Anne Barns: Der Geschmack von Sommer und Karamell

Sommer, Sonne, Inselfeeling, Meerluft und barfuß im Sand laufen – was braucht man im Sommer eigentlich mehr? Leider haben wir das nicht alle und zu jeder Zeit. Umso schöner, wenn man, wie Ella, ziemlich überraschend zu zwei Wochen Urlaub auf Amrum eingeladen wird.

Oma Henny überrascht ihre Familie an ihrem 78. Geburtstag mit der Ankündigung: Ich fahre übrigens in ein paar Tagen für zwei Wochen nach Amrum. Aha! Und wie sich herausstellt, ist alles schon von langer Hand geplant, das Ferienhaus schon vor Monaten gebucht und Oma ist fest davon ausgegangen, dass ihre Enkelin Ella es sein wird, die sich bereiterklärt, mit ihr zu fahren. Ella ist Kinderbuchillustratorin, kann also eigentlich überall arbeiten und ein Urlaub täte ihr wohl auch ganz gut. Ella steckt grade in einer Schaffenskrise, ihre Back-Elfe, die sie gerne zeichnen würde, nimmt nicht richtig Gestalt an. Also warum nicht? Außerdem ist Ella neugierig auf die Geheimnisse, die Oma anscheinend hat, wenn es um Amrum und die Zeit geht, die sie vor vielen Jahren dort verbracht hat. Die Idee, jetzt, nach mehr als 60 Jahren wieder einmal Urlaub auf der Insel zu machen, kommt nicht von ungefähr, wie Oma zugibt. Ein Freund aus früherer Zeit hat sie zu seinem Geburtstag eingeladen, und sie möchte die Gelegenheit nutzen, alte Freundschaften vielleicht wieder aufleben zu lassen oder eben festzustellen, dass das nicht mehr geht.

Dass Ella sie begleiten wird, gibt ihr ein bisschen Halt. Unterwegs und während der Zeit auf Amrum erzählt Henny dann von früher. Wie sie zuerst mit 12 Jahren nach Amrum geschickt worden war, weil sie krank war und sich dort in der guten Meerluft erholen sollte, wie sie Angst davor hatte, in dem Erholungsheim fremd und allein zu sein und dann aber gleich eine gute Freundin gefunden hat. Einige Jahre war sie dann regelmäßig dort, hat sich auf ihre Amrumer Clique gefreut und sich verliebt. Mit 18 hat sie auf der Insel gejobbt, um sich Geld für’s Studium zu verdienen. Danach war sie nie mehr auf der Insel. Bis jetzt die Einladung zu Riewerts Geburtstag kam.

Bei Friesentorte und Tee, auf Spaziergängen und abends im gemütlichen Ferienhaus erfährt Ella nach und nach, was ihre Oma an Amrum so fasziniert hat, erfährt von ihrer besten Freundin, die sie später nie mehr wiedersehen wollte und von der Enttäuschung, die sie auf der Insel erlebt hat. Aber auch, wie sehr sie sich freut, jetzt noch einmal gekommen zu sein und die alten Freunde zu treffen, auch wenn sie nicht weiß, wie das verlaufen wird.  Ella ist gespannt, freut sich, ihre Oma begleiten zu können, aber sie macht auch selbst die Erfahrung, wie sehr die Insel sie verändert. Ihre Back-Elfe nimmt Gestalt an, sie malt und zeichnet mit Begeisterung und lernt Menschen kennen, die ihr sehr bald viel bedeuten.

Ein leichter, unterhaltsamer, liebevoller Sommerroman mit viel Inselflair und Friesenart. Duft und Geschmack von Karamell und Meerluft spürt man förmlich beim Lesen. 

Anne Barns: Der Geschmack von Sommer und Karamell
Rowohlt, Mai 2026
368 Seiten, Taschenbuch, 14,00 Euro

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Ertz.

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