Claire Lombardo: Der größte Spaß, den wir je hatten

Claire Lombardo (Jahrgang 1989) ist US-Amerikanerin und arbeitete als Sozialarbeiterin und PR-Agentin.  2019 legte sie mit „Der größte Spaß, den wir je hatten“ ihren Debütroman vor.

Darin die Geschichte der Familie Sorenson aus Oak Park in Illinois, wo Lombardo selbst auch geboren wurde. Marilyn und David Sorenson sind seit vierzig Jahren verheiratet und haben vier Töchter. Wendy, Violet, Liza und Grace versuchen, jede auf ihre Art ihre Leben in den Griff zu bekommen und vielleicht so glücklich zu werden, wie ihre Eltern. Marilyn und David haben sich in den 1970er Jahren während des Studiums kennengelernt.  Sie verlieben sich ineinander, Marilyn wird schnell schwanger, gibt ihr Studium auf. David wird Arzt. Nach Wendy, der Erstgeborenen, kommt Violet nur zehn Monate später zur Welt. Liza folgt wenige Jahre darauf und Grace als Nesthäkchen mit einem Abstand von neun Jahren auf Liza. Sie ziehen von Iowa City in Marilyns Elternhaus in die Fair Oaks. Marilyn ist Hausfrau und Mutter, David macht eine Arztpraxis auf. Die Töchter sind grundverschieden. Wendy heiratet den vermögenden Miles, der bald darauf stirbt. Weiterlesen

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Jean Stafford: Die Berglöwin (1947)

Als dieser Roman 1947 im renommierten New Yorker Verlag Harcourt unter dem Originaltitel The Mountain Lion erschien, erntete er begeisterte Kritik.

Die Handlung um die zu Beginn der Geschichte achtjährige Molly und ihren zehnjährigen Bruder Ralph spielt in den Vereinigten Staaten, im Bundesstaat Colorado. Beide Kinder haben mit den Nachwirkungen einer Scharlacherkrankung, die sich unter anderem durch starkes Nasenbluten äußert, zu kämpfen. Das steife, durch viele Regeln geprägte Familienleben mit der verwitweten Mutter und den beiden älteren Schwestern, die wenig verständnisvollen Erwachsenen im Allgemeinen und das gesundheitliche Handicap der Geschwister, das sie für sich auszunutzen wissen, schweißt die beiden zusammen. In ihrer Verbundenheit trotzen sie den Widrigkeiten des Alltags. Es kommt ihrem Wesen letztlich entgegen, als die Mutter sie von Los Angeles auf eine Ranch nach Colorado, auf der sie selbst ihre Kindheit verbracht hatte, abschiebt, um mit den beiden älteren Töchtern auf Weltreise zu gehen. Hier in den Bergen von Colorado werden die Kinder mit völlig neuen Gegebenheiten, einem anderen Menschenschlag und vor allem mit der ungezähmten Natur konfrontiert. Weiterlesen

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Ava Reed: Ashes and Souls 01: Schwingen aus Rauch und Gold

Milena steht eigentlich erst am Anfang ihres Lebens. Das Abitur steht an, dann der weitere Bildungsweg – doch dann kommt alles anders, als gedacht. Sie, die mit ihrer Mutter zuerst in Prag, dann in London und nun in Berlin lebt muss hilflos mitansehen, wie die einzige Bezugsperson, die sie hat, ihre Mutter, grau wird. Mila hat seit Geburt eine besondere Gabe – wenn ein Mensch am Ende seines Weges angekommen ist, wenn der Tod bevorsteht, dann nimmt dieser, dessen Gesicht in den Augen Miras einen grauen Ton an.

