Ambrose Parry: Die Tinktur des Todes

Ins düstere Edinburgh zur Mitte des 19. Jahrhunderts entführt uns der historische Krimi eines Autorenduos, das unter dem Pseudonym Ambrose Parry schreibt.

Der junge Will Raven kommt als Gehilfe zu einem angesehenen Frauenarzt, der mit verschiedenen Möglichkeiten der Betäubung experimentiert. Zugleich kommen in der Stadt immer wieder schwangere Frauen unter rätselhaften Umständen ums Leben. Raven und das gewitzte Dienstmädchen Sarah machen sich gemeinsam an die Aufklärung der Todesfälle.

Ambrose Parry – dahinter verbirgt sich der Autor Christopher Brookmyre und seine Frau, die Anästhesistin Marisa Haetzman – ist ein spannender, atmosphärisch dichter und vielschichtiger Krimi gelungen. Weiterlesen

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Volker Jarck: Sieben Richtige

Der deutsche Autor Volker Jarck schreibt in seinem Debütroman „Sieben Richtige“ über die Leben mehrerer Menschen, die sich zwischen Bochum, Köln und Boston immer mal wieder begegnen. Ein solches Romankonstrukt findet sich auch in den Werken etwa von Kent Haruf oder Elizabeth Strout.

Da ist zum Beispiel die kleine Greta, die beim Fahrradfahren einen schweren Verkehrsunfall erleidet und damit auch das Leben ihrer Eltern Kathy und Roland aus der Bahn wirft. Oder Victor und Marie Faber: Er besucht seinen Sohn Nick, der in Amerika erfolgreich Baseball spielt, während sie sich scheiden lassen will und eine Krebsdiagnose erhält.

Auf der ersten Seite des Romans werden allein 21 Figuren aufgezählt, die ihn bevölkern. Und das ist viel – gelegentlich zu viel, um als Leser noch den Überblick zu behalten, zumal Jarck auch zeitlich wild durch die Jahrzehnte springt. Mal befinden wir uns in den 80er-Jahren des vorigen, mal in den 30er oder 40ern des aktuellen Jahrhunderts – mit Sprüngen immer nach wenigen Seiten. Weiterlesen

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Tom Barbash: Mein Vater, John Lennon und das beste Jahr unseres Lebens

Tom Barbash, ein US-amerikanischer Autor siedelt seinen Roman „Mein Vater, John Lennon und das beste Jahr unseres Lebens“ Ende der 70er-Jahre in Manhattan an. Adam Winter versucht, die Karriere seines Vaters Buddy, eines Showmasters, wieder in Gang zu bringen. Der hatte eine Art Nervenzusammenbruch und hat mitten in einer Live-Sendung das Studio verlassen. Nun jedoch möchte er wieder arbeiten. Die Familie lebt im berühmten Dakota-Building, wo zahlreiche Prominente wie die Filmschauspielerin Lauren Bacall oder Beatle John Lennon mit Yoko Ono wohnen. Auch für den Horrorfilm „Rosemary’s Baby“ diente das Gebäude als Kulisse.

Man liest diesen Roman locker weg und freut sich an den zeitgeschichtlichen Einsprengseln, zum Beispiel an der Präsidentschafts-Kandidatur Ted Kennedys, für die sich Adams Mutter engagiert, an der Samstagsabends-Show mit der amerikanischen Fernseh-Legende Johnny Carson, an den vielen Prominenten wie Katherine Hepburn, die in den verschiedenen Fernseh-Shows ihre Geschichten erzählen, und natürlich an John Lennon, mit dem Adam einen gefährlichen Segeltörn unternimmt Weiterlesen

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Philipp Winkler: Carnival

Eine Hommage an die gute alte Kirmes und die Menschen, die dort arbeiten, ist Philipp Winklers kurzer Roman „Carnival“. Er erweckt die Schwertschlucker und Messerwerfer, die Zuckerwatte und das Riesenrad, den Schießstand und das Kettenkarussell zum Leben und beschreibt das Ganze als etwas, das im Grunde zu einer untergegangenen Zeit gehört. Mit den Vergnügungen von heute in Multiplexkinos oder an der Playstation hat das nur noch wenig gemein.

