John von Düffel: Der brennende See

Ein hochaktuelles Thema in einem Roman verpackt. John von Düffel präsentiert hier eine ruhige Geschichte mit wenig plakativer, aktionsreicher Handlung. Er konzentriert sich wesentlich mehr auf die inneren Befindlichkeiten der Protagonistin, über die die Leserin wenig zu Aussehen, Alter oder Beruf erfährt.

Hannah kommt in die Stadt ihrer Kindheit zurück. Ihr Vater ist vor kurzem gestorben, die Beerdigung war schon und nun will sie seinen Haushalt auflösen und ihre Erbschaft antreten. In der leeren Wohnung ihres Vaters findet sie ein Foto einer ihr unbekannten jungen Frau. Hannah hält sie für eine Mitarbeiterin des Pflegedienstes, der am Ende ihren Vater, einen mehr oder weniger erfolgreichen Schriftsteller, versorgt hat. Als ihr wenig später dieselbe Frau am See, in dem Hannah ein Bad nimmt, das Fahrrad klaut, das Hannah kurz vorher im Keller ihres Vaters gefunden hatte, ist sie immer mehr verwirrt. Nachdem sie danach auch noch von ihrem Anwalt erfährt, dass ihr Vater sie enterbt hat und über das Wenige, das er besaß, anderweitige Verfügungen getroffen hat, ist sie gekränkt und möchte nur noch schnellstens wieder abreisen und in ihren Alltag zurück. Doch dann trifft sie eine Freundin aus Schultagen wieder, die sie zu sich einlädt. Im Haus der Freundin Vivien und ihres Mannes Matthias begegnet Hannah der Frau von dem Foto.

Julia, Viviens Tochter, ist eine Umweltaktivistin und stand, so scheint es, Hannahs Vater näher als seine eigene Tochter. Weiterlesen

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Eric Berg: Totendamm

Dieses Buch ist bereits 2018 unter dem Titel „So bitter die Rache“ im Limes Verlag erschienen.

Die Diplomatengattin Ellen hat sich von ihrem in Asien tätigen Ehemann getrennt und kehrt mit ihrem vierzehnjährigen Sohn Tristan nach Deutschland zurück. Sie erwirbt ein Haus in Heiligendamm an der Ostsee, ein Haus in einer abgeschlossenen Siedlung namens Vineta. Erst nach dem Einzug erfährt sie, dass in diesem Haus vor sechs Jahren ein Dreifachmord geschah. Ellen versucht, sich von der Vergangenheit ihres Hauses nicht einschüchtern zu lassen; als jedoch Gegenstände verschwinden und sie mehr über die früheren und derzeitigen Nachbarn erfährt, wandelt sich ihre Distanz nach und nach erst in Neugier und schließlich in Besorgnis.

Der Roman erzählt die Vorkommnisse auf zwei Zeitebenen: einmal erleben wir die Gegenwart, als Ellen nach Vineta kommt und zum anderen die Ereignisse sechs Jahre vorher. Die Geschehnisse werden aus unterschiedlichen Perspektiven berichtet und so lernt die Leserin Zug um Zug alle Protagonisten kennen. Von den Nachbarn, die zur Zeit des Verbrechens schon in der Siedlung lebten, lernt Ellen zuerst Ruben kennen, den geistig behinderten Nachbarn, mit dem sich ihr Sohn Tristan anfreundet. Ellen kämpft mit ihren Vorbehalten gegen Ruben und hat deswegen ein schlechtes Gewissen. Das führt wiederum dazu, dass sie Ruben weiter in ihr Leben hineinlässt, als sie eigentlich will. So lernt sie auch Sven, seinen amtlichen Betreuer vom Jugendamt, kennen. Weiterlesen

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Oliver Buslau: Feuer im Elysium

Zum Beethovenjahr der Beethovenkrimi. Und ein hervorragender noch dazu.