Auch wenn sie es ihrer Mutter am Todesbett noch anders in die Hand versprochen hat, Mila nimmt die Spur ihrer Herkunft auf. Tief versteckt im Wandschrank, in der hintersten Ecke findet sie zwei Polaroid-Fotos – auf dem Einen ist sie als kleines Kind auf einer Brücke in Prag zu sehen, auf dem Anderen eine Straße in Prag. So löst sie den kärglichen Haushalt auf, meldet sich von der Schule ab und reist in die tschechische Hauptstadt. Bereits am zweiten Tag wird sie in einem Park überfallen. Etwas Mysteriöses, etwas Angst einflößendes passiert, als sie den Dieb berührt – eine sonderbare Kraft überkommt sie, der Dieb wird grau. Kurz darauf trifft sie auf einen ganz in weiß gekleideten Fremden, der ihr seine Hilfe anbietet. Weiterlesen

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Niklas Natt och Dag: 1794

St. Barthelemy, 1793: Der junge Erik Drei Rosen wurde von seinem Vater ins Exil geschickt und soll in der schwedischen Kronkolonie, die sich in der Karibik befindet, abgelenkt werden. Denn zu Hause in Schweden hatte er sich als Adeliger in die Tochter eines der Bediensteten verliebt. Bis zu seiner Volljährigkeit soll Erik auf St. Barthelemy verbringen, dann darf er selbst entscheiden, was er tut. Doch der Tod des Vaters kommt dazwischen und unverhofft kann Erik mit Hilfe seines Gönners Tycho Ceton  frühzeitig nach Schweden zurückzukehren, sein Erbe anzutreten und sein große Liebe Linnea Charlotta Colling zu heiraten. Doch in der Hochzeitsnacht kommt es zu einem schrecklichen Unglück und die junge Braut ist am Morgen nicht nur blutüberströmt, sondern auch maustot.

In Stockholm im Jahre 1794 setzt dann die Haupthandlung ein. Die Witwe Colling – ihr Mann verstarb über der Sorge um die tote Tochter – sucht Jean Michael Cardells Hilfe im Zusammenhang mit Linneas Tod. Sie glaubt einfach nicht, dass ihre Tochter in der Hochzeitsnacht in den Wald verschwunden sei und dort von einem Rudel Wölfe angefallen wurde. Cardell hat anfangs kein Interesse an dem Fall. Sein alter Partner Cecil Winge ist erst vor kurzem gestorben und mit solchen Kriminalgeschichten möchte er eigentlich nichts zu tun haben. Dann hat er eine seltsame Begegnung, es ist fast, als sei Cecil wieder am Leben! Denn er steht dessen Bruder Emil Winge gegenüber, der ihm fast wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Doch Emil jagen schlimme Geister und er kann kaum für sich selbst sorgen. Dennoch nehmen die beiden schließlich den Auftrag der Witwe Colling an. Weiterlesen

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George Saunders: Fuchs 8

Fuchs 8 zog es schon immer in die Nähe der Menschen. Abend lang hat er durch ein Fenster beobachtet, wie eine Menschenmutter ihr Junges zu Bett brachte und ihm Geschichten vorlas. Dadurch hat er nach und nach. Nun kann er lesen, die Menschen verstehen und kommunizieren. Doch als ein Schild im Fuchswald aufgestellt wird, steht seine Welt dennoch Kopf. Schon bald tauchen große Fahrzeuge im Wald auf und die Füchse verstehen nicht, was los ist. Fuchs 8 sieht seine Chance gekommen, den Menschen nahe zu bringen, um was es wirklich geht.

George Saunders hat ein kleines, nur knapp über 50 Seiten starkes Werk geschaffen.  Es ähnelt in Zügen einer Fabel, ist aber doch ganz anders. Ein junger Fuchs lernt die Menschensprache und richtet sich dann direkt an seine Leser und Leserinnen. Im Mittelpunkt stehen Naturschutz und Respekt vor der Schöpfung. Der Schreibstil ist ebenfalls sehr besonders, wenn auch anfänglich gewöhnungsbedürftig, wenn mit der Rechtschreibung hat es Fuchs 8 nicht ganz so. Das macht ihn aber umso sympathischer.

Ein sehr gutes, kurzes Buch über wichtige Themen unserer Gesellschaft!

