Joan Sales: Flüchtiger Glanz (1956)

Sales_24910_MR.inddDer Hanser-Verlag traut sich in diesem Herbst an einen 570-Seiten-Wälzer, der ihm womöglich nicht die ganz hohen Auflagenzahlen bescheren wird, ist sein vordergründiges Thema – der spanische Bürgerkrieg – doch mittlerweile arg weit weg, zumal für deutsche Leser: Joan Sales‘ „Flüchtiger Glanz“.

Und doch gilt gerade dieses Werk, das im katalanischen Original zuerst 1956 erschienen ist, und nun also endlich auf Deutsch vorliegt, vielen Literaturkennern als einer der wichtigsten Romane des 20. Jahrhunderts. Zum einen verleiht er der in diesem Krieg unterlegenen republikanischen Seite erstmals eine Stimme, zum anderen ist der Krieg über weite Strecken lediglich Hintergrund-Kulisse. Weiterlesen

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Richard Ford: Frank

frankWie schön: Frank Bascombe ist wieder da! – jener leicht zynische Alltagsheld, der nun schon im vierten Roman des Amerikaners Richard Ford die Hauptfigur gibt.

Schlicht „Frank“ heißt das neue nur 224 Seiten dünne und wieder von Frank Heibert übersetzte Büchlein, in dem Bascombe einige Menschen wiedertrifft, die in seiner Vergangenheit eine Rolle gespielt haben: einen Mann, dem er einst sein Strandhaus verkaufte, das nun aber vom Hurrikan Sandy zerstört worden ist, seine Ex-Frau Ann, die an Parkinson leidend in einem Seniorenheim lebt, und einen alten Freund, der ihm auf dem Sterbebett ein unschönes Geheimnis anvertraut. Und dann gibt‘s noch eine unerwartete Besucherin, die Bascombe eine Horrorgeschichte erzählt … Weiterlesen

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Willy Vlautin: Die Freien

wilyEin Buch aus Amerika zieht den Leser auf der ersten Seite in seinen Bann und lässt ihn bis zum Ende nicht mehr los: Willy Vlautins „Die Freien“.

Der 1967 geborene Sänger (der Folkrockband Richmond Fontaine), Songschreiber und Autor hat ein Herz für die einfachen Menschen, die eher am unteren Ende der amerikanischen Gesellschaftsskala stehen. Sie müssen kämpfen, um über die Runden zu kommen. Weiterlesen

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Aharon Appelfeld: Ein Mädchen nicht von dieser Welt

appelDer jüdische Autor Aharon Appelfeld greift in seinem neuen Roman „Ein Mädchen nicht von dieser Welt“ dasselbe Thema auf wie in seinem vorigen Werk „Auf der Lichtung“ (2014): Menschen verstecken sich gegen Ende des Krieges vor den Nazis im Wald.

Appelfeld, mittlerweile 83 Jahre alt, hat selbst etwas Deratiges erlebt: Er versteckte sich im Krieg als Junge zeitweise in den ukrainischen Wäldern, nachdem seine Mutter getötet und er vom Vater getrennt worden war.
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Richard Flanagan: Der schmale Pfad durchs Hinterland

landEin äußerst beeindruckender Roman kommt vom australischen Autor Richard Flanagan: „Der schmale Pfad durchs Hinterland.“ Hat man ihn gelesen, versteht man sofort, warum das englischsprachige Original 2014 mit dem renommierten britischen Booker-Prize ausgezeichnet worden ist.

Im Mittelpunkt stehen die menschenunwürdigen Zustände australischer Kriegsgefangener im Zweiten Weltkrieg, die für die Japaner eine Eisenbahnlinie von Siam nach Burma bauen mussten – und dabei wie die Fliegen starben. Weiterlesen

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Jonathan Franzen: Unschuld

unschuldJonathan Franzen kann schreiben, über was er will – hervorragend ist es immer. Der 1959 geborene Amerikaner arbeitet in einer höheren Liga als 99 Prozent seiner schriftstellernden Zeitgenossen. Es ist unglaublich, wie psychologisch genau, wie plastisch, wie nachvollziehbar und wie fein er seine Figuren zeichnet.

