John Bude: Mord in Cornwall (1935)

Deduktion statt DNA-Analyse: Auch dieses erstmals ins Deutsche übersetzte Fundstück von 1935, reiht sich nahtlos in die herrlich nostalgische Krimireihe des Klett-Cotta Verlages ein. Hier werden Spuren anhand von Fußabdrücken und Kieselsteinchen verfolgt, hier fährt der Inspektor den möglichen Fluchtweg selbst mit dem Auto ab, um die Zeit zu stoppen. Der Spannung tut dies keinen Abbruch. Im Gegenteil. Weil hier keine traumatisierten oder hochbegabten Ermittler am Werke sind, sondern sympathisch-schrullige Charaktere, wähnen wir uns als Leser ganz dicht am Geschehen. Als wandelten wir selbst die Küstenpfade Cornwalls entlang – zu einer Zeit, als diese vor Rosamunde-Pilcher-Verklärung und Massentourismus einen ganz eigenen Charme versprühte.

Boscawen, eine idyllische 400-Seelen-Gemeinde in den 30er Jahren: Die Welt ist in Ordnung, die Dinge gehen ihren geregelten Gang. Wer nach dem großen Abenteuer sucht, weicht auf die Literatur aus. Wie Reverend Dodd und Dr. Pendrill, eingefleischte Junggesellen und älteste Freunde. Jeden Montag treffen sie sich bei Dodd vor dem Kaminfeuer, gehen den Inhalt ihrer neu bestückten Bücherkiste durch und tauschen sich über Krimis aus. Bis an einem gewitterigen Montagabend ein Anruf eingeht: Der alte Julius Tregarthan liegt in seinem Wohnzimmer – Tod durch Kopfschuss! Weiterlesen

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J. R. Ward: Black Dagger 30: Der Verstoßene

Er und seine Krieger kamen aus dem alten Land. Die Rede ist von Xcor – einem Mann, den seine traumatische Kindheit entscheidend geprägt hat. Vom Vater verlassen, von der Mutter verstoßen, von der Amme im Stich gelassen, vom Ziehvater missbraucht und zum sadistischen Krieger herangezogen kam er auf der Suche nach Lesser, die er töten könnte, in die neue Welt. Dann beschloss er, dass der König und seine Leibwächter, die Black Dagger verweichlicht wären, dass er selbst ein besserer König als Wrath wäre. Ein Anschlag auf das Leben Wraths misslingt, doch der König ist seitdem geblendet. Als die Bruderschaft Xcor gefangen nimmt, schließt er mit seinem Dasein ab. Dass er vor seinen gewaltsamen, sicherlich schmerzhaften Ende noch die Liebe einer Auserwählten erfahren durfte, gibt seinem Leben dennoch Sinn.

Doch dann verschont ihn der König, er findet in den Armen Laylas kurzzeitig Frieden. Dass diese gerade Zwillinge geboren hat, dass deren Vater ein bekennender homosexueller Vampir ist wäre nicht schlimm – wenn Qhuinn nicht Xcor und Layla mit unnachgiebigem Hass verfolgen würde. Weiterlesen

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Karen M. McManus: One of us is lying

Fünf Schüler und Schülerinnen der Bayview High müssen an diesem Nachmittag nachsitzen. Sportler Cooper, Bronwyn mit ihren exzellenten Noten, der düstere Nate, die süße Addy, die mit dem hübschesten Jungen der Schule zusammen ist und Simon, der in einer App die Gerüchteküche der Schule am Laufen hält. Einer von ihnen wird den Nachmittag nicht überleben. Simon stirbt, weil er mit Erdnussöl in Berührung kommt an einem allergischen Schock! Die Schüler und Schülerinnen der High-School sind fassungslos. Doch bald wird klar, dass eine der vier anderen anwesenden Personen lügen muss. Denn wer sonst sollte es auf Simon abgesehen haben als die vier Personen, zu denen er in den kommenden Tagen einen erschütternden Eintrag in seiner App machen wollte?

