Colum McCann: Briefe an junge Autoren

Wer schon einmal nach Schreibratgebern gesucht hat, weiß, dass sich hierzu jede Menge mehr oder weniger hilfreiche Bücher finden lassen. Viele dieser Ratgeber sind angereichert mit Anleitungen für Schreibtechniken, die sich in der Praxis dann aber oftmals kontraproduktiv auf die eigene Kreativität auswirken.

Colum McCanns kleines Büchlein Briefe an junge Autoren kommt dagegen ganz ohne starre Regeln aus, vielmehr liest es sich mehr als wohlmeinender Zuspruch. Mit „junge Autoren“ sind hier ganz nebenbei bemerkt nicht explizit Autoren im jungen Lebensalter, sondern gleichermaßen auch die Älteren angesprochen.

McCann muntert darin sogar dazu auf, Regeln zu missachten. Er hält sich in seinen Ausführungen weder mit theoretischen Ausschweifungen auf, noch schreibt er mehrseitige Kapitel, deren Kernaussagen man in drei kurzen Sätzen bündeln könnte. Weiterlesen

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Tiffany Watt Smith: Das Buch der Gefühle

»… Es geht in diesem Buch eigentlich nicht um Ratschläge …« (S.26), vielmehr will die Kulturwissenschaftlerin Tiffany Watt Smith einem nicht wissenschaftlichen Publikum Einblicke verschaffen, die über Kuriositäten aus der Kulturgeschichte hinausreichen. Die unvollständige Sammlung von Gefühlen soll zu einem besseren Verständnis der Zusammenhänge führen.

»… Wenn Emotionen … heute … von Regierungen gemessen werden; wenn sie Gegenstand einer zunehmenden pharmazeutischen Intervention … sind …, dann wäre es schon gut zu wissen, woher die Überzeugungen … kommen.« (S. 26) erklärt die Autorin in ihrer Einleitung. Weiterlesen

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Howard Axelrod: Allein in den Wäldern

Der Autor und Ich-Erzähler versucht in der Einsamkeit zu sich selbst zu finden. Fast zwei Jahre verbringt er in einem abgeschiedenen Haus im Wald, wo er ohne Computer, Handy und Fernseher lebt. Wie kommt jemand damit klar, alles Vertraute, alle Annehmlichkeiten des Lebens hinter sich zu lassen und sein Heil allein in der Natur zu suchen? Howard Axelrod zeichnet diese Erfahrung eindrücklich und spannend mit schön zu lesenden poetischen Naturbeschreibungen auf.

Ein Sportunfall hat ihn, den erfolgreichen Harvard-Studenten, der die besten Chancen auf eine erfolgreiche Berufskarriere hatte,  aus der Bahn geworfen. – Nach einer unglücklichen Aktion eines Mitspielers während eines Baseballspiels, erblindet er auf einem Auge. Diese erschwerte Lebenssituation und eine unglücklich endende Liebe lassen ihn den Halt im Leben verlieren. Weiterlesen

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Hans-Peter Schwarz: Die neue Völkerwanderung nach Europa

Der Politologe und Zeithistoriker Hans-Peter Schwarz verdeutlicht in diesem Essay Fehlbeschlüsse in der europäischen Flüchtlingspolitik und hält den Entscheidungsträgern mit Zahlen und Fakten den Spiegel vor. Dabei bezieht er kritisch Stellung, lässt Vorzeichen und Vorahnungen Revue passieren und zeigt falsche Weichenstellungen auf, als im Herbst 2015 der Flüchtlingsstrom nach Europa einsetzte.

Schwarz schildert den Kontrollverlust während der Flüchtlingsströme, hinterfragt das EU-Flüchtlingsrecht, die paradoxe Konstruktion des Schengen-Grenzkodex und die komplizierten Brüsseler Bürokratien.

Darüber hinaus beleuchtet er unter anderem die Krisenherde in Afrika samt Ursachenbekämpfung und internationaler Flüchtlingshilfe, setzt sich auseinander mit nationalen Notmaßnahmen sowie den verschärften Spannungen innerhalb der Europäischen Union, die unter dem Druck der Flüchtlingsströme entstanden sind. Weiterlesen

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Henning Sußebach: Deutschland ab vom Wege. Eine Reise durch das Hinterland

Henning Sußebach (Jahrgang 1972) arbeitet als Redakteur und Reporter im Bereich Dossier für die Wochenzeitung „DIE ZEIT“ und lebt in Hamburg. Er schreibt zeitgenössische Reportagen zu Themen der deutschen Gesellschaft und Politik, wie beispielsweise Wohnungslosigkeit oder Leben im Alter. Zuletzt erschien 2016 sein Buch „Unter einem Dach“ bei Rowohlt, in dem er über sein Zusammenleben mit einem syrischen Flüchtling berichtet. Sein neuestes Projekt „Deutschland ab vom Wege – Eine Reise durch das Hinterland“ hat Sußebach ebenfalls zu einem Buch verarbeitet, das am 22. April 2017 bei Rowohlt erschienen ist.

