Joey Goebel: Irgendwann wird es gut

„Irgendwann wird es gut“ heißt die neue, sehr lesenswerte Geschichten-Sammlung des 1980 geborenen US-amerikanischen Autors Joey Goebel. Doch viele Figuren in diesem Buch, die alle in der fiktiven Kleinstadt Moberby leben, sind weit davon entfernt, ein Happy End zu erleben – wie Anthony in der allerersten Geschichte. Er ist verliebt in die Nachrichtensprecherin Olivia und hat jeden Abend Punkt 18 Uhr ein Rendezvous mit ihr, das er zelebriert: wenn sie auf der Mattscheibe erscheint und er auf dem heimischen Sofa sitzt.

Oder Paul, dessen Mutter derart dominant und besitzergreifend ist, dass sie dem Sohn das einzige Date mit einer Frau versaut, das er seit vielen Jahren hat.

Joey Goebel widmet sich in diesen Geschichten den Losern, den Underdogs der Gesellschaft: neben den hoffnungslos Verliebten und Muttersöhnen unter anderem einem zwölfjährigen Mädchen, das unter Gleichgesinnten keinen Anschluss findet, oder einem Messie, der seit Jahren seine Wohnung nicht verlassen hat. Weiterlesen

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AJ Pearce: Liebe Mrs. Bird

London, 1941: Die 22-jährige, junge Emmeline Lake hat einen großen Traum. Sie möchte Kriegsreporterin für eine große Zeitung werden. Dafür, das hat sie schon gelernt, muss man allerdings kleine Brötchen backen. Erstmal fängt sie bei einer Zeitung an, die immerhin zu einer großen Verlagsgruppe zu gehören scheint. Doch beim Vorstellungsgespräch vergisst Emmeline die wichtigsten Fragen und findet sich deshalb wenig später in einer Redaktion wieder, die Leserbriefe von Frauen beantwortet. Naja, zumindest ein paar. Denn die Redakteurin Mrs. Bird sortiert gnadenlos alles aus, in dem beispielsweise Affären, sexuelle Gedanken, Orientierungen und andere vermeintlich anstößige Dinge vorkommen. Übrig bleiben dann belanglose Briefe, die belanglose Antworten in einem belanglosen Magazin erhalten. Emmeline beschließt, heimlich auf die aussortierten Briefe zu antworten – und sie unterschreibt sogar mit Mrs. Birds Namen! Das kann ja nicht lange gutgehen … Weiterlesen

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Ulrich Woelk: Der Sommer meiner Mutter

Vielleicht kennen einige die sehr gute Stephen King Kurzgeschichte „Stand by me – Das Geheimnis eine Sommers“. Da geht es um die Verdichtung, bzw. Nacherzählung der Erlebnisse von vier Freunden die sich um den Fund einer Leiche im Wald dreht. Stephen King hat hier wunderbar die Atmosphäre des Heranwachsens, den Zwist mit Erwachsenen und der örtlichen Halbstarkenszene eingefangen. Vielleicht waren das damals in den USA die Fünfziger. Es geht um den Rückblick einer Erlebnisstrecke die Jahre her ist; in diesem Fall, im Roman von Ulrich Woelk, um das Jahr 1969. Die Apollomissionen waren da hochaktuell und eigentlich interessierte unseren Ich-Erzähler Tobi, damals 11 Jahre, nichts anderes.

Die Dinge liefen wie sie mussten, Vater, Mutter, Kind, Vorstadteigenheim. Gute Lage, guter Job – eben all die Bürgerlichkeit. All dies wird durch den Zuzug einer neuen Familie als Nachbarn gesprengt. Diese ist auch dreiköpfig und Rosa, die Tochter, zwei Jahre älter als unser Tobias. Weiterlesen

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Simon Beckett: Die ewigen Toten

David Hunter, forensischer Anthropologe, verbringt mehr Zeit mit den Toten als mit den Lebenden. Er untersucht die Verwesung und den Zerfall, um menschliche Überreste zu identifizieren. Häufig hilft er der Polizei als Berater bei der Ermittlung von Mordfällen. Dabei macht er seinem Namen in jeder Hinsicht Ehre. Sein Spürsinn geht viel weiter als bis zum Rand eines Obduktionstisches. Regelmäßig gerät er auf Fährten, die die Ermittler zunächst nicht vorrangig bearbeiten. Der damit verbundene Ärger ist vorprogrammiert und unvermeidbar.

Als im Londoner Norden im abbruchreifen Krankenhaus St. Jude eine mumifizierte Leiche gefunden wird, sieht es zunächst nach einem ganz normalen Mordfall aus. Doch bei der ersten Untersuchung der Umstände fällt der konsultierte Pathologe durch eine marode Stelle im Boden in einen darunter liegenden Raum. Auf der Suche nach dem Verletzten werden zwei weitere Tote gefunden, durch die der Fall unerwartete Ausmaße annimmt.

