Tibor Rode: Animal: Sprich oder stirb

Der Hamburger Rechtsanwalt und Notar Tibor Rode schreibt sehr erfolgreiche True-Science-Thriller. Mit seinem aktuellen Thriller Animal packt er ein Thema an, das bereits das Leben vieler Menschen beeinflusst hat. Noch vor einigen Jahren waren Veganer und Vegetarier Außenseiter und wurden im besten Fall belächelt. Heute hat sich die Ernährungsindustrie auf deren Bedürfnisse eingestellt und verdient damit viel Geld.

Bei der Tierhaltung ist dies nicht so einfach, und darüber handelt unter anderem die Geschichte der Zuchtsau Rosa. Aktivisten haben das Tier in erster Linie aufgrund ihrer Identitätsnummer ausgesucht, die mit den Zahlen 269 endet.

2012 wurde in Israel ein Kalb von Tierschützern vor der Schlachtung gerettet. Bei einer öffentlichen Aktion ließen sich drei Männer die Zahl 269 in ihre Haut brennen. Danach wurden die drei Zahlen zu einem Symbol der Fleischindustrie. Weiterlesen →

Yavuz Ekinci: Die, deren Träume zerbrochen sind

Anstelle des Nachwortes ist unter anderem zu lesen: „Zum Zeitpunkt der Drucklegung dieses Buches ist der Roman in der Türkei noch immer verboten, und Yavuz Ekinci drohen weiterhin 7 Jahre Haft. (S. 157 eBook)

Sein Roman erzählt die fiktionale Geschichte seines Hauses, seines Dorfes und seines Landes. „Es ist die Geschichte von Menschen, die nach ihren Söhnen, Töchtern, Vätern Ausschau halten … Es ist die Geschichte endlosen Wartens.“ (S. 160 eBook)

Die eigentliche Geschichte des Ich-Erzählers Hewal, einem nach Deutschland ausgewanderten Lehrer, beginnt an dem Tag, als sein jüngster Bruder, ohne ein Wort zu sagen oder zu schreiben, verschwindet. An diesem Tag veränderte sich das Leben der Familie und des Erzählers. Das Warten auf ein Lebenszeichen wird zur Marter, weil schon so viele Menschen für ihren Freiheitskampf gestorben sind. Für Hewals Vater muss es natürlich ein Ventil für seine maßlose Wut und den Verlust eines geliebten Menschen geben, jemanden, der für seine Sorgen verantwortlich ist. Wer wäre da nicht besser geeignet, als der älteste Sohn, der aus Feigheit und Angst den Weg in die Berge nicht gegangen ist. Seit diesem Tag fühlt sich Hewal für Yusufs Verschwinden schuldig. Er fühlt sich mitschuldig, weil bereits so viele aus seinem Umfeld gestorben sind. Auch für ihn sind sie gestorben. Genauso wie der Freund, der ihm zur Flucht verhalf. Weiterlesen →

Katharina Herzog: A Taste of Cornwall: Eine Prise Liebe

Ein unterhaltsamer, stimmungsvoller Roman vor der traumhaften Kulisse Cornwalls. Wenn Sie noch nicht dort gewesen sind, macht das Buch auf jeden Fall Lust, mal hinzufahren. Die Charaktere des Buches kann man sich herrlich in dieser Gegend vorstellen. Ein bisschen knurrig, verschroben und schroff, Fremden gegenüber erst einmal abweisend – oder abwartend? -, aber dann entdeckt man durchaus einen herzlichen Menschen unter der rauen Schale.

Diese Erfahrung macht auch Sophie, gefeierte Restaurantkritikerin aus London, die „es vermasselt“ hat. Mit einer echt bösen Kritik über ein neu eröffnetes Restaurant eines berühmten Models, einem harschen Verriss, hat sie im Netz einen Shitstorm ausgelöst, dessen Konsequenzen sie jetzt tragen muss. Harry, ihr Chef bei „Food Network“, der zunächst noch meinte: super! Die Klicks für den Sender gehen durch die Decke, rudert schnell zurück und ändert seine Meinung in „was hast du dir dabei nur gedacht?“ Wenn Sophie das nur noch so genau wüsste! Weiterlesen →

P. Djèlí Clark: Die toten Katzen-Assassinen

Willkommen in Tal Abisis, einer Metropole, in der Orient und Okzident aufeinanderstoßen. Hier, an den Ufern eines Flusses, wird gehandelt, gefeiert und gemordet. Hier werden Reichtümer erworben, Missionen ausgesandt und Ambitionen begraben. Und hier, genau hier, leben die Götter.

