne bewundert. Allerdings steht sie mit siebenundzwanzig Jahren an einem Wendepunkt. Wenn sie sich von der Kupplerin befreien will, braucht sie einen reichen, kultivierten Mann, der sie aushält, bevor sie zu altern anfängt. Weiterlesen

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Jean Cocteau: Thomas der Schwindler (1923)

Der Manesse-Verlag, der sich auf Klassiker spezialisiert hat, hat einen Roman von 1923 neu übersetzen lassen: „Thomas der Schwindler“ von Jean Cocteau. Darin gibt sich ein 16-Jähriger als 19-jähriger Sohn eines Generals aus und verschafft sich auf diese Weise im 1. Weltkrieg Ansehen und Zutritt in Kreise, die ihm sonst verschlossen wären.

Gemeinsam mit einer Prinzessin und deren Tochter reist er in einem Wagen-Konvoi an die Front nach Reims, um Verwundeten zu helfen. Die Drei begreifen den Krieg dabei jedoch eher als spannende Theater-Kulisse, die gut dazu taugt, ihnen die Langeweile zu vertreiben, als als grausames Gemetzel.

Der kurze Roman ist in einem stakkatohaften Stil verfasst, der gelegentlich so wirkt, als habe der Autor lediglich eine Handlung skizzieren wollen, um sie später noch detaillierter auszuführen. Dazu angetan, dem Leser die Figuren näher zu bringen, ist dieser Erzählstil nicht. Weiterlesen

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Enrico Brissa: Auf dem Parkett: Kleines Handbuch des weltläufigen Benehmens

Das ist schon etwas Besonderes, wenn der ehemalige Protokollchef beim Deutschen Bundestag und Protokollchef der Bundespräsidenten Wulff und Gauck ein Handbuch über gutes Benehmen und angebrachte Manieren vorlegt.

Enrico Brissa hat dies nun getan. Mit seinem Handbuch geht er aber teilweise ganz andere Wege als die herkömmlichen Benimmratgeber und Verhaltens-Knigges, mit denen der Buchmarkt aus gutem Grund übersättigt ist. In einem Vorwort erinnert sich Brissa kurz seiner eigenen Erziehung und verweist darauf, dass Manieren und gute Sitten z. B. Bei Tisch nicht nur ein Selbstzweck sind, sondern demjenigen, der sie beherrscht, Halt geben.

Darüber hinaus seien sie auch ein Zeichen von Achtsamkeit und Respekt. Das sehe im Privaten nicht anders aus als auf dem öffentlichen Parkett. In diesem Zusammenhang erinnert er an anderer Stelle an den berühmt berüchtigten Fototermin der Staats- und Regierungschefs auf dem Nato-Treffen in Brüssel 2017, als US-Präsident Donald Trump dadurch unangenehm auffiel, dass er den Premierminister von Montenegro, Markovic, rüde beiseiteschob und sich vordrängelte. Weiterlesen

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Daniel Fuhrhop: Einfach anders wohnen

Ein Grundgesetz für bezahlbaren Wohnraum gibt es nicht. Und täglich kaufen Investoren weitere Quadratmeter. Wer sein Studium finanziell alleine stemmt, von einer kleinen Rente lebt oder als Normalverdiener keine bezahlbare Wohnung mehr findet, darf in diesem klugen Ratgeber die Ideen von 66 Raumwundern aufgreifen.

Eines wird beim inspirierenden Schmökern mehr als deutlich: Das klassische Wohnen war gestern. Heute braucht man Kreativität, um die vorhandenen Ressourcen erstens zu erkennen und zweitens zu nutzen.

Entrümpeln und sich auf das Wesentliche konzentrieren dürfte die leichteste Übung sein. Die inzwischen bekannten und geschätzten Tiny Houses bringen die Konzentration im Leben quasi auf den Punkt, während intelligente Möbelarchitektur im beengten Wohnraum mehr Möglichkeiten eröffnet. Aber die eigene Wohnung mit anderen zu teilen, bedeutet ein gravierendes Umdenken, bei dem für jede Form von Egoismus kein Raum bleibt. Nach dem Motto: Gemeinsam sind wir stark, zeichnet der Autor Daniel Fuhrhop unterschiedliche Lebensmodelle auf. Ob Arbeiten für Wohnen, der gemeinsame Erwerb von leerstehenden Häusern, klassische Wohngemeinschaften, für jeden Bereich gibt es Wege herauszufinden, wer passt zu wem. Im Zeitalter der Digitalisierung lassen sich Fragekataloge leicht entwerfen und auswerten. Inzwischen entwickeln sich daraus immer mehr Geschäftsmodelle, deren Eigendynamik gerade erst begonnen hat. Weiterlesen

