Sigri Sandberg & Anders Bache: Polarliebe: Leidenschaftliche Briefe und Geschichten aus dem ewigen Eis

Was haben Robert Peary, Roald Amundsen, Fridtjof Nansen, Peder Pedersen, Lord Hugh Cecil Lowther, Nils Strindberg, Iver Iversen, Ewald Schmutzler und Robert Falcon Scott gemeinsam? Sie alle teilen ihre Leidenschaft für Entdeckungen und Eroberungen, ihre Jagd nach Ruhm und Ehre im ewigen Eis der Polarregionen mit der Liebe zu einer Frau. Manchmal auch zu mehr als einer.

Zugegeben, die meisten der Frauen, mit denen die eingangs genannten Polarforscher und Eisjäger liiert waren, waren mir vor der Lektüre von Sandbergs und Baches Buch nicht bekannt. Wer nun glaubt, es handelt sich bei den Ehefrauen und Geliebten der berühmten Männer um Frauen, die zu Hause sehnsüchtig auf die Rückkehr ihrer Männer warteten, sieht sich getäuscht. Einige von ihnen begleiten die Expeditionen, hielten die Motivation der Gesellschaft hoch, gebaren Kinder in der Polarregion oder zeichneten sich durch eigene herausragende Leistungen aus. Weiterlesen

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Elke Heidenreich: Männer in Kamelhaarmänteln: Kurze Geschichten über Kleider und Leute

Protect me from what I want“ So steht es jetzt auf den T-Shirts einer Frau, die sich immer wünschte, mit einem Musiker zusammenzuleben und die bekam, was sie sich wünschte ….

Ein prickelndes, erfrischendes Potpourri aus Anekdoten, Erinnerungen und skurrilen Geschichten findet sich in dem neuen Buch der bekannten Autorin Elke Heidenreich. Sie erzählt aus ihrer Kindheit und der Zeit ihrer Pubertät, als Kleiderfragen dem Alter entsprechend lebenswichtig wurden. Sie berichtet von Treffen mit Berühmtheiten, zu denen sie völlig unpassend gekleidet erschien. So geschehen bei einem Interview mit Heinz Rühmann, bei dem sie zu einer ihrer eigenen Jeans eine geliehene Seidenbluse trug, was dazu führte, dass der Schauspieler sie während des Gesprächs völlig ignorierte. Elke Heidenreich blickt auch zurück auf ihre Beziehung zu ihren Eltern und besonders zu ihrem Vater, „der einzige Mann, der Kamelhaarmäntel tragen konnte“.

Was die Autorin, die ich auch wegen ihrer anderen Bücher sehr schätze, in diesem Band in kleinen, feinen Geschichten zeigt, ist vor allem, was Kleider aus den Menschen machen können, im positiven wie im negativen, wie wichtig Kleidung für das Ego ist und wie fatal falsche Kleidung am falschen Ort für Reputation oder die eigene Selbstsicherheit sein kann. Weiterlesen

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Owen O’Kane: Der kleine Alltagsentschleuniger

Das Buch könnte genauso gut „Ten to Zen“ heißen, obgleich Zen nicht in seiner wörtlichen Bedeutung zu nehmen ist. Der erste Gedanke beim Lesen des Titels mag wohl automatisch so klingen: Nicht schon wieder ein Ratgeber für ein stressfreies Leben (für den mir echt die Zeit zum Lesen fehlt). Owen O’Kanes kleiner Alltagsbremser unterscheidet sich erfreulicherweise von anderen Ratgebern zum Thema.

Das Buch im wortwörtlichen Taschenbuchformat darf gerne mit auf die Reise in unseren Alltag, ins Büro, die Küche und den Keller. Kurze Kapitel erleichtern das stückweise Lesen des Sachbuches. Schließlich handelt es sich hier weniger um einen Fantasy-Titel, mit dem LeserIn stundenlang in eine andere Welt versinkt.

Das Anliegen des Sachbuchs ist strenggenommen das genaue Gegenteil davon, nämlich das Innehalten, das Achtsamsein auf die Gegenwart und auf sich selbst. Klingt gut, ist aber bekanntlich nicht einfach umzusetzen. Weiterlesen

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Ilka Piepgras: Schreibtisch mit Aussicht: Schriftstellerinnen über ihr Schreiben

