John Niven: Kill ‘em all

Der schottische Schriftsteller John Niven (Jahrgang 1966) kennt sich aus in der Musikbranche. War er doch selbst Musiker und A&R- (Artists and Repertoire) Manager in einer Plattenfirma. In dem Roman „Kill your friends“ (2008) ließ er schon kein gutes Haar an der Musikindustrie und ihrem Umfeld. Jetzt begegnen wir dem supercoolen Steven Stelfox in „Kill ‘em all“ wieder. Der Wilhelm Heyne Verlag hat John Nivens neuesten Roman in seiner Reihe Heyne Hardcore am 21. Januar 2019 in einer Übersetzung von Stephan Glietsch veröffentlicht.

Es ist das Jahr 2017, Steven Stelfox is back. Mit fast fünfzig genießt er seinen Reichtum und arbeitet hin und wieder als Berater für die Musikindustrie.

James Trellick, CEO der großen amerikanischen Plattenfirma Unigram und ein alter Freund von Stelfox bittet ihn um Hilfe. Der Star des Labels, Lucius du Pre, steht vor dem Ruin. Drogensüchtig und pädophil wird er zum unberechenbaren Risiko für Unigram. Die „cash cow“ liefert nicht mehr und wird außerdem von den Eltern eines Jungen erpresst, den er sexuell missbraucht hat. Dabei wird gerade alles für seine große Comeback-Tour vorbereitet. Eine Veröffentlichung des Erpresservideos wäre ein Desaster. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Paula Brackston: Die Tochter der Hexe

England, 1627: Für Bess bricht eine Welt zusammen, als die Pest einen Großteil ihrer Familie dahinrafft. Sie selbst überlebt die Krankheit auf wundersame Weise. Von ihrer Familie ist nur ihre Mutter noch an Bess Seite geblieben und die beiden schlagen sich mehr schlecht als recht durchs Leben. Doch dann taucht ein Hexenjäger in der Stadt auf und Bess‘ Mutter wird mit einer älteren Frau zusammen als Hexe angeklagt. Sie ist chancenlos und scheint tatsächlich einen Pakt mit dem Teufel eingegangen zu sein. In ihren letzten Minuten schickt sie die Tochter zu dem geheimnisvollen Gideon Masters, der ihr angeblich weiterhelfen kann.

England, 2007: Elizabeth lebt abgeschieden von einem kleinen Örtchen am Waldrand. Die Menschen scheut sie so gut es geht. Nur für das Allernötigste mischt sie sich unter die Bewohner. Als die Teenagerin Tegan sich für sie zu interessieren beginnt, ist das Elizabeth nicht gerade recht. Wie wird man lästige Beobachter und neugierige Mädchen los? Doch schon bald merkt Elizabeth, dass sie ihr bestgehütetes Geheimnis vielleicht vor Tegan nicht zu verstecken braucht. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Nicholas Thomas (Hrsg.): Um die Welt mit James Cook

Was für ein wunderschönes, gewichtiges Buch – das waren die ersten Gedanken, die der Rezensentin durch den Kopf gingen. Einen großen und schweren Bildband haben die Wissenschaftliche Buchgesellschaft und der Theiss-Verlag da vorgelegt!

James Cook, der wohl größte Seefahrer und Nautiker aller Zeiten, ist eine Figur voller Mythen. Und doch war er in allererster Hinsicht ein pedantischer Perfektionist, der seine Aufträge und damit Expeditionen bis zuletzt korrekt erfüllen wollte. Und er war – anders als viele seiner britischen Zeitgenossen – durchaus nicht ein Mann des britischen Kolonialdenkens, sondern interessiert an den Kulturen, die er entdeckte.

Drei große Reisen hat dieser größte der Entdecker unternommen, alle drei füllen dieses wunderbare, große Buch:

Die erste Reise mit der fettbauchigen „Endeavour“, einem Kohlentransporter (1768-1771) mit einem Doppelauftrag – dem Vermessen des Durchgangs der Venus vor der Sonnenscheibe und dem Suchen nach dem geheimnisumwitterten Südkontinent „Terra Australis icognita“. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Anita Shreve: Wenn die Nacht in Flammen steht

Den vielleicht etwas kitschigen Titel „Wenn die Nacht in Flammen steht“ trägt ein Buch aus Amerika, das gar nicht kitschig ist, sondern spannend und einfühlsam. Autorin Anita Shreve (1946 – 2018) schreibt über die junge Frau Grace, die 1947 in Hunts Beach/Maine mit Ehemann Gene und zwei kleinen Kindern in einem Häuschen am Meer lebt.

