Frank Goosen: Lovely Rita

In Lovely Rita bleibt der Bochumer Autor Frank Goosen seiner vertrauten Erzählweise und seinen Themen treu. Im Mittelpunkt steht diesmal das „Haus Himmelreich“, eine der letzten echten Kneipen ihrer Art – mit durchgesessenen Barhockern, Nikotinschatten an den Wänden und Gästen, die seit Jahrzehnten dieselben Plätze einnehmen. Doch nun soll das legendäre Lokal schließen. Für den Ich-Erzähler, der einen Abschiedsartikel schreiben will, werden die letzten beiden Abende zu einer Reise durch Erinnerungen, Gespräche und Geschichten. Sie alle kreisen um eine Frau, die gar nicht anwesend ist: Rita Urbaniak, die Wirtin. Seit den 1970er-Jahren hat sie das Himmelreich geführt, ihre schrulligen Stammgäste durch Hochzeiten und Herzschmerz begleitet und sogar ihre Nichte großgezogen. Doch wo bleibt Rita am vorletzten Abend?

Wer die Romane Frank Goosens mag, wird auch diesen mögen. Lovely Rita ist ein typischer Goosen: Der Roman beschwört eine stimmige Ruhrpott-Atmosphäre herauf – wenn auch eine, die es vor ein paar Jahrzehnten wohl häufiger gab als heute. Alles liest sich leicht, locker und humorvoll. Man spürt die große Zuneigung des Autors zu seinen Figuren und meint beim Lesen fast, den Geruch von Bier und Zigaretten in der Nase zu haben.

Wer dagegen schon immer weniger mit Goosens Büchern anfangen konnte, wird sich auch hier an bekannten Kritikpunkten stoßen. Der Roman ist erneut deutlich rückwärtsgewandt und setzt stärker auf Ruhrpott-Nostalgie als auf ein realistisches Bild des Reviers im Jahr 2026. Natürlich tauchen auch diesmal die vertrauten Goosen-Motive auf: die ZDF-Hitparade der 70er, die Oma mit dem Kissen am Fenster, der ewige Spruch „Draußen gibt’s nur Kännchen“. Das ist charmant, keine Frage – doch manches wirkt allzu bekannt und bleibt letztlich etwas oberflächlich. Goosen kommt mitunter von „Höcksken auf Stöcksken“ und verliert darüber erzählerische Tiefe.

Trotzdem bleibt festzuhalten: Lovely Rita ist ein typischer, liebenswert ruhrpöttischer Goosen-Roman – melancholisch, warmherzig und voller Herz für die kleinen Leute zwischen Tresen, Thekendunst und Erinnerungen. Für Fans ist das ein Stück Heimat, für Skeptiker der Beweis, dass der Autor seinem Erfolgsrezept treu bleibt – im Guten wie im Gewohnten.

Frank Goosen: Lovely Rita
Kiwi, Februar 2026
256 Seiten, gebundene Ausgabe, 23 Euro

Diese Rezension wurde verfasst von Andreas Schröter.

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