Bei einem Waldspaziergang an einem Neujahrsmorgen reift bei Henning Sußebach die Idee, Deutschland von Norden nach Süden abseits von Asphalt und Beton zu durchwandern. Rund 1000 Kilometer von der Ostsee bis zur Zugspitze will er Straßen und Städte weitestgehend meiden und sich über Äcker, Wiesen, Felder und Wälder zu Fuß von Mecklenburg nach Bayern durch Deutschland bewegen. Weiterlesen

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Meir Shalev: Mein Wildgarten

Mein Gesamteindruck vorweg: Ein wunderbares Buch! Ich hatte größtes Vergnügen, es zu lesen. Geschrieben wurde es von Meir Shalev, der in Israel einer der bekanntesten und beliebtesten Romanciers ist. „Mein Wildgarten“ ist jedoch kein Roman, sondern eine Liebeserklärung Shalevs an seinen Garten mit all den Tieren und Pflanzen, die dort leben.

In fast fünfzig handlichen und sehr vergnüglich zu lesenden Kapiteln plaudert Shalev über Obstbäume, Anemonen, Wildbäume, Alpenveilchen und viele andere Pflanzen. Er erzählt von seinen Erlebnissen mit Ameisen, Blindmäusen, einem dummen Specht, aber auch mit Spinnen und Schlangen. Er philosophiert über die Geduld, die (nicht nur) ein Gärtner haben sollte, über das Barfußlaufen, Prokrastination und Spötteleien. Weiterlesen

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Rayk Anders: Eure Dummheit kotzt mich an

Gleich vorneweg: ich habe das Buch sehr genossen und es gerne gelesen. Da ich sowieso im selben Kulturbetrieb unterwegs bin – zwar habe ich keinen eigenen youtube Kanal, aber doch die Bühne als Forum, sowohl als Veranstalter als auch auf der Bühne – komme ich gleich zum Problem: wir schmoren im eigenen Saft. Mein guter Freund Volker Pispers hat (wahrscheinlich) aufgehört öffentlich aufzutreten, weil er es nicht mehr ertragen konnte, über 30 Jahre exzellent recherchierte Pointen in die vollen Säle tropfen zu lassen, um am Ende zu erleben, dass nichts Konsequenzen hatte. Das gipfelte in einer Art Publikumsbeschimpfung: „Nein, Sie sind nicht gemeint, sie haben ja eine Eintrittskarte für das politische Kabarett!“ Weiterlesen

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Stephanie Lang von Langen: Entspannt mit Hund

Das Buch der Tierpsychologin Stephanie Lang von Langen beschäftigt sich hauptsächlich mit der Frage nach der Work-Life-Balance des Hundes. Ist schon richtig, manche Hunde haben einen engeren Terminplan als mancher Manager. Es gibt Rassen, die machen das ohne murren mit – meiner zum Beispiel nicht. Der zeigt schon sehr deutlich, wenn er keine Lust mehr hat, allerdings darf er das auch und ich höre drauf. Stephanie Lang von Langen erklärt das entspannte zusammenleben anhand der fünf Grundbedürfnisse des Hundes (fünf Grundbedürfnisse des Hundes (Ruhe, Bewegung, Bindung, Beschäftigung und Spiel), man muss ihr nicht an jeder Stelle zustimmen, aber es ist auf jeden Fall interessant zu lesen. Weiterlesen

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Jón Gnarr: Der Outlaw – Eine isländische Jugend am Rande der Gesellschaft

Jón Gnarrs Werdegang ist mehr als abenteuerlich: Problemkind, Punker, Anarchist, Radiokomiker, Gründer der „Besten Partei“ Islands, Oberbürgermeister von Reykjavik. Nach seiner Biografie „Indianer und Pirat“ setzt diese Autobiografie in einer schmerzlichen Zeit an: Jón landet in einem Heim für schwer erziehbare Jugendliche. Der Vierzehnjährige hadert mit den Regeln des Schulsystems, doch er findet etwas Zugehörigkeit. Unter Islands verlorenen Kindern ist er nicht mehr länger ein Mobbingopfer. Er ist der coole „Jonsi-Punk“.

Die Jugendanstalt in Núpur liegt am Rande der Welt, umgeben von Meer, Felsen und meterhohen Schneehügeln. Hier wären Gitter vor den Fenstern gar nicht nötig, da es nichts gibt, wohin die Jugendlichen flüchten könnten. An diesem Ort verbringt Jón zwei Jahre seines Lebens. Tapfer gilt es, verdorbenen Walgulasch hinter zu würgen und sich morgens den Weg frei zu schippen. Weiterlesen

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Florian Huber: Hinter den Türen warten die Gespenster

Dieses Buch ist kein Roman. Der promovierte Historiker Florian Huber hat vielmehr Tagebuchaufzeichnungen, Briefe und andere Zeitzeugnisse aus der Nachkriegszeit in Deutschland ausgewertet, um daraus ein interessantes Gesamtbild der ersten Jahre ab 1945 zu zeichnen.

In dieser Collage kommen Frauen vor, die ohne Mann die Familie durchbringen müssen, Kinder, die ohne Vater aufwachsen, und Männer, die aus dem Krieg zurückkehren und sich im Nachkriegs-Deutschland und in ihrer veränderten Familie nicht mehr zurechtfinden. Weiterlesen

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