Gene ist zwar nicht besonders liebevoll, aber die kleine Familie kommt insgesamt über die Runden. Das ändert sich, als fast das gesamte Städtchen von einem gewaltigen Feuer zerstört wird. Grace und die beiden Kinder überleben nur knapp, Gene bleibt vermisst.

Grace braucht lange, um sich eine Art neuen Alltag im Haus ihrer zuvor gestorbenen Schwiegermutter aufzubauen. Sie lernt den feinfühligen Pianisten Aidan kennen, der sich ebenfalls in das Haus geflüchtet hat, und verliebt sich in ihn. Doch ist der vermisste Gene wirklich tot? Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Julya Rabinowich: Hinter Glas

Alice hatte es bisher nicht leicht im Leben. In der Schule wird sie gehänselt von ihren Mitschülern, die sie nur noch abfällig Queen Bazilla nennen, weil sie so oft krank ist. Freunde hat sie gar keine. Da scheint es echter Lichtblick, als Niko neu in der Klasse auftaucht. Er gibt nichts auf die Schikanen der Mitschüler und beteiligt sich nicht an ihrem Mobbing. Im Gegenteil: Niko steht für Alice ein und interessiert sich für sie. Bald entwickelt sich zwischen den beiden Jugendlichen mehr. Doch Alice kann Niko nicht die ganze Wahrheit sagen. Niemals wird sie darüber sprechen können, was bei ihr zu Hause los ist, wie der Großvater die kleine Familie tyrannisiert …

Julya Rabinowichs Geschichte ist kurz, aber knackig. Sie entwirft rund um ihre Protagonistin Alice, die die Geschichte ausschließlich erzählt, ein Familienkonstrukt zum Weglaufen. Der Großvater, der nebenan wohnt, beherrscht das ganze Familientreiben und ängstigt Alice über allen Maßen.  Sie ist zudem eine kränkliche Person und in der Schule wenig beliebt. Da auch ihre Eltern sich nicht für Alice interessieren, hat sie niemanden, mit dem sie sprechen kann. Niko ist wie ein Lichtblick, auch wenn es Alice anfangs schwerfällt, sich ihm zu öffnen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Stefan Moster: Alleingang

Freddy ist einundfünfzig Jahre alt, als er zum dritten Mal aus dem Gefängnis entlassen wird. Am Tag seiner Entlassung nimmt er die LeserInnen mit hinaus in die Freiheit und in seine Erinnerungen an sein Leben davor.

Hineingeboren in eine asoziale Familie wächst der junge Freddy mit elf älteren Geschwistern bei der Großmutter in einem heruntergekommenen Haus auf. Unter den Geschwistern gilt das Recht des Stärkeren. Lieblosigkeit, Gewalt und billiges Vokabular sind an der Tagesordnung und nicht eben förderlich für Freddys Entwicklung. Wäre da nicht sein Kinder- und Jugendfreund Tom aus der Nachbarschaft, der wohlbehütet als Einzelkind in geordneten Verhältnissen lebt, würde Freddy vielleicht gar nicht realisieren, dass er und seine restliche Familie ein Außenseiterdasein führen.

Mit Tom verlebt er Kindheitsabenteuer. Später führt Tom ihn in seine Clique ein, mit der er nach Griechenland reist. Während die anderen nach der langen Fahrt apathisch auf die Landschaft reagieren, ist Freddy jemand, der sich unverhohlen freuen kann. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Han Kang: Deine kalten Hände

„Warum verwenden Sie für Ihre Werke die Abdrücke von Menschen?“, fragt die Autorin H. den Bildhauer Jang Unhyong bei einem zufälligen Zusammentreffen. Die Antwort darauf bleibt er ihr schuldig. Einige Monate später erfährt sie von Unhyongs Schwester, dass er spurlos verschwunden ist. Hinterlassen hat er nur eine Reihe seiner berühmten Gipsabdrücke und ein Manuskript mit dem Namen „Ihre kalten Hände“, das ihr die Schwester überlässt und das mit folgenden Worten beginnt: „Warum?“, fragte mich die Schriftstellerin H.

