Ali Smith: Herbst

Ali Smith (Jahrgang 1962), geboren in Schottland, lebt und arbeitet im englischen Cambridge. Mit ihren Arbeiten stand sie schon mehrfach auf der Shortlist zum Man Booker Prize. Das letzte Mal 2017 mit ihrem Roman „Autumn“ aus dem Jahre 2016, der am 21. Oktober 2019 mit dem Titel „Herbst“ im Luchterhand Literaturverlag erschienen ist. Übersetzt wurde der Roman von Silvia Morawetz. „Herbst“ ist der erste Roman aus einem Jahreszeitenquartett, an dem Ali Smith aktuell arbeitet. Die Bücher „Winter“ und „Spring“ sind auf Englisch bereits veröffentlicht worden.

„Herbst“ ist der Herbst 2016 nach dem britischen Referendum zum Austritt aus der Europäischen Union. Leider erscheint die deutsche Übersetzung erst drei Jahre später und verhindert damit für den deutschsprachigen Leser bzw. Leserin den unmittelbaren Bezug zu den politischen Ereignissen 2016 und deren Brisanz:

„Im ganzen Land wurde Trübsal geblasen und gejubelt. Im ganzen Land schnellte das Geschehene hin und her, als wäre ein Stromkabel bei Sturm von einem Mast gerissen worden und schnellte nun über den Bäumen, den Hausdächern und dem Verkehr hin und her.“ (S. 67)

Auf zwei Seiten komprimiert beschreibt Ali Smith die Widersprüche von Land und Leuten nach dem Referendum. „Im ganzen Land fiel das Land in Stücke. Im ganzen Land trieben die Stücke voneinander fort.“ (S. 69) Weiterlesen

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Jussi Adler-Olsen: Opfer 2117: Der achte Fall für Carl Mørck, Sonderdezernat Q

Der dänische Schriftsteller Jussi Adler-Olsen (Jahrgang 1950) schreibt schon seit mehr als zehn Jahren an seiner Reihe um Carl Mørck vom Sonderdezernat Q. Mit „Erbarmen“ aus dem Jahr 2008 startete die Erfolgsserie von Adler-Olsens Thriller. Nun erschien am 10. Oktober 2019 der achte Fall für Carl Mørck mit dem Titel „Opfer 2117“ in einer Übersetzung von Hannes Thiess.

Alles fängt damit an, dass der spanische Journalist Joan Aiguader am Strand von Ayia Napa auf Zypern Fotos von einer scheinbar ertrunkenen, älteren Frau und umstehenden Trauernden macht. Diese Fotos mit dem Opfer Nummer 2117 (ertrunkene Flüchtlinge im Mittelmeer) schickt Aiguader an seine Redaktion von „Hores del dia“ und von dort aus gehen sie durch die internationale Presse, weil die Frau nicht, wie angenommen, ertrunken ist, sondern erstochen wurde. Aiguader wird auf die Geschichte angesetzt.

Gleichzeitig sitzt irgendwo in Kopenhagen ein junger Mann, Alexander, vor dem Computer und spielt Tag und Nacht Ballerspiele. An seinen Zimmerwänden hängen der Zeitungsartikel mit dem Foto von Opfer Nummer 2117 und ein Samuraischwert. Weiterlesen

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Håkan Nesser: Der Verein der Linkshänder

Der Schwede Håkan Nesser (Jahrgang 1950) schreibt Krimis, Psychothriller und Romane. Er zählt zu den bekannten und berühmten Schriftstellern Skandinaviens. In Deutschland kennt und schätzt man vor allem seine Krimis um die Kommissare Van Veeteren und Barbarotti. Und in seinem neuesten Buch „Der Verein der Linkshänder“ lässt Nesser die beiden Ermittler aufeinander treffen. Der Krimi ist am 23. September 2019 in einer Übersetzung von Paul Berf bei btb erschienen.

