„Freunde fürs Leben“ ist ein Roman, der sich nicht damit begnügt, eine Geschichte zu erzählen. Fredrik Backman versucht, ein Lebensgefühl einzufangen: jene Sommer der Jugend, die endlos wirkten, das Lachen mit Freunden, das damals selbstverständlich schien und später zu etwas wird, dem man ein Leben lang nachspürt. Für mich war die Lektüre gleichermaßen berührend und herausfordernd.
Im Zentrum stehen vier junge Menschen an einem Wendepunkt ihres Lebens. Es geht um Freundschaft, Zugehörigkeit, Selbstfindung und die Frage, wie sehr Herkunft, Erwartungen und gesellschaftliche Umstände unsere Zukunft prägen. Obwohl der Roman im Sommer spielt, ist er keine leichte Sommerlektüre. Vielmehr ist er eine Zeitreise zurück in jene Jahre, in denen alles möglich schien und sich gleichzeitig die ersten Grenzen und Abgründe auftaten. Die Handlung bewegt sich dabei auch ganz real durch verschiedene Orte und erhält dadurch den Charakter eines Roadtrips, der jedoch vor allem eine Reise zu sich selbst ist.
Typisch für Backman ist der Tonfall: emotional, manchmal schmerzhaft ehrlich, aber immer wieder durchzogen von Witz und Wärme. Gerade diese Mischung macht einen großen Teil seiner Wirkung aus. Besonders gelungen fand ich auch den Blick nach innen. Wie denken Jugendliche über die Welt? Was nehmen sie wahr, das Erwachsene längst übersehen? Welche Hoffnungen, Ängste und Verletzungen tragen sie mit sich herum? Backman nähert sich diesen Fragen mit Empathie und Ernsthaftigkeit. Seine Figuren fühlen sich an wie Menschen, die man gekannt haben könnte.
ada-gode
Rüdiger Bertram, Mateo Dineen: Ninas Monster: Falsch geliefert
Die meisten Kinder kennen die Vorstellung von Monstern unter dem Bett. Nina dagegen hat ein ganz anderes Problem: Sie wünscht sich sehnlichst ein Beschützer-Monster an ihrer Seite. Schon dieser Perspektivwechsel macht Ninas Monster – Falsch geliefert zu einem erfrischenden Kinderbuch, das bekannte Motive auf dem Kopf stellt. Wer eine warmherzige, fantasievolle Geschichte mit viel Witz, liebenswerten Figuren und charmanten Illustrationen sucht, dürfte hier gut unterhalten werden.
In Ninas Welt lassen sich Monster ganz unkompliziert aus einem Katalog bestellen. Doch wie der Titel bereits verrät, läuft nicht alles nach Plan. Ohne zu viel vorwegzunehmen: Es geht um Wünsche, enttäuschte Erwartungen, Freundschaft und darum, aus unerwarteten Situationen das Beste zu machen. Deshalb finde ich das Buch besonders geeignet für Grundschulkinder und für Eltern, die gemeinsam mit ihren Kindern lachen möchten.
Georgi Gospodinov: Der Gärtner und der Tod
„Mein Vater war Gärtner. Jetzt ist er ein Garten.“ Selten fasst ein erster Satz so präzise zusammen, was ein Buch leistet. Georgi Gospodinovs Roman ist ein stilles, poetisches, sehr persönliches Buch über einen Vater, einen Sohn und den Versuch, Abschied in Sprache zu fassen. Seine größte Stärke liegt in der emotionalen Genauigkeit und in der Fähigkeit, aus einzelnen Erinnerungen ein lebendiges Bild entstehen zu lassen. Seine Herausforderung liegt aber genau an der gleichen Stelle: in der Intensität, mit der er Trauer ausleuchtet. Ich habe es als berührend und zugleich emotional fordernd erlebt.
Im Zentrum steht das Sterben des Vaters, eines leidenschaftlichen Gärtners, doch erzählt wird keine lineare Geschichte. Stattdessen setzt sich das Bild aus Erinnerungen, Anekdoten, Eigenarten und Momentaufnahmen zusammen. Die Zeit verliert dabei an Bedeutung und bleibt doch im Garten verankert. Der Garten als Ort, der Leben, Arbeit und Vergänglichkeit verbindet.
Eine interessante Ebene ist Gospodinovs Reflexion über Väter in der Literatur. „Über Väter schreibt es sich schwer“, meint er. Mütter sind in der Literatur häufig Erinnerungsfiguren. Väter hingegen bleiben oft abwesend, streng, stumm oder symbolisch. In Gospodinovs Geschichte erscheint der Vater glaubwürdig, warm, eigenwillig, manchmal humorvoll, manchmal verletzlich.


