Jonathan Franzen: Unschuld

unschuldJonathan Franzen kann schreiben, über was er will – hervorragend ist es immer. Der 1959 geborene Amerikaner arbeitet in einer höheren Liga als 99 Prozent seiner schriftstellernden Zeitgenossen. Es ist unglaublich, wie psychologisch genau, wie plastisch, wie nachvollziehbar und wie fein er seine Figuren zeichnet.

In seinem neuen Werk „Unschuld“, das erfreulicherweise schon fünf Jahre nach „Freiheit“ erscheint (zwischen den „Korrekturen“ und „Freiheit“ hatten neun Jahre gelegen), verfolgt der Autor seine Figuren wieder über mehrere Jahrzehnte. Weiterlesen

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Carl Frode Tiller: Kennen Sie diesen Mann?

carlsEinem Roman aus Norwegen liegt ein interessantes Konzept zugrunde. Jemand namens David, der aber im gesamten Roman nur indirekt in Erscheinung tritt, hat sein Gedächtnis verloren.

Um ihm auf die Sprünge zu helfen, sollen ihm nahe stehende Menschen Briefe schreiben, in denen sie ihm aus seinem Leben erzählen. Freund Jon, Stiefvater Arvid und Freundin Silje tun das, sodass sich das Buch in drei Teile gliedert. Die werden aber nicht nur von den Briefen selbst gebildet, sondern auch von Episoden aus der Gegenwart dieser Menschen, was die Idee verwässert. Weiterlesen

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Lisa O’Donnell: Die Geheimnisse der Welt

lisaLisa O‘Donnells Roman „Die Geheimnisse der Welt“ ist komplett aus der Sicht eines Elfjährigen geschrieben, obwohl es kein Kinderbuch ist. Dieser literarische Trick hat Vorteile: Man sieht die Ereignisse durch die unverstellte, gradlinige, frische und manchmal etwas naive Sicht eines Kindes. Und Nachteile: Ähnlich wie Eltern, die den ganzen Tag nur mit Kindern zu tun hatten, sich abends nach einem Gespräch unter Erwachsenen sehnen, wünscht sich der Leser mit wachsender Seitenzahl, doch bitte endlich wieder in den Kopf einer älteren Figur eintauchen zu dürfen. Weiterlesen

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Ma Jian: Die dunkle Straße

jianEinen äußerst beeindruckenden Roman über das Leben der kleinen Leute im ländlichen China legt der 1976 geborene chinesischstämmige Autor Ma Jian vor.

Weil die Bäuerin Meili zum zweiten Mal schwanger ist, muss sie mit ihrem Mann Kongzi und Tochter Nannan aus ihrem Dorf vor den Behörden fliehen, die die chinesische Ein-Kind-Politik durchsetzen. Die Regierungs-Angestellten tun das mit äußerst brutalen Mitteln. So schrecken sie auch vor Zwangsabtreibungen nicht zurück. Ma Jian, der seit 1999 in England lebt, schont sein Lesepublikum nicht – auch solche Szenen beschreibt er mit aller Deutlichkeit. Das macht seinen Roman intensiv und transparent. Da wird nichts verschleiert oder verharmlost. Weiterlesen

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Hyeonseo Lee: Schwarze Magnolie

hyeNordkorea gilt als das Land auf der Erde, in dem die Menschenrechte am wenigsten gelten. Wer beim Tod des „geliebten Führers“ nicht genügend trauert, kommt in ernsthafte Schwierigkeiten. Für kleine Vergehen werden die Menschen gefoltert oder sogar öffentlich hingerichtet.
All das beschreibt die gebürtige Nordkoreanerin Hyeonseo Lee mit Hilfe des Autors David John anschaulich in ihrem Buch „Schwarze Magnolie“. Es wird klar, wie Kinder bereits im Kindergartenalter auf Regierungskurs getrimmt werden. Kein Fach später in der Schule wird ohne politische Propaganda gelehrt. Und weil sie es nicht anders kennen, wehren die Menschen sich nicht. Es gibt keine Opposition. Weiterlesen

