George Saunders: Zehnter Dezember

zehnWie von einem anderen literarischen Stern wirken einige der Kurzgeschichten von George Saunders – so originell, so witzig, so unterhaltsam, so tiefschürfend – schlicht so gut sind sie.

Im neuesten Band unter dem Titel „Zehnter Dezember“ gibt der 1958 geborene Englisch-Professor aus Amerika seinen Storys oft kleine irrationale Drehs, die aus Alltagsbegebenheiten etwas machen, das der Leser schwer fassen kann, das ihn mitunter verstört zurücklässt und diese Geschichten gerade deshalb so reizvoll macht – wie ein an ein Kruzifix erinnerndes Gestell, das ein ansonsten eher biederer Mann in seinem Garten zu jedem Anlass wie Thanksgiving oder Weihnachten passend schmückt. Und als seine Frau stirbt, verkleidet er es als Tod – und schon sieht der Leser den Mann mit anderen Augen. Weiterlesen

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Martin Becker: Der Rest der Nacht

marWeil sein Vater gestorben ist, muss ein junger Mann ins Dorf seiner Kindheit. Unter anderem will er sich um den Verkauf des elterlichen Hauses kümmern.
Soweit die harten Fakten, mit denen es aber in diesem Buch nicht sonderlich weit her ist. Immer wieder driftet die Handlung ins Surreale ab. So ist mehrfach die Rede von einer ominösen Zigarettenpapierfabrik, die das Haus wohl kaufen will, dann aber sonderbarerweise erst bezahlen will, wenn sie sämtliche Renovierungsarbeiten erledigt hat. Der Mann wiederum akzeptiert nur Bargeld, das er am Ende schließlich in einem Koffer erhält. Weiterlesen

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Saša Stanisic: Vor dem Fest

vorHumorvoll, poetisch und durchdrungen von einer tiefen Zuneigung zu den Figuren – so lässt sich wohl am besten der neue Roman – „Vor dem Fest“ heißt er – von Saša Stanišić beschreiben, eines 1978 geborenen Autoren, der erst im Alter von 14 Jahren mit seiner Familie aus dem heutigen Bosnien-Herzegowina vor dem jugoslawischen Bürgerkrieg nach Deutschland floh. Umso erstaunlicher ist es, welch souveräne Gewandtheit Stanišić in einer Sprache entwickelt hat, die nicht seine Muttersprache ist. Weiterlesen

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Scott Hutchins: Eine vorläufige Theorie der Liebe

eineMit künstlicher Intelliganz befasst sich Scott Hutchins‘ Roman „Eine vorläufige Theorie der Liebe“. Ein Mann namens Neill arbeitet in einer kleinen Firma, die versucht, einen Computer zu bauen, den unabhängige Juroren nicht von einem Menschen unterscheiden können. Der Computer wird mit einem 5000 Seiten dicken Tagebuch gefüttert, das Neills Vater vor seinem Selbstmord verfasst hat.

Den Wissenschaftlern gelingt es, den Computer immer menschenähnlicher zu machen, und so kreist der Roman um Fragen wie: Kann ein Computer denken? Kann er Gefühle wie Jähzorn oder gar Liebe entwickeln? Weiterlesen

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Sebastian Barry: Ein langer, langer Weg

wegEin Buch, das bereits 2005 auf der Shortlist für den Booker-Preis stand, ist nun endlich auch auf Deutsch erschienen: Sebastian Barrys „Ein langer, langer Weg“. Es beschreibt auf sehr eindringliche und emotional nahe gehende Weise den Horror des Ersten Weltkriegs. Wer sich also weniger für Schlachtenfolgen und nackte Fakten interessiert, dafür aber wissen will, wie schrecklich es in den Schützengräben Flanderns zwischen 1914 und 1918 für die beteiligten Soldaten wirklich war, der sollte entweder Erich Maria Remarques berühmtes „Im Westen nichts Neues“ oder eben diesen Roman lesen. Weiterlesen

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J. Courtney Sullivan: Die Verlobungen

silViel besser, als es das etwas kitschige Cover erwarten lässt, ist der Gesellschaftsroman „Die Verlobungen“ von Julie Courtney Sullivan.

