Katja Oskamp: Marzahn, mon amour: Geschichten einer Fußpflegerin

Katja Oskamp gehört zu den vielen Autorinnen, die vom Schreiben allein nicht leben können. Also muss sie zusätzlich einem (anderen) Job nachgehen. Die 49-jährige Berlinerin hat sich für die Fußpflege im Berliner Problemstadtteil Marzahn entschieden – und aus ihren Erlebnissen dabei ein wunderschönes Buch gemacht.

Es strahlt von der ersten bis zur letzten Seite eine enorme Herzenswärme und Liebe zu den Menschen aus, die sie besuchen. Da gibt‘s zum Beispiel jene Seniorinnen, die sich trotz körperlicher Gebrechen die gute Laune nicht verderben lassen, oder den etwas griesgrämigen ehemaligen DDR-Funktionär, der die Ich-Erzählerin rundheraus zum gemeinsamen Sex einlädt, oder Männer, die von der Ehefrau zwangsverpflichtet werden, zur Fußpflege zu gehen. Weiterlesen

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Hollmann/Johanus: Romane schreiben und veröffentlichen für Dummies

Ein typisches Dummies-Buch, mit all den bekannten Strukturen, den Symbolen, den Cartoons, dem Aufbau. Es ist ein für Anfänger sehr gut geeignetes und geschriebenes Nachschlagewerk, deckt es doch all die Bereiche ab, die einen angehenden Autor interessieren mögen.

Axel Hollmann und Marcus Johanus sind bekannt durch ihren Kanal „Die Schreib-Dilettanten“, ein sehr unterhaltsames Programm für mehr oder weniger professionelle Schriftsteller. Beide sind dazu selbst Autoren, von Thrillern bzw. Fantasy-Romanen. Sie wissen also, wovon sie reden.

Das Buch ist sinnvoll aufgebaut, beginnend mit allgemeinen Hinweisen und Hintergründen über das Handwerkszeug für das Schreiben von Romanen – Planen, Schreiben, Überarbeiten  –  bis hin zu den verschiedenen Wegen der Publikation.

Allerdings, und ich denke (oder hoffe), das war den beiden Autoren vorher bewusst: sie können das Rad nicht neu erfinden. Das heißt, fast alles, was sie in ihrem Buch darstellen, gibt es so und ähnlich schon in hundert anderen Büchern über das Schreiben – und zwar professioneller, detailreicher und tiefer gehender. Weiterlesen

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Rutger Bregman: Utopien für Realisten

Eine Arbeitswoche mit nur 15 Stunden? Geldgeschenke an Bedürftige? Bedingungsloses Grundeinkommen für alle? Unvorstellbar? Unsinnig? Nicht realisierbar? Nicht, wenn es nach Rutger Bregman geht. In seinem Buch ‚Utopien für Realisten‘ stellt er dar, dass solche Ideen alles andere als unrealistisch sind. Wir müssen uns nur trauen, sie in unserem Denken auch wirklich zuzulassen. Denn, so sagt er, ein Problem, das wir haben, ist, dass es uns so gut geht, dass wir uns solche Dinge gar nicht vorstellen können.

Im Unterschied zu einem Leibeigenen des Mittelalters oder einem Arbeiter zur Zeit der Industrialisierung ist unser Lebensstandard so hoch, dass wir gar nicht mehr wirklich nach weiteren Verbesserungen streben, sondern vielmehr davon ausgehen, dass die Zukunft nur schlechter werden kann. Und genau da sieht Bregman die Gefahr: dass diese Vorstellung dann tatsächlich zur Wirklichkeit wird.

Das ist aber nach seinen Untersuchungen überhaupt nicht nötig. Denn es gibt bereits zahlreiche Erfahrungen, die in der Praxis gezeigt haben, dass beispielsweise ein bedingungsloses Grundeinkommen fast nur positive Auswirkungen hat. Das Leben der Menschen verbessert sich und auch die Staatsausgaben sinken. Denn durch die festen und von Bedingungen unabhängigen Zahlungen reduzieren sich zum Beispiel Verwaltungskosten ganz erheblich. Weiterlesen

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Alva Gehrmann: I did it Norway!