George Saunders: Fuchs 8.
Luchterhand Literaturverlag, Oktober 2019.
56 Seiten, Gebundene Ausgabe, 12,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

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Marion Messina: Fehlstart

Einen hervorragenden Blick in das Innenleben (mutmaßlich) vieler jungen Menschen von heute gewährt uns die französische Autorin Marion Messina mit ihrem Debütroman „Fehlstart“.

Die 19-jährige Aurélie setzt alles daran, dem Arbeitermilieu ihrer Eltern in Grenoble zu entfliehen. Doch das Leben nach der Schule entpuppt sich als schwierig. Eine erste Liebe, in die sie sich mit Haut und Haaren stürzt, scheitert. Aurélie flieht nach Paris, wo sie sich ein weltläufiges Bohème-Leben als Jura-Studentin erhofft. Doch leider empfindet sie die Seminare und Vorlesungen als tödlich langweilig – also sucht sie sich einen Job als Empfangsdame ohne wirkliche Aufgabe, der nicht minder öde ist.

Auch in der Liebe läuft es alles andere als rund. Aurélie schwankt zwischen dem Langweiler Franck und dem vom Leben enttäuschten Benjamin, der auf sie jedoch keinerlei erotische Ausstrahlung hat. Hinzu kommt die Schwierigkeit, in der Millionenstadt eine halbwegs bezahlbare Wohnung zu finden. Weiterlesen

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Miriam Toews: Ein komplizierter Akt der Liebe

… Die Stadt ist so ernst. Und so still. Und die Stille macht mich verrückt. Ob man daran sterben kann?“ (S. 11)

Nomi erkennt kurz vor ihrem Schulabschluss, dass ihre große Schwester Tash aus einem guten Grund aufgehört hat zu lachen, obwohl oder weil sie das normalste Mitglied der Familie Nickel ist. Sie verließ vor drei Jahren als erste die Familie, den einsamen Ort ihrer Kindheit und die strenggläubige Gemeinde der Mennoniten. Ein paar Monate später verschwindet ihre Mutter Trudi ohne Abschied aus ihrem Leben. Sogar ihr Pass bleibt in der Schublade liegen. Die für sie vorgesehene Zukunft macht Nomi ebenfalls angst. Soll sie wie alle anderen in der Hühnerfabrik von East Village arbeiten und sich an dem täglichen Töten der Tiere beteiligen? Das Einzige, was sie kurz vor ihrem Schritt in die Welt der Erwachsenen weiss, ist, dass ihr der Kompass fehlt.

Miriam Toews zählt zu den wichtigsten kanadischen Gegenwartsautorinnen. Nach einem Studium der Filmwissenschaften und Journalismus arbeitet sie für Presse und Rundfunk. Für ihre Romane Ein komplizierter Akt der Liebe, übersetzt von Christiane Buchner, Die fliegenden Trautmans und Das gläserne Klavier erhielt sie Preise. Weiterlesen

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Markus Orths: Picknick im Dunkeln

Huch! Das erste Buch des Jahres und gleich ein furioser, hoch unterhaltsamer Ritt durch das „Nichts“ oder durch eine Zeitschleife ohne Beginn und Ende;  oder auch, sagen wir,  ein Treffen in der „Seelenzeit“, nämlich da wo man längst tot ist und es relativ egal ist, wann wer gestorben ist. Verstanden? Nun, das ist der Hintergrund dieser metaphysischen Begegnung in vollkommener Dunkelheit, im schwärzesten Schwarz, was man sich vorstellen kann, eben irgendwo auf der anderen Seite, wo Zeit und Raum egal sind, man sich zwar noch verstofflicht fühlt, aber das eben nicht mehr „ist“. Stan Laurel, genau der, der geniale „Doof“ mit dem Partner „Dick“ (Oliver Hardy), also Stan wird wach (obwohl…?) in eben dieser Schwärze und kann sich nichts erklären. Er tastet sich voran und fühlt sogar glatte metallische Wände.