In seinem neuen Werk „Unschuld“, das erfreulicherweise schon fünf Jahre nach „Freiheit“ erscheint (zwischen den „Korrekturen“ und „Freiheit“ hatten neun Jahre gelegen), verfolgt der Autor seine Figuren wieder über mehrere Jahrzehnte. Weiterlesen

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Carl Frode Tiller: Kennen Sie diesen Mann?

carlsEinem Roman aus Norwegen liegt ein interessantes Konzept zugrunde. Jemand namens David, der aber im gesamten Roman nur indirekt in Erscheinung tritt, hat sein Gedächtnis verloren.

Um ihm auf die Sprünge zu helfen, sollen ihm nahe stehende Menschen Briefe schreiben, in denen sie ihm aus seinem Leben erzählen. Freund Jon, Stiefvater Arvid und Freundin Silje tun das, sodass sich das Buch in drei Teile gliedert. Die werden aber nicht nur von den Briefen selbst gebildet, sondern auch von Episoden aus der Gegenwart dieser Menschen, was die Idee verwässert. Weiterlesen

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Lisa O’Donnell: Die Geheimnisse der Welt

lisaLisa O‘Donnells Roman „Die Geheimnisse der Welt“ ist komplett aus der Sicht eines Elfjährigen geschrieben, obwohl es kein Kinderbuch ist. Dieser literarische Trick hat Vorteile: Man sieht die Ereignisse durch die unverstellte, gradlinige, frische und manchmal etwas naive Sicht eines Kindes. Und Nachteile: Ähnlich wie Eltern, die den ganzen Tag nur mit Kindern zu tun hatten, sich abends nach einem Gespräch unter Erwachsenen sehnen, wünscht sich der Leser mit wachsender Seitenzahl, doch bitte endlich wieder in den Kopf einer älteren Figur eintauchen zu dürfen. Weiterlesen

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Ma Jian: Die dunkle Straße

jianEinen äußerst beeindruckenden Roman über das Leben der kleinen Leute im ländlichen China legt der 1976 geborene chinesischstämmige Autor Ma Jian vor.

Weil die Bäuerin Meili zum zweiten Mal schwanger ist, muss sie mit ihrem Mann Kongzi und Tochter Nannan aus ihrem Dorf vor den Behörden fliehen, die die chinesische Ein-Kind-Politik durchsetzen. Die Regierungs-Angestellten tun das mit äußerst brutalen Mitteln. So schrecken sie auch vor Zwangsabtreibungen nicht zurück. Ma Jian, der seit 1999 in England lebt, schont sein Lesepublikum nicht – auch solche Szenen beschreibt er mit aller Deutlichkeit. Das macht seinen Roman intensiv und transparent. Da wird nichts verschleiert oder verharmlost. Weiterlesen

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Hyeonseo Lee: Schwarze Magnolie

hyeNordkorea gilt als das Land auf der Erde, in dem die Menschenrechte am wenigsten gelten. Wer beim Tod des „geliebten Führers“ nicht genügend trauert, kommt in ernsthafte Schwierigkeiten. Für kleine Vergehen werden die Menschen gefoltert oder sogar öffentlich hingerichtet.
All das beschreibt die gebürtige Nordkoreanerin Hyeonseo Lee mit Hilfe des Autors David John anschaulich in ihrem Buch „Schwarze Magnolie“. Es wird klar, wie Kinder bereits im Kindergartenalter auf Regierungskurs getrimmt werden. Kein Fach später in der Schule wird ohne politische Propaganda gelehrt. Und weil sie es nicht anders kennen, wehren die Menschen sich nicht. Es gibt keine Opposition. Weiterlesen

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