Auf ihrer Homepage erklärt die Journalistin und Autorin Alva Gehrmann über sich selbst: »Schreiben ist leicht, man muss nur die falschen Wörter weglassen.« Das Schreiben scheint ihr tatsächlich leicht zu fallen, denn sie zeigt eine Vielfältigkeit, die sich auch in ihrem Sachbuch wieder findet. Ihr aktuelles Buch über Norwegen schenkt eine Fülle von Details über ein freundliches Volk, das durch Öl reich geworden ist.

Die Autorin reiste über einen Zeitraum von einigen Jahren immer wieder nach Norwegen: So nach und nach erlebt sie Kulturereignisse, lernt sportliche Wettkämpfe und ein Arbeitsleben kennen, das dem Norweger ein intensives Freizeit- und Familienleben ermöglicht. Denn freitags geht es spätestens um 15.00 Uhr ins Wochenende. Wer länger arbeitet, verliert seinen guten Ruf.

Die beliebten Holzhütten weit weg vom normalen Alltag erlauben pure Natur. Wer so lebt, hat eine innige Beziehung zur Familie und der Natur. Ein solches Umfeld bietet zugleich Raum für Kunst und Kultur und fördert Werte, die ein soziales Miteinander in den Vordergrund stellen. Ein Dorf, in dem Bücher die Hauptrolle spielen, ein Museum, das einsam am Fjord auf Besucher wartet oder ein Rockfestival in der Einsamkeit sind nur einige Beispiele. Spontane Feiern werden ebenso gern angenommen wie ehrenamtliches Engagement. Weiterlesen

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Volker Langenbein: Totengräbers Tagebuch

Volker Langenbein, genannt Rusty, wuchs in einer Gegend auf, „in der man nicht überall spielen durfte, denn es konnte relativ schnell passieren, dass man eine Backpfeife sitzen hatte, wenn man in die ‚falsche Straße‘ kam.“ (Zitat aus Einleitung) Obwohl ihn seine Mutter liebevoll erzogen hatte, geriet er in kriminelle Kreise und er gibt unumwunden zu, dass er sich die „Leiter nach unten“ selbst gebastelt hatte. Was er trieb waren keine „Kleine-Strolche-Straftaten“ mehr. Als eine Haftstrafe im Raum stand, war ihm klar, dass er etwas ändern musste. Und er hat die Kurve gekriegt.

Nach verschiedenen Jobs landet er auf dem Friedhof – als Arbeiter in der „Gärtnertruppe“. Sein Kollege Manne begrüßt ihn locker und mit der Ansage, dass er sich keinen Stress machen soll. Und schon ist die Sache geritzt. Rusty gewöhnt sich ein und lernt schnell dazu. Laub rechnen, Hecken schneiden, Gräber gießen, zwischendrin schnell mal eine Kippe – alles kein Problem. Mit den Toten hat er nur aus der Ferne Kontakt. Sobald ein Trauerzug vorbeikommt, verschwinden die Gärtner in den Büschen.

Doch nach einem Jahr läuft sein Vertrag aus. Bei den Gärtnern ist nichts mehr frei. Aber weil sich Rusty bewährt hat, bekommt er von der Friedhofsleitung ein Angebot: Wenn er möchte, kann er bei den Totengräbern anfangen. Alles muss schnell gehen, er hat keine Bedenkzeit. Kurzentschlossen sagt er zu. „Einmal tief durchgeatmet und …A star was born! Oder: Ein Narr was born? Ich hatte keine Wahl. Also rein in den Untergrund. Rein in die Tatsache, Konfrontation Tod.“ (Zitat: Kapitel „Das erste Jahr“) Weiterlesen

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Irene Götz (Hrsg.): Kein Ruhestand: Wie Frauen mit Altersarmut umgehen

Wenn eine Frau wenig eigenes Geld verdient, dann sind die Aussichten für ein gesichertes Leben im Alter alles andere als gut. Im Prinzip ist dies jedem denkenden Mensch klar. Doch diese logische Konsequenz wird häufig verdrängt, weil Sachzwänge oder festgelegte Rollenbilder im Vordergrund stehen.

