John Scalzi: Frontal

Fünfundzwanzig Jahre ist es her, dass die Welt sich für einige wenige Menschen radikal änderte. Ein aggressives, grippeähnliches Virus griff um sich, selbst die First Lady der USA fiel ihm zum Opfer. Die meisten der Erkrankten genasen nach kurzer Zeit wieder, doch bei einigen Wenigen veränderte das so genannte Haden-Virus das Gehirn. Sie, die vom Lock In Syndrom befallen sind, liegen bewegungslos eingeschlossen in ihrem Körper gefangen, müssen für den Rest ihres Lebens gepflegt und medizinisch umsorgt werden. Nur über ins Gehirn implantierte neurale Netzwerke und die Steuerung von hochtechnisierten Robotern können sie noch mit der Außenwelt interagieren.

Chris Shane wurde als Kleinkind ein Opfer der Erkrankung. Anders, als viele seiner Leidensgenossen ist er auf die immer weiter zurückgefahrene staatliche Unterstützung nicht angewiesen, gehören seine Eltern doch zu den begütertesten Unternehmern von Washington D.C. Doch nur in der Agora, wie die virtuelle Welt, in der sich die meisten Patienten fast immer aufhalten, will er sein Leben nicht verbringen. Er tritt in eine Spezialeinheit des FBI ein, die bei Verbrechen in Zusammenhang mit den Hadens ermittelt. Mit Hilfe der Threeps, der Roboterkörper, werden ganz neue Sportarten möglich. Eine davon, Hiketa genannt, zieht die Massen in ihren Bann. Weiterlesen

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Alice Peterson: Ein Song bleibt für immer

Alice ist Mitte 20 und das ist schon ein Wunder. Als sie Mitte der 70er geboren wurde, gaben ihr die Ärzte gerade einmal 10 Jahre. Sie leidet an Mukoviszidose, einer unheilbaren Erbkrankheit, die vor allem ihre Lungen befällt und das Atmen schwer macht. Doch Alice hat länger gelebt als nur 10 Jahre und auch jetzt hat sie noch Träume. Sie will singen und berühmt werden, das Modeln an den Nagel hängen. Und sie will mehr Zeit mit Tom verbringen, den sie eben erst kennengelernt hat. Doch wie kann man eine Beziehung aufbauen, wenn die Zukunft so unklar ist? Wenn schon übermorgen Schluss sein könnte?

Alice Peterson hat ihre Geschichte inspirieren lassen von Alice Martineau, die mit ihrer Krankheit ebenfalls den großen Traum des Singens hatte. Peterson empfindet in ihrem Roman deren Geschichte nach, bleibt nah an der Wirklichkeit, fügt aber auch wichtige Elemente für Spannung und Dramatik ein. Weiterlesen

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Louis Greenberg: Die Bedrohung

Wir schreiben die nicht allzu ferne Zukunft. Die Welt hat sich von dem technischen Fortschritt abgewendet, das Internet, die Mobiltelefone, Überwachungskameras – das alles gibt es nicht mehr! Nur eine kleine Siedlung namens Green Valley hat sich gegen die so genannte Wende gestellt. Die Menschen hier sind mit ihren Avataren verkabelt und leben in einer virtuellen Realität. Die Polizistin Lucie Sterling ist verwundert, als sie (auf ihrem an der Wand befestigten Schnurtelefon) einen Anruf ihres Exmannes David erhält. Er berichtet ihr diffus, dass die gemeinsame Tochter Kira, die bei ihm lebt, verschwunden ist, ja, entführt wurde. Lucie ist sofort alarmiert, denn David und Kira leben nirgend anders als in Green Valley. Verbirgt das High Tech-Viertel vielleicht ein Geheimnis?

Luis Greenbergs Roman tut sich am Anfang schwer. Man lernt die Zukunftsvision kennen, die eigentlich in die Vergangenheit gehört. Weil die Menschen sich zu stark von IT-Unternehmen und Überwachungsstaaten kontrolliert gefühlt haben, haben sie jegliche elektronische Technik abgeschafft und sich rückbesinnt in eine Zeit etwa in den 1950er Jahren. Das verändert natürlich auch die Polizeiarbeit, der Lucie nachgeht, wieder maßgeblich. Green Valley wird mit misstrauischem Blick von allen beobachtet. Aber Genaueres weiß niemand. Denn der Zugang zu Green Valley ist streng limitiert und nicht jeder kann rein und raus wie er möchte. Als Lucie doch einen Einblick erhält und David besuchen kann, ist sie verwirrter als bisher. Weiterlesen

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Marlen Haushofer: Himmel, der nirgendwo endet

Wild ist die kleine Meta, kaum zu bremsen in ihrem Tatendrang und bei der Heuernte im Weg. Deshalb sitzt sie mit ihren zweieinhalb Jahren „strafweise im Regenfass“. Etwas Schlimmeres kann sie sich kaum vorstellen, Wut steigt in ihr auf. Doch dann beschließt sie, die bösen Großen einfach wegzuschicken und freundet sich stattdessen mit dem Fass an, das brav ist „und zum Liebhaben“. Ab und zu schaut ein Mann-Riese oder eine Frau-Riese herein, aber Meta will sie heute nicht mehr sehen. Viel lieber beschäftigt sie sich mit dem Himmel oder einer Hummel.