Dabei werden die „Kirmser“ als eine eingeschworene Truppe dargestellt, die geradezu in einer anderen Welt leben als die Besucher – die „Marks“ und „Steifen Jonnys“ –, auf deren Geld sie so dringend angewiesen sind.

Der Star in diesem Roman ist eindeutig die Sprache. Winkler nähert sich seinem Thema auf eine fast poetische Weise, die eine große Zärtlichkeit für die oft unglücklichen Gestalten mit trauriger Vorgeschichte ausdrückt, die mit einer Kirmes durch die Lande ziehen. Weiterlesen

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David Szalay: Turbulenzen

In seinem schmalen Roman „Turbulenzen“ erzählt der kanadisch-britische Autor David Szalay zwölf kleine Geschichten von Menschen, die sich zwar zufällig begegnen, deren unterschiedliche Schicksale aber ansonsten wenig miteinander zu tun haben. Immer geht es dabei ums Fliegen. Und so sind auch die einzelnen Kapitel nach Flugrouten betitelt: „Von London nach Madrid“ oder „Von Madrid nach Dakar“.

In der ersten Geschichte erleidet eine ältere Dame einen Zusammenbruch. Sie kehrt vom Besuch ihres Sohnes zurück, der an Prostatakrebs erkrankt ist. Im Flugzeug neben ihr sitzt ein senegalesischer Geschäftsmann, der in Dakar erfahren muss, dass sein Sohn einen Motorradunfall hatte. Wegen dieses Unfalls kommt ein Flugkapitän zur spät zur Arbeit. Und so geht es immer weiter, bis sich am Ende der Kreis schließt und wir mit dem letzten Flug von Budapest nach London wieder bei dem an Krebs erkrankten Mann ankommen.

So gesehen ist dieser Roman nicht nur eine Reise um die Welt sondern zugleich eine literarische Anordnung wie in Arthur Schnitzlers Klassiker „Reigen“. Weiterlesen

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Karine Tuil: Menschliche Dinge

Was passiert, wenn die Welt der Reichen, Schönen und Erfolgreichen plötzlich Risse bekommt, das seziert die 1972 geborene französische Autorin Karine Tuil aufs Allerfeinste.

In ihrem sehr lesenswerten Roman „Menschliche Dinge“ sieht sich der Elitestudent Alexandre Farel plötzlich mit einem Vergewaltigungsvorwurf konfrontiert. Er stammt aus einem priviligierten Elternhaus, in dem der berufliche Erfolg über allem steht. Sein Vater ist der egoistische und skrupellose Fernsehmoderator Jean, der sich mit deutlich jüngeren Geliebten vergnügt und für den beruflichen Erfolg über die sprichwörtlichen Leichen geht. Seine Mutter ist die erfolgreiche feministische Sachbuch-Autorin Claire. Auch diese beiden Figuren und ihr (verkorkstes) Liebesleben spielen eine zentrale Rolle im Roman.

Dann läuft eine Party, bei der Drogen und Alkohol im Spiel sind, aus dem Ruder. Alexandre bedrängt die völlig unerfahrene Mila sexuell, die aus einem streng gläubigen jüdischen Elternhaus stammt. Sie ist völlig verzweifelt und erstattet Anzeige. Weiterlesen

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Richard Russo: Sh*tshow: Erzählung

Nachdem in diesem Jahr mit „Jenseits der Erwartungen“ bereits ein großer Roman des amerikanischen Schriftstellers Richard Russo erschienen ist, lässt der Dumont-Verlag nun noch ein schmales Bändchen unter dem Titel „Sh*tshow“ aus seiner Feder folgen. Der Text darin ist kein Roman, sondern eher eine Erzählung.

​Darin geht‘s um drei Paare, deren Leben sich nach der Wahl Trumps zum US-Präsidenten verändert. Gegenseitiges Misstrauen kommt auf (haben wirklich alle Freunde für Hillary gestimmt?), und die Ehe von David und Ellie scheint zu zerbrechen, nachdem Ellie im Whirpool menschliche Fäkalien gefunden hat. Nach weiteren Funden dieser Art wird sie fast paranoid und weigert sich, weiterhin im gemeinsamen Haus zu leben.