Wie Rentnerinnen heute mit der Armut umgehen, hat die Herausgeberin Irene Götz anschaulich in einem fundierten Sachbuch festgehalten. Hierfür wurden viele Betroffene über mehrere Jahre von einem Autorenteam begleitet und interviewt. Ihre berührenden Geschichten dienen der Aufklärung.

Untersuchungen zeigen, dass ein finanziell gesicherter Lebensabend kein verbrieftes Recht ist. Das ganze Konzept steht und fällt mit den Einkünften, den Rücklagen und im besten Fall mit einer Erbschaft. Jeder zweite Deutsche wird ein Vermögen erben, sofern der Erblasser nicht schon vorzeitig sein Geld für Pflegekosten ausgegeben hat. Weiterlesen

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Graham Swift: Einen Elefanten basteln: Vom Leben im Schreiben

Der britische Schriftsteller und Man Booker Prize Träger von 1996 Graham Swift (Jahrgang 1949) schreibt in „Einen Elefanten basteln“ über sich und seinen Werdegang zum Schriftsteller. Das Buch erschien am 18. April 2019 bei dtv in einer Übersetzung von Susanne Höbel. Die Originalausgabe „Making an Elephant: Writing from Within“ stammt aus dem Jahre 2009.

Darin findet sich eine Zusammenstellung von Texten, Interviews, Fotos und Gedichten, die Graham Swift über sein Leben oder besser gesagt aus seinem Leben zusammengestellt hat. Er erzählt über seine Kindheit, seine Familie, seinen Wunsch, Schriftsteller zu werden und sein „Leben im Schreiben“. Dabei widmet Swift immer wieder auch befreundeten Schriftstellerkollegen Texte, überwiegend in Form von Interviews. Entstanden ist eine Sammlung von Geschichten, die wie Swift sagt „das Persönliche“ betonen.

Swift beginnt mit seinen Kindheitserinnerungen an die Polio-Schutzimpfung und den Weihnachtsmann in der Grotte, schreibt über seine abenteuerliche Reise nach Griechenland in den 1960er Jahren vor Beginn seines Studiums, seinen späteren Aufenthalt dort als Englischlehrer und über die Gewissheit, dass er Schriftsteller werden wird. 1976 lernt Swift seinen ersten Lektor und Verleger, Alan Ross, kennen. Mit ihm veröffentlicht er seinen ersten Roman „Ein ernstes Leben“. Weiterlesen

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Michaela Karl: „Ich würde so etwas nie ohne Lippenstift lesen“

Maeve Brennan (1917 – 1993) misst 1,50 m, ist quirlig, klug und freiheitsliebend. 1933 zieht ihre Familie nach Washington. Die Berufung ihres Vaters als Legationsrat der irischen Gesandtschaft ermöglicht der Familie einen noch nie gekannten Luxus und eine finanzielle Sicherheit. Nach dem Umzug geht Maeve weiter zur Schule und studiert, während der Vater seine politische Karriere nach vorn treibt.

Eine unglückliche Liebe führt sie ohne Universitätsabschluss nach New York. Anfang der vierziger Jahre ist es nicht leicht, in Manhattan eine bezahlbare Wohnung zu finden. Maeve wird eine Frau, die häufig umzieht und dabei Greenwich Village bevorzugt. Während sie in New York als Bibliothekarin arbeitet, beginnt sie mit dem Schreiben. Ihre erste Kurzgeschichte Die Besucherin, wird nach ihrem Tod entdeckt und als eines ihrer wichtigsten Werke angesehen.