So beginnt Marlen Haushofers wunderbarer Roman „Himmel, der nirgendwo endet“, der erstmals im Jahr 1966 erschien und jetzt als Ullstein Taschenbuch wieder aufgelegt wurde. Er begleitet Meta in lose aneinander gereihten Episoden durch ihre Kindheit bis zur frühen Jugend. Die Leserinnen und Leser lernen ihre Familie kennen, die in einem Forsthaus lebt, erleben ihre zwiespältigen Gefühle der Mutter gegenüber und ihre Verehrung für den Vater.

Ihre Wissbegier macht es Meta und den Erwachsenen oft nicht leicht: „Die Großen sind leider sehr lästig. Alle stellen sich Meta in den Weg und hindern sie an ihren Forschungen.“ Doch immer wieder entkommt sie in den Wald, den Garten oder den Roßstall, wo sie sich versunken ihren fantastischen Spielen hingeben kann. Weiterlesen

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Dennis E. Taylor: Bobiverse 01: Ich bin viele

Kaum hat Robert, genannt Bob, ein stinknormaler Mittdreißiger der Gegenwart, einen Vertrag unterzeichnet, der ihm nach seinem Ableben eine Wiedererweckung garantiert, da wird er überraschend von einem Auto überfahren und stirbt. Erst 2133 geschieht besagte Wiedererweckung und da die Dinge sich in der Zwischenzeit verändert haben, staunt Bob nicht schlecht. Er hat nicht etwa einen Menschenkörper ohne Gebrechen, sondern ist eine Künstliche Intelligenz, die rasend schnell denken und handeln kann. Nach einem ersten Schock nimmt Bob sein Schicksal an, vor allem als er hört, dass er nach gut gelaufenen Tests ins All geschickt werden soll!

Dennis E. Taylors „Ich bin viele“ hat viele innovative Ideen und Gedankengänge. Für Science-Fiction der Gegenwart halte ich persönlich das Buch fürs sehr intelligent und gut gemacht. Die Geschichte hat einen nicht zu verachtenden Science-Anteil, einen kleinen politischen Anteil, viel Humor und noch viel mehr Abwechslung. Weiterlesen

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Philippe Besson: Hör auf zu lügen

Als Philippe 1984 17 Jahre alt ist, verliebt er sich in Thomas. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Auch die Mädchen umschwärmen Thomas. Ständig suchen sie seine Nähe, und ihm scheint es zu gefallen.

Während Philippe unter dieser unmöglichen Liebe leidet, bleibt er für alle der Musterschüler, der Sohn des Rektors und der Einzelgänger mit der weiblichen Gestik. Dabei hat er sich angewöhnt, andere zu beobachten und ihnen ein Leben mit Geschichten anzudichten. Aus diesem Grund nennt ihn seine Mutter häufig einen Lügner. Um so überraschter ist Philippe, dass auch Thomas ein Lügner ist. Denn Thomas führt ein heimliches Doppelleben. Als dieser ihm eines Tages Sex anbietet, darf dies nur unter der Bedingung absoluter Verschwiegenheit geschehen.

Philippe lässt sich darauf ein, auch wenn ihr Arrangement nicht gerade perfekt ist.

Viel zu schnell neigt sich ihre Beziehung dem Ende zu. Sie haben ihr Abitur geschafft, und jeder verfolgt seine eigenen Ziele. Studium in Paris der eine, Flucht zur spanischen Familie der andere. Weiterlesen

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Dörte Hansen: Mittagsstunde

Hier ist es nun, mein Buch des Jahres 2018: Die Journalistin, Linguistin und Schriftstellerin Dörte Hansen (Jahrgang 1964) hat mit ihrem zweiten Roman wieder einen Buch-Volltreffer gelandet. Nach „Altes Land“, dem Überraschungserfolg aus dem Jahre 2015, ist „Mittagsstunde“ am 15. Oktober 2018 im Penguin Verlag erschienen.

Darin kehrt Dr. Ingwer Feddersen, Prähistoriker an Universität Kiel, in sein Heimatdorf Brinkebüll, einem Geestdorf in Schleswig-Holstein, zurück, um seine betagten Großeltern Sönke und Ella zu pflegen. Dazu hat er an der Uni ein Sabbatical eingereicht und seine langjährige Wohngemeinschaft mit Diplomatentochter Ragnhild Dieffenbach und Regattasegler Claudius in einem Kieler Altbau verlassen.