„One of us is lying“ begleitet alle übrigen vier Jugendlichen durch ihr Leben. Diese Leben könnten kaum unterschiedlicher sein. Weiterlesen

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Frank Goldammer: Tausend Teufel

Max Heller ist in Dresden auch nach dem Zusammenbruch es Dritten Reiches noch oder wieder (nur) Oberkommissar. Dresden ist ein einziges Trümmerfeld und gehört zur sowjetischen Besatzungszone, oder wie die Zeitgenossen es ausdrücken würden: die Russen haben jetzt hier das Sagen. Trotzdem oder gerade deswegen gibt es noch ein Komissariat, in dem in Mordfällen ermittelt wird. Es fehlt an allem, an Mitarbeitern, an Material und eigentlich auch an Zeit, aber man gibt sein Bestes. Ausgerechnet zwei russische Offiziere werden kurz hintereinander ermordet, und zwar auf eine Art und Weise, die nicht unbedingt auf einen Täter schließen lässt, der bloß das Kriegsende verschlafen hat.

Frank Goldammer lässt die Zeit 1947 wieder zum Leben erwachen. Der Leser spürt den Hunger, die Angst und auch die verschiedenen Traumata an jeder Stelle des Romans, der trotzdem noch ein solider Krimi ist. Weiterlesen

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Grace Paley: Die kleinen Widrigkeiten des Lebens (1959)

Die US-amerikanische Schriftstellerin Grace Paley wurde 1922 geboren. Ihre Eltern waren russisch-jüdische Einwanderer. Sie lebte in New York City, schrieb Kurzgeschichten und Gedichte und starb 2007 in Vermont. Grace Paley engagierte sich aktiv für Frauen- und Bürgerrechte und die Friedensbewegung. „Die kleinen Widrigkeiten des Lebens“ erschienen 1959 unter dem Originaltitel „The Little Disturbances of Man“ und 1994 erstmals auf Deutsch bei Schöffling. Im April 2018 legte btb die Taschenbuchausgabe des Klassikers in einer Übersetzung von Sigrid Ruschmeier vor.

Darin zehn Storys der Autorin, die so modern und pfiffig daher kommen, dass sie auch noch fast sechzig Jahre nach ihrer Erstveröffentlichung unbedingt lesenswert sind.

Tante Rose erklärt ihrer Nichte Lillie in „Auf Wiedersehen und viel Glück“, warum sie keine bedauernswerte, alte, alleinstehende Frau ist, sondern ein selbstbestimmtes, spannendes Leben geführt hat und am Ende nicht mehr nur Geliebte sondern Ehefrau des bekannten Schauspielers Volodya Vlashkin wird. Weiterlesen

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Kathryn Croft: Während du schläfst

Tara freut sich auf ein Wochenende allein. Ihre 17-jährige Tochter Rosie schläft bei einer Freundin, der Sohn Spencer bei den Großeltern und ihr Mann ist beruflich im fernen New York. Tara will endlich weiter an ihrem Gemälde arbeiten. Als sie eine Nachricht von ihrer Nachbarin Serena erhält, geht sie sofort nach nebenan. Doch es scheint ein Problem bei der Zustellung der Nachricht gegeben zu habe, denn Serena ist gar nicht da, ihr Ehemann Lee aber schon. Lee lädt Tara auf ein Glas Wein ein. Es werden zwei, dann drei. Am nächsten Morgen erwacht Tara in einem fremden Bett, Lees und Serenas Bett! Nackt. Neben ihr der ebenfalls unbekleidete Lee. Auf den zweiten Blick muss Tara feststellen, dass Lee tot ist. Erstochen liegt er neben ihr. Tara flüchtet kopflos und geht auch nicht zur Polizei. Doch als sich der Verdacht erhärtet, dass ihre eigene Tochter Rosie etwas mit der Sache zu tun haben könnte, beginnt Tara erst recht zu zweifeln.

Kathryn Crofts neuer Roman ist im Wesentlichen gut. Es passiert in der Nachbarschaft ein Mord und alle älteren Mitglieder einer anderen Familie kommen als Tatverdächtige in Frage. Weiterlesen

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Genki Kawamura: Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden

Ein Roman wie ein Haiku – verdichtet und klar in der Sprache, gehaltvoll-poetisch im Nachklang. Diese Glanzleistung vollbringen japanische Wortkünstler wie sonst keiner! Genki Kawamura macht da keine Ausnahme. Es ist erstaunlich, was der Autor in nur 188 Seiten packt: eine todernste Thematik mit viel Humor, Gesellschaftskritik mit mystischen Anklängen, menschliche Grundthemen, die einmal anders herum aufgerollt werden. Die Frage, worauf es im Leben ankommt, wird nicht dadurch beantwortet, indem der Protagonist angesichts seines nahenden Todes etwas tut. Sondern indem er etwas weglässt.