Der gerade in Ungnade gefallene Anthropologe David Hunter soll die Londoner Polizei unterstützen. Beschnittene Kompetenzen, medialer Gegenwind und viele Gegenspieler machen aus Hunters sechstem Fall eine komplexe Jagd, die ihn erneut in Lebensgefahr bringt. Weiterlesen

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Larry Correia: Monster Hunter 06: Monsterzähmen leicht gemacht

Owen Pitt, Buchhalter und einer der wichtigsten Agenten im Dienste der Monster Hunter International (MHI) weiß, dass er dazu ausersehen ist, zu sterben. Ein Engel hat seinem Dad von den Toten zurückgeholt, damit dieser seinen Sohn auf den letzten Konflikt vorbereiten kann. Wenn die Menschheit droht, von Monstern, ja dem Böse selbst vernichtet zu werden, wird es sein ultimatives Opfer sein, dass das Blatt noch wenden könnte. Vorher aber will er Kameraden retten.

Wir erinnern uns, in einem Casino in Las Vegas kam es zum Aufeinandertreffen der Dämonen und der Monsterhunter – zurück blieb ein riesiger Krater, ein geflohener Drache und einige verschollene Agenten, darunter zwei Freunde von Owen Pitt. Ein Zyklop hat mittels seiner Gabe entdeckt, dass insgesamt sieben Agenten, die bei Kampf in ein anderes Universum gezogen wurden, noch am Leben sind. Jetzt gilt es, diese aus dem Albtraumreich zu befreien.

Dumm dabei nur, dass das Portal sich ausgerechnet auf einer russischen Insel befindet, auf der etwas Uraltes, etwas Mächtiges, etwas sehr, sehr Böses schläft – und wenn es aufwacht, dann ist Schluss mit Lustig – und dies für alle …. Stereotyp, gewaltbetont, unrealistisch und unlogisch – vier Adjektive, die bestens auf die Reihe um die Monster Hunters International zutreffen. Und doch wird der Zyklus von den Fans geliebt. Weiterlesen

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Clemantine Wamariya: Das Mädchen, das Perlen lächelte

Die Geschichte vom Mädchen, das Perlen lächelte, liebte Clemantine am meisten. Unzählige Male ließ sie sich die Geschichte von ihrem Kindermädchen Mukamana erzählen. Das Schönste daran war, dass Mukamana ihr immer nur die Figuren und die Grundvoraussetzungen vorstellte und Clemantine selbst weitererzählen ließ: „Was glaubst du, was dann passiert?“

Clemantine führt ein behütetes Leben im Wohlstand in Kigali, Ruanda. 1994 ändert sich alles. Ihre Welt schrumpft, erst darf sie nicht mehr in den Kindergarten, dann nicht mehr draußen spielen, später bleiben selbst die Vorhänge geschlossen. Immer öfter donnern Explosionen, Leute verschwinden. Sie wird zur Großmutter nach Butare geschickt, zusammen mit Claire, der neun Jahre älteren Schwester. Doch auch bei der Großmutter ist es nicht lange sicher, die Mädchen müssen weglaufen. Auf der Flucht vor dem Völkermord, der Hunderttausende das Leben kostet, können sie niemandem trauen. „Seltsam, wie man von einem Menschen, der von zu Hause weg ist, zu einem Menschen wird, der kein Zuhause mehr hat. […] Du bist überall und von allen Menschen unerwünscht. Du bist ein Flüchtling.“ (Zitat S. 42)

Clemantines Kindheit ist mit sechs Jahren zu Ende. Sie lebt mit Claire in Flüchtlingslagern unter katastrophalen Bedingungen, steht stundenlang nach Maisrationen an, tut alles, um sich sauber zu halten und ihre wenigen Besitztümer zu schützen. Weiterlesen

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Anuk Araudpragasam: Die Geschichte einer kurzen Ehe

Die Geschichte einer kurzen Ehe ist kurz. Dinesh, ein junger Mann, hilft in einer mobilen Klinik aus, die mitten im Dschungel in einem Flüchtlingslager den Verletzten erste Hilfe gibt. Jeden Tag wird das Lager mit Mörsergranaten beschossen. Es gibt für die Flüchtlinge keinen Ort mehr, wo sie Schutz finden können. Während Dinesh eine Grube für die Verstorbenen und Leichenteile aushebt, wird er von einem alten Mann angesprochen. Dieser verlor vor kurzen bei einer Bombardierung seine halbe Familie. Jetzt hat er nur noch seine Tochter Ganga, für die er Schutz und Halt sucht, wenn er nicht mehr leben sollte. Dinesh lässt sich darauf ein. Nach dem väterlichen Segen sind die beiden allein, zwei Fremde, die mitten im Krieg ein Leben zu zweit versuchen.