In Rückblenden erzählt Dörte Hansen die Geschichte von Marret, Ingwers Mutter, die singen konnte und im Dorf nur „Marret Ünnergang“ genannt wurde. Ingwer ist das Ergebnis einer kurzen Begegnung im Jahre 1965 zwischen der siebzehnjährigen Marret und einem Ingenieur, der als Landvermesser bei der Flurbereinigung in Brinkebüll mitarbeitete. Marrets Eltern, Sönke und Ella, ziehen den Jungen auf. Marret ist anders, „verdreiht“, sie läuft mit weißen Klapperlatschen durch das Dorf und verkündet den Weltuntergang. Und jede und jeder in Brinkebüll weiß, dass sie ein Kuckuckskind ist. Weiterlesen

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Adriana Altaras: Die jüdische Souffleuse

Ihren neuen Roman verknüpft Adriana Altaras wie immer mit ihren jüdischen Wurzeln und diesmal mit ihrem Berufsleben. Theater und Opern sind ihre Welt und ihre Erfüllung und entsprechend turbulent gestalten sich die Tage, die immer mit dem Bühnenalltag verbunden sind.

Altaras weist in einem Vorspann darauf hin, dass einige der Charaktere in ihrem Buch tatsächliche Vor- und Urbilder haben, ihre jeweiligen Beschreibungen und die Handlungen dennoch fiktiv ausgearbeitet sind.

Bühnenleben und Opernbetrieb erfordern, dass die Ich-Erzählerin Adriana immer wieder für einige Wochen weg von der Familie, der Wohnung und der vertrauten Umgebung ist. Ganz automatisch versucht sie, in fremden Städten heimisch zu werden und wie zu Hause eine Joggingstrecke, das Schwimmbad oder eine Espressobar ausfindig zu machen. So stellt sich bald überall der Alltag in Form des immer gleichen Gangs zu einem auserkorenen Lieblingsrestaurant oder dem unvermeidlichen permanenten Auswendiglernen ein. Natürlich gibt es da auch noch die Eigenheiten vieler Kollegen, deren Allüren vor und hinter dem Bühnenvorhang. Weiterlesen

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Andrew Michael Hurley: Teufels Tag

Atmosphärisch äußerst dicht präsentiert sich der Roman „Teufels Tag“ des britischen Autors Andrew Michael Hurley. Der Engländer entführt uns in die fast schon archaisch anmutende Welt einer Handvoll Bauern-Familien, die irgendwo in einer gottverlassenen Gegend am Rande einer Moorlandschaft ihr karges Dasein fristen.

Weil sein Großvater gestorben ist, besucht der Lehrer John zur Beerdigung mit seiner Frau Kat diese Gegend, in der nach wie vor der Rest der Familie lebt. Immer mehr reift in ihm der Wunsch heran, sein künftiges Leben dort zu verbringen, um die Traditionen seiner Ahnen fortzuführen.

Die Bewohner in den „Endlands“ – so heißt die Gegend passenderweise im Buch – können kaum lesen oder schreiben, sie leben in baufälligen Häusern und müssen tagein-tagaus schwere körperliche Arbeit verrichten, um sich so gerade eben über Wasser zu halten. Weiterlesen

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Linda Winterberg: Die verlorene Schwester

2008: Anna lebt in Zürich und arbeitet als Investmentbankerin bei einer Schweizer Bank. Beruflich läuft es bei ihr gut, aber in ihren Beziehungen hat sie immer wieder Pech. Als ihre Mutter nach einem Unfall im Krankenhaus liegt und Anna im Arbeitszimmer ihres verstorbenen Vaters nach den Versicherungsunterlagen sucht, fällt ihr eine Adoptionsurkunde in die Hände. Sie ist schockiert. Warum haben ihr die Eltern nichts davon erzählt? Erklärt die Adoption das angespannte Verhältnis zwischen ihrer Mutter und ihr?

Anna ist hin- und hergerissen. Soll sie sich auf die Suche nach ihrer richtigen Mutter machen? Beistand findet sie bei der ruppigen und abgebrannten Journalistin Claudia. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg, die Geheimnisse der Vergangenheit zu lüften, werden dabei aber immer wieder von Annas Unentschlossenheit ausgebremst.

1968 in Bern: Als der Vater der Schwestern Lena und Marie stirbt, fällt ihre Mutter in eine tiefe Depression. Die Mädchen versorgen sich so gut sie können selbst und hoffen, dass es ihrer Mutter bald wieder besser geht. Doch in der Nachbarschaft beginnt das Getratsche und als es eines Tages an die Tür klopft, steht eine Mitarbeiterin der Fürsorge mit zwei Polizisten davor. Lena und Marie werden wegen der Gefahr der Verwahrlosung gewaltsam in ein Heim gebracht. Noch sind sie zusammen und geben die Hoffnung nicht auf, dass die Mutter sich aufrafft und sie wieder zu sich holt. Weiterlesen

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