1943 beginnt sie als Werbetexterin bei Harpers’s Bazaar und wird schnell – auch über ihre Arbeit bei Junior Bazaar – zur Stilikone. Das Kleine Schwarze will nicht zu dem von der Mode diktierten Tellerrock passen. Doch für Maeve hat dieser Look durchaus praktische Erwägungen: Sie kann direkt von der Arbeit zur Party gehen und ist immer passend angezogen. Zu ihren Markenzeichen gehören hochgesteckte Haare, eine auffallende Brille, Perlenkette und ein stark geschminktes Gesicht. Dort, wo sie sich gerade aufhält, vermischt sich der Rauch ihrer Zigaretten mit einem luxuriösen, schweren Parfüm. 1949, nach einer erneuten Beförderung bei Harper’s Bazaar, wechselt sie zum New Yorker, ein Magazin, das speziell für die New Yorker Bevölkerung konzipiert worden ist und Heimat vieler berühmter Autoren war. Weiterlesen

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Ines Maria Eckermann: Ich brauche nicht mehr: Konsumgelassenheit erlangen und nachhaltig glücklich werden

Da ich privat auch gerade versuche, mich von Schränke füllendem Ballast zu befreien, kam das Angebot, dieses Buch zu rezensieren, wie gerufen. Und es hat mehr gehalten, als ich erwartet hatte.

Ines Maria Ackermanns Buch ist nämlich kein herkömmlicher Ratgeber. Es ist geradezu eine philosophische Reise zum inneren Glück.

Wer hier lediglich nach einfachen, schnell umzusetzenden Tipps und Ratschlägen sucht, wird vermutlich enttäuscht werden. Denn um seine Gewohnheiten nachhaltig zu ändern, bedarf es einer grundlegenden Lebensumstellung. Dazu müssen wir zunächst einmal verstehen, warum uns (und auch unsere Umwelt)  unser derzeitiges, konsum getriebenes Leben, unglücklich macht. Was braucht es, um ein wirklich glückliches Leben zu führen? Zwar waren sich da offensichtlich schon

die großen Philosophen der Antike uneins. Aber eins stand für alle – ob Hedonisten, Stoiker oder Kynisten – fest: Es ist nicht der materielle Besitz.

Obwohl auch jenseits der Philosophie vordergründig trockene Themen (Pflanzengifte, der Abbau der Ozonschicht, nachhaltige Ernährung) angesprochen werden, ist das Buch wirklich amüsant und kurzweilig geschrieben. Und natürlich enthält es auch ein paar praktische Tipps zum Beispiel zum Elektronik Fasten oder „In 7 Schritten zu mehr JOMO“. Weiterlesen

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Walter Rügert (Hrsg.): Aus dem Leben von Clara und Emanuel von Bodman

Emanuel von Bodman ist kein Autor, den heutzutage noch viele Menschen kennen. Doch seine Gedichte, Dramen und Novellen wären wahrscheinlich noch weit unbekannter, wenn nicht seine dritte Ehefrau Clara ihr Leben der Aufgabe gewidmet hätte, während der Ehe ihrem Mann den Rücken freizuhalten und nach dessen Tod sein Werk zu bewahren und den Menschen zugänglich zu machen. Diese Hingabe hat sie in ihrem langen Leben (1890-1982) begleitet und geleitet. Sie selbst hat sich mit dieser Entscheidung glücklich gefühlt, auch wenn die Zeiten nicht immer rosig waren.

Dass Clara von Bodman nicht nur die liebevolle „Frau an seiner Seite“, sondern eine kluge, belesene und sprachlich ausdrucksstarke Frau war, die gleichzeitig mit beiden Beinen auf der Erde stand und den gemeinsamen Alltag organisierte, zeigen die von Walter Rügert herausgegebenen Texte.

Ihr kurzer „Nachruf zu Lebzeiten“ leitet das Buch ein. Hierin hat Clara von Bodman schon früh die ihrer Meinung nach wichtigsten Daten und Ereignisse ihres Lebens zusammengefasst. So gibt sie nicht nur dem Pfarrer für ihre Beerdigung, sondern auch den Leserinnen und Lesern einen Überblick über ihren Werdegang und darüber, was ihr wichtig war. Weiterlesen

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