Oliver Buslau ist mir bislang bekannt als Autor von Heimatkrimis; so habe ich von ihm gelesen „Der Bulle von Berg“, ein eher durchschnittlicher Kriminalroman. Außerdem habe ich ihn erlebt als Mitglied einer Band, die aus mehreren Krimiautoren besteht und die gemeinsam ihre Musik und ihre Texte vortragen – sehr unterhaltsam und sehr professionell. Oliver Buslau ist aber nicht nur Krimiautor und Bandmitglied, er hat auch Musikwissenschaft studiert und ein Sachbuch mit dem Titel „111 Werke der klassischen Musik, die man kennen muss“ herausgebracht. Die besten Voraussetzungen also für das Verfassen einen historischen Musikkrimis.

Der eine Protagonist des Romans, Sebastian Reiser, verliert durch einen Unfall Vater, Arbeitgeber und Stellung. Er geht nach Wien, wo er noch ein paar Verbindungen aus der Zeit seines Jurastudiums hat. Er sucht eine neue Anstellung, auch weil er die Hoffnung, seine geliebte Theresia, Tochter seines verstorbenen Arbeitgebers, wiederzusehen, nicht aufgeben will. Weiterlesen

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Megan Miranda: Little Lies – Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht

Die Journalistin Leah hat ein Geheimnis in ihrer Vergangenheit und zieht deswegen aus Boston in eine Kleinstadt weitab vom Großstadtleben. Sie mietet ein Haus zusammen mit einer Freundin aus Collegezeiten, Emmy. Leah arbeitet als Lehrerin, Emmy, so hat sie ihr erzählt, verdient sich ihr Geld an der Rezeption eines Hotels und mit Putzen.

Eines Tages ist Emmy verschwunden. Leah fällt dies wegen ihrer unterschiedlichen Arbeitszeiten erst nach Tagen auf und, nachdem eine schwerverletzte Frau gefunden wird, fängt sie an, sich Sorgen zu machen. Der ermittelnde Kommissar Kyle beginnt zusammen mit ihr, nachzuforschen. Dabei finden sie vor allem heraus, dass Leah so gut wie nichts über Emmy weiß. Statt Antworten tauchen immer mehr Fragen auf: wer ist Emmy, wieso gibt es nirgendwo Spuren von ihr, keine Vergangenheit, keine Gegenwart.

Die Handlung verspricht einen Thriller mit reichlich Nervenkitzel und Hochspannung. Es gibt immer neue Wendungen, so dass man im Laufe der Lektüre nie sicher sein kann, wer die Wahrheit sagt und wer etwas verbirgt. Weiterlesen

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Jutta Bauer: Kater Liam

#Bei diesem kleinen Band muss man aufpassen, dass die Rezension nicht länger wird als das Buch.

Jutta Bauer legt hier ein wunderschön gestaltetes und humorvolles Buch vor, das die Welt aus dem Blickwinkel eines erfahrenen Katers betrachtet. So arbeitet er sich thematisch an allem ab, was für ihn wichtig oder völlig unverständlich ist. Zu letzterem gehört zum Beispiel die merkwürdige Angewohnheit der Menschen, sich mit Wasser zu putzen. Wasser ist doch nur zum Trinken da. Oder dieses Rätsel, warum die Menschen verreisen und dafür solche großen Kästen auf Rollen mit Sachen vollpacken. Oder noch schlimmer, ihn, den Kater, in die „Angsttasche“ stecken und mitnehmen.

Es macht sehr viel Spaß, diese skurrilen Ansichten von Kater Liam zu lesen, besonders, da sie von den witzigen und treffenden Zeichnungen der Autorin so perfekt illustriert werden. Leider kann man keines dieser kleinen Bilder, beispielsweise, wie der Kater seine Lieblingsplätze verteidigt, in einer Rezension zitieren, also bleibt nur: selbst lesen und sich daran erfreuen. Weiterlesen

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Nicolas Barreau: Die Liebesbriefe von Montmartre

Eigentlich mag ich die Bücher von Nicolas Barreau. Hinter diesem Namen, so wird gemunkelt, verbirgt sich in Wahrheit eine deutsche Verlagsmitarbeiterin. Das würde erklären, warum für diesen Roman kein*e Übersetzer*in genannt wird und auch kein französischer Originaltitel, obwohl es sich, laut Autorenkurzbiographie im Klappentext, um einen in Paris lebenden Franzosen handelt soll. Aber wie auch immer, die bisherigen Romane von Nicolas Barreau haben mir in der Regel gut gefallen, sie waren geprägt von reichlich Romantik, einem zarten Humor und auch durchaus spannend.