Der 30jährige namenlose Ich-Erzähler lebt ohne große Ambitionen in den Tag hinein. Er hat einen Kater als Mitbewohner, arbeitet als Postbote, vertreibt sich die Zeit mit Smartphone, Kino, Manga-Comics und Anime-Trickfilmen. Bis bei ihm ein Gehirntumor diagnostiziert wird. In seiner Verzweiflung erscheint ihm der Teufel mit einem zweifelhaften Angebot. Der junge Mann wird morgen sterben. Es sei denn, etwas anderes verschwindet an seiner Stelle von der Welt. Mit diesem Pakt kann er sein Leben Tag für Tag verlängern. Klingt zunächst ganz simpel. Der Erzähler willigt ein. Weiterlesen

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Natalie Buchholz: Der rote Swimmingpool

Adam, ein Junge an der Grenze zur Volljährigkeit, ist Hauptfigur und Ich-Erzähler in Natalie Buchholz‘ Debütroman „Der rote Swimmingpool“. Er kommt nicht darüber hinweg, dass sein Vater die Familie zugunsten einer neuen Freundin und deren Kinder verlassen hat.

Sehr früh – andeutungsweise sogar schon in einem kleinen Vorspann vor dem ersten Kapitel – erfährt der Leser, dass die Situation zwischenzeitlich eskaliert: Adam steckt das Haus in Brand, in dem die Familie früher gewohnt hat und in dem sein Vater nun mit der neuen Familie lebt. Dabei sterben zwei Hundewelpen.

Die 1977 geborene Münchener Autorin verschränkt geschickt zwei Handlungs- und Zeitebenen miteinander. Da ist einerseits die Gegenwart, in der Adam zur Strafe Sozialstunden in der Altenpflege ableisten muss und sich dabei in die Urenkelin einer der Seniorinnen verliebt Weiterlesen

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Andrea Camilleri: Eine Stimme in der Nacht

In schöner Regelmäßigkeit schreibt Andrea Camilleri (Jahrgang 1925) an seiner Krimireihe über den sizilianischen Kommissar Salvo Montalbano weiter. Mit „Eine Stimme in der Nacht – Commissario Montalbano hört auf sein Gewissen“ erschien am 27. April 2018 der zwanzigste Band bei Bastei Lübbe. Rita Seuß und Walter Kögler übersetzten ihn aus dem Italienischen. Den Krimi mit dem Originaltitel „Una voce di notte“ verfasste Camilleri allerdings schon 2012.

Ausgerechnet an seinem 58. Geburtstag muss Commissario Salvo Montalbano sich zuerst mit einem Verkehrsrowdy und dann mit einem Überfall auf einen Supermarkt in Piano Lanterna, bei dem die Tageseinnahmen gestohlen wurden, beschäftigen. Der Verkehrsrowdy, Giovanni Strangio, entpuppt sich als Sohn des Provinzpräsidenten Michele Strangio, der ihm sogleich den Anwalt Nullo Manenti auf den Hals hetzt. Weiterlesen

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Karola Briese: Dragonerkind

1758 ist das Ende des Siebenjährigen Krieges noch nicht absehbar. Jeans Vater wird wieder gezwungen, erhöhte Steuern zu zahlen. Diese Geldforderung bedeutet für seine Familie mehr als nur Hungern und Frieren. Nachdem Jeans Lieblingsschwester einem fremden Haushalt übergeben wird, eine jüngere Schwester an Hunger und Kälte stirbt, muss nun auch er bei Fremden sein Brot verdienen. Das Schicksal führt den Zwölfjährigen zu dem jungen Dragoner Philippe de Belsace. Dieser kuriert gerade seine Verwundung aus dem letzten Kriegsgemetzel aus und braucht für seinen temperamentvollen Hengst einen neuen Burschen. Jean als erfahrener Bauernjunge kann sich schnell mit dem außergewöhnlich großen Fuchs des Herrn Leutnant anfreunden. Auch sonst geht es in Jeans Leben aufwärts. Er bekommt genug zu essen, warme Kleidung und lernt unter anderem Lesen und Schreiben. Während zwischen ihm und seinem Herrn eine Freundschaft entsteht, müssen sich beide tödlichen Gefahren und politischen Ränkespielen stellen. Weiterlesen

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