Simon Shuster: Vor den Augen der Welt

Packende Biografie des charismatischen ukrainischen Präsidenten

Der Mann ist ein Phänomen und die Meinungen über ihn gehen sicher weit auseinander. Dieses Buch erzählt seine Geschichte und beleuchtet seinen Charakter, sein Agieren und seine Entscheidungen, natürlich insbesondere vor dem Hintergrund des derzeitigen Krieges.

Der Autor Simon Shuster ist Korrespondent des Time Magazine und hatte die Möglichkeit, Wolodymyr Selenskyj über viele Jahre zu begleiten, zu beobachten und so entstand dieses ungemein spannende Buch. Shuster ist in Russland geboren und kam als Kind in die USA. Seit Jahren lebt er immer wieder auch längere Zeit in Kyjiw, seit der Annexion der Krim 2014 berichtet er regelmäßig aus der Ukraine.

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Paul Auster, Spencer Ostrander: Bloodbath Nation

Mit diesem Text prangert Paul Auster die Verherrlichung des Waffenkultes seiner Heimat, den Vereinigten Staaten an. Er geht der Frage nach, warum der Umgang mit Waffen bei den Amerikanern einen so selbstverständlichen und hohen Stellenwert hat und wie es dazu gekommen ist.

Eingangs beleuchtet er seine eigene Kindheit und einen dunklen Punkt in der eigenen Familiengeschichte. In der Kindheit Austers war sein Umgang mit einer Spielzeugpistole normal. Das Fernsehen lieferte Ideen zu eigenen Spielfantasien mit der Waffe, denn alle Helden, denen er, wie die meisten anderen der kleinen Jungen nacheiferte, waren bewaffnet. Später, in einem Feriencamp in New Hampshire hat Auster selbst großen Spaß samt Erfolgserlebnissen im Umgang mit der Waffe erlebt. Doch eine weitere Inspiration durch die Eltern blieb aus. Dort, wo er aufwuchs, ging man weder auf die Jagd, noch erwartete irgendjemand von ihm, dass er Gefallen daran fand, auf Tiere, Schießscheiben oder Tontauben zu schießen.

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Arthur Landwehr: Die zerrissenen Staaten von Amerika

Erschreckende Innenansichten eines gespaltenen Landes

Bei der Lektüre dieses Buches gruselt man sich mehr als bei einem Horror-Roman. Die Szenarien, die der Autor zeichnet, sind erschreckend, verstörend und leider wirken sie zusätzlich wie eine Blaupause für das, was gerade bei uns im Land vor sich geht.

Der Autor, bekannt als Journalist und ARD-Korrespondent, hat profunde Kenntnis der Vereinigten Staaten, hat das Land bereist und die Menschen dort interviewt. Er hat die Vorgänge in den letzten Jahren genau beobachtet, analysiert und über sie berichtet. Davon erzählt er in diesem Buch.

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Rebecca Maria Salentin: Iron Woman

Der Begriff Iron Woman wird meistens mit dem Triathlon verbunden, bei dem man zum Beispiel auf Hawaii unter schwierigsten Bedingungen so schnell wie möglich schwimmt, läuft und Fahrrad fährt. In Anlehnung an diesen Wettkampf bräuchte man für die herausragende Leistung der Leipziger Autorin Rebecca Maria Salentin einen neuen Begriff. Geplagt von diversen Erkrankungen und der fehlenden Fähigkeit, ein Fahrrad zu reparieren, gelingt ihr eine extreme Tour. In ihrer Einleitung schreibt sie, bisher habe nur ein Mann offiziell die gesamte Strecke des Iron Curtain Trails an einem Stück bezwungen.

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Tobias Lehmkuhl: Der doppelte Erich: Kästner im Dritten Reich

Die Bücherverbrennung in Nazi-Deutschland ist jedem ein Begriff. Auch das Werk Erich Kästners fiel hier den Flammen der Diktatur zum Opfer – mit einer Ausnahme: Emil und die Detektive, ein einfaches Kinderbuch, das trotz fehlender politischer Positionierung als „undeutsches Gedankengut“ eingestuft wurde, konnte nicht vernichtet werden. Warum? Weil es zu populär war. Ein Verbot dieses geliebten Kinderbuches hätte den Nazis zu sehr geschadet. So eine Macht besaß es und doch war es nur ein einfaches Kinderbuch.

Im Wissen um diesen Fakt habe ich mich sehr auf das Buch gefreut, das verspricht, eine Biografie Kästners zu sein, die sich auf seine Jahre während der Nazi-Zeit fokussiert. Anders als die meisten Künstler, bleibt Kästner in Deutschland, statt ins Ausland zu flüchten – und veröffentlicht weiter unter Pseudonym. Seinen echten Namen kann er kaum nutzen, immerhin hat er vor 1933 Spottgedichte über die Nationalsozialisten verfasst. Was ihn zu seinem Bleiben bewogen hat und welche Teufelspakte er eingehen musste, wie viel Moral einbüßen, das sollen wir hier erfahren.

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National Geographic: Das ultimative Weltreisebuch

Neujahrsvorsatz: Fremde Länder entdecken! Wie könnte man besser in das neue Jahr starten, als in der Überlegung, welche Ziele es dieses Jahr zu bereisen gibt?

