Garry Disher: Kaltes Licht

Fünf Jahre nach seiner Frühpensionierung kehrt Adam Auhl in den Polizeidienst zurück. Zu seinen Hauptaufgaben gehört die Bearbeitung der kalten, also ungeklärten Mordfälle. Doch dann wird ein Skelett unter einem scheinbar alten Betonfundament gefunden. Die Umstände und Spurenlage weisen auf einen Mord hin, der recht bald mit der Ermordung einer jungen Frau in Verbindung gebracht wird. Damals liefen die Ermittlungen ins Leere, weil der mutmaßliche Täter verschwunden war. Neue Indizien verändern die Ausgangslage, so dass Sergeant Auhl seine Kollegen in diesem komplizierten Fall unterstützen soll.

Vergessliche Zeugen, Halbwahrheiten und Lügen sowie Medienrummel erweisen sich als wenig hilfreich.

Und während Auhl mit den Widerständen bei den Ermittlungen innerhalb und außerhalb der Polizeibehörde kämpft, kündigen sich in seinem Privatleben Veränderungen an. Seine Frau geht nun endgültig eigene Wege. Gleichzeitig bringen neue Untermieter dem sozial engagierten Sergeant Probleme ins Haus, die seine Werte vollständig in Frage stellen.

Der Vielschreiber Garry Disher zeigt anschaulich und unterhaltsam die Ermittlungsarbeit einiger australischer Polizisten, die hinter den Stümpereien ihrer Kollegen aufräumen. Wenn die Spuren kalt beziehungsweise verloren gegangen sind, kann aus der Sicht des Dienstältesten Adam Auhl nur noch Intuition den mutmaßlichen Mörder überführen. Garry Disher führt den Leser in eine Gesellschaft, die sich von einer frauenfeindlichen Seite zeigt. Der patriarchal denkende Mann tritt hier aggressiv, bestimmend, frauenverachtend, vergewaltigend und mordend in Erscheinung. Dies kann und will dem freundlichen Auhl nicht gefallen. Er stellt sich auf die Seite der Opfer, deren Rechte und Würde auch vor Gericht mißachtet werden. Doch sein Eingreifen als Polizist ist an gesetzliche Regeln gebunden und führt nicht immer ans Ziel. Aus diesem Konflikt heraus baut sich ein Spannungsbogen auf, der in einem grandiosen Finale mündet.

Der präzise geschriebene und von Peter Torberg übersetzte Kriminalroman liest sich wie ein grausiges Drama, in dem unterschiedliche Verbrechen einem menschenverachtenden Muster folgen. Die wenigen Polizisten scheinen der Vielzahl an mutmaßlichen Tätern kaum gewachsen zu sein. Es sind einfach zu viele.

Krimifreunde, die von seichter Kost die Nase voll haben, werden in Garry Disher ihren neuen Lieblingsautoren finden.

Garry Disher: Kaltes Licht.
Unionsverlag, Juli 2019.
320 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Bovenkerk-Müller.

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