Emma Claire Sweeney: Beim Ruf der Eule

Maeve Maloney ist 79 Jahre alt und kann ein Ereignis, das fast 60 Jahre in der Vergangenheit liegt, dennoch nicht gedanklich abschließen. Als ihr Jugendfreund Vincent plötzlich vor der kleinen Pension steht, die sie immer noch leitet, schickt sie ihn wie paralysiert fort. Nur er weiß, dass Maeve einst eine Zwillingsschwester namens Edie hatte. Edie, die so wunderbar singen konnte und dazu noch etwas ganz Besonderes war. Zu schmerzhaft sind die Erinnerungen an die Vergangenheit, doch Vincents Anwesenheit reißt alte Wunden auf und Maeve muss sich mit den Geschehnissen auseinandersetzen.

In „Beim Ruf der Eule“ laufen zwei Handlungsstränge parallel. In der Gegenwart ist Maeve Maloney alt, aber noch recht rüstig. Sie führt ein kleines Lodge, in dem sie Menschen mit Beeinträchtigungen aufnimmt. Auch unter ihrer Belegschaft sind zwei junge Menschen mit Down-Syndrom. Als die beiden sich ineinander verlieben und ein Paar sein wollen, wirft das für Maeve neue Probleme auf. Weiterlesen

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Michael Ondaatje: Kriegslicht

Kriegslicht, das klingt nach Verdunkelung, nach kaum ausgeleuchteten Winkeln, nach Dingen, die im Verborgenen liegen und besser unentdeckt bleiben. Kriegslicht, das ist auch eine treffende Umschreibung für die Atmosphäre der Nachkriegsjahre in London, für eine Zeit, in der Nathaniel und Rachel erwachsen werden.

„Im Jahr 1945 gingen unsere Eltern fort und ließen uns in der Obhut zweier Männer zurück, die möglicherweise Kriminelle waren.“ (Zitat S. 13) Mit diesem Satz beginnt der Roman, mit einer Tatsache und einer Vermutung. Bald nach der Abreise der Mutter finden der vierzehnjährige Nathaniel und seine zwei Jahre ältere Schwester Rachel heraus, dass die Mutter ihren Überseekoffer zurückgelassen hat. Jenen Koffer, den sie so hingebungsvoll über Tage hinweg gepackt hatte samt einer kleinen Geschichte zu jedem einzelnen Gegenstand, den sie in der Ferne unbedingt brauchen würde. Ist die Mutter dann überhaupt fortgegangen, und wenn ja, wohin? Und warum erhascht Nathaniel manchmal unverhofft einen Blick auf eine Frau, die seine Mutter sein könnte? Vermeintliche Tatsachen sind oft keine, Vermutungen können falsch sein, auf nichts ist Verlass, stellt Nathaniel fest. Weiterlesen

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Anthony Ryan: Draconis Memoria 02: Das Heer des Weißen Drachen

Willkommen zurück in Mandinorien, einem Reich, das von einem ebenso korrupten, wie allgewaltigen Handels-Syndikat geführt wird, das sich auf einen Rohstoff stürzt, den nur und ausschließlich Drachen liefern – Drachenblut nämlich. Blaue, rote, grüne und schwarze Drachen werden gnadenlos und effektiv gejagt, um an ihren Lebenssaft zu gelangen, die Drachenjagd und -zucht ist ein mehr als lukratives Geschäft. Ein Blutgesegneter, nur einer unter Tausend Menschen, kann durch Einnahme eine der vier Varianten des Produkts, wie das Blut als rare Handelsware genannt wird (blau, rot, schwarz und grün) seine Fähigkeiten weit über das normale Maß heraus steigern. Blau ermöglicht die telepathische Kommunikation, Rot die Freisetzung von Energie auch mittels Maschinen, Schwarz steigert die Konstitution und persönlichen Kräfte und grün verleiht dem Blutgesegneten Konzentration und an Magie grenzende Heilfähigkeiten.