„Das Ultimative Weltreisebuch“ versammelt die liebsten Reisen der National Geographic Journalisten in einem umfangreichen Band und verspricht dem Leser „500 Reisen, die Sie nie vergessen werden“. Ganz 500 Reisen sind es nicht – zumindest sind nicht alle davon unvergesslich spektakulär. Beim anfänglichen Blätter irritiert doch, wie präsent die USA mit ehrlich gesagt eher mittelinteressanten Reisezielen sind. Aber gut, da der Verlag seinen Sitz in diesem Land hat, orientiert sich die Zusammenstellung wohl mit diesem als Ausgangspunkt.

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Christopher Clark: Frühling der Revolution

Wären alle Sachbücher so spannend wie dieses, gäbe es wohl kein Pisa-Debakel in Deutschland. Dieses Buch füllt enorme Wissenslücken! Beispiele: Wussten Sie, dass die Welle der 1840er Revolutionen nicht im aufmüpfigen Frankreich, sondern in der beschaulichen Schweiz losgetreten wurden? Warum hatte die Abschaffung des Feudalsystems die Situation der Bauern zunächst verschlechtert? Weshalb war Großbritannien das einzige Land Europas, in dem keine Revolution stattfand? (Spoiler: Weil es die Probleme einfach auf seine Kolonien abgewälzt hatte!)

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Ibram X. Kendi: Gebrandmarkt

„Die Geschichte der USA ist weiß.“ – Ein Satz, der im Laufe der Jahrhunderte tausendfach gedacht oder gesagt wurde. Und eine Lüge ist. Denn seit die USA existiert, leben dort People of Color, die das Land mit aufgebaut und geprägt haben und deren Lebensgeschichten zu den grausamsten der Weltgeschichte zählen. „Gebrandmarkt. Die wahre Geschichte des Rassismus in Amerika“, von Dr. Ibram X. Kendi geschrieben und von Joel Christian Gill als Graphic Novel illustriert, beginnt ganz am Anfang dieser Weltnation und arbeitet sich durch den Dreck ihrer Geschichte. Die comichaften Bilder im Buch sind in schwarzweiß gehalten und dekonstruieren anschaulich Mythen über die Sklaverei, Bildungseinrichtungen wie Yale oder Princeton (allesamt auf rassistischem Gedankengut erbaut) oder ehemalige US-Präsidenten. So werden Thomas Jefferson oder Abraham Lincoln, beide als weiße Helden der Sklavenbefreiung gefeiert, als Rassisten enttarnt. Jefferson, der selbst über einen Sklavenhausstand verfügte und Lincoln, der in der Befreiung weniger Sklaven eine Bereicherung für seine Armee sah, gelten noch heute unter den Amerikanern als Retter von PoC.

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Sylvain Tesson: Auf versunkenen Wegen

Weil Sylvain Tesson betrunken glaubt, den Clown geben zu müssen, fällt er acht Meter von einem Dach. Die Folge sind schwere Knochenbrüche, darunter die Zertrümmerung des Schädels und der Wirbelsäule. Sein Leben als Geograf, Schriftsteller, Filmemacher und Reisender, häufig begleitet von viel Alkohol, scheint schlagartig ein Wende genommen zu haben. Er verbringt Wochen in Krankenhäusern, ständig überwacht. Im Gesicht behält er eine Lähmung, seine Wirbelsäule gleicht einem Schraubenlager. Als er einigermaßen wiederhergestellt in eine Reha-Klinik soll, sperrt er sich dagegen.

Tesson will weit weg und beschließt, Frankreich von Südosten an der italienischen Grenze bis an den Atlantik im Westen zu Fuß zu durchqueren. Er besorgt sich eine Karte „hyperländlicher Gebiete“, rückständig, fernab von der modernen Welt und wandert auf alten Saumpfaden, Wildwechseln, Kirchsteigen, bäuerlichen Zufahrten. Versunkenen Wegen eben. Kurze Strecken begleiten ihn hin und wieder Freunde und Gefährten, das meiste bewältigt er ganz allein.

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Katerina Gordeeva: Nimm meinen Schmerz

Erschütternde Schicksale machen den Schmerz fast greifbar – schwer erträgliches, aber ungemein wichtiges Buch

 „Aber eigentlich handelt (meine Geschichte) nicht von mir. Sie handelt von den Menschen. Manche verwandelt der Krieg schnell zu Bestien. Ich habe solche gesehen: Man gibt ihnen eine Waffe, und sie verlieren sofort alles Menschliche. Verlieren ihr Gewissen und Mitgefühl. Ich habe gesehen, wie schnell das geht.“ (S. 71).

Solche Geschichten, von Menschen, Frauen, Männern, Kindern, im Krieg erzählt die Journalistin Katerina Gordeeva. Oder vielmehr sie lässt diese Menschen ihre Geschichten erzählen, sie hört zu, stellt manchmal Fragen, manchmal fehlen ihr aber auch die Worte. Und manchmal möchten die Ukrainerinnen gerade mit ihr nicht sprechen, denn Katerina Gordeeva ist Russin.

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