„Der Verein der Linkshänder“ spielt auf drei Zeitebenen (Ende der 1950er bis Ende der 1960er Jahre, 1991 und 2012) und lässt den inzwischen pensionierten Kommissar Van Veeteren in einem alten Mordfall mit vier Opfern ermitteln, der durch das aktuelle Auftauchen einer fünften Leiche in einem anderen Licht erscheint. Diese Leiche kann nicht der Mörder gewesen sein, d. h. der Mörder befindet sich noch immer auf freiem Fuß. Das kratzt mächtig an Van Veeterens Ermittlerkompetenz, hatte er doch damals den Fall als gelöst zu den Akten gelegt. Inzwischen betreibt Van Veeteren eine Buchhandlung und steht kurz vor seinem 75. Geburtstag. Er begibt sich mit seiner Frau Ulrike Fremdli, statt zu feiern, nach Oosterby, dem Ort des damaligen Verbrechens. Weiterlesen

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Peter Henning: Die Tüchtigen

Der deutsche Journalist und Schriftsteller Peter Henning (Jahrgang 1959) lebt und arbeitet in Köln. 2018 erschien sein Reisebericht „Mein Schmetterlingsjahr“. Sein letzter Roman „Die Chronik des verpassten Glücks“ aus dem Jahre 2015 wurde beim Luchterhand Literaturverlag veröffentlicht. Hier erschien auch „Die Tüchtigen“ am 2. September 2019.

Darin die Geschichte der Unterhaltungsschriftstellerin Katharina Weskott, die mit ihrem Mann, dem Piloten Robert, und drei befreundeten Paaren ein Wochenende in einem niederländischen Hotel verbringt. Anlass ist Katharinas 50. Geburtstag. Die Geschichte ist gegliedert in die Tage 1 bis 4. Innerhalb der Kapitel wechseln die Perspektiven. Es wird abwechselnd aus Sicht der vier Paare erzählt. Da sind die Hausfrau und Mutter Belinda und ihr nach Nasentropfen süchtiger Ehemann Tom, ein Fondmanager. Der depressive Tontechniker Stefan und seine Frau Feline, die als Lehrerin arbeitet.  Und Anne, die die Damenabteilung einer ZARA-Filiale leitet, und ihr Freund Marc, Geschäftsführer einer Mercedes-Niederlassung. Weiterlesen

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Jo Nesbø: Messer: Ein Fall für Harry Hole

Der Norweger Jo Nesbø (Jahrgang 1960) gehört zu den erfolgreichsten internationalen Krimischreibern. Seine Harry-Hole-Reihe hat Kultstatus. Bei Ullstein Buchverlage ist am 27. August 2019 Fall Nummer 12 mit dem Titel „Messer“ in einer Übersetzung von Günther Frauenlob erschienen.

Harry Hole ist an einem weiteren Tiefpunkt seines Lebens angelangt: Rakel hat ihn rausgeschmissen, er trinkt wieder und sein Job an der Polizeihochschule ist auch futsch. Harry weiß nicht, warum Rakel sich von ihm getrennt hat. Er versinkt in Selbstmitleid und noch mehr Alkohol. Dann erreicht ihn die schlimmste aller Mitteilungen: Rakel wurde ermordet. Und Harry hat den Abend und die Nacht im Vollrausch verbracht, er erinnert sich an nichts. Die Ermittlungen beginnen. Katrine Bratt, Harrys Chefin,  muss ihn suspendieren. Sie ist inzwischen mit Björn Holm, dem Kriminaltechniker verheiratet. Die beiden haben einen kleinen Sohn. Auch Ole Winter vom Kriminalamt wird eingeschaltet. Es gibt keine Spuren. Aber Harry Hole hat einen Verdacht: Svein Finne, der Vergewaltiger und Mörder, den Hole ins Gefängnis brachte. Harry vermutet Rache als Svein Finnes Motiv, weil Harry dessen Sohn Valentin Gjertsen erschossen hat.

Svein Finne spielt sein eigenes makabres Spiel. Doch dann gerät Rakels Chef Roar Bohr in den Fokus der Ermittlungen. Harry Hole folgt seinem Bauchgefühl, unterstützt von Kaja Solness, seiner  Ex-Kollegin und Ex-Freundin und Alexandra Sturdza von der Rechtsmedizin. Bald entsteht in Hole ein ungeheurer Verdacht, Weiterlesen

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Isabel Allende: Dieser weite Weg