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Tim Glencross: Barbaren

barDer britische Autor Tim Glencross nimmt in seinem überzeugenden Debütroman „Barbaren“ die englische Oberschicht am Ende der Blair-Ära aufs Korn. Die Vertreter aus Politik, Kunstwelt und Wirtschaft kommen darin allesamt schlecht weg. Sie lügen und lavieren sich durchs Leben, sie gehen über Leichen, um ihre beruflichen Ziele zu erreichen.

Die einzig sympathische Figur in dem 400-Seiten-Schmöker ist die haltlose Dichterin Buzzy, die verzweifelt versucht, Anschluss an die Welt der Großen zu erhalten, von diesen aber in der Regel nur als Randfigur wahrgenommen wird. Weiterlesen

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Augusto Cruz: Um Mitternacht

augoEiner der berühmtesten Stummfilme, die heute als verschollen gelten, heißt „Um Mitternacht“ aus dem Jahr 1927. Regisseur war Tod Browning.

Der 1971 geborene mexikanische Autor Augusto Cruz nimmt diesen filmgeschichtlichen Fakt als Ausgangspunkt für einen Roman, in dem er einen Privatdetektiv auf die Suche nach dem verschollenen Streifen schickt.
Immer wieder vermischt der Autor dabei Fakten und Fiktionen, lässt real existierende Personen etwas erleben, das sie im wahren Leben nicht erlebt haben. Darf man das eigentlich? Es ist zumindest bedenklich. Weiterlesen

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Ralf Rothmann: Im Frühling sterben

ralfEinen eindringlichen Roman über das Ende des Zweiten Weltkriegs aus Soldatensicht hat Ralf Rothmann geschrieben. Der 1953 geborene Autor schildert, wie kurz vor Kriegsende noch 17-jährige Jungs für die Waffen-SS eingezogen werden, um dann in Ungarn nahe der Front einen vollkommen aussichtslosen Dienst in Dreck und Kälte zu tun. Der unmittelbar bevorstehende Sieg der Alliierten liegt für jeden sichtbar längst auf der Hand. Weiterlesen

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Hartmuth Malorny: Begegnung in Turin

turinArthur und Sabine haben sich im Internet kennen gelernt. Problem: Die beiden wohnen über 1000 Kilometer voneinander entfernt. Er in Dortmund, sie in Turin. Nach endlosen E-Mails, beschließt Arthur, seines Zeichens Sonderreiniger, seine Fernbeziehung zu besuchen.

Schnell merken die beiden, dass das Leben zu zweit in Wirklichkeit viel schwieriger ist als via Internet: Während Nichtraucherin und Katzenliebhaberin Sabine gern früh schlafen geht und zum schnelleren Einschlafen rigoros „ihre Tropfen“ nimmt, wacht Kettenraucher Arthur erst in der Nacht so richtig auf – auch um sich dann den einen oder anderen Joint zu gönnen. Weiterlesen

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Danny Wattin: Der Schatz des Herrn Isakowitz

isaIn dem autobiografischen Roman „Der Schatz des Herrn Isakowitz“ widmet sich der schwedische Autor Danny Wattin dem Schicksal seiner jüdischen Familie unter den Nazis. Einigen Mitgliedern gelang damals die Flucht aus Deutschland nach Schweden.

Der Roman springt zwischen Nazi-Vergangenheit und Gegenwart, in der Vater, Sohn und Enkel eine Reise ins polnische Kwidzyn unternehmen, dem früheren Marienwerder. Dort lebte ein Teil der Familie bis in die 40er-Jahre. Der Familienlegende nach hat einer der Vorfahren im Garten einen Schatz vergraben, um ihn vor den Nazis zu verstecken. Und den wollen die drei heutigen Familienmitglieder nun heben. Weiterlesen

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