Alice Adams: Als wir unbesiegbar waren

„Die Clique“,  hätte natürlich auch gepasst, aber ich glaube, diesen Titel gab es schon. Wir begleiten Eva, Benedict und die Geschwister Sylvie und Lucien ca. 20 Jahre. Wir steigen ungefähr in dem Alter ein, als sie am Anfang ihres Studentenlebens sind,  irgendwo in England und wir enden quasi in der Mitte des Lebens, wo tiefgreifende Entscheidungen gefallen sind, Freundschaften mehrmals in Frage gestellt wurden und die Zukunft auf keinen Fall so (gekommen) ist, wie man sie sich in jungen Jahren vorgestellt hat.

Wir begegnen die unterschiedlichsten Persönlichkeiten auf ihrem Lebensweg, ihren Wandel, vor allem ihren Spiegel von sich selbst. Lucien, selbstgefällig immer ein „Mir gehört die Welt“ Typ – dazu Frauenheld und Spieler. Seine Schwester Sylvie, hochbegabte Künstlerinnentalent mit der Option auf eine große kreative Karriere mit dem größten Absturz. Weiterlesen

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Nedim Gürsel: Der Sohn des Hauptmanns

So ein Journalistenleben, spannend gelebt, hat viel zu erzählen. Franka Magnani, Ulrich Wickert, Scholl – Latour, etc., oder eher Tiziano Terzani „Das Ende ist mein Anfang“, im Übrigen sehr beeindruckend von Bruno Ganz gespielt. Vielleicht haben sich die beiden ja auch gekannt, der eine, Terziani, war Spiegel -Reporter und in aller Welt unterwegs, ebenso wie Gürsel. Sie sind, oder waren, in etwa gleich alt. Also warum nicht? Während Terzani die Sache mit dem Altwerden und dem nahen Tod eher mit erkenntnisphilosophischem Hintergrund angeht, bleibt Gürsel wohltuend realistisch. Er mag den Tod nicht, hat aber gleichwohl ein Einsehen.

Es kommt, wie es kommt. Warum ich hier so rumschwafel, hat auch einen Grund. Eigentlich bin ich zu befangen, um eine Rezension zu schreiben. Wir hatten grad ein „Verfassungsreferendum“, welches die Diktatur in der Türkei nun auch legitimiert. Weiterlesen

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Thomas Schweres: Die Abbieger

Alle Achtung vor der Rechercheleistung. Aber doch wohl geboren aus der unmittelbaren Wut oder auch Hilflosigkeit, was die Verkehrssituation im Ruhrgebiet, speziell auf unserem Ruhrschleichweg, die B1, oder später die A40, angeht. Jeder kann davon ein Lied singen. Grad vor einer Woche komme ich am Samstagmittag aus Krefeld und will zurück nach Dortmund. Der Klassiker. Dabei kein pöhlen angesagt, weder die Blauen noch die Schwarz- Gelben. Ich habe ja, wenn es geht, das Navi aus, aber man hofft ja, dass man irgendwie durch dieses Chaos relativ zügig geleitet wird. Am Arsch. Erst fragt mich die freundliche Stimme mit, ob ich wegen der zu erwartenden Verkehrshindernisse nicht umschwenken wolle, um fünf Minuten eher zu Hause zu sein. Ich sag ok, mach mal. So, auf geht’s zur A 42 – um dort eine Stunde zu stehen. Fehlte nur noch, dass sich das Navi noch entschuldigt. Das wäre schon absurd gewesen, aber lustig. So wie der vorliegende Krimi. Weiterlesen

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Rayk Anders: Eure Dummheit kotzt mich an

Gleich vorneweg: ich habe das Buch sehr genossen und es gerne gelesen. Da ich sowieso im selben Kulturbetrieb unterwegs bin – zwar habe ich keinen eigenen youtube Kanal, aber doch die Bühne als Forum, sowohl als Veranstalter als auch auf der Bühne – komme ich gleich zum Problem: wir schmoren im eigenen Saft. Mein guter Freund Volker Pispers hat (wahrscheinlich) aufgehört öffentlich aufzutreten, weil er es nicht mehr ertragen konnte, über 30 Jahre exzellent recherchierte Pointen in die vollen Säle tropfen zu lassen, um am Ende zu erleben, dass nichts Konsequenzen hatte. Das gipfelte in einer Art Publikumsbeschimpfung: „Nein, Sie sind nicht gemeint, sie haben ja eine Eintrittskarte für das politische Kabarett!“ Weiterlesen

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C. G. Robinson & G. F. Kovite: Der Krieg der Enzyklopädisten

Ein zerrissenes Buch, welches doch als Ganzes vor mir liegt. Ich habe diese Rezension lange vor mir her geschoben, will sagen, vor vier Monaten schon gelesen. Das zeigt auch, dass ich zwar nicht innerlich zerrissen bin, aber mein Urteil über den „Krieg der Enzyklopädisten“, sehr zwiespältig ist – aber letztendlich von mir doch positiv bewertet wird. Es ist eine neue Form, eine neue Idee ein Buch so zu schreiben.

