Benoîte Groult: Vom Fischen und von der Liebe – Mein irisches Tagebuch (1977-2003)

Benoîte Groult, die französische Journalistin, Schriftstellerin und Feministin ist seit 2016 tot. Ihr Roman Salz auf unserer Haut, das die leidenschaftliche Liebe einer Pariser Intellektuellen mit einem bretonischen Fischer beschreibt, wurde ein internationaler Bestseller. Als ihr letztes Werk wollte Benoîte Groult ihr irisches Tagebuch veröffentlichen, das sie jedoch wegen ihrer Alzheimerkrankheit nicht mehr ausführen konnte. Blandine de Caunes, die Tochter von Benoîte Groult, hat sich dem Projekt ihrer Mutter angenommen und ihre jahrelangen Aufzeichnungen aus ihrem regulären wie ihrem intimen Tagebuch gesichtet. Zusammen mit den Logbüchern der passionierten Fischerin Benoîte Groult, in denen diese akribisch notierte, welche und wie viele Fische sie zusammen mit ihrem Mann wo und wann gefangen hat, ist es ihr gelungen, ein atmosphärisch dichtes Lebensbild ihrer Mutter aufzuzeichnen.

Auch der bretonische Fischer ihres Bestsellers, der in Wirklichkeit ein amerikanischer Pilot war, ist natürlich eine der Figuren in diesem Buch. Schade, dass Kurt in intellektueller Hinsicht so viel zu Wünschen übrig lässt. Er spricht nicht mal Französisch… (eBook S. 88) Die Aufzeichnungen über Kurt lesen sich wie in Salz auf unserer Haut leidenschaftlich impulsiv. 

Über ihre Wahlheimat Irland notiert Groult einmal: Irland ist ein Seelenzustand, eine Lebensweise und mir gefällt diese Lebensweise. Ich atme die Luft ein, wie man quellreines Wasser trinkt. (eBook S.92) Weiterlesen

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Darren McGarvey: Armutssafari

Darren McGarvey, geboren 1984, ist in einem Glasgower Problemviertel in einer dysfunktionalen Familie aufgewachsen. Seine psychisch kranke sowie alkohol- und drogensüchtige Mutter hat ihn schwer vernachlässigt. Der Autor beschreibt unter anderem, wie sie ihn zum Zigaretten holen in einem heftigen Sturm nach draußen schickt und sich dann gemeinsam mit ihrem Lover auf dem Balkon darüber schieflacht, wie der kleine Darren fast wegfliegt und Todesangst aussteht.

Wenn so jemand ein Buch über die Unterschicht schreibt, ist das per se glaubwürdiger, als wenn es ein Professor tut, der in gut behüteten Kreisen aufgewachsen ist.

„Armutssafari“ von Darren McGarvey, der auch als Rapper Loki bekannt ist, ist allerdings kein Roman. Es ist eine Mischung aus Autobiographie und soziologischen beziehungsweise sozialpsychologischen Überlegungen. Seine Kernbotschaft: Nicht nur die äußeren Umstände sind es, die die Menschen in die Armut und das Elend treiben, sondern auch ihre innere Einstellung, die durch jahrelanges Leben in den immergleichen Kreisen entstanden ist. McGarvey beschreibt anhand seiner eigenen Biographie, wie er sich selbst durch eine Änderung seiner Einstellungen zu einem besseren Leben verholfen hat. Weiterlesen

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Doris Dörrie: Leben, schreiben, atmen: Eine Einladung zum Schreiben

Über rote Blumen schreiben, über große Pril-Flaschen, tiefgekühlte Erbsen oder Q-tips? Kein Problem für Doris Dörrie. Und sicher auch nicht für die Leserinnen und Leser ihres neuen Buches „Leben, schreiben, atmen“, die sich von ihr mitnehmen lassen in eine Welt voller Erinnerungen und Anregungen. Denn nichts ist zu gering, um als Inspiration für das eigene Schreiben dienen zu können.

Es geht dabei nicht darum, perfekt zu schreiben oder um etwas, das sich gut verkauft, sondern darum, sich selbst besser kennenzulernen und das eigene Leben bewusst wahrzunehmen.

Schreibend erinnere ich mich an mich selbst. Was ist in meinem Gehirn an Bildern und Tönen gespeichert, was für Erinnerungen an Menschen, Orte, Tiere, Gefühle? Jeder von uns ist einzigartig. Niemand hat genau die gleichen Erinnerungen an dieselbe Begebenheit.“ (Seite 10)

Sie rät dazu, einfach loszuschreiben, ohne nachzudenken und ohne anzuhalten. Wohin dieses freie Assoziieren führt, kann man vorher nie sagen. So kommt sie zum Beispiel vom Herbst mit seinen Kastanien zum Tennisclub, an dem sie als Kind immer mit der Straßenbahn vorbeigefahren ist, und zur braungebrannten Gabi, die viel mehr vom Leben wusste als die kleine Doris. Weiterlesen

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Ester Gonstalla: Das Klimabuch

Das Thema Klima beschäftigt inzwischen viele Menschen. Die einen werden es nicht müde, eine von menschenverursachte Klimaveränderung zu negieren, die anderen leiden bereits darunter. Letztendlich dürfte es entscheidend sein, dass sich jeder fundiert informiert. Am besten von Wissenschaftlern, die wissen, wovon sie reden. Esther Gonstalla hatte den kühnen Gedanken, die Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen grafisch darzustellen.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Klare Bilder, klare Worte und klare Aussagen haben das umfangreiche Thema überschaubar gemacht. Unmissverständlich werden die Zusammenhänge und Kettenreaktionen dargestellt. In den ersten Kapiteln zeigen die Grafiken vereint den Ist-Zustand, wie Klima funktioniert und was passiert, wenn der natürliche Kreislauf von Menschen weiterhin zerstört wird. Im letzten Kapitel präsentiert Ester Gonstalla viel mehr als nur die bekannten Weisheiten. An den Beispielen der grünen Suchmaschine, dem grünen Unternehmen oder den vorbildlichen Leistungen anderer Länder erweitert die Autorin den Fokus. Weiterlesen

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Mira Ungewitter: Roadtrip mit Gott

Frei will sie sein, die kleine Mira, selbst entscheiden und machen, was sie möchte. Schon als fünfjährige im Spanienurlaub ignoriert sie die ausgestreckte Hand des Vaters, der ihr beim Sprung auf einen Felsen Sicherheit geben will. Die Konsequenz ist eine blutende Wunde am Hals und eine zarte Narbe, die sie heute liebt. Dazwischen liegen ein verweinter Vater, der Mira zum Arzt bringen möchte, und eine gelassene Mutter, die sie stundenlang streichelt und in den Schlaf singt bis der Schmerz fast vergessen ist.

Auch für die erwachsene Mira Ungewitter – derzeit Pastorin in der projekt:gemeinde in Wien – ist Freiheit ein Wert, ohne den sie sich das Leben nicht vorstellen kann. „Ich glaube, dass Gott mir die Freiheit gibt, ein neugieriges Leben zu führen. Wenn Glaube nicht befreit, wenn er nicht den Wert der Lebensqualität steigert, wenn er nicht mutiger macht, läuft aus meiner Sicht etwas falsch“, schreibt sie am Ende des ersten Kapitels „Neugierig und Frei“.

In ihrem Buch „Roadtrip mit Gott“ erzählt sie davon, wie sie ihren Weg gefunden hat, von den Menschen, die sie geprägt haben und von denen sie gelernt hat. Und sie spricht von ihrer Beziehung zu Gott, von ihrer Suche, ihren Zweifeln und dem Halt, den ihr der Glaube gibt. Weiterlesen

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Marianne Salentin-Träger: Moodboards

Moodboards sind schon lange bekannt als Methode der Darstellung von Visionen, Wünschen, Plänen. In der Architektur, bei Designern oder auch bei Drehbuchautoren kommen Moodboards (auf Deutsch vielleicht zu übersetzen mit Stimmungstafel oder Visionswand, aber wie so oft trifft keine Übersetzung die wirkliche Bedeutung des englischen Ausdrucks) zum Einsatz. Auch für die private Anwendung gibt es inzwischen diesen Trend.

Um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen: dieses Buch hat mich sehr enttäuscht. Wobei ich mir durchaus bewusst bin, dass enttäuschen von täuschen kommt, d.h. man hat sich in seinen Erwartungen getäuscht. Von daher sind Enttäuschungen etwas sehr persönliches, so wie auch die Beurteilung eines Buchs vor allem Geschmacksache ist.

Meine Erwartung jedenfalls war, dass mir dieses Buch etwas über Moodboards und ihre Gestaltung erzählt, mir Anregungen gibt, Tipps und Beispiele. Doch nur ganze zehn Seiten von den insgesamt 160 Seiten des Buchs widmen sich diesen konkreten Fragen. Der Rest ist eine Zusammenfassung von bekannten Erkenntnissen, mit reichlich Binsenweisheiten und viel Wiederholung. Weiterlesen

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Annette Sabersky: Besser essen ohne Zusatzstoffe

Irgendwann war der Witz da und auch lustig. Jemand sagte stolz, er habe heute lecker gekocht. Er habe eine Dose aufgemacht.

An den Dosen hat sich wenig geändert. Sie bekamen unzählige Geschwisterchen in Gestalt von gefrorenen, gekühlten, eingeschweißten Fertiggerichten. Auch anderes wird fertig zubereitet, bunt verpackt offeriert, in Tuben, Gläsern, Bechern, Tüten. Sie alle haben eines gemeinsam: Der Inhalt wurde haltbar gemacht und mit Geschmack aufgewertet.

