„Mein Vater war Gärtner. Jetzt ist er ein Garten.“ Selten fasst ein erster Satz so präzise zusammen, was ein Buch leistet. Georgi Gospodinovs Roman ist ein stilles, poetisches, sehr persönliches Buch über einen Vater, einen Sohn und den Versuch, Abschied in Sprache zu fassen. Seine größte Stärke liegt in der emotionalen Genauigkeit und in der Fähigkeit, aus einzelnen Erinnerungen ein lebendiges Bild entstehen zu lassen. Seine Herausforderung liegt aber genau an der gleichen Stelle: in der Intensität, mit der er Trauer ausleuchtet. Ich habe es als berührend und zugleich emotional fordernd erlebt.
Im Zentrum steht das Sterben des Vaters, eines leidenschaftlichen Gärtners, doch erzählt wird keine lineare Geschichte. Stattdessen setzt sich das Bild aus Erinnerungen, Anekdoten, Eigenarten und Momentaufnahmen zusammen. Die Zeit verliert dabei an Bedeutung und bleibt doch im Garten verankert. Der Garten als Ort, der Leben, Arbeit und Vergänglichkeit verbindet.
Eine interessante Ebene ist Gospodinovs Reflexion über Väter in der Literatur. „Über Väter schreibt es sich schwer“, meint er. Mütter sind in der Literatur häufig Erinnerungsfiguren. Väter hingegen bleiben oft abwesend, streng, stumm oder symbolisch. In Gospodinovs Geschichte erscheint der Vater glaubwürdig, warm, eigenwillig, manchmal humorvoll, manchmal verletzlich.