Ilka Piepgras ist Autorin verschiedener Bücher und arbeitet momentan als Redakteurin im Zeitmagazin. Das Essay von Anne Tyler aus den Siebzigern „still just writing“ war der ausschlaggebende Impuls für sie, dieses Buch zu verfassen. Eingangs ergründet sie darin ob und wie sich die Bedingungen des Schreibens von Männern und Frauen unterscheiden. Dabei stellt sich heraus, dass schreibende Frauen mit mehr Problemen zur kämpfen haben und auch im Literaturbetrieb weniger wahrgenommen werden. Über Jahrhunderte hinweg war und ist der Literaturbetrieb eine Männerdomäne. Für Frauen waren keine Plattformen vorhanden und sie mussten reichlich Mut aufbringen, um mit ihrem Schreiben an die Öffentlichkeit zu gehen. Da Frauen in der Literaturgeschichte keine Tradition haben,   mussten sie sich ihre Anerkennung in der Kunst- und Kulturszene eben auch immer härter erkämpfen als Männer. Zwar ist es mittlerweile längst so, dass immer mehr Frauen Bücher veröffentlichen und auch die Leserschaft überwiegend weiblich ist,  – die Schreibbedingungen für Schriftstellerinnen haben sich jedoch nicht wesentlich geändert. Aus diesem Grund gibt Ilka Piepgras in diesem Buch den Schriftstellerinnen ein Podium. Weiterlesen

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Philippe Sands: Die Rattenlinie

Ein Sachbuch, das so spannend ist wie ein Thriller, ist dem britisch-französischen Juristen und Schriftsteller Philippe Sands gelungen. In „Die Rattenlinie“ zeichnet er das Leben des Nazis Otto Wächter und seiner Frau Charlotte nach. Wächter war während des Zweiten Weltkriegs Gouverneur im besetzten Polen sowie in Galizien (heute Ukraine) und dort auch für Ermordung und Verschleppung von hunderttausenden Juden verantwortlich.

Nach dem Krieg setzte er sich nach Rom ab, um mit Hilfe eines katholischen Bischofs nach Argentinien zu fliehen. Dazu kam es nicht, weil Wächter 1949 nur 48-jährig überraschend starb.

​Es ist unglaublich, mit welcher Akribie und Detailgenauigkeit der 1960 geborene Autor diese Geschichte in acht Jahren recherchiert hat. Weiterlesen

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Andrea Petkovic: Zwischen Ruhm und Ehre liegt die Nacht: Erzählungen

Tennisprofi Andrea Petkovic, die zeitweilig unter den Top 10 der Weltrangliste stand, ist unter die Buchautorinnen gegangen. In ihrem Buch „Zwischen Ruhm und Ehre beginnt die Nacht“ hat sie 18 autobiografische Erzählungen zusammengefasst, in denen der Leser nicht nur viel über die heute 33-jährige deutsche Sportlerin mit Wurzeln in Bosnien-Herzegowina erfährt, sondern auch allgemein über das Leben eines Tennisprofis.

Weil ihr Vater in Darmstadt als Tennistrainer arbeitete, wurde der Tochter das Tennisgen früh eingeimpft. Den Großteil ihrer Freizeit als Kind und Jugendliche verbrachte sie auf dem Tennisplatz. Später gehörte verbissenes Training zu ihrer Tagesroutine.

Zweifel und die Einsamkeit in irgendwelchen sterilen Hotels kommen genauso vor wie Freundschaften, Momente des Glücks oder der Angst vor dem Versagen. Weiterlesen

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Lida Winiewicz: Späte Gegend. Protokoll eines Lebens.

Lida Winiewicz schreibt am Klappentext ihres Buches: „Ich hatte einmal ein Haus im Mühlviertel. Meist stand es leer. Die Bäuerin von nebenan, die einen Schlüssel verwahrte, gestand eines Tages, schuldbewußt, sie säße oft in meiner Stube, wenn niemand da sei, allein, freue sich an der Stille und dächte an die Vergangenheit. Ich fragte nach Einzelheiten, sie antwortete. So entstand das Buch ‚Späte Gegend‘, eine Art Reisebericht aus einem fernen Land, zwei Autostunden von Wien.“

Christine, die oben genannte Bäuerin, wird 1910 geboren. Die Armut in der Familie ist beispiellos. Der Vater und die Brüder sind Steinmetze, sie fertigen Grabsteine, ohne Schutzbekleidung, die Mutter arbeitet beinahe rund um die Uhr, damit man über die Runden kommt. Dennoch haben die sechs Kinder z.B. keine Schuhe. Sie laufen barfuß und im Winter in Holzpantinen.

Im Alter von zehn Jahren muss Christine die geliebte Schule verlassen und „in Dienst“ gehen, damit zuhause ein Esser weniger am Tisch sitzt. Bei ihren ersten Dienstherren bekommt sie keinen Lohn, nur Kost und Logis sowie zwei Hemden und zwei Schürzen im Jahr. Das Bett teilt sie sich – was für ein Fortschritt – nur mit einer anderen Magd und nicht, wie daheim, mit zwei Geschwistern.