Sie fängt an zu lesen: über Unhyongs Leben, seine Gedanken und Gefühle, ungeschminkt aufgezeichnet von ihm selbst, ausgehend von der Frage: „Warum? Warum ist die Mitte meines Lebens so absolut hohl?“ Doch ihm ist klar, dass er keine Antwort auf diese Frage geben wird.

Gemeinsam mit der Schriftstellerin H. tauchen die Leserinnen und Leser in Unhyongs Geschichte ein. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Regina Riest: Stiller Bach

Bei einem Klassenausflug entdecken zwei Schulkinder eine männliche Leiche. Sie liegt kopfüber im Stillen Bach in Weingarten. Ertrunken sein kann der Mann dort kaum, dafür ist der Bach viel zu niedrig. Und dann wird in der Lunge des Toten auch noch Salzwasser gefunden. Der ermittelnde Kommissar Maibach und sein Team stehen vor einem Rätsel.

Über Monate hatte eine Jury dutzende von Bewerbungen für den Bodensee-Oberachwaben-Krimiwettbewerb der Schwäbischen Zeitung, Ravensbuch und Emons gesichtet. Voraussetzung für die Autoren: Der Krimi musste in der Region Oberschwaben-Bodensee und in der Gegenwart spielen.  Im Finale setzte sich Regina Riest mit „Stiller Bach“ gegen 39 Mitbewerber durch.

Mich vermochte der Krimi jedoch nicht vollends zu überzeugen. Zwar sind die Charaktere durchweg sympathisch, sie bleiben insgesamt aber recht flach. Dies mag der Tatsache geschuldet sein, dass dies ein relativ kurzes Buch mit dem Fokus auf den Ermittlungen ist. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Victoria Schwab: Monsters of Verity – Dieses wilde, wilde Lied

Die Welt der Zukunft hat sich maßgeblich verändert. Die Stadt Verity ist zweigeteilt, zwei Männer sind in den beiden Stadtteilen an der Macht und sie können sich nicht leiden. Flynns Sohn August wird in eine Schule eingeschleust und soll dort Kontakt aufnehmen zu Harkers Tochter Kate. Denn in einem möglichen Krieg könnte Kate ein wertvolles Pfand werden. Doch das ist nicht das einzige Problem von Verity. Immer dort, wo Verbrechen geschehen und Gewalt herrscht, werden Monster ins Leben gerufen, die dann allen Menschen gefährlich werden. Deswegen leben die Bewohner der Stadt in ständiger Angst und trauen sich im Dunkeln gar nicht mehr auf die Straße.

Victoria Schwabs Roman aus einer Dilogie ist wirklich überraschend. Angelegt für ein Publikum ab etwa 15 Jahren, nebst interessierten erwachsenen Lesern, ist die Geschichte wirklich nicht schlecht. Das liegt noch gar nicht mal so sehr an der Handlung, sondern an dem Setting. Verity ist ein gefährliches Pflaster. Drei Arten von Monstern treiben in der Stadt ihr Unheil. Die Corsai, Malchai und Sunai. Sie sind unterschiedlich häufig anzutreffen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Arnaldur Indriðason: Graue Nächte

Der bekannte isländische Krimiautor Arnaldur Indriðason (Jahrgang 1961) hat mit dem Island-Krimi „Graue Nächte“ nach „Schattenwege“ (2017) und „Der Reisende“ (2018) den dritten Band in der Reihe um den isländischen Kommissar Flóvent und Thorson, seinen kanadischen Kollegen von der Militärpolizei, geschrieben. Der Bastei Lübbe Verlag veröffentlichte das Buch in einer Übersetzung von Anika Wolff am 21. Dezember 2018.

Der Krimi „Graue Nächte“ spielt während des 2. Weltkrieges. Island ist von den Amerikanern besetzt.

In Petsamo, Nordfinnland, warten im Frühjahr 1940 beinahe 300 Isländer darauf, mit dem Passagierschiff „Esja“ zurück in die Heimat zu gelangen. Eine junge Frau ist mit ihrem Verlobten, dem Medizinstudenten Ósvaldur, verabredet, aber der erscheint nicht. Von einem Kommilitonen von Ósvaldur erfährt sie, dass er wahrscheinlich von den Nazis verhaftet wurde. Trotz Genehmigung wird die Überfahrt nach Island wegen der kriegerischen Auseinandersetzungen auf See gefährlich, und die junge Frau macht sich große Sorgen um ihren Verlobten. Noch während der Fahrt versucht sie, Informationen zu seinem Verschwinden zu erhalten. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: