Torsten Sträter: Es ist nie zu spät, unpünktlich zu sein

Das wird eine ganz kurze Rezension, denn ich kann sie in einem Wort zusammenfassen: Herrlich! Und da ich ein eingefleischter Torsten-Sträter-Fan bin, ist schon deswegen meine Beurteilung natürlich komplett unvoreingenommen.

Nein, im Ernst, die witzigen Geschichten, die spitzfindigen Glossen, die pointierten Beobachtungen und die liebevollen Ruhrpott-Anekdoten sind so wunderbar albern, so unglaublich treffend und so herrlich absurd, dass man sie einfach verschlingen muss. Oder, um mit Torsten Sträter zu sprechen: „Hallo, willkommen zu meinem neuen Buch! Komplett aus Holz, aber lustiger als eine Anrichte.“ (Klappentext).

Und wenn man dann beim Lesen mehrmals lauthals lachen muss, dann haben alle um einen herum auch noch was davon. Immerhin empfiehlt der Autor ja selbst, seine kurzen, aber prägnanten Texte zum Beispiel „In der Wanne. Im Zug. Bei der Fußpflege. Im Urlaub. …“ (S.10) zu lesen. Und meint dann, am Ende des unbedingt zu lesenden Vorworts: „Wenn Sie beim Lesen meine Stimme im Kopf haben, geht das übrigens völlig in Ordnung.“ (S. 11). Weiterlesen

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Oliver Pötzsch: Faustus 02: Der Lehrmeister

Herbst, 1518: Vor sechs Jahren ist Johann Georg Faustus aus Nürnberg verschwunden. In den letzten Jahren war Faustus nicht sesshaft und ist mit Karl Wagner und Greta, der Tochter seiner verstorbenen Jugendliebe Margarete, als Zauberer und Gaukler durch das Land gezogen. Nie konnte er länger an einem Ort bleiben, denn sein ehemaliger Lehrmeister Tonio suchte ihn im ganzen Land. Doch auch andere Menschen werden auf Faustus aufmerksam, als das Gerücht aufkommt, dass er in der Lage sei, Gold herzustellen. Es beginnt eine Jagd durch das ganze Land …

Oliver Pötzschs „Der Lehrmeister“ ist der zweite Teil seiner Dilogie um „Die Geschichte des Johann Georg Faustus“. Der erste Band „Der Spielmann“ erschien im Herbst 2018 ebenfalls bei List. Zusammen umfassen die beiden Bände fast 1600 Seiten. Kaum zu glauben, dass man trotz der schieren Menge an Text vergeblich nach Längen sucht. Wie der erste Band ist auch „Der Lehrmeister“ durchweg interessant und spannend.

Der Geschichte wohnt eine ganz besondere Atmosphäre innen und innerhalb weniger Seiten hat man bereits das Gefühl, selbst ein Teil der Geschichte zu sein und viele der Erlebnisse am eigenen Leib zu erfahren. Weiterlesen

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Esther Schmidt: Die Chroniken der Wälder 01: Das Erwachen der Hüterin

Das Leben des jungen Daric ist so gut wie vorbei. Er wurde des Mordes schuldig gesprochen und trägt nun einen Argkhansreif um den Hals, mit dem er außerhalb der Arena niemanden angreifen kann. Mit seinem Meister zieht er durchs Land und muss in den Arenen der Städte immer wieder seinen Mann stehen und um sein Leben kämpfen. Doch in dieser Nacht ist alles anders. Die Reisegruppe, in der er sich befindet, wird von Ghulen angegriffen und er kann nur mit dem Leben davonkommen, weil ihm eine Elynn, eine Elfe, hilft. Aroanída, die er schon bald wegen des komplizierten Namens Aroa nennt, und Daric sind nun aufeinander angewiesen. Denn die Gegend ist unwirtlich und weitere Ghule hoffen auf Beute. Nur gemeinsam können Daric und Aroa diese Aufgabe bestehen.

Anfangs ist das Duo aus Mensch und Elynn sehr gut gewählt. Aroa kämpft nicht, weil Elynn dies nie tun, Daric kann aufgrund des Argkhansreif nicht kämpfen. Jedes Mal wenn er jemandem körperlich schaden will, zieht sich der Reif um seinen Hals zusammen und schnürt ihm die Luft ab. Eindrücklich beschreibt er etwa zu Beginn der gemeinsamen Reise in seinen Gedanken, wie es war, das erste Mal zu töten. „Ein Menschenleben beenden – er hatte gemeint, selbst sterben zu müssen. Doch sein Herz war nicht stehen geblieben, die Welt war nicht zerbrochen. Keine Strafe der Götter – stattdessen ein zufriedenes Nicken seines Herrn.“ (Zitat 1. Teil, Kapitel 4). Daric wird bereits in den ersten Kapiteln sehr gut beleuchtet und man bekommt eine Idee davon, was seine Beweggründe sein könnten. Weiterlesen

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Maria Adolfsson: Doggerland 02: Tiefer Fall

Weihnachten in Langevik – das Haus ist voll bei Kriminalinspektorin Karen Eiken Hornby. Fast ein bisschen zu voll für ihren Geschmack. Deshalb ist sie nicht allzu traurig, dass sie ihr Chef – obwohl sie nach dem „Showdown“ ihres letzten Falles noch krankgeschrieben ist – wegen eines Mordfalls auf die Insel Noorö, ganz im Norden von Doggerland, abkommandiert. Viele Kollegen leiden unter einer grassierenden Grippe, die anderen sind im Weihnachtsurlaub, es gibt keine Alternative. Gemeinsam mit dem Gerichtsmediziner und Sören Larsen von der Spurensicherung macht sie sich auf den Weg.

Der pensionierte Hochschullehrer Fredrik Stuub ist bei einem Sturz in eine mit Wasser gefüllte Kiesgrube ums Leben gekommen. Das heißt, eigentlich ist er kurz davor auf einem Felsvorsprung hängengeblieben, sonst wäre er vielleicht auf Nimmerwiedersehen in der Tiefe verschwunden. Schnell ist klar, dass er nicht einfach gestolpert und gefallen ist, sondern dass er bewusstlos geschlagen und hineingeworfen wurde. Wer könnte diesem alten Mann nach dem Leben getrachtet haben? Es gibt kaum Spuren und schon gar kein Motiv. Doch Fredrik Stuubs Wohnung wurde durchwühlt. Wer hat was gesucht? Hat Fredriks Enkel Gabriel etwas damit zu tun, der gerne reich wäre, ohne etwas dafür zu tun, oder haben die Besitzer der örtlichen Whiskybrennerei ihre Hand im Spiel? Weiterlesen

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Frank Goosen: Kein Wunder

Das Berlin der Achtziger hatte immer was Verstörendes an sich. Es ist genau die Zeit, in der auch ich des Öfteren über Helmstedt nach Berlin gurkte. Mal mit Band, mal einfach so oder zu einem Pokalspiel. Alleine das sich nähern an die Grenzkontrollen… ich kann heute noch das Gefühl in mir schmecken von dieser absurden (zu leicht, ich weiß) Scheiße. Jedenfalls spielt Goosens Roman Ende der Achtziger, also kurz vor dem Mauerfall. Wunderbar beschrieben sind Dialoge zwischen Ost – und Westlern, noch nicht geprägt von dem baldigen Zusammenbruch, sondern eher davon, dass keiner überhaupt einen Plan hat. Außer Fränge, aber das hat eher mit seinen Frauengeschichten zu tun. Als Westler in Berlin darf er rüber und hat, so ist er nun mal, auf jeder Seite eine Flamme, Marta in Westberlin und Rosa im Osten.

Förster, den wir ganz nah begleiten, fährt mit Brocki, den gemeinsamen Kumpel Fränge in Berlin besuchen. Fränge, Brocki und Förster sind Bochumer Szenegeschichte. Nur ist Kneipenleben in Berlin eben doch was anderes als Tief im Westen. Weiterlesen

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Lisa Taddeo: Three Women – Drei Frauen

Maggie ist in der 10. Klasse als sie sich in ihren Lehrer verliebt. Er hört ihr zu, kümmert sich ums sie, hat Zeit und Verständnis – mehr als sie das von irgendjemand anderem in ihrem Leben sagen kann. Natürlich hat sie Vater, Mutter und Geschwister, aber die Eltern trinken und sind viel mit sich selbst beschäftigt, die Geschwister wohnen teilweise weit entfernt. Maggie ist kein einfaches Mädchen, aber Aaron Knodel gibt ihr das Gefühl, sich um sie zu sorgen. Mehr und mehr wächst ihr Vertrauen zu ihm, doch das Spiel läuft nur nach seinen Regeln, schließlich ist er eine Autoritätsperson. Heimlich kommen sie sich auch körperlich näher bis seine Frau es bemerkt. Für Maggie bricht die Welt zusammen, als er den privaten Kontakt zu ihr abbricht. Sechs Jahre später sitzen sie sich im Gericht gegenüber – Maggie hat ihn wegen Missbrauchs angezeigt. Aaron Knodel, den allseits beliebten dreifachen Familienvater, der gerade in North Dakota zum Lehrer des Jahres gewählt wurde. Wem wird man wohl glauben?

Lina leidet darunter, dass ihr Mann sie nicht auf den Mund küsst – schon seit vielen Jahren. Auch Sex ist für ihn nur eine Nebensache. Doch die Mutter von zwei Kindern sehnt sich nach körperlicher Nähe und nach einem starken Gefährten. Sie beginnt eine Affäre mit einem Jugendfreund und verlässt ihren Ehemann. Doch dieser Freund ist verheiratet und hat nicht vor, sich von seiner Frau zu trennen. Lina steht mit ihrem ganzen Verlangen auf Abruf bereit. Wenn er Zeit hat, springt sie ins Auto und nimmt viele Kilometer Fahrt auf sich, nur um Sex mit ihm zu haben – und die Hoffnung auf mehr zu nähren. Weiterlesen

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Ed McDonald: Schwarzschwinge 02: Der Schrei des Raben

Ryhalt stammt aus guten, das heißt aus adeligem Hause. Das sollte man heute nicht mehr annehmen, wo er als Leiter der Schwarzschwingen, des informellen Geheimdienst´ von Valengrad, seine Tage im Suff verbringt. Dass er mittels Unterarmtattoo mit einem gottähnlichen Magier verbunden ist hat ihm sowohl das Leben gerettet, als auch ihn erst in die entsprechende Bredouille gebracht. Er bezeichnet sich selbst als Mann mit einem Schwert, der eine Handvoll Schläger befehligt. Eine ernüchternde, aber realistische Sichtweise. Einmal schon hat er die Stadt, zusammen mit Anderen versteht sich, vor der Bedrohung aus dem Elend gerettet. Dass er dabei die Liebe seines Lebens verloren hat passt nur zu seinem von den Göttern verfluchten Schicksal.

Genug, Schwamm drüber, diese Zeiten sind, den ach so hehren Göttern sei Lob und Dank, vorbei. Jetzt gerade kümmert er sich um aus dem Grab wieder Auferstandene, die er selbst mittels eines Bleigeschosses in selbiges befördert hatte. Doch dann meldet sich der tätowierte Rabe wieder, als seinem Meister aus dessen Schatzkämmerchen etwas Wertvolles und Gefährliches gestohlen wird.

Nun raten sie mal, wer sich da wieder darum kümmern darf? Richtig, er hat sich unfreiwillig gemeldet und kommt einem Mann auf die Spur, vor dem er Respekt hat – und da gibt es nicht Viele, die er, ja ich sage es offen, fürchtet. Ein Mann der mit Skalpell und Nadel umzugehen wusste, wie kein Anderer, der Freunde von ihm vom Todesbett wieder zusammengeflickt und gerettet hat. Weiterlesen

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Penelope Fitzgerald: Die Buchhandlung (1978)

Diese Geschichte kann einfach nur in England spielen. Alle Charaktere, die Bewohner des kleinen Küstenstädtchens Hardborough, sind so wunderbar britisch, es ist ein wahrer Genuss, das schmale Buch zu lesen.

Penelope Fitzgerald erzählt von Florence Greene, einer verwitweten Frau in, wie sie selbst sagt, mittleren Jahren, die 1959 ein verlassenes, feuchtes, seit langem leerstehendes Haus in besagtem Städtchen erwirbt, um dort eine Buchhandlung zu eröffnen. Florence hat weder von Büchern noch von Buchhaltung eine wirklich fundierte Ahnung, aber sie ist zuversichtlich. Daran ändert auch der Poltergeist nichts, der, Klopfer genannt, im „Old House“ herumspukt. Hilfe für die Buchhaltung holt sich Florence bei einer jungen Nachbarin, Hilfe bei den Büchern bekommt sie von der zehnjährigen Christine, die ihr mit Strenge und Eigensinn zur Hand geht.