Das kümmerliche Dienstbotenleben scheint vorgezeichnet. Die Arbeitgeber sind oftmals schlechte Menschen und Christine erlebt Hunger und Unterernährung. Sie hat keinerlei Unterstützung von den Eltern. Der Vater ist inzwischen unverschuldet arbeitslos und sie muss ganz für sich alleine zusehen, dass sie durchkommt. Weiterlesen

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Wallace J. Nichols: Blue Mind: Wie Wasser uns glücklicher macht

Lieben Sie auch Spaziergänge am Strand, bei denen Ihnen der Wind um die Nase weht und Ihr Blick über die Wellen schweift? Oder entspannen Sie sich gerne bei einer heißen Dusche oder in der Badewanne? Geht Ihnen das Herz auf, wenn Sie an einem gluckernden, sprudelnden Gebirgsbach entlangwandern? Das ist kein Wunder, denn Wasser hat ganz besondere Auswirkungen auf unseren Körper, unseren Geist und unsere Seele.

Dass das so ist, spüren die meisten Menschen ganz unwillkürlich. Doch Wallace J. Nichols zeigt in seinem Buch „Blue Mind“, dass das nicht nur „so ein Gefühl“ ist, sondern dass es handfeste wissenschaftliche Untersuchungen gibt, die erklären, was dabei in uns vorgeht.

Wir alle beginnen unser Leben (im Mutterleib) im Wasser und evolutionsbiologisch gibt es Gründe, warum es uns ans Wasser zieht. Wallace J. Nichols berichtet von den Ergebnissen neurowissenschaftlicher Studien, die sich mit dem Einfluss von Wasser auf die Emotionen befassen, von der Wahrnehmung des Wassers mit allen Sinnen und seiner verbindenden Kraft. Dass Wasser nicht nur für positive Stimmung sorgen, Kreativität fördern und heilen kann, sondern auch einen Einfluss auf Immobilienpreise hat (besonders, wenn es um Wohnungen mit Meerblick geht), sind nur einige Aspekte dieses Buches. Weiterlesen

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Malin Lindroth: Ungebunden

Malin Lindroth ist über 50 und lebt alleine. Unfreiwillig. Zweierbeziehung, Ehe, Kinder Familie,… hat sich für sie nicht ergeben.

Schon als Kind ist sie nicht so süß, so gefällig, so zugänglich wie andere Mädchen. Als Jugendliche steht sie mit Pickel und strohigem Haar abseits. Sie glaubt dennoch fest daran, dass auf dieser Welt ein passender Partner für jeden existiert. Jemanden, den man bedingungslos liebt, der dieses Gefühl erwidert und für den man geboren ist.

Bei einem Schüleraustausch sagt eine Frau, für deren Bösartigkeit es kein passendes Wort gibt, zu ihr: „But don´t you worry, honey! Nobody will want to date you!“ (S.26.)

Diesen Satz wird Malin Lindroth ihr ganzes Leben lang nicht mehr vergessen.

Zwischen neunzehn und dreiundzwanzig ist sie verlobt, hat Schwiegereltern in spe und einen Schrank voller Küchengeräte. „Alles Zeichen dafür, dass ich zum Kreis der Begehrenswerten gehöre.“ (S. 26) Sie kann sich aber nicht vorstellen, mit diesem Mann das Leben zu verbringen und löst die Verbindung. Fest davon überzeugt, nach diesem einen werden noch viele kommen, startet sie so richtig ins Leben.

Sie lernt auch viele Männer kennen. Sie verliebt sich. Aber keiner will eine feste Beziehung mit ihr eingehen. Weiterlesen

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Erik Eggers: Der Mensch als Fisch

Der Husumer Otto Kemmerich (1886 – 1952) war ein Extremsportler, der das Abenteuer im Meer suchte. Nach seiner beruflichen Karriere als Herausgeber von mathematischen Formeln wurde er Profischwimmer. Hierfür entwickelte er den Schwimmstil in Seitenlage weiter und schwamm lebensgefährliche und damit auch medientaugliche Routen. Ganz auf sich gestellt suchte er das offene Meer bei jedem Wetter, jeder Strömung und Wassertemperatur, um nach Stunden zu einer bestimmten Zeit an einer bestimmten Stelle vor Publikum an Land zu gehen.

Vorträge und Gastspiele in den Kurorten, der Verkauf von Autogrammen und vieles mehr dienten der Versorgung seiner Familie. Auch das lukrative Preisgeld für die Querung des Fehmarnbelts half ihm, seine Berühmtheit zu festigen. Vermutlich hätte er den Ärmelkanal in einer sehr guten Zeit schaffen können. Er wollte unbedingt schneller sein als Trudy Ederle, um die Überlegenheit des Mannes wieder ins richtige Licht zu rücken. Doch unterwegs wurde er vermutlich von einem Hai attackiert und verletzt, so dass seine Begleiter den bewusstlosen Kemmerich aus dem Wasser ziehen mussten. Einen zweiten Versuch dieser kostspieligen Expedition konnten weder sein Sponsor noch er selbst stemmen. Damit platzte Kemmerichs Traum, für seine Familie eine finanzielle Absicherung zu schaffen. Also tingelte er weiter mit immer neuen spektakulären Aktionen zu den friesischen Kurbädern. Weiterlesen

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