Ich meine nicht die unterschiedlichen Schauplätze, sondern den Mut, zwei Autoren gewähren zu lassen, die bestimmt auch ihre unterschiedlichen Lebensdramen in diesem Buch verarbeitet haben. Weiterlesen

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Bodo Kirchhof: Widerfahrnis

Bodo Kirchhoff ist ein Meister der Beschreibung des schleichenden Unbehagens. Erst freut man sich mit den Protagonisten,  über ein vermeintliches Glück, das beiden, Julius Reither und Leonie Palm, Mitte der zweiten Halbzeit ihrer gelebten Leben und Dramen, verstörend zufällig zufällt, welches sich dann aber im Laufe dieser kleinen Flucht, na, sagen wir mal, relativiert.

Aus einem kalten Dorf, im ausgehenden Winter in Österreich brechen die beiden, einer Eingebung zufolge, im Auto auf nach Süden und landen tatsächlich nach drei Tagen in Sizilien. Leonie Palm, so der Name seiner Begleiterin, hatte ein Hutgeschäft und sich daran gesetzt, einen Roman zu verfassen. Weiterlesen

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Michel Bergmann: Weinhebers Koffer

Die Geschichte fängt ein wenig an wie Michael Endes Unendliche. Ein junger deutscher Jude, namens Elias, findet (in unserer Gegenwart) bei einem Berliner Trödelhändler einen interessanten alten Lederkoffer mit den Initialen L.W.. Neugierig geworden, ertastet  er in einer Ritze dieses Lederfossils einen Brief, der ihn auf die Spuren eines gewissen Leonard Weinhebers führt. Er recherchiert und findet heraus, dass dieser Weinheber ein Schriftsteller und Künstler war, der 1939 vor den Nazis, quasi im letzten Augenblick, fliehen konnte. Er wollte Palästina erreichen, wo seine junge Geliebte sehnsüchtig schon auf ihn wartet. Er erreichte also Marseille um nach Jaffa in Israel zu gelangen. Danach wird es rätselhaft auch für Elias Ehrenwerth, denn außer diesem Koffer, scheint es kein Lebenszeichen mehr von Weinheber zu geben. Weiterlesen

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Matthias Brandt: Raumpatrouille

raumpatroullieSchönes Buch. Viel Kindheitserinnerung aus einer Zeit in der ich auch groß geworden bin. Nun war mein Vater nicht Kanzler, aber eben Vater. Und wie Väter dieser Generation, in vielerlei Hinsicht psychisch labil, angegriffen. Geprägt von den Wirren der Zeit, vor, während und nach dem tausendjährigem Reich. Manchmal sprachlos, unnahbar fern. Nicht unbedingt wegen fehlender Liebe, eher wegen aufgebrauchter Empathie. Immerhin brachte es Willy doch noch zum wichtigsten Politiker dieser Zeit, eben zum Bundeskanzler.  Das ist für eine Kindheit nicht unbedingt schön. Aber Matthias, der einzige Sohn von Willy und Rut Brandt, macht tatsächlich das Beste daraus. Er benennt die gleichen Startschwierigkeiten ins Leben, ob es um die Schule ging, um den Sportverein oder ganz einfach die Suche nach Vertrauen und Freunde. Weiterlesen

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J. Paul Henderson: Letzter Bus nach Coffeeville

busNaja, das ist mal wieder ein Straßenroman, ein Unterwegsbuch oder auch ein roadmovie. Kann man bestimmt verfilmen. Allerdings würde ich nicht gerne das Drehbuch schreiben. Eine Truppe ist von irgendwo nach nirgendwo unterwegs und die jeweilige Geschichte der Teilnehmer dieses irren Trips wird bis in den letzten Winkel ausgeleuchtet. Hier würde es für eben ein Drehbuch schon schwer.  Soviel unglaubliches nimmt man mit auf diese Fahrt, und da weiß ich gar nicht wo man anfangen – und wo man aufhören soll. Weiterlesen

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Charles Hodges: Alte Schule

alteWas waren das für schöne Zeiten damals, als in den Siebzigern so wunderbare Detektiv – Serien im Fernsehen zu sehen waren wie Simon Templar, Detektiv Rockford oder als deutsches Pendant Percy Stewart. Diese alten Haudegen hatten eines gemeinsam: sie waren gleichzeitig elegant, gentlemenlike und Frauenhelden und damls noch recht ansehnlich. Gespielt von Roger Moore, James Garner oder Claus Wilcke. TV Hits mit teilweise über 50% Einschaltquoten. Jetzt sind 40 Jahre vorbei, und ich weiß nicht mal, ob die Herren überhaupt noch leben. Einer gibt jedenfalls nicht auf: Tom Knight, ganz Detektiv der alten Schule und er ist auch selbst hoch in den Siebzigern. Aber einer der das Leben liebt und den Frauen immer noch nachstellt. Weiterlesen

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