Hilfe hat Florence auch bald deswegen dringend nötig, weil die imposante Landadlige Mrs Gamart ihr das Leben schwer macht. Mrs Gamart hätte gerne das Old House als Kulturzentrum eingerichtet und sieht sich selbst bereits als gefeierte und verehrte Schirmherrin. Im Verlauf der Handlung lässt sie immer mehr ihren Einfluss spielen, um Florence zu vertreiben. An Florence‘ Seite stehen in dieser ungleichen Auseinandersetzung nur der Hilfstierarzt Raven und der alte, eigenbrötlerische Mr. Brundish. Die Einwohner von Hardborough stehen dem Projekt Buchhandlung eher skeptisch gegenüber. Weiterlesen

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Ingrid Noll: In Liebe Dein Karl

Ingrid Nolls bislang erschienene Kriminalromane waren allesamt in den Bestsellerlisten aufgeführt, ihre Bücher wurden in 27 Sprachen übersetzt. Dabei ist ihr Schreibstil einfach, oft mit einer Prise Humor vermischt. Ihre Protagonisten sind Menschen, wie sie einem täglich begegnen. Diese Figuren – zumeist Frauen, entwickeln aus oft nichtigen Gründen eine kriminelle Energie, die zum Selbstläufer wird. Gerne setzt Noll ganz abstruse mörderische Ideen um. Gemordet wird heimtückisch und gnadenlos. Emotionen spielen hierbei eine untergeordnete Rolle. Das Ende der Opfer ist meist grausam und makaber.

Die titelgebende Geschichte In Liebe Dein Karl ist eine von 31 kurzen Geschichten des Buches. Hierin lesen wir von persönlichen Briefen, die eine Nichte bei ihrer verstorbenen, vermeintlich altjüngferlichen Tante findet. In anderen Geschichten geht es um einen eifersüchtigen Ehemann und seine Rache, weiter um einen Lottoschein der kein großes Glück bringt, wir lesen von einer Patchworkfamilie, von einem seltsamen Zusammenfinden Obdachloser, von verstorbenen Familienangehörigen, vom Erlkönig und vielen weiteren Storys. Besonders hervorzuheben sind die Geschichten aus der Rubrik Erinnerungen und Notizen. Unter dieser Zusammenfassung schildert Noll Begebenheiten aus ihrer Kindheit in China mit dem kolonialen Lebensstil, Weiterlesen

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Anne von Vaszary: Die Schnüfflerin

Ein One-Night-Stand im offenen Cabrio unter dem weiten Sternenhimmel und schon ist es passiert: Nina (die eigentlich ganz anders heißt) ist schwanger. Und das auch noch von Ricky, dem Windhund, der nichts anbrennen lässt und nicht nur sie zu Probefahrten einlädt. Die junge Frau, die ohne großen Plan durchs Leben driftet und in einem Einkaufszentrum Kaffee ausschenkt, ist selbst ohne Vater aufgewachsen und mit einer Mutter, die sich nur sporadisch blicken oder hören lässt. Die einzige Konstante in ihrem Leben war ihre Oma, doch die ist schon vor ein paar Jahren gestorben. Jetzt eine Familie gründen – das wäre vielleicht was. Aber mit Ricky?

Sechs Wochen ist Nina ihm aus dem Weg gegangen, doch nun will sie ihm erzählen, dass er Vater wird. Als sie im Restaurant sitzen, macht ihr aber erst einmal ihre seit neuestem hochempfindliche Nase einen Strich durch die Rechnung. Sie stürzt auf die Toilette, um sich zu übergeben. Zurück am Tisch, findet sie, dass die Zwiebelsuppe seltsam riecht und lässt erst einmal den Löffel liegen, während ein paar andere Restaurantgäste – auch Ricky – davon probieren. Plötzlich bricht ein Chaos aus. Die Gäste beginnen zu röcheln, rutschen auf den Boden und winden sich in Krämpfen.

Als sich die Situation wieder etwas gelichtet hat, sieht sich Nina unversehens einem Verdacht ausgesetzt: Warum hat sie nichts von der Suppe gegessen? Hat sie von dem Gift gewusst? Hat sie gar den Anschlag verübt? Gleichzeitig hat sie Angst um Ricky, der mit dem Krankenwagen abtransportiert wurde. Ob er überleben wird? Irgendwie hat sie ihn ins Herz geschlossen und sie will unter keinen Umständen, dass ihr Kind – wie sie – nichts über ihren Vater weiß. Weiterlesen

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