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Charlaine Harris: Midnight, Texas

Texas ist für zwei Dinge berühmt – zum Einen für seinen Reichtum an Öl, zum Anderen für seine Hitze. Midnight ist ein kleines, gottverlassenes Kaff irgendwo in den Weiten der selbst im Herbst gnadenlos vom Himmel brennenden Sonne. Zwei Straßen kreuzen sich hier, das Örtchen besitzt an dieser Stelle sogar eine über der Kreuzung schaukelnden Ampel, ansonsten gibt es eine Tankstelle nebst angeschlossenen Minimarkt, einen Diner, eine Galerie in die sich kaum einmal Jemand verirrt, eine Pfandleihe und ein Nagelstudio. Dazu bietet eine weise Frau spiritistische Unterweisungen an und handelt mit esoterischen Schnickschnack.

In diese Mega-Metropole zieht Manfred Bernardo – Anfang 20 und bereits ein renommierter Hellseher, der seine Dienste im Internet anbietet. Er ist auf der Suche nach Ruhe und Abgeschiedenheit – und, mal ehrlich, ruhiger und abgeschiedener als Midnight geht gar nicht. Die übrigen Einwohner des Kaffs wachen gar eifersüchtig über ihre Muße, haben sie doch allesamt etwas zu verbergen. Weiterlesen

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Haruki Murakami: Die Ermordung des Commendatore 02: Eine Metapher wandelt sich

Nun ist es also soweit: Haruki Murakamis Fortsetzung „Die Ermordung des Commendatore 02:  Eine Metapher wandelt sich“ ist am 16. April 2018 (Übersetzung Ursula Gräfe) im DuMont Verlag erschienen. Hinterließ der erste Band des Romans, der im Januar 2018 veröffentlicht wurde, viele offene Fragen, so ist die Spannung auf die Antworten in Band II groß. Und die Leserinnen und Leser sollen nicht enttäuscht werden.

Murakamis Protagonist, der Porträtmaler, sucht weiter nach seinem Malstil. Er porträtiert die dreizehnjährige Marie Akikawa und freut sich auf die sonntäglichen Sitzungen mit ihr. Währenddessen spielt der weißhaarige Herr Menshiki, der glaubt, dass Marie seine leibliche Tochter ist, sein eigenes Spiel. Er beginnt eine Affäre mit Maries Tante Shoko Akikawa. Marie hingegen hat kein gutes Gefühl mit Herrn Menshiki. Dafür  entwickelt sie ein Vertrauensverhältnis zu dem Maler und erzählt ihm von ihrem geheimen Weg, der durch den Wald an dem alten Schrein und der Grube vorbeiführt. Sie besucht den Maler heimlich.

Derweil recherchiert Menshiki im Leben des Nihonga-Malers Tomohiko Amada, in dessen Haus der Porträtmaler wohnt, weiter und findet Details über die Familie heraus. Der Porträtmaler bittet Masahiko Amada, den Sohn Tomohikos, darum, ihn bei dem nächsten Besuch seines Vaters begleiten zu dürfen. Das Bild „Die Ermordung des Commendatore“ fasziniert ihn weiterhin. Und eines Nachts glaubt er, den alten Tomohiko im Atelier sitzen zu sehen. Weiterlesen

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Jeff Zentner: Zusammen sind wir Helden

Dill, Lydia und Travis sind drei 17-jährige Jugendliche, die in diesem Sommer ihr letztes Jahr auf der High-School beginnen und in einer amerikanischen Kleinstadt leben. Wie es nach der Schule weitergehen soll? Darüber haben die Drei sehr unterschiedliche Ansichten. Lydia will in New York studieren gehen und setzt alles daran, gute Bewerbungen für Universitäten zu schreiben. Mit ihrem Modeblog ist sie supererfolgreich und begeistert ihre Leser. Dennoch hängt sie in ihrer Freizeit gerne mit Dill und Travis ab, die man eher als Außenseiter beschreiben würde. Dill leidet darunter, dass sein Vater, ein Prediger, vor wenigen Jahren wegen eines Verbrechens verurteilt wurde, von dem die Bevölkerung auch weiterhin glaubt, Dill könne es begangen haben. Er wird in der Schule gemobbt und im Ort beschimpft. Travis ist übergewichtig, versteckt sich in seinen Fantasybüchern und hat auch zu Hause nichts zu lachen. Ihre Zukunft sehen beide Jungs klar in dem kleinen amerikanischen Ort, an den Plätzen, die für sie vorherbestimmt sind. Das Schicksal geht jedoch manchmal seltsame Wege … Weiterlesen

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