Der vorliegende Band aber ist ihm doch sehr schmalzig geraten. Julien Azoulay, junger Vater eines kleinen Sohnes, ist frisch verwitwet. Seine über alles geliebte Frau Hélène starb vor einem halben Jahr an Krebs. Kurz vor ihrem Tod hat sie ihm das Versprechen abgenommen, ihr in den Folgemonaten 33 Briefe zu schreiben und diese auf ihrem Grab zu verstecken. Erst nach und nach kann sich Julien, ein mehr oder weniger erfolgreicher Schriftsteller – eine in Barreaus Büchern immer wiederkehrende Berufsgruppe – dazu durchringen, den Wunsch seiner Frau zu erfüllen. Weiterlesen

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Antonia Michaelis: Mr. Widows Katzenverleih

Man nehme eine Prise Mystik, eine gute Portion Romantik, eine große Dosis Spannung und eine ganze Anzahl skurriler Katzen. Und man erhält einen liebens- und lesenswerten Roman von Antonia Michaelis.

Der alte Mr. Widow lebt in einer großen deutschen Stadt in einem kleinen Häuschen, das zwischen vielen hohen, glasverblendeten Gebäuden in einem winzigen Garten steht. Mit ihm in seinem Haus leben – aus eigenem Entschluss – gut vierzig Katzen, junge und alte, gesunde und behinderte, stolze, verfressene und verschmuste Katzen in allen Farben und Schattierungen und vor allem: jede mit einem sehr eigenen Charakter.

Archibald Widow betreibt einen Katzenverleih, das bedeutet, dass er jedem, dem bei der Bewältigung ganz spezieller Probleme eine Katze oder ein Kater helfen könnte, ein besonders geeignetes Exemplar verleiht. Allerdings entscheidet im jeweiligen Fall ausschließlich die Katze, der „Patient“ darf sie sich nicht selbst aussuchen.

Eines Tages folgt Mr. Widow in einer stürmischen Regennacht dem Wimmern von Katzen und findet einen Wurf Kätzchen in einer großen Mülltonne. Darin sitzt aber auch, frierend und ängstlich, eine junge schwangere Frau. Nancy Müller, wie sie sich nennt, hat ein großes Interesse daran, dass Mr. Widow ihre Vergangenheit und ihren wahren Namen nicht erfährt. Und auch niemand anderer. Nancy ist auf der Flucht und daher mehr als dankbar, als Mr. Widow ihr eine Stelle als seine Haushaltshilfe und Assistentin anbietet. Weiterlesen

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Anne Weiss: Mein Leben in drei Kisten

Ein Radiointerview hatte mich auf dieses Buch aufmerksam gemacht. Erwartet hatte ich daraufhin einen Ratgeber, wie man am geschicktesten und elegantesten sein Zuhause ausmistet. So wurde dieses Buch in dem gehörten Interview mit der Autorin geschildert.

Doch irgendwie kann sich das Buch nicht so richtig entscheiden, ob es nun eine Anleitung sein will zum Entrümpeln der eigenen vier Wände und des eigenen Lebens oder doch die biografische Aufarbeitung der Vergangenheit der Autorin Anne Weiss.

Das Buch beginnt mit der Rückkehr von einer ausführlichen Indienreise, welche der Autorin die Diskrepanz zwischen ihrem ziemlich luxuriösen Leben hier und der Armut dort vor Augen führt. Da sie auch gerade ihre Stellung verloren hat, scheint nun der ideale Zeitpunkt gekommen, dieses Leben umzukrempeln und zwar indem sie sich von all den überflüssigen Dingen trennt, die sie angesammelt aber nie gebraucht hat.