Über Isabel Allende (Jahrgang 1942) braucht es nicht viele Worte. Die weltberühmte chilenische Schriftstellerin gehört zu den großen lateinamerikanischen Erzählern der Gegenwart. Sie feierte in diesem August ihren 75. Geburtstag. Ihr grandioses Erstlingswerk „Das Geisterhaus“ wurde zum Weltbestseller und mit Jeremy Irons und Meryl Streep in den Hauptrollen vom dänischen Regisseur Bille August 1993 verfilmt. Es folgten zahlreiche weitere Bücher wie „Paula“ (1995) oder zuletzt „Ein unvergänglicher Sommer“ (2018). Der Suhrkamp Verlag veröffentlichte am 27. Juli 2019 ihren neuesten Roman mit dem Titel „Dieser weite Weg“ in einer Übersetzung von Svenja Becker.

Darin die Geschichte des Katalanen Victor Dalmau und seiner Schwägerin Roser Bruguera, die vor dem Bürgerkrieg in Spanien und vor General Francisco Franco 1939 nach Südfrankreich fliehen. Dort besteigen sie einen ehemaligen Frachter, die „Winnipeg“, für den Pablo Neruda, der chilenische Dichter, Geld sammelte und ihn für die Passagiere ausstattete, um spanische Exilanten nach Chile zu bringen. Victor, ältester Sohn des Musikprofessors Marcel Lluis und der Lehrerin Carme Dalmau, studiert Medizin und geht als Sanitäter in den Krieg. Auch sein Bruder Guillem, kämpft gegen das Militär auf Seiten der Republikaner. Roser, eine sehr begabte Pianistin, wird Gast im Hause der Dalmaus. Guillem und Roser verlieben sich ineinander und verloben sich. Nach einem Herzinfarkt stirbt Professor Dalmau und Guillem kommt bei einem Bombenangriff ums Leben. Die hochschwangere Roser macht sich mit Victors Mutter Carme und mit Hilfe von Aitor Ibarra, einem guten Freund von Victor, auf den beschwerlichen Weg nach Frankreich. Unterwegs geht Carme verloren. Roser bekommt einen Jungen, den sie Marcel nennt. Auch Victor entkommt nach Südfrankreich. Er findet Roser und gesteht ihr, dass Guillem tot ist. Weiterlesen

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Brigitte Kronauer: Das Schöne, Schäbige, Schwankende

Brigitte Kronauer (Jahrgang 1940) ist tot. Die Schriftstellerin starb am 22. Juli 2019 in Hamburg. Die vielfach Ausgezeichnete gilt als eine der renommiertesten Autorinnen der deutschen Gegenwartsliteratur. Einfach zu lesen sind Kronauers Werke nicht. Und das gilt auch für ihr letztes. „Das Schöne, Schäbige, Schwankende“ erschien ein paar Wochen nach ihrem Tod am 9. August 2019 im Klett-Cotta Verlag.

Im Untertitel trägt das Buch die Bezeichnung Romangeschichten. Und so finden die Lesenden fünf Kapitel mit Geschichten vor. Den Anfang mit dem ersten, titelgebenden Kapitel hält Brigitte Kronauer kurz. Hier lässt sie ihre Ich-Erzählerin Charlotte, Schriftstellerin, wie die Autorin selbst, in einem Haus auf dem Land mit blauen Schlagläden, in das sie von einem Ornithologen samt Ehefrau eingeladen wurde, über ein Romanmanuskript mit dem Titel „Glamouröse Handlungen“ brüten. Aber inspiriert von zahlreichen Fachbüchern, Fotos, Zeichnungen und Abbildungen von Vögeln aller Art und langen Spaziergängen in der Natur entdeckt sie in den Vögeln Ähnlichkeiten mit Menschen aus ihrem Leben. Sie entwirft „neununddreißig Porträts zu je dreizehn nach drei Kategorien geordnet…: Das Schöne, das Schäbige, das Schwankende.“ Und schon fließen ihr die Wörter aus der Feder. Die plötzliche und unerwartet verfrühte Rückkehr des Ornithologen-Ehepaares beendet den Schreibrausch. Weiterlesen

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Friedrich Ani: All die unbewohnten Zimmer

Friedrich Ani (Jahrgang 1959) ist einer der bekanntesten deutschen Krimiautoren. Vor allem seine Romane rund um den Ermittler in Vermisstenfällen Tabor Süden haben eine große Leserschaft. Sein neuer Roman „All die unbewohnten Zimmer“ ist am 17. Juni 2019 im Suhrkamp Verlag erschienen.