Eine dieser Gottheiten, Aeril, offeriert ihren Gläubigen eine Art Todesknechtschaft. Wer den Vertrag mit der Göttin unterschreibt und sich für 100 Jahre an sie bindet, wird von den Toten wiedererweckt. Alle Erinnerungen an das frühere Leben werden gelöscht, atmen muss man nicht mehr, und auch Genuss ist – wenn auch eingeschränkt, da man weniger fühlt – weiterhin möglich. Doch es braucht stets mehr von allem: mehr Essen, mehr Alkohol, mehr Drogen, mehr Sex. Weiterlesen →

Michael Römling: Die Stadt der Auserwählten

Ein historisch fundierter, fesselnd geschriebener Roman über eine Zeitspanne von weniger als zwei Jahren, in denen die Stadt Münster das wohl willkürlich gewählte Zentrum der sogenannten Wiedertäufer war, eine eigentlich von der Grundeinstellung friedliche religiöse Gemeinschaft, die in Münster „das neue Jerusalem“ errichten wollten, in dem sie das nahende Ende der Welt erwarten wollten. Die Zahl ihrer Anhänger wuchs stetig und bald kam es in der Stadt zu Konflikten, die später nicht mehr gewaltlos waren. Aus Bürgern, die bisher friedlich zusammengelebt und gearbeitet hatten, wurden recht schnell Konkurrenten – im Glauben wie im alltäglichen Leben. Es kam zu blutigen Auseinandersetzungen, zur Belagerung der Stadt durch den Bischof und seine Truppen, zur Verteidigung im Innern.

Das ist das Setting für Michael Römlings neuen Roman. Jakob, Vertrauter der Brüsseler Statthalterin Maria, der Schwester des Kaisers, bekommt von ihr den Auftrag, ein junges adliges Mädchen nach Hause zurückzuholen, das sich – man könnte sagen aus Übermut oder Langeweile – dem wohl charismatischen Anführer der Wiedertäufer angeschlossen hat und mit ihm aus den Niederlanden verschwunden ist. Weiterlesen →

Nina George: Die geheime Sehnsucht der Bücher

„Im Prinzip, dachte Francoise, im Prinzip sind Menschen ein Hochhaus mit ganz vielen Klingelschildern. Und dann kommt ein Buch und drückt vielleicht drei oder vier von hundert möglichen Klingeln. Beim mir bimmelt’s im Oberstübchen und bei anderen im siebten, also gehen Bücher durch ganz andere Türen bei Leuten rein und raus, wieso soll ich denen was vom 24. Stock erzählen, wenn die gar nicht wissen, was da los ist?“ Ich finde, Francoise hat recht. Unbedingt.

Nicht jedes Buch kommt bei jedem gleich gut an, löst die gleichen Gefühle aus, lässt die gleichen Bilder im Kopf entstehen. Sie kennen das sicher auch, dass Sie einfach im Moment nicht in Stimmung sind für ein bestimmtes Buch, in ein paar Tagen oder Wochen kann das ganz anders sein. Und eben das ist die Idee hinter der „Pharmacie Littéraire“, die der Buchhändler Jean Perdu auf einer einfachen „péniche“ eingerichtet hat. Eine Apotheke „für alle Gefühle, für die es sonst keine Arzneien gibt. Heimweh zum Beispiel. Er meint, es gäbe da unterschiedliche Arten. Geborgenheitsverlangen, Familiennostalgie, Abschiedsangst oder Liebessehnsucht“. Und das ist nur eins von x-tausend verschiedenen. Weiterlesen →

Asia Mackay: A serial killer’s guide to marriage

Ist das der Sommer der Serienkillerinnen? Nach „My Life as a Serial killer“ nun die brave Hausfrau, die das Dasein als Serienkillerin schmerzlich vermisst. Eine sehr unterhaltsame, mal rasante, mal etwas zähe Story, die sich allerdings nicht als Eheratgeber empfiehlt.

Mal aus der Sicht von Hazel, mal aus der von Ehemann Fox verfolgen wir das Geschehen. Beide waren mal sehr effiziente und nie entdeckte Serienkiller, haben sich sozusagen gesucht und gefunden. Es war Liebe auf den ersten Mord, es folgten Hochzeit, Kind, Haus, braves Eheleben, Langeweile.