Wir nehmen Teil an diesem Rätsel und auch schon hier startet sein Bericht über sein Aufwachsen, eben über alles, was seine Vita ausmacht, seine Frauengeschichten, seine unbändige Lust Theater zu spielen und die Menschen zum Lachen zu bringen, aber auch seine kummervollen Reisen, als Filmstar auf der einen – und als hoch melancholisch veranlagter Mensch, auf der anderen Seite. Nachdem er sich „eine Zeit lang“ vorgetastet hat, stolpert er über einen Menschen, eher ein Fleischberg in Relation zu ihm. Es handelt sich um den nahezu 700 Jahre vorher verblichenen Thomas von Aquin, großer religiöser Denker seiner Zeit. Weiterlesen

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Eduardo Haflon: Duell

… Ich nahm einen zweiten Schluck, den ich noch unangenehmer fand als den ersten, und gleichzeitig befiel mich ein Gefühl von … Traum … Die alte Frau beobachtete mich mit festem Blick … Es wird Ihnen helfen, Ihre Wahrheit zu sehen … , die Wahrheit, die Sie in sich tragen, sagte sie.“ (S. 59 E-Book)

Der Erzähler hat in seiner Jugend viele Geschichten über seine Familie gehört, manche immer wieder, als gelte es, etwas in der Erinnerung zu verankern, andere überraschen oder irritieren aufgrund des innewohnenden Widerspruchs. Doch ein bestimmter roter Faden zieht sich durch seine Familienbiographie, das Schweigen über Salomon, dem verstorbenen Bruder seines Vaters. Nach seinem Tod wurde niemand mehr in der Familie auf diesen Namen getauft, als wolle man die Tradition dieser Namensvergabe ebenfalls beerdigen.

Im Laufe der Jahre kommen neue Geschichten hinzu, manche halbwahr, manche erfunden. Salomon könnte vollständig in Vergessenheit geraten, wenn nicht dieses im Jahr 1940 entstandene Foto aus New York wäre. Weiterlesen

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Jenn Lyons: Drachengesänge 01: Der Untergang der Könige

Höret die Mär von einem Jungen aus den Elendsvierteln Quurs, der auszog, die Götter zu prüfen und die Welt zu retten oder sie zu verdammen. Doch lassen wir doch den jungen, inzwischen zum Manne Gereiften selbst zu Wort kommen. Die Saga beginnt – mehr als passend – in einer Kerkerzelle. Kihrin, so heißt unser unfreiwilliger Erzähler, wartet hier auf seinen schmerzhaften Tod. Bewacht von Klaue, einem Seelenfresser, der dank seiner Fähigkeit, die Gedanken Kihrins zu lesen, all seine magischen Fähigkeiten blockieren kann, vertreiben sich die Beiden, der Eine neugierig, der Andere gezwungenermaßen, die Zeit damit, das Leben des Gefangenen Revue passieren zu lassen.

Abwechselnd berichtet Kihrin selbst, dann wieder sein Kerkermeister, der den Jungen seit Jahrzehnten in unterschiedlichsten Körpern – ja, auch verführerische Frauen waren darunter! – verfolgt hat, von und aus dessen Leben. Während Kihrin selbst seine Jugend unter den Tisch fallen lassen will, nutzt Klaue seine intime Kenntnis der Vorgänge, um uns hier einen so manches Mal nicht gerade vorteilshaften Einblick in das Leben des Jungen zu geben. Aufgewachsen in einem Bordell Quurs, aufgezogen von der Puffmutter und einem Sänger begibt sich der Junge schon bald auf Abwege – sprich, er stiehlt, wenn auch aus noblen Motiven. Dass er eines Tages ein scheinbar verlassenes Haus besucht, in dem gerade eine dunkle Beschwörung eines Dämons stattfindet, bringt die Geschehnisse erst so richtig ins Rollen. Verfolgt von dem Dämon, wird er als Sprössling eines der die Stadt beherrschenden Adelsgeschlechter erkannt und ins Anwesen geholt. Dass seine Freunde dabei von Klaue mitleidlos gemeuchelt werden, dass er sich seinem vorgeblichen sadistischen Vater ohne Freunde stellen muss, erschwert sein Dasein. Weiterlesen

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