Die 1982 geborene amerikanische Autorin, die Anfang 2013 mit ihrem Erstling „Sommer in Maine“ auch in Deutschland bekannt geworden ist, beweist, dass sie mit gleicher Glaubwürdigkeit über fünf vollkommen unterschiedliche Milieus schreiben kann. Eine akribische Recherche macht‘s möglich. Weiterlesen

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Ralf Heimann: Die tote Kuh kommt morgen rein

kuhWer schon einmal in der Lokalredaktion einer Zeitung gearbeitet hat, wird viel Spaß an Ralf Heimanns Roman „Die tote Kuh kommt morgen rein“ haben. Der 1977 geborene Redakteur der Münsterschen Zeitung beschreibt mit viel Humor und Fachkenntnis, wie es bei der Zeitung auf dem Dorf so zugeht. Da gibt’s den Taubenzuchtverein, der seine Meldung immer an gleicher Stelle veröffentlicht sehen will – und das auch durchsetzt –, das Foto mit dem sternhagelvollen Schützenkönig, die unvermeidlichen Straßenumfragen zum Wetter oder den freien Mitarbeiter, der schon seit 30 Jahren nicht gut schreibt. Über allem droht die ständige Themenflaute, die die Redaktion oft mit weniger spannenden Vorschlägen zu stopfen sucht. Weiterlesen

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Nora Gantenbrink: Verficktes Herz

noraDie 1986 geborene Stern-Journalistin Nora Gantenbrink erweist sich in ihrer Kurzgeschichten-Sammlung „Verficktes Herz“ als Meisterin des Liebeskummers.

In allen Variationen beleuchtet sie sehr glaubhaft und mit einer frechen, witzigen und jugendlich-frisch wirkenden Sprache das Gefühl, das entsteht, wenn einen der Liebste oder die Liebste verlässt.

Das nur knapp 160 Seiten dicke, aber aufwendig mit einem schönen Lesezeichen ausgestattete Büchlein eignet sich prima, um es auf den Nachttisch zu legen und immer mal wieder eine Geschichte zu genießen. Liest man die Storys an einem Stück, besteht vielleicht ein bisschen die Gefahr des emotionalen Overkills.

Nora Gantenbrink: Verficktes Herz.
rororo, Oktober 2013 .
160 Seiten, Taschenbuch, 12,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Andreas Schröter.

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Frank Goosen: Raketenmänner

rakRundum sympathisch und warmherzig wirken die 16 Storys in der Geschichtensammlung „Raketenmänner“ des 1966 geborenen Bochumer Autors Frank Goosen.

Die analog zum Titel durchweg männlichen Hauptfiguren sind dabei allerdings kaum auf dem steilen Weg nach oben wie eine Rakete – im Gegenteil: Sie stehen oft an einem Scheideweg, finden sich in den Realitäten, in denen sie leben, nicht zurecht. Goosens Helden sind Jedermänner und wirken gerade deswegen so lebensecht. Weiterlesen

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Charles Bukowski: Noch mehr Aufzeichnungen eines Dirty Old Man (1967)

charZwischen den 60er und 80er Jahren hat der berühmt-berüchtigte amerikanische Kultautor Charles Bukowski oft wöchentlich für verschiedene Zeitschriften seine „Notes of a Dirty Old Man“ geschrieben. Kein Wunder also, dass es auch 20 Jahre nach seinem Tod noch immer Texte von ihm gibt, die noch nie ins Deutsche übersetzt und veröffentlicht worden sind.

Einen Teil dieser Lücke schließt nun eine neue Geschichtensammlung, die unter dem Titel „Noch mehr Aufzeichnungen eines Dirty Old Man“ bei Fischer Klassik erschienen ist. Weiterlesen

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