In „All die unbewohnten Zimmer“ treten geballt die Protagonisten aus Anis Krimis auf. Tabor Süden, Jakob Franck, Polonius Fischer und Fariza Nasri ermitteln in München, zunächst unabhängig voneinander, in zwei Mordfällen. Die Buchhändlerin Anna Walther wird auf offener Straße erschossen, der Polizist Max Gronsdorff schwer verletzt.  Der Tatverdächtige Anton Frey ist schnell gefunden und gefasst. Über sein Motiv schweigt er sich anfangs aus.

Der zweite Mord erweist sich als wesentlich komplizierter: Philipp Werneck, ein junger Streifenpolizist, wird erschlagen aufgefunden. Er verfolgte zwei Kinder, die Obst gestohlen haben sollten. Sein Kollege Tim Gorden saß während der Tat im Streifenwagen. Die Tat ereignete sich am Rande eines Aufmarsches der Partei „Patriotische Allianz Deutschlands“ (PAD). Als Jakob Franck dem Vater von Philipp, Ralph Werneck, die Todesnachricht überbringt, bedroht ihn dieser mit einem Revolver. Weiterlesen

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Anna Enquist: Denn es will Abend werden

Die niederländische Schriftstellerin Anna Enquist (Jahrgang 1945) ist Pianistin und Psychoanalytikerin. Sie lebt und arbeitet in Amsterdam. 2015 veröffentlichte der Luchterhand Literaturverlag die deutsche Erstausgabe ihres Romans „Streichquartett“, in dem es um vier Freunde geht, die zusammen in ihrer Freizeit auf einem Hausboot musizieren und versuchen, ihren Alltag zu meistern. Am Ende des Romans werden sie zu Opfern einer Gewalttat. Enquists neuer Roman „Denn es will Abend werden“ knüpft an das „Streichquartett“ an. „Denn es will Abend werden“ ist am 24. Juni 2019 in einer Übersetzung von Hanni Ehlers im Luchterhand Literaturverlag erschienen.

Carolien, Jochem, Heleen und Hugo, die vier Freunde aus dem „Streichquartett“, haben mit den Folgen des Überfalls mit Geiselnahme (Hugos kleine Tochter Laura sollte als Geisel dienen)  und der Explosion von Hugos Hausboot zu kämpfen. Sie haben ihre Instrumente verloren und ihre Freundschaft droht zu zerfallen. Carolien, die Ärztin, hat ihren kleinen Finger bei der Gewalttat durch den aus dem Gefängnis entflohenen Olivier Helleberg verloren. Weiterlesen

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Javier Marías: Berta Isla

Der spanische Schriftsteller Javier Marías (Jahrgang 1951) gilt als Anwärter auf den Literaturnobelpreis. Er wurde in Madrid geboren. Sein Vater, ein Philosoph, litt unter der Verfolgung durch das Franco-Regime. Die Familie lebte zeitweise in den USA, so dass Marías zweisprachig aufwuchs. Javier Marías erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen. Er lehrte in Oxford und lebt heute in Madrid. Es kommt daher nicht von ungefähr, dass beide Städte wiederkehrende Schauplätze in seinen Romanen sind. So auch in Marías‘ neuestem mit dem Titel „Berta Isla“, den der S. Fischer Verlag in einer Übersetzung von Susanne Lange am 22. Mai 2019 veröffentlichte.

In dem mehr als 650 Seiten starken Roman erzählt Javier Marías die Geschichte des  (Ehe-)Paares Berta Isla und Tomás (Tom) Nevinson. Tomás‘ Mutter ist Spanierin, sein Vater Brite. Berta und Tomás lernen sich während ihrer Schulzeit in den 1960er Jahren in Madrid kennen und wissen, dass sie füreinander bestimmt sind. Tomás geht nach dem Abitur zum Studium nach Oxford. Berta und er erleben als Studenten die sexuelle Befreiung der 1968er Jahre. Sie in Spanien, Tomás in Großbritannien. Und dennoch wissen sie, dass sie nach Tomás‘ Rückkehr heiraten werden. Weiterlesen

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