Dumm, dass der legendäre weiße Drache weder ein Mythos ist, noch dem Geschehen weiter tatenlos zusehen mag. Mit einer Armee von Verderbten – Menschen, die mittels der Drachenmagie in willige Helfer der Lindwürmer verwandelt und kräftemäßig aufgewertet wurden – macht er sich auf, die Imperien der Menschen zu erobern und zu vernichten. Ganze Drachenhorden brechen von Norden kommend über die Reiche der Menschen herein, die Verderbtenarmee bewegt sich südwärts. Der Untergang der Menschen scheint unaufhaltsam. Weiterlesen

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Anna Pfeffer: Unter uns nur Wolken

Tom weiß wirklich nicht mehr weiter. Sein Großvater Florian hat Alzheimer und er möchte alles tun, damit der Opa nicht ins Heim muss. Doch Tom hat eine Arbeit und Verpflichtungen und kann ganz sicher nicht den ganzen Tag zur Betreuung opfern. Alle Pflegekräfte, die er bisher eingestellt hat, sind innerhalb weniger Tage getürmt und wurden nie wiedergesehen. Denn Florian ist ein echtes Ekel und gibt sein Bestes, um alle zu vergraulen. Als die junge Ani plötzlich vor der Tür der beiden steht und sich sowohl für das Zimmer als auch die Stelle als Pflegekraft interessiert, fragt Tom deshalb nicht lange nach Reverenzen und stellt Ani ein. Ani selbst ist ebenfalls verzweifelt, hat nach der Trennung von ihrem Partner keine Wohnung und Perspektive mehr. In der Stelle bei Tom und Florian sieht sie einen letzten Hoffnungsschimmer.

Hinter Anna Pfeffer verbergen sich die Autorinnen Ulrike Mayrhofer und Carmen Schmit, die an diesem Werk nicht zum ersten Mal gemeinsam gearbeitet haben. Diesmal ist ihnen eine witzige, aber auch ein bisschen tiefgründige Geschichte gelungen, die abwechselnd aus den Perspektiven von Tom und Ani geschrieben ist. Natürlich versucht Witwer Florian auch Ani zu vergraulen. Weiterlesen

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K. B. Wagers: Der Indrana-Krieg 02: Sternenkrone

Hail Bristol hat eine, nun nennen wir sie einmal interessante, oder doch eher aufregende Jugend hinter sich. Sie wuchs als Prinzessin des Indrana-Imperiums auf, rebellierte gegen ihre Mutter, die Herrscherin, floh vor der Verantwortung und der Gängelung des Amtes und baute sich als interstellare Schmugglerin und Waffenhändlerin eine neue Existenz auf. So mancher kennt sie eher als schlitzohrige Piratin, dann aber ändert sich ihr Leben erneut – und das markant.

Mordanschläge auf ihre Schwester und deren Tochter sorgen dafür, dass sie in der Thronfolge plötzlich, unerwartet und mehr als unerwünscht ganz oben steht. Als ihre Mutter, die absolut regierende Monarchin vergiftet wird, muss sie schweren Herzens ihr Erbe antreten – nur um sich einer Rebellion gegenüber zu sehen. Es kommt schlimmer – der alte Erzfeind des matriarischen Imperiums rüstet zu einem neuen, vernichtenden Krieg, Verräter lauern scheinbar hinter jeder Ecke des Palasts und mittendrin unsere frisch gebackene Monarchin und ihre Bodyguards.

Als sie sich auf einem neutralen Planeten mit dem Anführer des Erzfeindes zum Krisengipfel trifft, eskaliert die Lage. Weiterlesen

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Alexander Krützfeldt: Letzte Wünsche

Was ist noch wichtig, wenn man nicht mehr lange zu leben hat? Der Untertitel des Buches „Was Sterbende hoffen, vermissen, bereuen – und was uns das über das Leben verrät“, beschreibt weitgehend den Inhalt. Der Journalist und Autor Alexander Krützfeldt ist diesem Thema nachgegangen und zeigt Schicksale auf, die verdeutlichen, auf was sich das Leben am Ende reduziert und konzentriert. Wir lesen von Frank Wenzlow, der seine große Liebe Lissy verloren hat. Lissy konnte ihren aggressiven Krebs nicht besiegen. Die Schilderungen, wie Frank und Lissy mit diesem Schicksal umgegangen sind, hat der Autor bewegend und unaufgeregt festgehalten.