In diesem Leben stecken die beiden nun fest, Vorstadtsiedlung, Besuche und Gegenbesuche der Nachbarn, Kindergartengruppen, Yogakurse, Töpfern, Shoppen, Langeweile. Vor allem Hazel vermisst ihr früheres Leben sehr. Das Leben, das beide aufgaben ihrer Tochter zuliebe, denn was sollte aus ihr werden, würden beide Eltern wegen Mordes gefasst und verurteilt. Also wählten sie dieses langweilige Leben. Er als Vermögensberater, sie als Künstlerin, die sie mal war und wieder sein möchte. Weiterlesen →

Sharon M. Peterson: The Fake Out

Das Buch ist eine unaufregende, unterhaltsame RomCom, die meiner Meinung nach ein bisschen mehr Pepp hätte haben können.

Ausgerechnet in der Bibliothek, in der Mae arbeitet, versteckt sich NFL-Star Chris vor seinen Fans. Er ist ärgerlich hot, schrankbreit und gilt als Sexiest Man Alive. Verdammt unsympathisch, findet Mae.

Dann überredet Chris sie zu einem Buchclub – er liest ebenso gern RomComs wie Mae –, und die beiden kommen sich näher. Bis ein dubioses Foto von ihm in der Presse auftaucht und er ihr plötzlich die eine Frage stellt, die Mae nur aus ihren Liebesromanen kennt: Hat Chris sie gerade ernsthaft gefragt, ob sie ihn heiraten will? Weiterlesen →

Alena Schröder: Alles muss man selber falsch machen

Witzig, lebensnah, kurz und knackig

Alena Schröder, gefeiert für Ihren Generationen-Roman „Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid“ schreibt seit Jahren als Journalistin und Kolumnisten für die Brigitte und das SZ-Magazin. In dieser Textsammlung ist das „Best-of“ ihrer literarischen Alltagsbetrachtungen versammelt. Die in Berlin lebende Autorin – nach außen hin groß, selbstbewusst, mit großer Klappe und souverän vor Publikum – offenbart in 52 kurzen Geschichten eine ganz andere Seite ihrer Persönlichkeit. Sie zeigt, wie sie an den einfachen und schwierigen Fragen des Alltags knabbert, mitunter scheitert und sich wieder aufrappelt. Das Leben in all seiner Ernsthaftigkeit liest sich wunderbar heiter. Sie werden schmunzeln und Tränen lachen. Je nach Grad der persönlichen Betroffenheit. Ob Rudermaschine, pubertierende Kinder, Krafttiere mit Imageproblem, gemeine KI und fehlender Penisknochen beim Cis-Mann: Die Autorin macht sich Gedanken über die wirklich wichtigen Fragen und lässt dabei kein Fettnäpfchen aus. Eine Gute-Laune-Kolumnensammlung, perfekt für den Reisekoffer sowie für regnerische Tage auf dem Sofa. Und natürlich als Geschenk für die beste Freundin. Weiterlesen →

Doris Knecht: Ja, Nein, Vielleicht

Will ich einen neuen Mann in meinem Leben? Ja, Nein, Vielleicht

Die Österreicherin Doris Knecht (Jahrgang 1966) ist Journalistin und Schriftstellerin. Ihre letzten beiden Romane „Die Nachricht“ (2021) und „Eine vollständige Liste aller Dinge, die ich vergessen habe“ (2023) haben wir an dieser Stelle bereits besprochen. Am 22. Juli 2025 erschien bei Hanser Berlin ihr neuer Roman mit dem Titel „Ja, Nein, Vielleicht“.

Ein Zahn geht verloren, das Ende naht

In „Ja, Nein, Vielleicht“ sucht die Ich-Erzählerin wegen starker Zahnschmerzen ihren Zahnarzt auf, der ihr eröffnet, dass der Zahn leider nicht mehr zu retten ist. Diese Nachricht erinnert die Hauptfigur, eine Frau Mitte Fünfzig, an ihre Vergänglichkeit.: „Ich verliere einen Zahn: Es ist eine Katastrophe.“ (S. 22) Während sie mehrere Termine bei einer Parodontologin wahrnehmen muss, erfahren wir als Lesende mehr über ihr Leben. Eine ihrer Schwestern, Paula, quartiert sich in ihrer Stadtwohnung in Wien ein. Sie selbst zieht sich mit ihrem Hund Mulder zum Schreiben in ihr Sommerhaus auf dem Land zurück. Weiterlesen →