Der Preis für das Delegieren des Selber-Kochens kennt keine Grenzen: Bei wenigen Cents für eine Tütensuppe geht es los.

Besser essen könnte für den Eiligen, Immer-Beschäftigten bedeuten: billig (in erster Linie für den Hersteller), viel, lecker süß oder salzig. Manches macht sogar satt.

Die Ernährungswissenschaftlerin Annette Sabersky versteht unter besser essen einen Speiseplan mit so wenig Chemie und Zusatzstoffen wie möglich. Das Ziel ihrer Aufklärung über Zusatzstoffe aller Art richtet sich auf eine gesunde Ernährung und ein Bewusstsein für gesunde Nahrung. Vor allen Dingen dieses Bewusstsein will sie wecken und bietet in den letzten Kapiteln hilfreiche Hinweise, wie man ohne Zusatzstoffe ganz einfach Lebensmittel haltbar macht oder zubereitet. Weiterlesen

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Jaron Lanier: Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst

2014 erhielt der 1960 in New York geborene Jaron Lanier den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Ein Journalist fragte ihn nach einer Buchpräsentation, was er von Social Media halte. Die anschließende Diskussion veranlasste den Autoren, sein Wissen in einem Buch zusammenzufassen. Es wurde eine emotionale, engagierte Auflistung von Gründen, warum Social Media Accounts gelöscht werden müssen:

… Früher … konnte man sehen, ob ein Produkt sich besser verkauft. … Heute messen Social-Media-Konzerne, ob der Einzelne sein Verhalten geändert hat, und der Feed wird für jeden Anwender ständig optimiert, um dessen individuelles Verhalten zu ändern.“ (S. 41)

Als Internetpionier der ersten Stunde schrieb er wegweisende Programme. Anfangs teilte er die Meinung seiner Kollegen, das Internet solle kostenlos sein. In verschiedenen Foren tauschte er seine Erfahrungen aus, bis ihm etwas auffiel, das er drastisch formuliert und mit der Gruppendynamik begründet: „… Ich habe es … erlebt, dass ich online zum Arschloch wurde, und das war beängstigend und deprimierend.“ (S. 59) Weiterlesen

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Katja Oskamp: Marzahn, mon amour: Geschichten einer Fußpflegerin

Katja Oskamp gehört zu den vielen Autorinnen, die vom Schreiben allein nicht leben können. Also muss sie zusätzlich einem (anderen) Job nachgehen. Die 49-jährige Berlinerin hat sich für die Fußpflege im Berliner Problemstadtteil Marzahn entschieden – und aus ihren Erlebnissen dabei ein wunderschönes Buch gemacht.

Es strahlt von der ersten bis zur letzten Seite eine enorme Herzenswärme und Liebe zu den Menschen aus, die sie besuchen. Da gibt‘s zum Beispiel jene Seniorinnen, die sich trotz körperlicher Gebrechen die gute Laune nicht verderben lassen, oder den etwas griesgrämigen ehemaligen DDR-Funktionär, der die Ich-Erzählerin rundheraus zum gemeinsamen Sex einlädt, oder Männer, die von der Ehefrau zwangsverpflichtet werden, zur Fußpflege zu gehen. Weiterlesen

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Hollmann/Johanus: Romane schreiben und veröffentlichen für Dummies

Ein typisches Dummies-Buch, mit all den bekannten Strukturen, den Symbolen, den Cartoons, dem Aufbau. Es ist ein für Anfänger sehr gut geeignetes und geschriebenes Nachschlagewerk, deckt es doch all die Bereiche ab, die einen angehenden Autor interessieren mögen.

Axel Hollmann und Marcus Johanus sind bekannt durch ihren Kanal „Die Schreib-Dilettanten“, ein sehr unterhaltsames Programm für mehr oder weniger professionelle Schriftsteller. Beide sind dazu selbst Autoren, von Thrillern bzw. Fantasy-Romanen. Sie wissen also, wovon sie reden.

Das Buch ist sinnvoll aufgebaut, beginnend mit allgemeinen Hinweisen und Hintergründen über das Handwerkszeug für das Schreiben von Romanen – Planen, Schreiben, Überarbeiten  –  bis hin zu den verschiedenen Wegen der Publikation.

Allerdings, und ich denke (oder hoffe), das war den beiden Autoren vorher bewusst: sie können das Rad nicht neu erfinden. Das heißt, fast alles, was sie in ihrem Buch darstellen, gibt es so und ähnlich schon in hundert anderen Büchern über das Schreiben – und zwar professioneller, detailreicher und tiefer gehender. Weiterlesen

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