Nach Lissys Tod bewältigte Frank seine Trauer damit, indem er für andere Todgeweihte etwas Sinnvolles tun wollte. So gründete er einen Verein, der es sterbenden Menschen ermöglicht, einen letzten Wunsch erfüllt zu bekommen. Frank arrangiert, dass die Menschen in einem ausrangierten Rettungswagen zu ihren letzten Sehnsuchtsorten zum Beispiel ans Meer (was Lissys großer Wunsch gewesen war) oder in ein Stadion transportiert werden können.

In weiteren Kapiteln begegnen wir anderen Menschen, die nicht mehr lange zu leben haben, lesen von ihrem jeweiligen Schicksal und davon, was sie sich noch wünschen. Weiterlesen

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Siri Pettersen: Die Rabenringe 01: Odinskind

Hirka ist 15 Jahre alt und lebt im Ymsland. Alle Gleichaltrigen und die Erwachsenen um sie herum haben einen buschigen, langen Schwanz. Nur Hirka wird von allen Hirka Schwanzlos genannt, da ein Wolf ihr als Baby den Schwanz abgerissen hat. Hirka ist auch sonst eher eine Außenseiterin, hält sich von Leuten fern und ist für sich. Nur mit dem drei Jahre älteren Rime konnte sie immer gut spielen. Er kehrt nach jahrelanger Abwesenheit ins Tal zurück und plötzlich gerät Hirkas Welt völlig aus den Fugen. Denn ihr geliebter Vater offenbart ihr, dass sie ihren Schwanz gar nicht verloren hat, sondern ohne geboren wurde. Sie ist ein Odinskind aus einer anderen Welt und gilt eigentlich als verflucht. Wenn die anderen Bewohner von ihr wüssten, würden sie Hirka töten. Als der Vater dann auch stirbt, weiß Hirka überhaupt nicht mehr, was sie tun soll. Sie flüchtet ins entfernte Ravenhov, das eine andauernde Feindschaft mit ihrem Reich pflegt.

„Odinskind“ ist der Auftakt einer Trilogie, die aus dem Norwegischen übersetzt wurde. In Norwegen wurden die Bücher zu einem wahren Bestseller und Siri Pettersen als neuer Star am Fantasyhimmel gefeiert. Dass man es mit einem besonderen Buch zu tun hat, merkt man schon auf den ersten Seiten, der Widmung. Gewidmet hat Siri Pettersen ihren Roman wie folgt: „… Und für dich und für alle, die immer Bücher gelesen haben, von denen noch nie jemand gehört hat. Für alle, die etwas anders waren und in der Klasse immer hinten saßen. Für alle, die in einem dunklen Keller aufgewachsen sind, wo die Würfel über euer Schicksal entschieden. (…) Das hier ist euer Buch.“ Weiterlesen

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T. S. Orgel: Terra

Der Planet Mars in der Zukunft. Die Erde ist so gut wie unbewohnbar geworden, deshalb suchen die Menschen im All nach neuen Lebensorten. Das Terraforming des Mars ist fast abgeschlossen, bald können auch hier viele Menschen leben und vom Mars aus kann der Mond ebenfalls weiter ausgebaut werden. Zu diesem Zweck werden Rohstoffe vom roten Planeten zu dem Erdtrabanten gebracht. Auch Jak ist an Bord eines der Raumfrachter für die Ladung zuständig. Als seine ihn unterstützende KI Nina eine Unregelmäßigkeit in der Ladung feststellt, entdecken die beiden einen verdächtigen Container im Laderaum. Die Vermutung legt nahe, dass er bis oben hin mit Bomben gefüllt ist. Woher kommen die Bomben und was bezwecken die Verantwortlichen mit ihnen? Jak und seiner Schwester Sal, die auf dem Mond stationiert ist, bleiben sechs Tage bis zu Jaks Ankunft auf dem Erdtrabanten. Dann könnte eine mögliche Explosion bei der Mondlandung ihr Leben und das aller anderen riskieren.