Sie fängt mit ihrem Kleiderschrank an und durchforstet ihn nach Kleidungstücken, die sie nie oder nur wenig getragen hat, um all diese auszusortieren. Leider aber zieht sich diese Aktion sehr lange hin, die Leserin erfährt die Geschichte jeder Hose und jedes Paars Schuhe, warum, wann und wie die Autorin sich dieses Teil erwarb. Und so geht es weiter, als sie ihre Wohnung nach „Stehrümchen“, also allem im Laufe der Jahre angesammelten Kitsch und Nippes durchsucht. Zu jeden Stück erzählt sie ausführlich die Umstände, wie sie zu der Figur oder dem Bild gekommen ist. So wird das ganze Buch zu einem Rückblick auf das Leben von Anne Weiss. Das ist recht interessant und vor allem ist es gut geschrieben. Der Stil der Autorin ist flüssig, abwechslungsreich und humorvoll. Weiterlesen

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Torsten Sträter: Es ist nie zu spät, unpünktlich zu sein

Das wird eine ganz kurze Rezension, denn ich kann sie in einem Wort zusammenfassen: Herrlich! Und da ich ein eingefleischter Torsten-Sträter-Fan bin, ist schon deswegen meine Beurteilung natürlich komplett unvoreingenommen.

Nein, im Ernst, die witzigen Geschichten, die spitzfindigen Glossen, die pointierten Beobachtungen und die liebevollen Ruhrpott-Anekdoten sind so wunderbar albern, so unglaublich treffend und so herrlich absurd, dass man sie einfach verschlingen muss. Oder, um mit Torsten Sträter zu sprechen: „Hallo, willkommen zu meinem neuen Buch! Komplett aus Holz, aber lustiger als eine Anrichte.“ (Klappentext).

Und wenn man dann beim Lesen mehrmals lauthals lachen muss, dann haben alle um einen herum auch noch was davon. Immerhin empfiehlt der Autor ja selbst, seine kurzen, aber prägnanten Texte zum Beispiel „In der Wanne. Im Zug. Bei der Fußpflege. Im Urlaub. …“ (S.10) zu lesen. Und meint dann, am Ende des unbedingt zu lesenden Vorworts: „Wenn Sie beim Lesen meine Stimme im Kopf haben, geht das übrigens völlig in Ordnung.“ (S. 11). Weiterlesen

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Penelope Fitzgerald: Die Buchhandlung (1978)

Diese Geschichte kann einfach nur in England spielen. Alle Charaktere, die Bewohner des kleinen Küstenstädtchens Hardborough, sind so wunderbar britisch, es ist ein wahrer Genuss, das schmale Buch zu lesen.

Penelope Fitzgerald erzählt von Florence Greene, einer verwitweten Frau in, wie sie selbst sagt, mittleren Jahren, die 1959 ein verlassenes, feuchtes, seit langem leerstehendes Haus in besagtem Städtchen erwirbt, um dort eine Buchhandlung zu eröffnen. Florence hat weder von Büchern noch von Buchhaltung eine wirklich fundierte Ahnung, aber sie ist zuversichtlich. Daran ändert auch der Poltergeist nichts, der, Klopfer genannt, im „Old House“ herumspukt. Hilfe für die Buchhaltung holt sich Florence bei einer jungen Nachbarin, Hilfe bei den Büchern bekommt sie von der zehnjährigen Christine, die ihr mit Strenge und Eigensinn zur Hand geht.

Hilfe hat Florence auch bald deswegen dringend nötig, weil die imposante Landadlige Mrs Gamart ihr das Leben schwer macht. Mrs Gamart hätte gerne das Old House als Kulturzentrum eingerichtet und sieht sich selbst bereits als gefeierte und verehrte Schirmherrin. Im Verlauf der Handlung lässt sie immer mehr ihren Einfluss spielen, um Florence zu vertreiben. An Florence‘ Seite stehen in dieser ungleichen Auseinandersetzung nur der Hilfstierarzt Raven und der alte, eigenbrötlerische Mr. Brundish. Die Einwohner von Hardborough stehen dem Projekt Buchhandlung eher skeptisch gegenüber. Weiterlesen

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