Luise Berg-Ehlers: Berühmte Kinderbuch-Autorinnen und ihre Heldinnen und Helden

Was haben Der kleine Lord, Heidi und Harry Potter gemeinsam? Was verbindet diese Heldinnen und Helden? Sie alle wurden von Autorinnen erdacht, die Dank dieser Fantasiefiguren im wörtlichen wie im übertragenen Sinn ihrer Welt entfliehen konnten.

Luise Berg-Ehlers hat in dem schmalen Band kurze, aber spannende Biografien zusammengetragen. Sie erzählt aus dem Leben von Jean Webster (Daddy Langbein), von Else Ury (Nesthäkchen), von Enid Blyton (Fünf Freunde), Cornelia Funke (Drachenreiter) und vielen anderen. Alle diese Schriftstellerinnen, ob sie im 19. oder im 20. Jahrhundert gelebt und geschrieben haben, hatten mit ähnlichen Schwierigkeiten, mit vergleichbaren Lebenssituationen zu kämpfen. Und, so kommt es der Leserin des Buches vor, alle haben für die Rechte der Frauen einiges erreicht.

Denn auch im 20. Jahrhundert und sogar noch in dessen zweiter Hälfte, mussten Frauen als Autorinnen ihre Vornamen auf die Initialen beschränken, damit sich ihre Bücher, besonders wenn sie von Abenteuer und fantastischen Reisen erzählten, besser verkaufen. Denn, so der Hintergedanke der Verleger, dann würden die Leser glauben, das Buch sei von einem Mann geschrieben. Sogar für Joanne Rowling gilt dies, auch sie musste ihre Harry-Potter-Bücher unter dem Namen J.K. Rowling verkaufen, „da Jungen andernfalls wohl kaum ihre Bücher lesen würden“ (Seite 11). Weiterlesen

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Dr. Jürgen Todenhöfer: Die große Heuchelei: Wie Politik und Medien unsere Werte verraten

„Die Außenpolitik des Westens beruht auf einer zentralen Lüge: Seine oft terroristischen Militärinterventionen dienen nie der Freiheit und Demokratie, sondern stets ökonomischen und geostrategischen Interessen.“ Das ist die Kernaussage des Buchs „Die große Heuchelei“ von Jürgen Todenhöfer. Und das ist wirklich keine angenehme Botschaft.

Zusammen mit seinem Sohn hat Todenhöfer weltweit Krisengebiete besucht, unbeschreibliche Gräuel gesehen und weit mehr Hintergründe in Erfahrung gebracht, als den meisten von uns bekannt sind. Insbesondere die USA stehen bei ihm in der Kritik als intrigante Machtstrategen, deren brutale militärische Vorgehensweise oft genug nicht zum gewünschten Ziel führt, sondern destabilisierend wirkt und den Terrorismus gar erst hervorgebracht hat. So erklärt Todenhöfer, dass die USA Israel helfen wollten, mit dem Iran und seinem Nuklearprogramm fertig zu werden. Dazu sollten die Syrer dabei unterstützt werden, das Assad-Regime zu stürzen. Tatsächlich aber führte dies dazu, den Iran zu stärken und Russlands Position im Nahen Osten zu verbessern.

In Deutschland ist man nach dem Krieg mit dem sicheren Glauben aufgewachsen, die USA seien „die Guten“ in der Welt. Daran zweifelt wohl so mancher schon seit längerem. Und je mehr man im Buch liest, desto eindeutiger wird, dass es in dieser Welt nicht um Gut oder Böse geht. Weiterlesen

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Stephan Waldscheidt: Die Stimme

Ein weiterer wichtiger Ratgeber, der sich nahtlos an den kurz zuvor herausgegebenen Titel „Der Erzähler“ anschließt. Ein Sachbuch, das sich eines sehr spezifischen Themenbereichs des Kreativen Schreibens annimmt: den Stimmen von Autor, Erzähler und Charakteren.

Auch dieses, das neueste Buch von Stephan Waldscheidt, ist vor allem für fortgeschrittene Romanautoren geeignet. Sich der eigenen, der Autorenstimme, bewusst zu werden, zu lernen, sie von der Stimme des Erzählers unterscheidbar zu machen und darüber hinaus die Stimmen der Charaktere des Romans individuell zu gestalten, das erfordert Erfahrung, viel Selbsterkenntnis und Üben, Üben, Üben.

Stephan Waldscheidt, der mit diesem Buch seinen, nach eigenen Angaben, siebzehnten Schreibratgeber herausgebracht hat, dringt hier tief ein in all das, was eine Stimme ausmacht. Er hinterfragt, wie Stimme „entsteht“, was sie formt und wodurch sich die Stimme des einen von der des anderen unterscheidet. Diese analytische Betrachtung führt dann logisch dahin, zu lernen, wie es Autor*innen gelingen kann, die Stimme des Erzählers so auszugestalten, dass sie sich erkennbar von der Autorenstimme absetzt. Dabei scheint, so Waldscheidt, die Autorenstimme doch immer durch, so sehr sich die Verfasser von Romanen auch bemühen, ihre eigene Stimme zum Schweigen zu bringen. Als Beispiel verweist er auf Joanne K. Rowling, die unter einem Pseudonym ihre Krimis um den Detektiv Cormoran Strike veröffentlichen wollte. Eine Spracherkennungssoftware war dennoch im Stande, die Stimmmuster der Autorin der Harry-Potter-Romane auch in diesen Krimis wiederzuerkennen. Weiterlesen

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Stephan Waldscheidt: Der Erzähler

„Jedes Wort, das der Leser in Ihrem Roman liest, kommt vom Erzähler.“ (Seite 12). Wenn sich das doch mehr Autoren zu Herzen nehmen würden. Dann würde auch manche Rezension positiver ausfallen.

Ich gestehe, ich bin ein großer Fan der Sachbücher von Stephan Waldscheidt, die sich alle mit dem Thema Kreatives Schreiben befassen. Stephan Waldscheidt hat bereits etliche Bücher über verschiedene Aspekte des Kreativen Schreibens veröffentlicht. Außerdem schreibt er in entsprechenden Zeitschriften, Foren und Blogs. Unter verschiedenen Pseudonymen verfasst er Romane und Thriller.

Was seine Bücher von den vielen anderen Ratgebern für Autoren unterscheidet ist, dass sie sich mit ganz spezifischen Aspekten innerhalb des Themas Kreatives Schreiben befassen. Davon zeugt der Ober-Titel der Reihe „Meisterkurs Romane schreiben“ und dafür ist das vorliegende Buch ein weiteres Beispiel.

Dabei sollte auch die Rezension nicht verschweigen, dass dieser Ratgeber eher für Fortgeschrittene, für Autoren mit einiger Schreiberfahrung geeignet ist. Waldscheidt sagt dies selbst im Vorwort, mit der Ergänzung, dass natürlich auch Roman-Anfänger herzlich eingeladen sind, das Buch zu lesen. Sie werden dabei allerdings von vielen Problemstellungen lesen, denen sie vermutlich bislang noch nicht begegnet sind. Wobei ich hinzufügen möchte, dass selbstverständlich auch Autoren von Kurzgeschichten von der Lektüre dieses Buches durchaus profitieren können. Weiterlesen

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Wolfram Weimer: Der vergessene Erfinder – Wie Philipp Reis das Telefon erfand

Wissen Sie, wer das Telefon erfunden hat? Den meisten Menschen, denen man diese Frage stellt, wird entweder nichts dazu einfallen oder sie nennen den Amerikaner Graham Bell. Dass Bell nur der „Weiterentwickler“ des Telefonapparats und nicht der Erfinder war, hat er selbst nicht verschwiegen, doch auch seine offensive Vermarktung ließ den wahren Erfinder, Philipp Reis, in Vergessenheit geraten.

Diesem Umstand will Wolfram Weimer mit seiner Geschichte über Philipp Reis und das Telefon entgegenwirken. Auf Seite 7 seines Buches „Der vergessene Erfinder – Wie Philipp Reis das Telefon erfand“ schreibt er: Dieses Buch soll einem großartigen Mann, dem es das Leben schwer machte, den Respekt und die Sichtbarkeit geben, den er verdient hat.

Das gelingt Wolfram Weimer mit seinem Buch und dass er mit Herzblut bei der Sache ist, merkt man jeder Seite an. Er berichtet von der Kindheit und Jugend von Philipp Reis, der schon früh die Eltern verlor, von seiner Tätigkeit als Lehrer und vor allem von seinen Tüfteleien und Erfindungen.

Denn das Telefon war nur eins der Dinge, die sich Reis in seinem klugen Kopf ausgedacht hat. In seiner Scheune bastelte er mit einfachsten Mitteln seinen ersten Telefonapparat. Die Hauptbestandteile waren eine aus Holz geschnitzten Ohrmuschel, eine Hasenblase, eine Stricknadel und ein Geigenkasten. Doch die Würdigung dieses Apparats, der die Kommunikation auf der Welt revolutionieren sollte, hielt sich in engen Grenzen. Da er nicht studiert hatte, wurde seine Leistung von vielen einflussreichen Professoren nicht anerkannt, ja, sogar verlacht. Weiterlesen

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Alex Rogers: Das große tiefe Blau

Das große tiefe Blau des Meeres hat Alex Rogers schon als Kind fasziniert. An der irischen Küste fischte sein Großvater, während der Junge Alex die von der Ebbe freigelegten Meeresbewohner untersuchte. Heute zählt er zu den international bedeutendsten Ozeanologen.

Viele Forschungen haben ihm die Fülle an Leben in der Tiefsee vor Augen geführt und begeistert. Wie wichtig die Artenvielfalt in den unterschiedlichsten Korallenriffen ist, erfährt der Laie, wenn Rogers über seine Erlebnisse berichtet. Ob es sich um einen beißenden Wurm aus der Tiefsee handelt oder was passiert, wenn Korallen laichen. Der Autor weiß ganz genau, wie er seine Leser auf seine Tauchgänge mitnehmen kann. Dass jede Reise auch ernüchternde Erkenntnisse beinhaltet, beschreibt Alex Rogers ebenfalls anhand des Fischfangs mit Schleppnetzen. Bei dieser Methode werden tonnenschwere Tore auf Rädern über die Hänge von Tiefseegebirgen und Korallenriffen gezogen. Zurück bleibt eine fast 100 %-ige Zerstörung der Lebensgrundlage aller Meeresbewohner, direkt oder indirekt. Man könnte diese Art von Fischfang im übertragenden Sinne mit dem Roden eines Waldes vergleichen, um ein einzelnes Eichhörnchen zu erlegen. Weiterlesen

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John Burnside: Über Liebe und Magie – I Put a Spell on You

Es ist ein sehr persönliches Bekenntnis, was John Burnside über Liebe und Magie schreibt, und wenn ein Autor in einer solch schonungslos offenen und ehrlichen Weise seine Seele öffnet, ist das, was für ihn selbst eine Form von Aufarbeitung und letztlich Therapie darstellt, für LeserInnen ein absoluter Glücksfall.

Burnside beleuchtet die Liebe in allen Facetten von beglückend bis zerstörend und stellt sich dem zuvor Unergründlichen. Der Text zeigt wunderbar plastisch seine Kindheit mit den ärmlichen Familienverhältnissen in einer schottischen Bergarbeiterstadt auf. – Alles in allem keine optimalen Voraussetzungen für einen positiven Lebensablauf. Auf seinen alkoholsüchtigen, gewalttätigen Vater, einen Gelegenheitsarbeiter, entwickelt er einen Hass. Doch die Mutter beweist Stärke. Sie meistert den nahezu unerträglichen Alltag und kann Vieles ausgleichen. Sie bringt dem Sohn mit ausgeliehenen Zeitschriften das Lesen bei und weitere Fähigkeiten, wie später das Backen. Bei seiner Cousine, in die er sich zum ersten Mal unglücklich verliebt, hört er den Song I put a spell on you, was den Nerv seiner Empfindungen trifft und ihn darin gefangen hält. Überhaupt ist Musik ein Signalgeber für seine Empathie. Erinnerungen an viele Songs und Fenster in die damit verbundene Vergangenheit tun sich auf, so zum Beispiel auch das Bild von der Mutter in der Küche, die beim Lauschen von Musik ebenso wie er in eine andere Welt einzutauchen schien. Weiterlesen

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Andrea Camilleri: Brief an Matilda: Ein italienisches Leben

Der in diesem Sommer mit 93 Jahren verstorbene italienische Schriftsteller und Theaterregisseur Andrea Camilleri gewährt uns mit seinem „Brief an Matilda“ einen Einblick in sein „italienisches Leben“ wie es im Untertitel heißt. Das Buch ist in einer Übersetzung von Annette Kopetzki am 19. November 2019 im Kindler Verlag erschienen.

Matilda ist Camilleris Urenkelin und vier Jahre alt, als Camilleri kurz vor seinem 92. Geburtstag beschließt, ihr einen Brief zu schreiben, der sie als Erwachsene an ihren Urgroßvater und sein Leben erinnern soll.

Darin berichtet er ihr von seinem Aufwachsen in Porto Empedocle auf Sizilien, der Herrschaft von Benito Mussolini und seiner ersten Begeisterung für den Faschismus. Mit fünf Jahren lernt Camilleri lesen und hört nie wieder damit auf. Camilleri wendet sich früh wieder ab vom Faschismus, wie auch vom katholischen Glauben. In der Schule ist er ein mittelmäßiger, unangepasster Schüler. Er beginnt, Texte zu schreiben. 1947 verlässt Camilleri Sizilien in Richtung Florenz, später geht er nach Rom. Zunächst arbeitet er als Journalist und wird Mitglied der kommunistischen Partei.

Er sagt über sich: „Im Herzen bin ich immer Kommunist geblieben, natürlich auf meine Weise, liebe Matilda, denn über die Schäden und Gräuel, die der Stalinismus angerichtet hat, konnte ich nicht hinwegsehen.“ (S. 54)

In Rom lernt er Rosetta Dello Siesto kennen und heiratet sie. Sie bekommen drei Töchter. Weiterlesen

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Carola Rackete: Handeln statt Hoffen: Aufruf an die letzte Generation

Wer kann sich nicht an die Bilder in den Nachrichten erinnern, die Bilder der jungen Kapitänin, die sich dem damaligen italienischen Innenminister entgegenstellte und mit ihrem Rettungsschiff im Hafen von Lampedusa anlegte, um die aus Seenot geretteten Flüchtlinge in einen sicheren Hafen zu bringen. Wer kann ernsthaft all die Bilder von kranken, verletzten, verstörten und geschundenen Menschen vergessen, die auf seeuntüchtigen Schlauchbooten über das Mittelmeer flüchten, vor Armut, vor Hunger, Missbrauch und Versklavung.

In diesem Buch erzählt Carola Rackete die Geschichte dieser Rettung aus ihrer Sicht und sie erzählt, warum Menschen unter Lebensgefahr über das Meer flüchten. Und sie erklärt, was wir alle tun können, tun müssen, um die Welt so zu verändern, dass niemand mehr solch eine Flucht wagen muss.

Carola Rackete, geboren 1988, hat Nautik und Naturschutzmanagement studiert. Sie ist auf Forschungsschiffen in der Arktis und in der Antarktis gefahren, sie hat an zahlreichen Naturschutzprojekten auf allen Kontinenten mitgearbeitet. Und sie arbeitet in ihrer Freizeit in der zivilen Seenotrettung. Rackete gehört der Bewegung Extinction Rebellion an, die gegen die Klimakrise kämpft. Weiterlesen

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Bruno Schrep: Nachts ist jeder ein Feind: Wahre Geschichten

Schon die erste Geschichte geht mir an die Nieren und macht mich gleichzeitig wütend. Sie handelt von Alexandru Nicolae Talianu, einem Obdachlosen aus Rumänien, der mit 32 Jahren in Hamburg gestorben ist. Warum, frage ich mich, gelingt es in unserem wohlhabenden Land nicht, allen Menschen eine Chance zu geben?

Talianu war kein Engel. Eine Jugend auf den Straßen von Bukarest, Drogen, Alkohol, Kriminalität. Aber er hatte einen Traum von der Zukunft, den er in Deutschland verfolgen wollte und an dem er gnadenlos scheiterte. Und daran war nicht nur er selbst schuld.

Was mich an den Geschichten von Bruno Schrep fasziniert hat, ist ihre Mehrdimensionalität und Vielschichtigkeit. Der Spiegel-Reporter und Autor blickt aus unterschiedlichen Perspektiven auf die „Fälle“, über die er berichtet. Nicht schwarz und weiß oder gut und böse, ohne Voyeurismus, sondern differenziert und konzentriert auf wenigen Seiten. Immer bleibt der Raum für die Leserinnen und Leser, zu überlegen: Wie sehe ich die Sache? Wie hätte ich reagiert?

Manchmal spürt man Sympathie des Autors für die eine oder andere Seite, aber immer bleibt er sachlich und löst gerade dadurch Gefühle in mir aus – allerdings nur selten positive.

Seine wahren Geschichten rütteln auf, wecken ab und an auch Verständnis für die Beteiligten. Ich habe mich nicht nur einmal gefragt: Wie kann so etwas passieren? Was ist hier schiefgelaufen? Aber auch bemerkt: So habe ich das noch nie gesehen. Weiterlesen

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