Unter dem Pseudonym T. S. Orgel schreiben die beiden Brüder Tom und Stephan Orgel gemeinsam Fantasy-Romane und mit „Terra“ ihren ersten Science-Fiction Roman. Sie haben sogar bereits den Deutschen Phantastik Preis gewonnen. Science-Fiction aus deutscher Feder gibt es zudem zurzeit nicht mehr allzu oft, umso größer war mein Interesse an diesem Roman. Und das Interesse wurde nicht enttäuscht: Die beiden Autoren liefern eine versiert geschriebene Geschichte, Weiterlesen

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Chris Kraus: Sommerfrauen, Winterfrauen

Chris Kraus, vielfach ausgezeichneter Filmregisseur von Werken wie „Poll“ und „Die Blumen von gestern“ zeigt mit diesem Roman aufs Neue, dass er auch ein großartiger Romancier ist. Er schickt seinen Protagonistin Jonas Rosen ins New York des Jahres 1996. Dort soll der Filmstudent für den exzentrischen Regisseur Lila von Dornbusch einen Sexfilm drehen. Doch New York ist nichts für Anfänger: Jonas findet Obdach in der Bruchbude eines homosexuellen Autors, die Vorbereitungen für die Filmcrew geraten ins Stocken, zudem lauern überall reizende „Sommerfrauen“, während zuhause seine „Winterfrau“ eifersüchtig auf ihn wartet. In New York empfängt ihn zudem ein dunkles Kapitel seiner Familiengeschichte.

„Sommerfrauen Winterfrauen“ nicht zuletzt ein äußerst amüsanter Abgesang an das Lebensgefühl der 90er Jahre. Mit einem sympathischen Protagonisten, der im wahrsten Sinne des Wortes einen an der Klatsche beziehungsweise etwas am Kopf hat. Weshalb selbiger vor umherfliegenden Stiefeln, herabstürzenden Dachbalken und entrüsteten Ohrfeigen geschützt werden muss. Weiterlesen

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Viveca Sten: Flucht in die Schären

Da mutet die schwedische Bestsellerautorin in ihrem neunten Band der Krimireihe ihren Protagonisten Nora Linde und Thomas Andreasson einiges zu. Den Leserinnen und Lesern übrigens auch. „Flucht in die Schären“ bricht eindeutig aus dem gewohnten Schären-Krimi-Genre aus. Die Geschichte trägt die Züge eines Thrillers. Viveca Sten konfrontiert ihr Ermittler-Duo mit drei Themen, die alle „unter die Haut“ gehen. Es geht um traumatische Kriegsfolgen, um häusliche Gewalt und skrupellose Wirtschaftskriminalität im schwedischen Drogenmilieu.

Den neuen Fall habe ich mit besonderer Spannung erwartet, weil ich meinen Sommerurlaub im Schärengarten vor Stockholm verbracht habe und „natürlich“ Viveca Stens Insel Sanddön mit ihrem Hauptort Sandham besucht habe. Es war schön viele Orte in der Realität zu entdecken, die die Autorin zur Kulisse ihrer Plots gemacht hat. In der Beschreibung der Schönheit dieses touristischen Kleinods übertreibt die Autorin nicht. Sanddön und überhaupt der Schärengarten ist für Schwedenfans ein Muss.

Auch aus diesem Grund habe ich mich auf meine virtuelle Rückkehr nach Sandham gefreut. Natürlich auch auf die Begegnung mit Nora Linde und Thomas Andreasson. Nora hat die Stelle gewechselt und arbeitet nun als Staatsanwältin bei der Behörde gegen Wirtschaftskriminalität. Weiterlesen

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