Richard Russo, der bekannt ist für seine groß angelegten psychologisch aufs Genaueste nachgespürten Gesellschaftsepen, geht hier vergleichsweise sparsam zu Werke. Seine Figuren charakterisiert er nur kurz, weil ihm diesmal die Aussage, die hinter dieser Parabel steckt, wichtiger ist als die Psychologie: Ein von Fäkalien beschmutztes Haus ist wie ein Land, in dem jemand wie Donald Trump Präsident werden kann. In beidem möchten und können nicht alle unbeschwert weiterleben. Weiterlesen

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Taylor Jenkins Reid: Daisy Jones and The Six

Rockfans müssen „Daisy Jones and The Six“ lesen. Dieser Roman, den Autorin Taylor Jenkins Reid aus (fiktiven) Interview-Schnipseln zusammengesetzt hat, ist das derart authentisch wirkende Porträt einer Rockband aus den 70er-Jahren, dass man ständig versucht ist, bei Google nachzuschauen, ob es die Gruppe nicht doch gegeben hat. Nein, hat es nicht. Aber nach der Lektüre dieses Buches wünscht man sich, es hätte sie gegeben und man könnte sich ihre alten Songs irgendwo anhören. Bekannt ist allerdings, dass die Autorin viel über Fleetwood Mac recherchiert hat.

Als die wilde und eigensinnige Daisy Jones mit der rauchigen Stimme zu „The Six“ stößt, sind die eine aufstrebende Band mit ersten Erfolgen. Aber erst die Zusammenarbeit katapultiert die Musiker in ungeahnte Höhen.

Doch es gibt Probleme im zwischenmenschlichen Bereich: Daisy und Bandleader Billy fühlen sich zueinander hingezogen, Billy jedoch will keinesfalls seine Ehe aufs Spiel setzen. Eine Zerreißprobe beginnt. Schwierigkeiten bereitet den beiden auch ihr Drogen- und Alkohol-Konsum. Weiterlesen

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Bernd Cailloux: Der amerikanische Sohn

Der Berliner Schriftsteller Bernd Cailloux schickt in seinem autobiographisch geprägten Roman „Der amerikanische Sohn“ den Ich-Erzähler in die USA. Eine Stiftung hat ihn nach New York eingeladen. Aber zugleich bietet diese Reise für ihn eine Möglichkeit, seinen erwachsenen Sohn zu treffen, der in den Staaten lebt. Zuvor hatte er nie Kontakt zu ihm. Die Mutter, mit der er vor über 30 Jahren eine kurze Affäre hatte, hat sich wenig später mit dem gemeinsamen Sohn nach Jamaica und dann in die USA abgesetzt.

​Der Ich-Erzähler ist das, was man heute als Alt-68er bezeichnen würde – ein ehemaliger Hippie, der in dieser Zeit eine Firma für Stroboskope aufgezogen hat.

„Der amerikanische Sohn“ ist ein lakonisch und humorvoll erzählter Roman, der von den zahlreichen Erinnerungen des Protagonisten lebt. Sie legen die vielen Widersprüchlichkeiten in seinem Leben genauso frei wie die eines Landes wie den USA. Weiterlesen

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Richard Russo: Jenseits der Erwartungen

Drei ältere Herren treffen sich für ein Wochenende an genau dem Ort wieder, an dem sie auch schon vor über 40 Jahren zusammen waren: in einem Häuschen in Chilmark auf Martha‘s Vineyard. Mit einem entscheidenden Unterschied: Damals war auch die freche und lebenslustige Jacy mit von der Partie, in die alle drei Jungs verliebt waren.

Doch seit diesem Wochenende fehlt jede Spur von Jacy. Was ist aus ihr geworden? Ist sie womöglich einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen? Hat der unsympathische Nachbar oder gar einer der Jungs etwas damit zu tun? Könnte es sein, dass sie auf dem Anwesen in Chilmark begraben ist?

​Doch ein Krimi, nach dem sich das anhören mag, ist Richard Russos Roman „Jenseits der Erwartungen“, der aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird, nur zu einem kleinen Teil. Weiterlesen

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