Anuk Arudpragasam, geboren 1988, hat mit seinem Debütroman viel Aufmerksamkeit erfahren, als er mit ihm den DSC Prize for South Asien Literature gewann. Übersetzt wurde der Roman von Hannes Meyer. Weiterlesen

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A. Adamowitsch & D. Granin: Blockadebuch: Leningrad 1941 – 1944

Unter den zahllosen Veröffentlichungen zur Zeitgeschichte findet sich allgemein viel Redundantes. Viele Themen wurden schon tausendfach beackert, und so finden sich oftmals nur kleine Ergänzungen, Mosaiksteinchen, die zwar interessant sind, den Blick auf die Vergangenheit jedoch kaum erweitern oder gar verändern. Im Falle des „Blockadebuchs Leningrad“ ist das anders.

Für die Deutschen ragt unter den großen und entscheidenden Schlachten des Zweiten Weltkriegs ohne Frage die um Stalingrad heraus, markiert sie doch die entscheidende Wende des Krieges, steht gleichsam für den Wahnsinn des Krieges und die deutsche Niederlage. Schon kurz nach der Schlacht wurden die Stalingradkämpfer mythologisch aufgeladen – die eingeschlossene 6. Armee, die schließlich in Gefangenschaft ging und von der so wenige zurück in die Heimat kehrten.

In der russischen Geschichte haben jedoch die Ereignisse rund um die Stadt Leningrad, früher und heute wieder St. Petersburg, eine wesentlich höhere Bedeutung.  872 Tage – das sollte man jetzt nicht zu schnell lesen – war die Stadt von deutschen Truppen eingeschlossen und sollte im wahrsten Wortsinne ausgehungert werden. Weiterlesen

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Martina Bergmann: Mein Leben mit Martha

Martha ist Heinrichs große Liebe. Fast 40 Jahre lebt das unkonventionelle Paar zusammen in einem kleinen Haus auf dem Dorf und ist nicht allen Nachbarn geheuer. Doch in den letzten Jahren ist Martha nicht mehr ganz die alte. Sie ist in einer „poetischen Verfassung“, sagt Heinrich. Andere Leute nennen es Demenz. Der Alltag läuft nicht mehr richtig rund. Heinrich – ganz der zerstreute Professor – achtet nicht sonderlich auf sein Äußeres, sondern befasst sich am liebsten mit Literatur, Philosophie und Mathematik. Martha ist im Haus und drumherum geschäftig, aber sie verzettelt sich und hat ihre ganz eigenen Methoden, in sich und um sich Ordnung zu halten. Leider verstehen das viele Menschen nicht.

Martina ist eigentlich „nur“ Heinrichs Buchhändlerin und einige Jahrzehnte jünger. Aber sie hat Heinrich und Martha ins Herz geschlossen und sorgt dafür, dass es die beiden weiterhin gut haben. Als Heinrich krank wird und stirbt, pflegt ihn Martina bis zum Schluss und erbt das Haus. Die beiden Frauen beschließen, eine WG zu gründen – das heißt, Martha ist einverstanden, Martina bei sich aufzunehmen. Weiterlesen

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Hansjörg Schertenleib: Die Fliegengöttin

Schon lange ist nichts mehr wie es war. Die Krankheit kam schleichend. Jeder Tag bringt eine andere Herausforderung für Willem de Witt mit sich, der seine an Alzheimer erkrankte Frau pflegt. Immer wieder aufs Neue muss er sich auf ihre Wesensveränderungen, Wortfindungsstörungen, ihren Gedächtnisverlust und die physischen Defizite einstellen.

Niemals in einem Pflegeheim enden – dieses gegenseitige Versprechen haben sich der Holländer Willem und seine irische Frau Eilis einst gegeben. Aber nun, seit Eilis keine Erinnerungen mehr hat und Willem oft nicht weiß, ob sie ihn überhaupt erkennt, hat dieses Versprechen eine ganz andere Gewichtung bekommen. Doch Willem hält sich daran. Die letztendliche Konsequenz die im Raum steht, schiebt er dennoch von sich, denn zwischen Zuständen von Verwirrung und Apathie hat Eilis auch lichte Momente. Dann sind die Rückblicke seiner Frau oft solche, die Willem verloren gegangen sind. Auch er verspürt mit seinen dreiundachtzig Jahren körperliche und geistige Defizite. Erinnerungen aus über fünfzig Ehejahren die sie gemeinsam in ihrem Haus in Irland verlebt haben, gibt es genügend. Immerhin haben die de Witts auch drei Kinder mit allen Höhen und Tiefen großgezogen sowie einige schöne Urlaube zusammen verbracht. Weiterlesen

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